Karle und Michel kabbeln sich

Ja, sie berappelten sich recht schnell von ihrer Niederlage mit ihrem patriotischen Tarninstitut, unser Karle und der Michel, doch bald auch kabbelten sie sich.

Michel hatte schon nach einer Woche einen neuen Plan. „Was meinst du, Karle, was wäre, wenn ich dir irgendwo vor vielen Leuten eine Riesenszene machen würde, weil du immer noch nicht in der AfD bist, und du fällst endlich, zitternd, dir die Haare raufend, dich selbst anklagend, auf die Knie, schwörend, noch heute deinen Mitgliedsantrag zu stellen?“

Lieber gebe ich den falschen Antifa, der praktisch grundlos einen von der AfD verhaut, nämlich dich. Und komm mir bloß nicht, weil ich das gesagt habe, damit, dass ich das mache, so gut mir‘s täte, denn ich wüsste auch da wieder nicht, in welche Machinationen ich entlang deiner sagenhaften Ideen hineingeriete.“

Du verstehst nicht mehr Ernst noch Spaß.“

Haha.“

Die beiden alten Freunde schwiegen, bis dass sie dachten, dass der Whisky bitter geworden sei.

Wir stehen nach der Sache mit dem Institut da wie die absoluten Arschgeigen“, meinte Karle schließlich.

Wir könnten nach Afrika fahren und zeigen, dass die Leute dort, bei lauter Fröhlichkeit und Musik, prima ohne Antifa auskommen. Ganz ohne Antideutsche.“

Ja genau. Und das Ganze setzen wir als Revival unseres zerstörten Institutes an. Diesmal muss ich sagen, dass du ein Genie bist.“

Michel merkte den beißenden Spott genau und sann auf eine saftige Riposte. „Du solltest auf jeden Fall mal nach Afrika, um zu sehen, wie es da aussieht, wo es nicht einmal eine AfD gibt!“

Doch auch dieser Angriff verhallte.

Wir sollten endlich das Kanzleramt angreifen.“

Was, wie?“

Na mit Drohnen, schonmal gehört, oder, Herr Technikus? Nur mit virtuellen Drohnen natürlich.“

Mit was?“

Du und ich, wir nehmen einen guten Rucksack mit.“

Rucksack?“

Da tun wir masse Aluminium-Flitter rein, bekommen simulierte epileptische Anfälle und schmeißen das Zeug vor dem Amt in die Luft wie wild, so dass alle, auch die Amis, das für einen konzertierten Drohnenangriff halten. Man wird die Merkelin ausfliegen und die Republik wird hinterher herzlich lachen.“

Ja, über uns, im Knast. So ziemlich wegen allem, was du dir vorstellen kannst. Außerdem, wenn wir das überhaupt überleben, was erzählen wir den Medien und vor Gericht?“

Wir sagen ganz einfach, dass das eine Sicherheitsübung war, dass wir zeigen wollten, wie schlecht geschützt das Kanzleramt sei, wie verwundbar. Dass wir jeden Kanzler, und hieße er Merkel, darin sicher sehen wollten, daher keine Kosten noch Mühen scheuten, diesem Ziele zu dienen.“

Du hast nicht nur ein Rad ab.“

„Mag sein, aber du meckerst nur. Du bist ein Defätist.“

„Ich gehe da nicht mit dir hin.“

Und so klappte wieder manches nicht gleich.

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Karle und Michel in neuen Verwicklungen

Soros ließ unseren standhaften Patrioten Karle und Michel antworten. Der Anwaltsbrief einer Frankfurter Kanzlei war eindeutig:

Sehr geehrte Herren Klempner und Mull,

sollten Sie ihr sogenanntes Institut, von dessen Existenz wohl nur Sie wissen, in irgendeine falsche Verbindung mit meinem Mandanten bringen, so rechnen Sie dafür mit allen notwendigen, für Sie möglicherweise finanziell sehr schmerzlichen rechtlichen Folgen.

Mit außerordentlicher Hochachtung

Reents, Erko, Bulk, Schneider & Partner

Na denn“, meinte Karle, „der Kerl lässt uns in der Pfeife rauchen, wenn wir nur noch einmal Soros pupsen.“

Aber er hat reagiert, also haben wir ihn.“

Ja, wenn wir beide Hartzis wären, seine Spitzel spitzhätten, dass bei uns nichts zu holen ist, man uns nicht gleich für `nen Streich in den Knast setzen kann, dann wäre da vielleicht was. So aber, mit meiner Werkstatt und deiner alten Hütte, da haben die was zum Wegpfänden. Ja, Wegpfänden, du hast richtig gehört.“

Wir könnten allerdings das Institut aufbauen und uns dabei allenthalben bitterlich beklagen, ganz legal, dass Soros uns so übel abwies. Der Schriftverkehr ist klar.“

Bingo, das machen wir.“

Nach drei Monaten war das Institut für fortgeschrittenen und festgestellten Interkulturalismus ein Bienenstock. Adrette Patriotinnen und Patrioten disputierten vorbildlich zur Sache, und Karle und Michel machten nicht den Fehler, sich außer der Darlegung des Schriftverkehrs weiter des Namens Soros zu bemächtigen. Es lief alles wie am Schnürchen.

