Flüchtlinge oder Geflüchtete: Weißrussland oder Belarus?

Bisher begnügte man sich mit der Lüge, die Massen, die schlicht in die soziale Hängematte Deutschland wollen, oder Schlimmeres gar, werden in bewusster Fälschung darunter subsumiert.

Auf einmal aber beginnt man, die „Flüchtlinge“ als „Geflüchtete“ zu bezeichnen. Was stimmt an der alten Bezeichnung jetzt wieder nicht?

Noch verrückter die Sache mit Weißrussland. Hieß auf Deutsch immer so. Jetzt häuft sich in den Medien dafür das in unserer Sprache bislang völlig unübliche „Belarus“. Klingt das schrecklicher? Oder gibt es gar einen Zusammenhang, siehe Link?

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/fluechtlinge-migranten-polen-belarus-100.html

Taucht derlei Unfug plötzlich in verschiedensten großen Publikationen auf, so ist die Sprachverhunzung kaum ein Zufall; da kommt nicht irgendein Spinner auf eine solch hunzgrandiose Idee, und alle anderen schreiben halt begeistert ab.

Dass Burma inzwischen Myanmar heißt, Ceylon Sri Lanka, Obervolta Burkina Faso und Rhodesien Simbabwe, steht auf einem ganz anderen Blatt. Diese Länder wollten nach der Entkolonialisierung schlicht ihre eigenen Namen haben. Das ist mit „Belarus“ nicht vergleichbar.

Man hat auch „Corona“ gegen „Covid-19“ eingetauscht. Der Volksmund spricht aber immer noch nicht so. Obzwar bald jeder wusste, dass im Zusammenhang nicht die ganze Coronafamilie unter die für uns gefährlichen Viren fällt.

Hinter diesen und anderen willkürlichen Verschiebungen steckt offenkundig keine Sorge um eine gute Pflege der deutschen Sprache, sowas wird in aller Regel in ganz anderer Absicht von Profis ausbaldowert. Und selbst in so offenkundigen Fällen wie „Geflüchtete“ und „Belarus“ scheint kaum einer das zu merken, jedenfalls sagt so gut wie keiner was.

Schließlich ist Sprache nur Schall und Rauch. Was sollten da ein paar Begriffsverwirrungen und verfälschende Umwertungen von Wörtern schaden?

(Achja: Das alte „Muselmane“ oder „Muselmann“ ist lange außer Gebrauch. „Mohammedaner“ blieb geläufig, meist sagte jeder „Moslem“. Dann tauchten vor ein paar Jahren auf einmal der „Muslim“ und die „Muslima“ auf, einfach so, und heute halten sich in Medien und Öffentlichkeit praktisch alle daran. Einfach so. „Muslim“ klingt wohl sublimer als „Moslem“. Der größte Teil des Volkes sagt aber immer noch „Moslem“. Das wird schon noch wegerzogen.)

Nachtrag 11.10.

Eben fand ich vom Deutschlandfunk noch das.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/rassismus-die-haessliche-fratze-lebt-fort.1005.de.html?dram:article_id=503958&utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Der gute Mann will eine große Säuberung der Vergangenheit. Reicht das bis ins Mittelalter, gar bis zu griechischen und römischen Schriften? Zitat des Fazits:

„In diesem Sinne erscheinen ein Großteil unseres gesamten Wissens über die vergangenen Jahrhunderte und die seit Generationen verinnerlichten Bilder des „Anderen“ eine Art Archives of repressions zu sein. Das Tragische dabei ist, dass solche Quellen oft auch die Stimmen der Opfer vereinnahmen, denn sie sind die einzigen, die uns heute zur Verfügung stehen.

Solang wir mit solchen Archiven hantieren, hindern wir als Gesellschaft und als Land uns massiv selbst daran, den Herausforderungen der globalen, mobilen Welt gerecht zu werden. Mit der Erwartung, wir müssten doch die Schlaubis sein, werden wir zahlreiche Menschen mitten unter uns als Fremde erleben. Mehr noch, wir werden uns selbst fremd bleiben.

Jenseits des tagesaktuellen Tauziehens nach den Bundestagswahlen wünsche ich mir von der Politik mehr Anreize dazu, systematisch in Bildungsprogrammen, im Umgang mit Sammlungen in öffentlichen Museen, aber auch mit (Reise-)Literatur und journalistischer Berichterstattung, den von machtgetränkten Projektionen überfüllten Narrativen über die „Anderen“ entgegenzutreten.“

Einfach alles entsorgen. Und zwar hoch professionell. Kann ja keinem Kinde schaden.

 

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