Karle und Michel feig und untätig

Karle und Michel, unsere wackeren Patrioten, indem sie das Projekt Undercover in der Hardcore-Antifakneipe bis zur Abheilung von Michels Handgelenk erstmal verschoben haben, wollen nicht untätig bleiben, zumal Michel, der es immer noch nicht verwindet, dass es der Knauf eines Regenschirmes einer Omi war, der ihn nur bedingt einsatzfähig gemacht.

Lange brütend, Michel endlich: „Karle, wir sollten mal was machen, was richtig großen Stil hat. Wir könnten mal eine richtige Antifanten-False-Flag aufziehen.“ „Ja? Weißt du noch, wie du beim dokumentarischen Abzwicken ebenjener AfD-Plakate, die du selber aufgehangen hattest, schier von der Polente erwischt wurdest, indem die wahrscheinlich von der Antifa einen Tipp bekam?“ „Oh hör mir damit auf. Ich weiß was Besseres. Bei der AfD kommen wir locker rein, ich bin ja Mitglied. Mitten in der Hauptrede stehen wir auf und schreien aus Leibeskräften „Deutschland verrecke!“. Und „Nazipack!“. Undsoweiter. Das wäre doch großartige Aktionskunst, zumal wenn dann rauskommt, dass wir es wirklich nur ironisch, mit dem Finger auf die Antifa, gemeint haben.“

Oh du Schafskopf, du meinst, das fände irgendwer witzig?“ „Die Ordner von der AfD würden sich nicht trauen, uns zusammenzuschlagen, da bin ich mir ziemlich sicher. Die dürfen das nicht, und das wissen sie. Ich mache mich meinetwegen allein zum Esel, und du filmst nur.“

Das ist dir klar, dass die AfD dich dafür hochkant rausschmeißt?“ „Als echter Patriot bin ich bereit, auch dieses Opfer zu bringen.“

Ich filme nicht.“ „Und du willst ein Patriot und Freund sein. Feigling!“ „Ich gehe da gar nicht hin.“ „Verräter! Dann gehe ich auch nicht hin!“ „Selber Feigling.“

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Karle und Michel und die Plakatdoku

Karle Klempner sieht Michel Mull beim Kleben von Plakaten für die AfD. „Michel, du Depp, heute Nacht sind die alle in fünf Minuten mit dem Seitenschneider abgezwackt, und dein Parteiheld da, der liegt mit der Fresse im Blättermatsch. Wenn die Stadtreinigung keinen Bock hat ein paar Tage. Oder räumst etwa du die Sauerei dann weg?“ „Ich mache aus der Sauerei eine Doku, gegen die Antifanten.“ „Und wenn sie sie gar nicht zwicken?“ „Dann helfe ich nach.“ „Wie bitte, du willst die eigenen Plakate abzwicken, um es der Antifa in die Schuhe zu schieben? Die zwicken doch so schon genug ab!“ „Ja, aber je mehr, umso besser für meine Doku.“ „Da hast du nun auch wieder recht. Hast du denn wenigstens einen anständigen Seitenschneider? Lass mal sehen. Das Ding da?“ „Was hast du gegen meinen Seitenschneider? Du meinst etwa, die Antifa hat bessere?“ „Aber mit Sicherheit, mit einem vernünftigen Seitenschneider sind die mindestens doppelt so schnell wie du.“ „Das heißt ja, dass meine Doku unrealistisch werden könnte, wegen der Geschwindigkeit der Plakatschändungen?“ „Exakt.“ „Karle?“ „Ja, ich geh schon und hole dir ein anständiges Werkzeug.“

(Ich habe diesen Textteil aus „Von alten und von neuen Witzen“ herüberkopiert, da ich einzelne Späße doch lieber unter „Schönes“ sehen will, diesen hier zumindest auch.)

