Vom Warnen des Feindes

Es heißt gemeinhin, man solle seine Feinde nicht warnen, es sei denn man ist so deutlich überlegen, dass man sie damit einschüchtern und zum Einlenken beziehungsweise zur Unterwerfung zwingen kann. Natürlich dürfe man ihnen auch falsche Warnungen geben, um sie irrezuführen, unsicher zu machen, ihnen Verbündete vorgaukeln, die man gar nicht hat, oder derer man sich zumindest nicht sicher, oder ob sie zu gewinnen, und dergleichen mehr.

Wovon selten die Rede aber, das ist, Feinde zu warnen, die gar nicht wissen, dass sie sich feindselig verhalten, dass sie vielleicht nur Werkzeuge, weil die bewussten Feinde sie lenken, sich ihrer Ressentiments, ihres Neides, einer Eifersucht, irgendwelcher Schwächen bedienen, um sie als Hilfsfeinde bestenfalls endlich zu echten Feinden zu machen.

Natürlich kann auch hier die Warnung wirken, sie könnten Schaden erleiden, machten sie so weiter, doch geht die Sache in diesem Falle gewissermaßen tiefer. Denn sie sind durch eine Warnung – die auch darin bestehen kann, dass man sie deutlich nicht mehr ernst nimmt – viel eher auf sich selbst, ihre Verstricktheit, ihre eigenen wahren Interessen zu lenken. Hier ist Irreführung viel seltener angebracht. Ein wenig in Verwirrung setzen ja. Das mag dem gewünschten Erkenntnisprozess dienen. Als geübter und anerkannter Prediger kann man das natürlich alles perfekt. Oder auch doch nicht.

Mit dem Zwietracht säen, damit ist sehr vorsichtig umzugehen, denn das schlägt leicht doppelt zurück. Damit haben nicht nur schon gewiefteste Weiber vor ihren ärgsten Rivalinnen verloren.

Aber wir waren ja bei der eigentlichen Warnung.

Schon ein Schweigen nicht nur an einem Punkt, wo selbstverständlich Zustimmung vorausgesetzt, ist eine Warnung. So eben auch ein Nichtmehrreden zu dem, wozu erwartet, dass man ohnehin gerne rede und sich erkläre. Oder eben ein nur noch sehr knappes, dabei gelassenes, abgeklärtes, dabei frohgemutes, vielleicht auch etwas säuerlich dazu Reden.

Sun Tzu stimme ich dahingehend uneingeschränkt zu, dass man keinerlei Vogelflugschau in den eigenen Reihen dulden solle, selbst wo die Reihen nur aus einem selber bestehen.

Auch beim Warnen nicht, meine ich ergänzend.

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Mein Dank für Können und Sorgfalt!

Ich will mich heute einmal bei allen bislang hier aufgetretenen Kommentatoren dafür bedanken – es sind noch keine Milliarden, der Blog ist noch jung, zudem wäre es dann sicherlich nicht so – , dass sie sich redlich darum bemüht haben, es auch fast durchgängig hinbekommen, hier ein sauberes Deutsch hinzulegen, nicht den nachlässigen, gleichgültigen Wortschrot, den man anderwo im Netz regelhaft vorfindet. Ich freue mich darüber sehr.

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Vom Gedankenlesen

Ich halte es durchaus für möglich, dass Außerirdische oder auch „nur“ Menschen teilweise oder sogar ziemlich durchgängig Gedanken lesen können. Vom teilweise lesen können oder einfach so Erfassen weiß ich von Menschen nicht nur aus kaum nachprüfbaren Berichten sondern aus erstaunlicher Erfahrung.

Was ich aber stark bezweifle, das ist, dass irgendeiner, und sei er ein Gott, schon meine nächsten Gedanken im voraus gelesen haben kann. In der Zukunftsvergangenheit sozusagen. Zuwenigst nicht alle und wahrscheinlich bis zumindest womöglich nicht einmal die entscheidenden.

Damit, meine ich, kann sich mich keiner einfach so für seine Ziele oder auch nur zum eitlen Vergnügen zurechtrechnen.

Es wird einer natürlich sehr wahrscheinlich darin richtig liegen, dass ich mich fürchten werde, steht plötzlich ein einhundertzwanzig Kilo schwerer MMA-Büffel mit einem schweren Eisenrohr vor mir und grinst mich sehr bösartig damit schon wedelnd an.