Dann aber folgten die Drohungen und die Anschläge. Das Institut musste unter Polizeischutz gestellt werden, und Karle und Michel waren wieder so gut wie bei Null, denn das war allen zu viel.

Endlich meinte Michel: „Das war zwar nicht schlecht, aber jetzt haben wir den Soros verbrannt. Gemeint, dass wir mit dem gar nichts mehr anfangen können. Erstmal jedenfalls.“

Da hast du wohl recht. Und wie viele Patrioten unserem Treiben noch trauen, das steht in den Sternen.“

Wir haben zu viele gute Ideen, verzetteln uns. Vielleicht sollten wir uns auf eine oder auf drei konzentrieren.“

Da sagst du was.“

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Karle und Michel bitten Soros

Nach zwei Projekten, die zu begraben waren, weiß auch Karle, dass das nicht mehr so weitergeht, Michel leidet wie ein Hund.

Michel, ich weiß was. Wir bitten nicht Trump, wir bitten George Soros.“ „Aber das ist doch der Gottvater aller Antifanten und Abfanten!“ „Eben. Wir bitten ihn, dass er als echter Philantrop dich und mich auch unterstützt, mit unserem Institut für interkulturelles Verständnis. Wir ziehen dem Arsch die Kohle auf unsere Seite ab, capici?“ „So kenne ich dich gar nicht Karle, brilliant.“ „Es muss ja endlich mal wieder was funtionieren, oder?“

Dear utmost trustworthy benign gentle Mr Soros,

not to go to further lengths, please bestow us a Million Euros each, to be of service.

Being the most experienced and best experts in the field, we consider this a trifle for You in looking at absolute future success in the whole of Your Europe.

Sincerely Yours

Karl Klempner and Michel Mull

Institute for Advanced and Assessed Interculturalism

Diesmal ist der Brief raus, und unsere vaterlandsfrohen Helden warten auf Antwort.

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Karle und Michel bitten Trump nicht

Dass Karle bei der Sache mit der Antifa-False-Flag auf der AfD-Veranstaltung nicht mitmachen wollte, hat Michel schwer verletzt und betrübt. Auch macht er sich Sorgen um Karle, der nicht mehr so recht im Saft zu stehen scheint.

Du, Karle, was hältst du von einer Bittschrift?“ „Einer was?“ „Einer Bittschrift, noch nie gehört?“ „An wen, und um was willst du bitten?“ „An wen weiß ich nicht und auch noch nicht genau um was. Ich finde einfach die Form wird kaum noch benutzt. Jedenfalls nicht intelligent. Man könnte beispielsweise Trump, dessen USA uns ja besatzt halten, um angemessene militärische Unterstützung gegen die Antifa bitten. Wir müssen ja nicht gleich die von Chabad Lubawitsch um irgendetwas bitten, oder den Oberrabbiner von Jerusalem oder den öbersten Schriftgelehrten im Iran oder in Ägypten. Wir könnten ersatzweise Trumps Opposition bitten.“

Oh du Holzkopf, du weißt aber, dass Trumps Opposition sich in den schönen USA selber Antifanten hält und diese bei uns auch sehr gerne sieht?“ „Eben.“ „Was eben?“ „Na deshalb wird Trump sich der Sache wohlwollend annehmen.“

Dear Mr President,

we solemnly beseech You to consider US-troop help for the German police. German police are not capable anymore to protect German patriots against Antifa, vile forces You have come to know even in Your lofty country. They will not stop with us. They will, in the end, go after Your bases and American assets. Please help us stop them.

Sincerely Yours

Karl Klempner and Michel Mull

Karle kocht zu Michels Entwurf: „Du Erzmichel, du Unkraut, das klingt ja fast, wie als ob du das Amimilitär wirklich gern auf unseren Straßen sähest, bist du von Sinnen?“ „Ein bisschen echt muss es schon wirken, oder?“

Nun, schade für alle Anhänger unserer braven Patrichaoten, es kommt wieder zu nichts, keine Bittschrift an Trump wird abgeschickt.

