Jan Gustafsson: Weltkaiser des Geschwätzblitzens

Ach, nun war ich eben schon am Loben, so mache ich doch gleich weiter damit.

Diesmal handelt es sich um Jan Gustafsson, einen starken deutschen Schachgroßmeister, der es zwar nie bis in die schachliche Weltspitze schaffte, aber ganz anderes leistet als das.

Als Aushängeschild und wesentlicher Organisator der Seite chess.24 in Hamburg kommentiert er, neben dem Verfassen von Videos über Eröffnungen, live große Turniere, im besten Falle auf Englisch mit seinem guten russischen Freund Peter Svidler, inzwischen auch auf Deutsch mit dem kernigen Berliner Robert Rabiega, war aber zwischenzeitlich auch, wohl nicht ohne Grund, Sekundant des Weltmeisters Carlsen in seinem letzten Kampf gegen Karjakin.

In gewisser Weise ist all das und noch mehr für mich, und ich denke, für viele, noch nicht das Beste.

Er hat nämlich das relativ neue Genre des Banterblitz oder deutsch Geschwätzblitzens zur bislang höchsten Meisterschaft gebracht. Und zwar auf Englisch, das macht er meistens, wie auch auf Deutsch.

Diese junge Form der Unterhaltung besteht darin, dass ein guter Spieler im Netz zu Fünfminutenpartien (je Seite) antritt, dabei allerlei Schachliches erklärend, ein paar Scherze und etwas allerlei einstreuend, die Sache vergnüglich und lebendig zu machen.

Jan Gustafsson nun aber ergetzt sich an Wortspielen, „googelt“ diese nebenbei, erzählt von Filmen und merkwürdigen Fragen und Begebenheiten, jammert und winselt ob seiner Denkunfähigkeit und zumal -faulheit, wenn er mal wieder schlecht steht, brennt Feuerwerke an Unfug ab, vergleicht, da er ja kaum ein Buch gelesen habe, auch mal den guten Dostoijewski mit dem Tolstoi, den er zu lesen es nicht weit schaffte, undsoweiter, und er hat jetzt schon über hundertsechzig dieser Videos gemacht, und ich halte ihn für den Größten des Genres.

Zumal bei all diesem Gefuchtel und Geschwätz die Analyse und das Erklären und Wägen der Stellungen nicht zu kurz kommt. Außer, da entschuldigt sich der Großmeister dann aber auch in der Regel, wenn er in harte Zeitnot kommt, jetzt einfach ziehen muss, anstatt auf den nebenherlaufenden Chat zu reagieren und zu „googeln“ und weiters herauszuhauen und auch noch zu erklären.

Für mich ist Jan Gustafsson der Weltkaiser des Geschwätzblitzens.

Und wenigstens ein Anwärter, wenn es um den Titel des Multiple-Taskers geht.

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Wooster and Jeeves

Irgendwie stieß ich auf diese herrlichen englischen Filme.

Man findet sie unter Wooster and Jeeves oder Jeeves and Wooster.

Es sind Verfilmungen der wohl besten abgedreht-skurrilen Geschichten des großen humoristischen Erzählers P. G. Wodehouse, jener mit Bertie Wooster und Jeeves. Sie drehen sich im wesentlichen um die Abenteuer eines Männerduos, der eine ein steinreicher, verwöhnter Spross der Oberklasse der zwanziger Jahre, in seinem Müssiggang recht chaosschaffend umtriebig, der andere sein persönlicher Diener, sein Faktotum, der genialische Jeeves, seinem Arbeitgeber an Bildung und jederlei Weisheit haushoch überlegen, stets Stratege und Notretter Berties und seiner ähnlich derangierten Freunde.

Der ganze Aberwitz wird, mit wunderbar passender Musik hinterlegt, vollauf detailgetreu in diese Zeit gebracht, mit den Schlössern, den Kostümen, den alten Zweisitzern, mit Schauspielern erster Klasse, in einem Englisch, dass man sich daran nicht nur wegschmeißen sondern auch eine Menge lernen kann, für Ohr und Wortschatz, kurzum, es ist das reine Vergnügen.