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Omis schlagen Karle und Michel in die Flucht

Karle Klempner und Michel Mull haben sich auf das Wochenende gut vorbereitet. Es geht darum, anlässlich eines Staatsbesuches auf wenige hundert Meter an die Kanzlerin heranzukommen, diese Auszubuhen und kernig eine Volksverräterin zu heißen und laut Deutschland zu skandieren.

Sich diesmal durch die Reihen der Antifa zu schleichen, um zwischen dieser und den Polizeireihen etwa drei Sekunden, wenn es gut läuft, Zeit zu haben, bis dass man von einer der beiden Seiten einverleibt, scheidet aus. So mischen sich die beiden unters gemeine Volk, wo sie sich bei einem Trupp Omis recht sicher fühlen. Und so bläken sie da, bis eine der Omis beim zweiten Deutschland wie ein Derwisch anfängt zu toben und mit Schirm und Handtasche wie wild auf Michel einschlägt, und eine zweite springt unter Applaus der anderen hinzu, die Prügel satt zu machen.

Irgendwie machen sich die beiden Freunde frei, flüchten ein halbes Fußballfeld weit, endlich Michel zu Karle: „Was haben, verdammt nochmal, die gegen Deutschland?“ „O du heiliger Narr, Michel, die hatten nur Angst um ihre Handtaschen!“ „Was? Wegen uns?“ „Na klar wegen uns. Es gab, wie du mal wieder nicht bemerkt hast, schon finstere Blicke um uns herum, von allerlei fragwürdigen Gestalten. Bald würde die Antifa kommen, uns mit denen zusammen zu zerlegen, und in dem ganzen Getümmel wären auch die Handtaschen der Omis nicht mehr sicher. Das war ganz schlicht und einfach wachsam und präventive Notwehr.“

Du meinst, wenn ich Deutschland rufe, bin ich nicht nur selber gefährdet sondern auch eine Pest für alle, die in meiner Nähe?“

Genau so ist es. Stell dir nur mal vor, es wären Drogenhändler oder Zuhälter gewesen, die um ihre Tageseinkünfte hätten fürchten müssen, was glaubst du, wie die uns verjagt hätten.“

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Karle und Michel im Felde

Karle Klempner und Michel Mull sind zwischen randalierende Antifanten und eine Polizei geraten, die wie immer nicht richtig eingreifen darf. Die Antifanten jagen die beiden, weil Michel so blöd war, „Deutschland lebt!“ zu brüllen, dem Mob entgegen, man rennt unter Würfen von Flaschen und Steinen auf die Reihen der Bullen zu, und ehe die sich‘s versehen, hechten die beiden Patrioten zwischen deren Beinen durch hinter deren Schilde. Beim Nachspiel auf der Wache meint Karle, wie sein Freund etwas verschrammt: „Du Erzblöd. Hat das sein müssen?“ „Was hast du, Karle, du und ich haben bewiesen und sind lebender Beweis, dass Deutschland lebt. Und guck mal, wie lebendig ich die Antifa gemacht habe und wie lebendig die Cops uns abgeführt haben und wie lebendig befragt. Ein einziger Sieg für das lebende Deutschland.“

Weißt du was, Michel?“ „Ja?“ „Ich denke für solche Fälle schon lange an eine Art legalen Notschild.“ „Hä?“ „Ja, nicht so einen großen schönen wie die Polizei ihn hat, sondern einen kleinen, handlichen, den man sich wenigstens über Rübe und Genack oder auch vor Gesicht und Hals oder auch den Unterleib halten kann.“ „Echt?“ „Ja, man könnte das Teil aus Hartplastik, mit zwei oder drei biegsamen Stellen, unterm Hemd bis in die Hose tragen, so schon gegen manche Tritte und Fauststöße geschützt. Wenn die Steine fliegen und die Flaschen, zieht man das Ding nach oben raus und verwendet es als Kopfschutz.“ „Karle, du bist ein Genie.“ „Nana, ich mache erstmal zwei davon. Vor der Massenproduktion, die uns garantiert reich und berühmt und, was mehr ist, ums Vaterland verdient machen wird, müssen wir die erstmal im harten Einsatz testen. Ich gehe davon aus, du bist dabei.“

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Jan Gustafsson: Weltkaiser des Geschwätzblitzens

Ach, nun war ich eben schon am Loben, so mache ich doch gleich weiter damit.