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Karle und Michel feig und untätig

Karle und Michel, unsere wackeren Patrioten, indem sie das Projekt Undercover in der Hardcore-Antifakneipe bis zur Abheilung von Michels Handgelenk erstmal verschoben haben, wollen nicht untätig bleiben, zumal Michel, der es immer noch nicht verwindet, dass es der Knauf eines Regenschirmes einer Omi war, der ihn nur bedingt einsatzfähig gemacht.

Lange brütend, Michel endlich: „Karle, wir sollten mal was machen, was richtig großen Stil hat. Wir könnten mal eine richtige Antifanten-False-Flag aufziehen.“ „Ja? Weißt du noch, wie du beim dokumentarischen Abzwicken ebenjener AfD-Plakate, die du selber aufgehangen hattest, schier von der Polente erwischt wurdest, indem die wahrscheinlich von der Antifa einen Tipp bekam?“ „Oh hör mir damit auf. Ich weiß was Besseres. Bei der AfD kommen wir locker rein, ich bin ja Mitglied. Mitten in der Hauptrede stehen wir auf und schreien aus Leibeskräften „Deutschland verrecke!“. Und „Nazipack!“. Undsoweiter. Das wäre doch großartige Aktionskunst, zumal wenn dann rauskommt, dass wir es wirklich nur ironisch, mit dem Finger auf die Antifa, gemeint haben.“

Oh du Schafskopf, du meinst, das fände irgendwer witzig?“ „Die Ordner von der AfD würden sich nicht trauen, uns zusammenzuschlagen, da bin ich mir ziemlich sicher. Die dürfen das nicht, und das wissen sie. Ich mache mich meinetwegen allein zum Esel, und du filmst nur.“

Das ist dir klar, dass die AfD dich dafür hochkant rausschmeißt?“ „Als echter Patriot bin ich bereit, auch dieses Opfer zu bringen.“

Ich filme nicht.“ „Und du willst ein Patriot und Freund sein. Feigling!“ „Ich gehe da gar nicht hin.“ „Verräter! Dann gehe ich auch nicht hin!“ „Selber Feigling.“

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Karle und Michel und die Plakatdoku

Karle Klempner sieht Michel Mull beim Kleben von Plakaten für die AfD. „Michel, du Depp, heute Nacht sind die alle in fünf Minuten mit dem Seitenschneider abgezwackt, und dein Parteiheld da, der liegt mit der Fresse im Blättermatsch. Wenn die Stadtreinigung keinen Bock hat ein paar Tage. Oder räumst etwa du die Sauerei dann weg?“ „Ich mache aus der Sauerei eine Doku, gegen die Antifanten.“ „Und wenn sie sie gar nicht zwicken?“ „Dann helfe ich nach.“ „Wie bitte, du willst die eigenen Plakate abzwicken, um es der Antifa in die Schuhe zu schieben? Die zwicken doch so schon genug ab!“ „Ja, aber je mehr, umso besser für meine Doku.“ „Da hast du nun auch wieder recht. Hast du denn wenigstens einen anständigen Seitenschneider? Lass mal sehen. Das Ding da?“ „Was hast du gegen meinen Seitenschneider? Du meinst etwa, die Antifa hat bessere?“ „Aber mit Sicherheit, mit einem vernünftigen Seitenschneider sind die mindestens doppelt so schnell wie du.“ „Das heißt ja, dass meine Doku unrealistisch werden könnte, wegen der Geschwindigkeit der Plakatschändungen?“ „Exakt.“ „Karle?“ „Ja, ich geh schon und hole dir ein anständiges Werkzeug.“

(Ich habe diesen Textteil aus „Von alten und von neuen Witzen“ herüberkopiert, da ich einzelne Späße doch lieber unter „Schönes“ sehen will, diesen hier zumindest auch.)

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Omis schlagen Karle und Michel in die Flucht

Karle Klempner und Michel Mull haben sich auf das Wochenende gut vorbereitet. Es geht darum, anlässlich eines Staatsbesuches auf wenige hundert Meter an die Kanzlerin heranzukommen, diese Auszubuhen und kernig eine Volksverräterin zu heißen und laut Deutschland zu skandieren.

Sich diesmal durch die Reihen der Antifa zu schleichen, um zwischen dieser und den Polizeireihen etwa drei Sekunden, wenn es gut läuft, Zeit zu haben, bis dass man von einer der beiden Seiten einverleibt, scheidet aus. So mischen sich die beiden unters gemeine Volk, wo sie sich bei einem Trupp Omis recht sicher fühlen. Und so bläken sie da, bis eine der Omis beim zweiten Deutschland wie ein Derwisch anfängt zu toben und mit Schirm und Handtasche wie wild auf Michel einschlägt, und eine zweite springt unter Applaus der anderen hinzu, die Prügel satt zu machen.