P. G. Wodehouse hat es geschafft, sicherlich nicht in der Tiefe wie Cervantes mit dem Don Quijote und seinem Sancho Pansa, aber weit an Conan-Doyle mit seinem absurden Alwiss und dem blassen Doktor, der nur Dummfragewand spielt, vorübergezogen, hier wiederum zwei sich ergänzende starke Figuren aufzulegen, die ein um die andere Geschichte zu tragen vermögen.

Sicherlich, unzählige Hollywood-Streifen haben diese Möglichkeit aufgegriffen, im Krimi wie in der Krimikomödie wie in der unkriminellen Komödie. Teils auch gute Sachen dabei. So grell und fein wie in diesen aber, ohne ernsthafte Schießereien und Tote, allenfalls mal eine Keilerei auf dem Rugbyfeld, oder eine Dame, die mit ihrem Mobil versehentlich einem Gentleman einen Beinbruch verpasst, so dass der sich dann bei Bertie Wooster als Pest und Qual einquartiert, kenne ich das aus den USA bislang nicht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man Bertie Wooster besser als durch Hugh Laurie, Jeeves besser als durch Stephen Fry hätte besetzen können. Trotz der Menge an hervorragenden englischen Schauspielern. Die zwei spielen das, wie als ob sie diejenigen seien, von denen in den Geschichten zu lesen ist.

Ich habe ob der Entdeckung noch einmal, nach über dreißig Jahren, die Originale nachgelesen, so um 500 Seiten, und das bestätigte diesen Eindruck nur noch mehr. Mein dankbarer Glückwunsch an unsere englischen Vettern für Wodehouse und diese Filme.

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Wer lügt mir Klicks?

Ich habe eben erfahren, dass hier schon mehr als siebzehn oder dreiundzwanzig Mal hingeklickt wurde, und das, indem nur ein kleiner Umkreis bislang davon erfuhr, dass ich wieder einen Blog betreibe, zuzüglich eines Kommentars bei bumibahagia.com, wo ich weit unten darauf hinwies.

Ein Vielfaches von den genannten Zahlen, die mir vorschwoben, gut, etwas pessimistisch im Ganzen, auch abzüglich aller Bots, die da wie die Spinnen wohl mehrere tausend Male drüberkrochen, vermutlich menschliche Anwahlen.

Ob das mit der Qualität der Beiträge hier irgendetwas zu tun hat, oder eher der kurzen Neugier, hier wieder jemand schnell aufgeben und in der Versenkung verschwinden zu sehen, das vermag ich leider bislang nicht ansatzweise zu beurteilen.

Da meine Netzwerksfee, sie ist männlich und gut verheiratet, zurzeit etwas in Kränk liegt, tut die Kommentarfunktion noch nicht, ist der Satzspiegel auch noch nicht gebessert. Das werden wir überstehen. Dann mal sehen, was für Vögel hier reinleuchten und auch noch etwas dazu sagen.

Wenn ich`s recht berechne, waren mehr Leute da, als ich näher kenne, und wenn doch nur die, so müssen sie innert kurzer Zeit hier klicksüchtig geworden sein.

Ich lasse mich aber von den Datenkraken nicht so leicht täuschen. Vielleicht waren es doch fast bloß Bots. Die lügen ja, wie man es früher nicht zu drucken wusste.

Die können mir Klicks suggerieren sonder Zahl, ich glaube denen nicht einen.

Aber finde ich es doch witzig und ermunternd, dass sie sich anscheinend die Mühe machen, mich auch noch dahingehend verarschen zu wollen.

Die wollen mich nur in Wohlgefühl wiegen, indem ihre Bots über meine Seite krabbeln und nach jedem Wort suchen, das sie noch nicht kennen. Um irgendeine Formulierung zu finden, wegen derer man mich vor den Kaftankadi bringen könnte, oder auch einen ohne Kaftan.

Zumal die Bots, wenn die zu irgendwas nütze, schon längst erkannt haben müssten, dass ich mich ganz gerade wider ihre Betreiber stelle. Kein Wunder, dass die alle da herumkriechen, jedem Halbwitz hinterherkrabbeln.

Gut, wie dem auch sei, außer meinen eigenen, sind es wohl doch wenigstens siebzehn oder dreiundzwanzig freiwillige menschliche Realaufrufe. Das schafft einem Manne mit Mut noch mehr davon.