Diesmal handelt es sich um Jan Gustafsson, einen starken deutschen Schachgroßmeister, der es zwar nie bis in die schachliche Weltspitze schaffte, aber ganz anderes leistet als das.

Als Aushängeschild und wesentlicher Organisator der Seite chess.24 in Hamburg kommentiert er, neben dem Verfassen von Videos über Eröffnungen, live große Turniere, im besten Falle auf Englisch mit seinem guten russischen Freund Peter Svidler, inzwischen auch auf Deutsch mit dem kernigen Berliner Robert Rabiega, war aber zwischenzeitlich auch, wohl nicht ohne Grund, Sekundant des Weltmeisters Carlsen in seinem letzten Kampf gegen Karjakin.

In gewisser Weise ist all das und noch mehr für mich, und ich denke, für viele, noch nicht das Beste.

Er hat nämlich das relativ neue Genre des Banterblitz oder deutsch Geschwätzblitzens zur bislang höchsten Meisterschaft gebracht. Und zwar auf Englisch, das macht er meistens, wie auch auf Deutsch.

Diese junge Form der Unterhaltung besteht darin, dass ein guter Spieler im Netz zu Fünfminutenpartien (je Seite) antritt, dabei allerlei Schachliches erklärend, ein paar Scherze und etwas allerlei einstreuend, die Sache vergnüglich und lebendig zu machen.

Jan Gustafsson nun aber ergetzt sich an Wortspielen, „googelt“ diese nebenbei, erzählt von Filmen und merkwürdigen Fragen und Begebenheiten, jammert und winselt ob seiner Denkunfähigkeit und zumal -faulheit, wenn er mal wieder schlecht steht, brennt Feuerwerke an Unfug ab, vergleicht, da er ja kaum ein Buch gelesen habe, auch mal den guten Dostoijewski mit dem Tolstoi, den er zu lesen es nicht weit schaffte, undsoweiter, und er hat jetzt schon über hundertsechzig dieser Videos gemacht, und ich halte ihn für den Größten des Genres.

Zumal bei all diesem Gefuchtel und Geschwätz die Analyse und das Erklären und Wägen der Stellungen nicht zu kurz kommt. Außer, da entschuldigt sich der Großmeister dann aber auch in der Regel, wenn er in harte Zeitnot kommt, jetzt einfach ziehen muss, anstatt auf den nebenherlaufenden Chat zu reagieren und zu „googeln“ und weiters herauszuhauen und auch noch zu erklären.

Für mich ist Jan Gustafsson der Weltkaiser des Geschwätzblitzens.

Und wenigstens ein Anwärter, wenn es um den Titel des Multiple-Taskers geht.

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Wooster and Jeeves

Irgendwie stieß ich auf diese herrlichen englischen Filme.

Man findet sie unter Wooster and Jeeves oder Jeeves and Wooster.

Es sind Verfilmungen der wohl besten abgedreht-skurrilen Geschichten des großen humoristischen Erzählers P. G. Wodehouse, jener mit Bertie Wooster und Jeeves. Sie drehen sich im wesentlichen um die Abenteuer eines Männerduos, der eine ein steinreicher, verwöhnter Spross der Oberklasse der zwanziger Jahre, in seinem Müssiggang recht chaosschaffend umtriebig, der andere sein persönlicher Diener, sein Faktotum, der genialische Jeeves, seinem Arbeitgeber an Bildung und jederlei Weisheit haushoch überlegen, stets Stratege und Notretter Berties und seiner ähnlich derangierten Freunde.