Was ich dann mache, weiß er aber doch nicht.

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Vom Geschlechtslug im Netz

Ich bin hier auf diesem meinem neuen Blog natürlich binnen eines guten halben Jahres von Kommentatoren noch nicht so viel belogen worden wie zuvor in gut sechs.

Verschiedentlich habe ich mir aber schon wieder die Frage gestellt, wer mir als Apollo111 oder Apolline222 leichter lange das falsche Geschlecht vorlügen könne, ein Mann oder eine Frau? Wie viele Zeilen, wie viele Texte, bis dass ich es erst zuerst rieche, mir dann endlich mit bis an Sicherheit grenzender Gewissheit darüber klar?

Es ist natürlich so, dass ich mit vermutlichen Kommentatorinnen viel länger noch einigermaßen freundlich umgehe, selbst wenn sie offenkundig schon angefangen haben zu lügen und mich zudem anzuranzen oder insgesamt zu vehohnepiepeln trachten, als mit vermutlichen Kommentatoren. Vielleicht ist das doof, aber ich bin in manchen Dingen nunmal etwas altmodisch.

Es ist auch sicherlich nicht nur doof, denn es birgt auch Vorteile. Die verrate ich jetzt nicht. Wer ein bisschen geradeaus denken kann und ein wenig ums Eck dazu, der sollte das kleine Rätsel schnell lösen können.

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Von weisen Menschen (II)

Ich habe im ersten Teil nunmehr reichlich genug selbstnachkommentiert, also jetzt der zweite.

Weise Menschen werden leicht zur Projektionsfläche von Wütenden und Missratenen: es trifft sie der Fluch der Projektion Zukurzgekommener.

Sie sind wandelne Mahnung und Warnung. Dafür werden sie von vielen gehasst. Üble Machthaber wollen ihnen sowieso immer an den Kragen.

Verleumdung ist oft ihr täglich Brot. Gut bezahlte Arbeit gibt man ihnen sehr ungern, nur in höchster Not. Zumal Priester machen sie zu Aussätzigen oder lassen sie in den Kerker werfen oder bringen sie auf den Scheiterhaufen.

So gesehen ist es kein Wunder, dass es so wenige weise Menschen gibt. Die Gefahr ist einfach groß.

Weise Menschen kennen aber auch ein Glück, von dem nur wenige außer ihnen auch nur ansatzweise eine Ahnung haben. Sie brauchen keine Religion, denn sie sind schon bei sich selbst.

Sie haben Freude an allen schönen Dingen. Als Mann achten sie auch das Weib und umgekehrt. Doch nicht übers Maß.

Sie sehen, so sehr sie die Zeit zwingen mag, vieles überzeitlich. Ihre Sinne bleiben scharf, selbst wenn ihr Alter sie schon geschwächt. Denn sie lassen einfach nicht nach.

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Von weisen Menschen

Ich kenne ein paar Männer, die sich für weise halten. Einer von denen, obzwar ich keineswegs immer mit dem einig, der ist es aus meiner Sicht mindestens teils, mag sein viel mehr, und er hält sich selber wohl nur ein Stück weit schon für weise. Ein zweiter scheint mir nicht weit davon weg. Der ist auch einfach klar und in keiner Weise hochmütig oder eingebildet.

Der Erstgenannte hat schon etwas, das mitunter wie Hellsicht anmutet. Der andere durchschaut mich auch fast jederzeit, scherzt also lieb wie frei dazu, und vieles andere mehr sofort.

Die wiederum anderen, die haben noch keine echte Größe entwickelt, sind damit teils kleinlich, einer davon lügt sogar gerne, ein herausragender wissenschaftlicher Kopf ansonsten, rein zu seinem Vergnügen. Vor mir hat er ein wenig Angst, denn er weiß, dass ich das weiß. Der ist nicht weise.

Weise Frauen habe ich vermutlich drei gekannt.

Zwei davon sollten noch leben, doch weiß ich auch das nicht mit Bestimmtheit.

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Drecksgeiz

Mit am meisten schäme ich mich vor mir selber, wenn ich merke, dass ich in irgendeiner Weise geizig werde. Keine mir entgegenbrachte Bosheit, keine schwere Verletzung, keine Enttäuschung, keine Demütigung, keine erfahrene Grausamkeit kann diese Dreckspest rechtfertigen.

Manche Menschen sind so gut zu mir, dass das schon alles dazu sagt.

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