Eben sehe ich, beim Schreiben im Sicherheitsabruf, war noch vor Stunden nicht so, dass die Weltsuchkrake zwar noch nicht unter dem längst in die verdrehteste Form des Vergessensollens gelisteten „Magnus Göller“, aber schon unter „Magnus Wolf Göller“ diese Seite auf seiner ersten Seite einsortiert hat. Potzblitz. Die Maschine fängt das Finden an.

Sie wird sich überlegen müssen, sobald sie genauer hinschaut, wie sie all meine wichtigen Sachen wiederum so gut wie unauffindbar macht. Und zwar ohne, dass das irgendeinem auffällt.

 

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Dichterfluch entflucht

Den Dichterfluch handelt sich jeder Dichter, der nicht viel Geld verdient, damit so gut wie jeder, ein.

Dichter sein heißt gleich einem fahrenden Kesselflicker oder einer diebischen Metze in dessen Gefolge umherziehen, nie Bettes noch eines ordentlichen Bissens gewiss, die letzten Kreuzer beim Haderlumpen um einen Humpen seines Weines gelassen, nicht selten Nachtstatt unter Treppen in Spelunken, in hohlen Bäumen oder unter Laubhäufen.

Zeitweise, wenn ihm Sesshaftigkeit gewährt und er nicht von den Häschern und den Bütteln und den Wirten und dem Rest verfolgt, er als kleiner Schreiber oder Hauslehrer sein Auskommen findet, fällt er in die Grube, indem er meint, der Fluch sei von ihm gehoben.

Schnell reicht dann aber wieder eine überdehnte Madame oder irgendein Geck, ihn anders zu unterrichten. So hat er genug, es ist ja schon so oder ähnlich das dritte Mal.

Der Dichter, nun, von dem ich rede, schmiedete den Fluch über sich gegen alle Abergläubischen endlich um zu seinem Wortschwert, und der Abergläubischen gibt es viele, das mag man mir wohl glauben.

Und so, da der Rest das auch gerne sah, entfluchte er den Dichterfluch.

Nur dass das noch nicht alle Dichter wissen.

Helfen Sie, und tragen Sie dies erlösende Wort weiter!

Die meisten Dichter sind gebildet, von recht erträglichen Umgangsformen, in ihren Bedürfnissen gewohnt bescheiden, sie machen oft gute Hausgäste, sie wissen besser als jeder andere, wann sie wo bestimmt nichts zu sagen haben, sorgen also nicht für Aufruhr und Aufsehens, zumal in diesen freien Zeiten, kurzum, wie kann es sein, dass es noch gehobene Hotels und ganze Kurbäder gibt, die sich zur Erbauung ihrer Gäste wie ob ihres Rufes keinen Dichter halten?

Selbst der Verfassungsschutz hält sich Dichter, warum machen das nicht auch Kreuzfahrtschiffe und zumal sämtliche Unternehmen, die etwas von sich halten?

Was ist einer noch, der sich keinen Dichter hält?

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Dichters Käsdreieck

Manchmal, mir schien ein hingeschriebener Witz gelungen, und ich lachte dazu, dachte ich bei mir, ohne dass ich das wollte, was für ein Glück und Vorrecht es sei, dazu als erster gelacht haben zu dürfen: welch fragwürdiger, selbstischer, ja eitler Einfall?

Ist mir aber eigentlich egal. Ein großer Teil des Brotes des gemeinen Dichters besteht darin, dass er sich über seine eigenen Werke freut. Das ist der Lauf der Welt.

Obzwar, obschon, obgleich und obwohl, wer bäckt heute noch sein eigenes Brot? Nur aus dem feinen Mehle stattlichen Korns, Quellwasser aus Mutter Erde Leib, dem reinen Salz des Meeres, sein Geist allein der Hefe Führung?

Und wenn es sein muss, mitunter auch, wenn es nicht sein muss, dann macht der Dichter sich nicht nur sein Brot selber, sondern auch noch den Wein und den Käs dazu. Den Wein, aus dem Lesen, einfach so, den Käs dazu auf seinem Hirndachhefeboden.

Besser natürlich, der Dichter hat Echtbrot und Trinkwein und Realkäs noch dazu.

Wenn er dann irgendwo mitbekommt, dass noch einer über seinen Witz gelacht habe, steigt seine Erbauung weiter. Das ist ihm zwar noch kein Kognak, aber immerhin schon ein Espresso.