Der ganze Aberwitz wird, mit wunderbar passender Musik hinterlegt, vollauf detailgetreu in diese Zeit gebracht, mit den Schlössern, den Kostümen, den alten Zweisitzern, mit Schauspielern erster Klasse, in einem Englisch, dass man sich daran nicht nur wegschmeißen sondern auch eine Menge lernen kann, für Ohr und Wortschatz, kurzum, es ist das reine Vergnügen.

P. G. Wodehouse hat es geschafft, sicherlich nicht in der Tiefe wie Cervantes mit dem Don Quijote und seinem Sancho Pansa, aber weit an Conan-Doyle mit seinem absurden Alwiss und dem blassen Doktor, der nur Dummfragewand spielt, vorübergezogen, hier wiederum zwei sich ergänzende starke Figuren aufzulegen, die ein um die andere Geschichte zu tragen vermögen.

Sicherlich, unzählige Hollywood-Streifen haben diese Möglichkeit aufgegriffen, im Krimi wie in der Krimikomödie wie in der unkriminellen Komödie. Teils auch gute Sachen dabei. So grell und fein wie in diesen aber, ohne ernsthafte Schießereien und Tote, allenfalls mal eine Keilerei auf dem Rugbyfeld, oder eine Dame, die mit ihrem Mobil versehentlich einem Gentleman einen Beinbruch verpasst, so dass der sich dann bei Bertie Wooster als Pest und Qual einquartiert, kenne ich das aus den USA bislang nicht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man Bertie Wooster besser als durch Hugh Laurie, Jeeves besser als durch Stephen Fry hätte besetzen können. Trotz der Menge an hervorragenden englischen Schauspielern. Die zwei spielen das, wie als ob sie diejenigen seien, von denen in den Geschichten zu lesen ist.

Ich habe ob der Entdeckung noch einmal, nach über dreißig Jahren, die Originale nachgelesen, so um 500 Seiten, und das bestätigte diesen Eindruck nur noch mehr. Mein dankbarer Glückwunsch an unsere englischen Vettern für Wodehouse und diese Filme.

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Wer lügt mir Klicks?

Ich habe eben erfahren, dass hier schon mehr als siebzehn oder dreiundzwanzig Mal hingeklickt wurde, und das, indem nur ein kleiner Umkreis bislang davon erfuhr, dass ich wieder einen Blog betreibe, zuzüglich eines Kommentars bei bumibahagia.com, wo ich weit unten darauf hinwies.

Ein Vielfaches von den genannten Zahlen, die mir vorschwoben, gut, etwas pessimistisch im Ganzen, auch abzüglich aller Bots, die da wie die Spinnen wohl mehrere tausend Male drüberkrochen, vermutlich menschliche Anwahlen.

Ob das mit der Qualität der Beiträge hier irgendetwas zu tun hat, oder eher der kurzen Neugier, hier wieder jemand schnell aufgeben und in der Versenkung verschwinden zu sehen, das vermag ich leider bislang nicht ansatzweise zu beurteilen.

Da meine Netzwerksfee, sie ist männlich und gut verheiratet, zurzeit etwas in Kränk liegt, tut die Kommentarfunktion noch nicht, ist der Satzspiegel auch noch nicht gebessert. Das werden wir überstehen. Dann mal sehen, was für Vögel hier reinleuchten und auch noch etwas dazu sagen.

Wenn ich`s recht berechne, waren mehr Leute da, als ich näher kenne, und wenn doch nur die, so müssen sie innert kurzer Zeit hier klicksüchtig geworden sein.

Ich lasse mich aber von den Datenkraken nicht so leicht täuschen. Vielleicht waren es doch fast bloß Bots. Die lügen ja, wie man es früher nicht zu drucken wusste.

Die können mir Klicks suggerieren sonder Zahl, ich glaube denen nicht einen.