Irgendwie machen sich die beiden Freunde frei, flüchten ein halbes Fußballfeld weit, endlich Michel zu Karle: „Was haben, verdammt nochmal, die gegen Deutschland?“ „O du heiliger Narr, Michel, die hatten nur Angst um ihre Handtaschen!“ „Was? Wegen uns?“ „Na klar wegen uns. Es gab, wie du mal wieder nicht bemerkt hast, schon finstere Blicke um uns herum, von allerlei fragwürdigen Gestalten. Bald würde die Antifa kommen, uns mit denen zusammen zu zerlegen, und in dem ganzen Getümmel wären auch die Handtaschen der Omis nicht mehr sicher. Das war ganz schlicht und einfach wachsam und präventive Notwehr.“

Du meinst, wenn ich Deutschland rufe, bin ich nicht nur selber gefährdet sondern auch eine Pest für alle, die in meiner Nähe?“

Genau so ist es. Stell dir nur mal vor, es wären Drogenhändler oder Zuhälter gewesen, die um ihre Tageseinkünfte hätten fürchten müssen, was glaubst du, wie die uns verjagt hätten.“

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Karle und Michel im Felde

Karle Klempner und Michel Mull sind zwischen randalierende Antifanten und eine Polizei geraten, die wie immer nicht richtig eingreifen darf. Die Antifanten jagen die beiden, weil Michel so blöd war, „Deutschland lebt!“ zu brüllen, dem Mob entgegen, man rennt unter Würfen von Flaschen und Steinen auf die Reihen der Bullen zu, und ehe die sich‘s versehen, hechten die beiden Patrioten zwischen deren Beinen durch hinter deren Schilde. Beim Nachspiel auf der Wache meint Karle, wie sein Freund etwas verschrammt: „Du Erzblöd. Hat das sein müssen?“ „Was hast du, Karle, du und ich haben bewiesen und sind lebender Beweis, dass Deutschland lebt. Und guck mal, wie lebendig ich die Antifa gemacht habe und wie lebendig die Cops uns abgeführt haben und wie lebendig befragt. Ein einziger Sieg für das lebende Deutschland.“

Weißt du was, Michel?“ „Ja?“ „Ich denke für solche Fälle schon lange an eine Art legalen Notschild.“ „Hä?“ „Ja, nicht so einen großen schönen wie die Polizei ihn hat, sondern einen kleinen, handlichen, den man sich wenigstens über Rübe und Genack oder auch vor Gesicht und Hals oder auch den Unterleib halten kann.“ „Echt?“ „Ja, man könnte das Teil aus Hartplastik, mit zwei oder drei biegsamen Stellen, unterm Hemd bis in die Hose tragen, so schon gegen manche Tritte und Fauststöße geschützt. Wenn die Steine fliegen und die Flaschen, zieht man das Ding nach oben raus und verwendet es als Kopfschutz.“ „Karle, du bist ein Genie.“ „Nana, ich mache erstmal zwei davon. Vor der Massenproduktion, die uns garantiert reich und berühmt und, was mehr ist, ums Vaterland verdient machen wird, müssen wir die erstmal im harten Einsatz testen. Ich gehe davon aus, du bist dabei.“

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Jan Gustafsson: Weltkaiser des Geschwätzblitzens

Ach, nun war ich eben schon am Loben, so mache ich doch gleich weiter damit.

Diesmal handelt es sich um Jan Gustafsson, einen starken deutschen Schachgroßmeister, der es zwar nie bis in die schachliche Weltspitze schaffte, aber ganz anderes leistet als das.

Als Aushängeschild und wesentlicher Organisator der Seite chess.24 in Hamburg kommentiert er, neben dem Verfassen von Videos über Eröffnungen, live große Turniere, im besten Falle auf Englisch mit seinem guten russischen Freund Peter Svidler, inzwischen auch auf Deutsch mit dem kernigen Berliner Robert Rabiega, war aber zwischenzeitlich auch, wohl nicht ohne Grund, Sekundant des Weltmeisters Carlsen in seinem letzten Kampf gegen Karjakin.

In gewisser Weise ist all das und noch mehr für mich, und ich denke, für viele, noch nicht das Beste.

Er hat nämlich das relativ neue Genre des Banterblitz oder deutsch Geschwätzblitzens zur bislang höchsten Meisterschaft gebracht. Und zwar auf Englisch, das macht er meistens, wie auch auf Deutsch.