Solche gute Kunde wie auch der Kaffee machen ihn nun gern etwas überdreht und rastlos. Zumal der Kognak fehlt. Wer hat da gelacht, wann, wo, genau über was? Was hat er, was hat der Rest darauf gesagt? Hat noch einer mitgelacht?

Meistens bleibt es damit auch beim Espresso, und der Kognak kommt nicht. Es kommt nämlich mal wieder keiner.

Dann dreht sich die Sache in seltenen Fällen schlagartig. Antipasti sind die lobenden Erwähnungen, die selbst zu Einladungen mit echten Antipasti führen, und so geht es bis nach dem Dulce weiter, bis dass ein guter Verlagsvertrag mit angemessenem Vorschuss ausgehandelt.

Meistens aber bleibt der Dichter in dem, was ich etwas vereinfachend sein Käsdreieck nenne.

Und wohl ihm!

Wohl dem Dichter, der Brot, Wein und Käs in sich und überdies bei sich hat!

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Gut gewettet

Erzählte mir einer, er habe von einer AfD-Veranstaltung mitbekommen, wo man die CSU bei der anstehenden Bayernwahl auf 35 % oder darunter skandierte. (Das Wahlkampfspitzenstreitgespräch demnächst ist übrigens nur Söder gegen Grün. Ein Schelm, der…)

Nun, ich gönne der CSU aufgrund ihrer Verlogenheit jedes Debakel. Und doch meldete ich Zweifel an. So kam es schnell zur Wette um einen Kasten Bier, den ich ab 35 % für die CSU gewinne.

Was für eine geile Wette, so richtig nach meinem Geschmack. Nimmt die CSU die Hürde, so habe ich zum Troste den Kasten Bier. Verliere ich den Kasten Bier, so habe ich noch mehr Trost dafür, dass sie noch darunter liegen und mit jeder Sorte dahergelaufenem Gesindel fürderhin eine noch instabilere Regierung basteln müssen.

Mein Kumpel allerdings, der hat es härter. Denn wenn die CSU es schafft, verliert er doppelt. Schafft sie es indes nicht, so gewinnt er doppelt.

Und auch deshalb sollte er nicht nur den Kasten Bier gewinnen.

Eben lese ich, dass die CSU laut ZDF-Politbarometer gestern tatsächlich bei historisch niedrigen 35 % verortet wurde.

Gute Aussichten also, den Kasten Bier an einen wackeren Patrioten zu verlieren.

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Urlaub von meinen Tugenden

Wenn man, wie Nietzsche meint, auch mal Urlaub von seinen Tugenden machen sollte, so kann das in meinem Falle wohl nur bedeuten, dass ich der ständigen Mäßigung einmal entraten müsse, nicht unbedingt gleich bis hin zur Hybris, aber doch einem gewissen Übermute.

Wie fange ich das jetzt an, dass es nicht gleich wie Zwangsurlaub aussieht?

Gibt es irgendwas, das ich herausplärren könnte, das dem Sinn des Urlaubs gerecht würde?

Also nicht ins Gefängnis, und man hört mich doch?

Dieser Urlaub war schlimmer als Mucken und biblische Plagen. Noch nie wurde es mir abscheulicher, unsinnig grobe Rede zu führen. Ich war schon nach einer von drei Wochen fix und fertig. Bei meinem Lieblingswhisky schließlich geschah es, dass ich das Fluchen wieder lernte, indem ich bemerkt hatte, dass ich ihn kaum noch schmeckte: Welch Frevel, was für eine Undankbarkeit, welch Abweg!

Mit diesem Ausbruch war es um die Sache aber noch lange nicht getan. Denn drei Wochen waren dummerweise öffentlich angekündigt. Ich konnte nicht einfach abbrechen. Ich musste vielmehr endlich wenigstens ein Mal saftig liefern.

Ich musste mir eine Dummheit ausdenken, die so noch nie einer oder nach Eulenspiegel kaum einer ausgeboten hatte, und mir wurde bald klar, dass ich mehr brauchte, als eine Eulenspiegelei, nämlich eine wirksam grelle Verschwörungstheorie.

Ich sann noch drei Tage. Dann brachte ich in Umlauf, dass Angela Merkel von Reichsdeutschen als Tarnfigur dahingehend gesteuert sei, durch das Migrationschaos die Übernahme der Reichsdeutschen erst möglich zu machen.