Aber finde ich es doch witzig und ermunternd, dass sie sich anscheinend die Mühe machen, mich auch noch dahingehend verarschen zu wollen.

Die wollen mich nur in Wohlgefühl wiegen, indem ihre Bots über meine Seite krabbeln und nach jedem Wort suchen, das sie noch nicht kennen. Um irgendeine Formulierung zu finden, wegen derer man mich vor den Kaftankadi bringen könnte, oder auch einen ohne Kaftan.

Zumal die Bots, wenn die zu irgendwas nütze, schon längst erkannt haben müssten, dass ich mich ganz gerade wider ihre Betreiber stelle. Kein Wunder, dass die alle da herumkriechen, jedem Halbwitz hinterherkrabbeln.

Gut, wie dem auch sei, außer meinen eigenen, sind es wohl doch wenigstens siebzehn oder dreiundzwanzig freiwillige menschliche Realaufrufe. Das schafft einem Manne mit Mut noch mehr davon.

Eben sehe ich, beim Schreiben im Sicherheitsabruf, war noch vor Stunden nicht so, dass die Weltsuchkrake zwar noch nicht unter dem längst in die verdrehteste Form des Vergessensollens gelisteten „Magnus Göller“, aber schon unter „Magnus Wolf Göller“ diese Seite auf seiner ersten Seite einsortiert hat. Potzblitz. Die Maschine fängt das Finden an.

Sie wird sich überlegen müssen, sobald sie genauer hinschaut, wie sie all meine wichtigen Sachen wiederum so gut wie unauffindbar macht. Und zwar ohne, dass das irgendeinem auffällt.

 

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Dichterfluch entflucht

Den Dichterfluch handelt sich jeder Dichter, der nicht viel Geld verdient, damit so gut wie jeder, ein.

Dichter sein heißt gleich einem fahrenden Kesselflicker oder einer diebischen Metze in dessen Gefolge umherziehen, nie Bettes noch eines ordentlichen Bissens gewiss, die letzten Kreuzer beim Haderlumpen um einen Humpen seines Weines gelassen, nicht selten Nachtstatt unter Treppen in Spelunken, in hohlen Bäumen oder unter Laubhäufen.

Zeitweise, wenn ihm Sesshaftigkeit gewährt und er nicht von den Häschern und den Bütteln und den Wirten und dem Rest verfolgt, er als kleiner Schreiber oder Hauslehrer sein Auskommen findet, fällt er in die Grube, indem er meint, der Fluch sei von ihm gehoben.

Schnell reicht dann aber wieder eine überdehnte Madame oder irgendein Geck, ihn anders zu unterrichten. So hat er genug, es ist ja schon so oder ähnlich das dritte Mal.

Der Dichter, nun, von dem ich rede, schmiedete den Fluch über sich gegen alle Abergläubischen endlich um zu seinem Wortschwert, und der Abergläubischen gibt es viele, das mag man mir wohl glauben.

Und so, da der Rest das auch gerne sah, entfluchte er den Dichterfluch.

Nur dass das noch nicht alle Dichter wissen.

Helfen Sie, und tragen Sie dies erlösende Wort weiter!

Die meisten Dichter sind gebildet, von recht erträglichen Umgangsformen, in ihren Bedürfnissen gewohnt bescheiden, sie machen oft gute Hausgäste, sie wissen besser als jeder andere, wann sie wo bestimmt nichts zu sagen haben, sorgen also nicht für Aufruhr und Aufsehens, zumal in diesen freien Zeiten, kurzum, wie kann es sein, dass es noch gehobene Hotels und ganze Kurbäder gibt, die sich zur Erbauung ihrer Gäste wie ob ihres Rufes keinen Dichter halten?

Selbst der Verfassungsschutz hält sich Dichter, warum machen das nicht auch Kreuzfahrtschiffe und zumal sämtliche Unternehmen, die etwas von sich halten?

Was ist einer noch, der sich keinen Dichter hält?

