Lesen reiche dem Leser

Heutzutage hat sich die Forderung weitestgehend durchgesetzt, der Schreibende solle immer an den Leser denken.

Nur, „den Leser“, den gibt es nicht.

Und was bringt man denn, handelt es sich nicht um ein Lehrbuch oder einen mediokren Krimi oder Arztroman, noch zuwege, wenn man immerzu an den vermutlich im Schnitt etwas begriffsstutzigen Leser denkt?

Ich setze den Fall, dass Friedrich Nietzsche in diesem Sinne nie an „den Leser“ dachte. Sonst wäre wohl kaum etwas seines Werkes entstanden, am wenigsten der Zarathustra.

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Mathematiker und Physiker (III)

Nun aber holt der Mathematiker zum Schlag aus und erklärt dem Physiker, dass er Laus ohne Gauss noch nicht einmal wüsste,  was er alles nicht wisse.

Der, daraufhin, nicht faul, meint einfach, damit habe es auch einmal einen zweifellos nützlichen Mathematiker gegeben, wovon aber ohnehin, von den erkennbaren physikalischen Gesetzen her, irgendwann einer auftreten müsse. Womit Gauss eine Zwangsläufigkeit der Natur sei.

Ja  nu.

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Mathematiker und Physiker (II)

Es war einmal ein Dichter, der wollte die ganze Erklärung der Welt in einem Vers wissen.

Dann kam ein anderer, der wollte das auch.

Die beiden fühlten sich von keinerlei anderen Dichtern in ihrem Suchen bedrängt.

Der eine war ein Mathematiker, der andere ein Physiker.

Schließlich, nach hartem Ringen,  obsiegte der Physiker.

Denn der verstund den anderen wenigstens leidlich in dessen Tun und Zielen, umgekehrt aber war da wenig.

Auch wusste der Physiker die Welt viel mehr als ganzes Gebilde zu betrachten.

Zudem gab er den Menschen fühlbar mehr.

Die Geschichte ist trotzdem noch nicht zuende.

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Schuhwerksweisheit

Unterhielt ich mich mit einem weithin hoch geachteten Meister, dessen Fach zwar Holz und Instrumentenbau und nicht Leder und Schuhe, der aber schon viel zu Fuß unterwegs war, über gutes Schuhwerk.

Er nach einigem Austausch über Juchtenleder- und Finnenstiefel undsoweiter schließlich knapp: „Nicht ich laufe mit meinen Schuhen, meine Schuhe laufen mit mir.“

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In Russland alles bei der Alten

Schon merkwürdig, das mit den Russen. In jeder Zeitung steht, was das für übele Machos und Chauvis, dabei haben die Frauen dort den Längeren.

Der Nikolayev den kürzeren als die Nikolayeva, ein Artemiev als eine Artemieva, und dazu sind es auch noch Evas.

Womit auch klar, wer da wen verführt.

In Russland ist halt in Wirklichkeit immer noch alles bei der Alten.

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Schafgasse 1 in Hammelburg

Da ist mir gerade meine alte Werbung für meine Nachhilfeschule in Hammelburg wieder in die Hände gefallen. Die hatte ich an der Hauswand auf einer Tafel angebracht, unten „NACHHILFE – Die TAUGT!“, mittig ein grünes Unendlichkeitszeichen und oben zwei laminierte A4-Blätter quer, die großen Anfangsbuchstaben in Rot (leicht aktualisiert):

 

Lebendiges sich vorstellen aus allen Zeiten

Eigenes Denken in Geschichten erleben

Selber in alle denkbaren Welten fliegen

Eigene Bilder im Kopfe schaffen

Natur und sich selbst erkennen

 

Bereitsein

Innigkeit

Lernen

Denken

Unternehmen

Neusuchen

Geist

 

Manche nahmen das ernst.

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Rätsel Zufall

Eine der schwierigsten Fragen ist jene nach dem Zufall.

Da gibt es Leute, die meinen, Zufälligkeit in dem Sinne, wie der Normalmensch den Begriff versteht, das gäbe es gar nicht.

Alles, was geschähe, habe man nunmal karmisch oder durch sein Verhalten angezogen, das ganze Konzept sei von unilluminierten Köpfen verbreiteter Quatsch, ja halte die ganze Menschheit unten. Von dieser einseitigen Sichtweise halte ich nichts.

Dass es aber, andererseits, Verbindungslinien gibt, die uns mitunter bestimmte „Zufälle“ bringen, uns unerklärliche oder zumindest schwer erschließbare, allein schon über unser Hinschauen und Hinhorchen oder eben nicht, ob tumben, stumpfen Vorbeigehens, was viele Fälle in unsere Wahrnehmung und damit Wirklichkeit bringt oder eben auch nicht, bezweifle ich nicht im mindesten. Es gibt da, meine ich, Dinge zwischen Himmel und Erde, manche nennen es Magnetismus oder morphische Felder oder Liebe oder Bestimmtheit, die zumindest ich noch sehr unzulänglich erschlossen und begriffen habe.

Gut, das war schon lang und breits genug dazu; vorläufig kann ich nur sagen, dass sich jeder, zumal hinsichtlich Vorfällen, die höchst eigenartig, selber seinen Reim machen möchte.

Aber noch mit der Einschränkung, vielmehr dem Rat zur Vorsicht, dass es ja jeden Tag Milliarden möglicher Zufälle für jeden gibt, also, dass diese alle denkbaren und auch uns noch nicht denkbaren Möglichkeiten bieten, sich als etwas ganz Besonderes auszugeben und zu tarnen. Der Zufall birgt eben das Zufällige und das im herkömmlichen Sinne Nichtzufällige. Das ist, was ihn so tückisch macht, deshalb haben wir daran so viel zu rätseln.

 

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