Das war frech. Aber es saß. Denn auf sowas muss man erstmal kommen, kann man aber, so abwegig es erscheint, doch kommen. Es klappte vollauf.

Ich kam aus meinem Urlaub zurück, und die Leute sahen mich schweigend an. Nicht feindselig die meisten, eher zweiflig. Es war kein gutes Gefühl.

Ansonsten war man froh, dass ich aus dem Urlaub zurücksei, und doch sah ich verstohlene Blicke. Es war klar, dass man mir nicht mehr recht traute, mir mindestens dahingehend nicht mehr traute, dass ich meine Tätigkeit der ständigen Mäßigung wieder aufnehmen werde, werden wolle oder könne, alswie zuvor.

Kurzum, indem ich den einen Alp, jenen verdammten Urlaub von meinen Tugenden, abgeschüttelt zu haben glaubte, hatte ich in dessen Gefolge gleich noch einen zweiten im Genack, diesmal für allen Alltag.

Jetzt stellte ich selbst meinen Lieblingswhisky in den Schrank, aß einen halben Tag lang nur Rohmilchkäse mit Weißbrot und Oliven, trank den besten Roten dazu.

Noch ein paar Wochen, und sie würden mich aufgefressen haben, das war klar. Nach diesem Urlaub werden sie mir nie mehr trauen.

Ich holte doch noch Nüsse. Mein Groll wuchs.

Ich werde sie verklagen. Ich werde ihnen sagen, dass ich gemäß meines Glaubens gehandelt habe. Der mir sagt, dass ich Urlaub von meinen Tugenden nehmen solle, und Urlaub stand mir zu, wurde mir zudem angeraten, jeder weiß, dass ich Nietzscheaner bin, und nun werde ich aufgrund meines Glaubens, vermutlich auch Geschlechts und Alters wie meiner Hautfarbe, von allen Mitarbeitern gemieden, schräg angeschaut, man tuschelt, grinst schräge, ja ich fühle mich gemobbt, her mit der Knete.

Das Ganze endete natürlich in einem mittleren Fiasko. Allerdings für beide Seiten. Von der grellen Verschwörungstheorie blieb so viel hängen, dass mich keiner mehr in einen solchen Sonderurlaub schicken wollte. Ich sagte zu, nicht mehr darauf herumzureiten und wurde, unter Drohungen, einigermaßen ausbezahlt.

Jetzt habe ich erstmal Dauerurlaub und kann mich um meine Tugenden kümmern, wann und wie ich will.

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Von der Matte

Ich lasse mir meine Haare jetzt nicht nur zum Spaß wachsen und auch, weil ich das schon so viele Jahre nicht mehr gemacht habe, sondern ist das überdies ein Sieg der Antideutschen, ich rette mich in meine Feigheit.

Denn, indem das Haar so anfing über den Nacken zu kriechen, begann ich darüber nachzudenken, welche handfesten Vorteile es haben könne, demgegenüber, als Mann in den besten Jahren mit einer bescheuerten Matte herumzulaufen, ob die langen Haare, außer einem gewissen Wärme- und Nackenschutz, denn irgendwas, sozial zumal, brächten.

Und da fiel mir ein, dass mich Antideutsche mit den langen Haaren erstens nicht so leicht als Patrioten verdächtigen oder erkennen werden, und selbst wenn dann doch, ihre Kumpane schwerer auf mich hetzen, denn ein richtig böser Rechter läuft ja nicht in meinem Alter mit so einem Arschgesicht und dann noch so einer Matte rum.

Man könnte sagen, ich fange an, in Tarnung zu gehen. Pro Zentimeter Haar werde ich mindestens einmal weniger in Richtung Nazis gerückt, wenn ich etwas Vernünftiges und wirklich Offenkundiges sage. Das kann einen ganzen Abend retten, vielleicht sogar das Leben.

Ob die Weiber mich für meine Matte für einen Extralummel halten, ist mir schnurz; ein Weib, das nicht sieht, dass ich trotz oder gerade wegen Matte noch einen guten Arsch in der Hose habe, das sollte zum Sehklempner.

Ob lange Haare die Redekunst unterstützen könnten? – die Frage kommt mir erst jetzt beim Schreiben.