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Dichters Käsdreieck

Manchmal, mir schien ein hingeschriebener Witz gelungen, und ich lachte dazu, dachte ich bei mir, ohne dass ich das wollte, was für ein Glück und Vorrecht es sei, dazu als erster gelacht haben zu dürfen: welch fragwürdiger, selbstischer, ja eitler Einfall?

Ist mir aber eigentlich egal. Ein großer Teil des Brotes des gemeinen Dichters besteht darin, dass er sich über seine eigenen Werke freut. Das ist der Lauf der Welt.

Obzwar, obschon, obgleich und obwohl, wer bäckt heute noch sein eigenes Brot? Nur aus dem feinen Mehle stattlichen Korns, Quellwasser aus Mutter Erde Leib, dem reinen Salz des Meeres, sein Geist allein der Hefe Führung?

Und wenn es sein muss, mitunter auch, wenn es nicht sein muss, dann macht der Dichter sich nicht nur sein Brot selber, sondern auch noch den Wein und den Käs dazu. Den Wein, aus dem Lesen, einfach so, den Käs dazu auf seinem Hirndachhefeboden.

Besser natürlich, der Dichter hat Echtbrot und Trinkwein und Realkäs noch dazu.

Wenn er dann irgendwo mitbekommt, dass noch einer über seinen Witz gelacht habe, steigt seine Erbauung weiter. Das ist ihm zwar noch kein Kognak, aber immerhin schon ein Espresso.

Solche gute Kunde wie auch der Kaffee machen ihn nun gern etwas überdreht und rastlos. Zumal der Kognak fehlt. Wer hat da gelacht, wann, wo, genau über was? Was hat er, was hat der Rest darauf gesagt? Hat noch einer mitgelacht?

Meistens bleibt es damit auch beim Espresso, und der Kognak kommt nicht. Es kommt nämlich mal wieder keiner.

Dann dreht sich die Sache in seltenen Fällen schlagartig. Antipasti sind die lobenden Erwähnungen, die selbst zu Einladungen mit echten Antipasti führen, und so geht es bis nach dem Dulce weiter, bis dass ein guter Verlagsvertrag mit angemessenem Vorschuss ausgehandelt.

Meistens aber bleibt der Dichter in dem, was ich etwas vereinfachend sein Käsdreieck nenne.

Und wohl ihm!

Wohl dem Dichter, der Brot, Wein und Käs in sich und überdies bei sich hat!

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Gut gewettet

Erzählte mir einer, er habe von einer AfD-Veranstaltung mitbekommen, wo man die CSU bei der anstehenden Bayernwahl auf 35 % oder darunter skandierte. (Das Wahlkampfspitzenstreitgespräch demnächst ist übrigens nur Söder gegen Grün. Ein Schelm, der…)

Nun, ich gönne der CSU aufgrund ihrer Verlogenheit jedes Debakel. Und doch meldete ich Zweifel an. So kam es schnell zur Wette um einen Kasten Bier, den ich ab 35 % für die CSU gewinne.

Was für eine geile Wette, so richtig nach meinem Geschmack. Nimmt die CSU die Hürde, so habe ich zum Troste den Kasten Bier. Verliere ich den Kasten Bier, so habe ich noch mehr Trost dafür, dass sie noch darunter liegen und mit jeder Sorte dahergelaufenem Gesindel fürderhin eine noch instabilere Regierung basteln müssen.

Mein Kumpel allerdings, der hat es härter. Denn wenn die CSU es schafft, verliert er doppelt. Schafft sie es indes nicht, so gewinnt er doppelt.

Und auch deshalb sollte er nicht nur den Kasten Bier gewinnen.

Eben lese ich, dass die CSU laut ZDF-Politbarometer gestern tatsächlich bei historisch niedrigen 35 % verortet wurde.

Gute Aussichten also, den Kasten Bier an einen wackeren Patrioten zu verlieren.

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