Diese junge Form der Unterhaltung besteht darin, dass ein guter Spieler im Netz zu Fünfminutenpartien (je Seite) antritt, dabei allerlei Schachliches erklärend, ein paar Scherze und etwas allerlei einstreuend, die Sache vergnüglich und lebendig zu machen.

Jan Gustafsson nun aber ergetzt sich an Wortspielen, „googelt“ diese nebenbei, erzählt von Filmen und merkwürdigen Fragen und Begebenheiten, jammert und winselt ob seiner Denkunfähigkeit und zumal -faulheit, wenn er mal wieder schlecht steht, brennt Feuerwerke an Unfug ab, vergleicht, da er ja kaum ein Buch gelesen habe, auch mal den guten Dostoijewski mit dem Tolstoi, den er zu lesen es nicht weit schaffte, undsoweiter, und er hat jetzt schon über hundertsechzig dieser Videos gemacht, und ich halte ihn für den Größten des Genres.

Zumal bei all diesem Gefuchtel und Geschwätz die Analyse und das Erklären und Wägen der Stellungen nicht zu kurz kommt. Außer, da entschuldigt sich der Großmeister dann aber auch in der Regel, wenn er in harte Zeitnot kommt, jetzt einfach ziehen muss, anstatt auf den nebenherlaufenden Chat zu reagieren und zu „googeln“ und weiters herauszuhauen und auch noch zu erklären.

Für mich ist Jan Gustafsson der Weltkaiser des Geschwätzblitzens.

Und wenigstens ein Anwärter, wenn es um den Titel des Multiple-Taskers geht.

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Wooster and Jeeves

Irgendwie stieß ich auf diese herrlichen englischen Filme.

Man findet sie unter Wooster and Jeeves oder Jeeves and Wooster.

Es sind Verfilmungen der wohl besten abgedreht-skurrilen Geschichten des großen humoristischen Erzählers P. G. Wodehouse, jener mit Bertie Wooster und Jeeves. Sie drehen sich im wesentlichen um die Abenteuer eines Männerduos, der eine ein steinreicher, verwöhnter Spross der Oberklasse der zwanziger Jahre, in seinem Müssiggang recht chaosschaffend umtriebig, der andere sein persönlicher Diener, sein Faktotum, der genialische Jeeves, seinem Arbeitgeber an Bildung und jederlei Weisheit haushoch überlegen, stets Stratege und Notretter Berties und seiner ähnlich derangierten Freunde.

Der ganze Aberwitz wird, mit wunderbar passender Musik hinterlegt, vollauf detailgetreu in diese Zeit gebracht, mit den Schlössern, den Kostümen, den alten Zweisitzern, mit Schauspielern erster Klasse, in einem Englisch, dass man sich daran nicht nur wegschmeißen sondern auch eine Menge lernen kann, für Ohr und Wortschatz, kurzum, es ist das reine Vergnügen.

P. G. Wodehouse hat es geschafft, sicherlich nicht in der Tiefe wie Cervantes mit dem Don Quijote und seinem Sancho Pansa, aber weit an Conan-Doyle mit seinem absurden Alwiss und dem blassen Doktor, der nur Dummfragewand spielt, vorübergezogen, hier wiederum zwei sich ergänzende starke Figuren aufzulegen, die ein um die andere Geschichte zu tragen vermögen.

Sicherlich, unzählige Hollywood-Streifen haben diese Möglichkeit aufgegriffen, im Krimi wie in der Krimikomödie wie in der unkriminellen Komödie. Teils auch gute Sachen dabei. So grell und fein wie in diesen aber, ohne ernsthafte Schießereien und Tote, allenfalls mal eine Keilerei auf dem Rugbyfeld, oder eine Dame, die mit ihrem Mobil versehentlich einem Gentleman einen Beinbruch verpasst, so dass der sich dann bei Bertie Wooster als Pest und Qual einquartiert, kenne ich das aus den USA bislang nicht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man Bertie Wooster besser als durch Hugh Laurie, Jeeves besser als durch Stephen Fry hätte besetzen können. Trotz der Menge an hervorragenden englischen Schauspielern. Die zwei spielen das, wie als ob sie diejenigen seien, von denen in den Geschichten zu lesen ist.

Ich habe ob der Entdeckung noch einmal, nach über dreißig Jahren, die Originale nachgelesen, so um 500 Seiten, und das bestätigte diesen Eindruck nur noch mehr. Mein dankbarer Glückwunsch an unsere englischen Vettern für Wodehouse und diese Filme.

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