Nun, im Winter, ohne Kappe, Wind von hinten, da mögen sie immerhin den Rüsel nicht schon vom Genack her einfrosten lassen. Das wäre allerdings ein Sonderfall, gleichwohl, immerhin.

Vielleicht ersetzen lange Haare auch den Aluhut. Also, dass man so einen gar nicht mehr braucht, gegen die ganzen Strahlenbanditen da draußen. Damit würde man natürlich auch redfester.

Außerdem, hat man gerade keine Schnur, aber doch ein Messer, reicht eine gute Strähne, um so manches abzubinden, feste. Das hieraus gewonnene Sicherheitsgefühl könnte wiederum der Redekunst zumindest nicht schaden.

Mann ohne Schal. Braucht er nicht. Einfach immer schon dran. Keine Angst vor Eiswinden.

Was schwatze ich da herum.

Die Wikinger hatten lange Haare.

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Einer geht noch

Einer geht noch.

Das ist der tödlichste Spruch für jeden Dichter, und er sieht es einfach nicht ein.

Dann sucht er, hilflos zappelnd, nach einem Ankerwort. Nach gleich was, das ihn noch zur Rede berechtigte. Jetzt sucht er schon kein Wort mehr, vielmehr ein Bild, einen Klang, oft auch nur einen Rocksaum.

Erstaunlich nun aber, doch sind Dichter Hungers und Durstes gewohnt, wie der an irgendeinem Zipfel der Wahrnehmung gestrandet, den flugs so festhält, dass er gleich wieder mit seinen sinnlosen und überzogenen und oft auch noch unschicklichen Geschichten anhebt, während seine Gedichte so schlecht sind, wie sie je waren.

Deshalb, weil der Mensch auch Mitgefühl mit den Verirrten hat und solche Gesellen immerhin neue Geschichten bringen, füttert er immer wieder Dichter durch, mancher Wirt hatte am Dichter seine Kundschaft, der Dichter dafür sein Bett.

Kein vernünftiger Mensch traut natürlich diesen Scharen von losgelassenen selbsternannten Dichtern, die sind schlimmer als die Fliegen in einem argen Sommer.

Man darf sie nicht einfach wegklatschen, wenn man sie mit Honig lockt, ist das Fass leer, sie sind meist etwas zerlumpt, dabei frech, wenn sie getrunken haben teils noch frecher.

Aber, das sagen manche Mädels, die legten sich nicht gerne auf Prügel an, hielten davon insgesamt eher wenig. Obwohl nicht alle von denen Weicheier seien, sagen sogar erfahrene Matronen.

Recht eigentlich sind sie ja ein scheues Volk, diese Dichter. Sie sind auch nicht sonderlich als Viehdiebe bekannt. Meistens sind es arme Schlucker.

Es sind derart liebe Trottel, dass man sie in Ruhe lassen sollte.

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Geunkt

Nun, da hier noch nicht einmal der Satzspiegel vernünftig eingerichtet ist, höre ich doch schon das dumpfe Stampfen der Empörten, die irgendwie spüren, dass schon wieder etwas an sie herankommen könne, das nur sie als dumpf empfinden, stets geschüttelt von ihrer sinnlosen Unruhe.

Oh, ich unke.

Vielleicht bleibe ich auch lieber erstmal unten in meinem Pfuhl, da, wo es selbst den Logenbrüdern zu schlickig und zu eklig wird.

Da warte ich dann, sende meine Botschaften nach oben und erfreue mich meines Schlicks alswie der Zarathustra am Berge, warte, bis sie sich so empören, dass sie sich auf den Treppen selber die Hälse brechen.

Dann schaffe ich es als erste Unke, denn bisher gab es nur einen Frosch, zum Menschen zurückgeküsst zu werden.

Ob ich in meinem Alter dann auch noch eine Prinzessin abkriege oder wenigstens eine guterhaltene Grafenwitwe, das weiß ich natürlich noch nicht, aber daran liegt im Ganzen ja auch wenig.

Hauptsache, ich muss nicht mehr unken.

Weißt Du, wie Dir als Unke der Wein schmeckt? Alles?

Gut, wenn ich wieder raufdarf, es wäre mir auch schon eine tüchtige Wirtin lieb.

Nein, ich will jetzt nicht jammern.

Bald bin ich hier raus, und dann ist mächtig was los!

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