Bauer, König, Dame, Springer, Läufer, Turm

Der Bauer, erst ein tumber Tor, rücket stets ein Feld nur vor, zu Beginn dabei auch zwei, kann schlagen eines schräge: doch ist er auch ein Schlauer. Denn einmal durch nur stur, wird er zur Figur.

Der König ist zu Anfang feig, arg hilflos, wenig. Zag er sitzt im Hag, und muss immer rennen, will irgendwer, selbst ein Bauernheer, den Pelz ihm brennen. Kommt er nicht mehr aus dem Schuss, ist mit allem Schlachten Schluss. Gegen Ende doch, Feindes Trupp gelichtet, macht er frech sich ins Gelände, ist oft an fürdster Front gesichtet. Denn eins er schlägt nach jeder Richtung, der Läufer flieht, wo er ihn sieht, wie nun auch noch der Springer, oft selbst ein Turm, vor des Monarchen Sturm.

Die Dame nun, die niemals zahme, Königin des Brettes, die kennt gar nichts Nettes. Sie schlägt den Feind ob grad ob schräge, auf jedem seiner frechen Wege.

Der Springer nun ist ein ganz besondrer Unheilsbringer. Einmal vor und dazu schräg, hat er in jede Richtung Sichtung, hupft er drüber über jeden öden Blöden. Er sich schnellt und stellt in seinem Ritte, am liebsten in die Mitte, schaffet Unbilden, in hellen wie in dunkelen Gefilden.

Der Läufer, so weit er immer kommt, dem jede Schräge endlos frommt: Doch mag er nur weiß oder schwarz sich verwagen, da hilft ihm nicht Jammern noch Klagen.

Der Turm bloß gradaus zieht, der ehrliche, beschwerliche, lange und bange vor den Läufern und Springern flieht, der Träge ohne Hupf und Schräge. Gegen später aber, kennt er nicht Gnade noch Gelaber, bricht durch alle Linien und Reihen, wird gar nichts mehr verzeihen.

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Das kommt davon

Gestern ging mir ein unzweifelhaft menschlicher E-Brief zu, im Kerne des Ansinnens, ich möchte doch mal wieder was Lustiges schreiben. Das hat mich natürlich bass entsetzt.

Meine außerirdischen Freunde mögen es zwar nicht übermäßig, wenn ich mit derlei Frust bei ihnen durchklingele, sie wissen aber auch, wie viel sie mir zu verdanken haben und wahrscheinlich noch zu verdanken haben werden.

„Schreib doch einfach was über den Hohepriester des Popocatepetl oder eine einsame Fischerin auf den Aleuten, die von einem wackeren Walross vor einem bösen Eisbären gerettet wurde und mit dem jetzt in einer eingetragenen, harmonischen Transbiopartnerschaft lebt.“ „Oder schreib was von Kalamarenkindern, wie die herumtollen, welche Streiche die sich einfallen lassen, selbst wenn sie einen Tiefseeschnupfen haben.“ „Oder schreib was von beleidigten Chilischoten, die auf Spechtfang gehen, so blöd, dass nur noch ein barmherziges Bilsenkraut sie aus ihrer schwierigen Lage rettet.“

Man sieht, ich erntete praktisch nur Hohn und Spott. Sie waren mal wieder alle auf Fentanycannabinol, einem Zeug, das jeden Erdenbürger, zumal in den Dosen, die die sich reinpfeifen, sofort ins Jenseits beförderte (oft mischen sie noch Muscarin, Scopolamin, Psilocybin, Meskalin, Digitalis, Taxine, Colchizin und Eisenhut darunter, dazu alles, was sie unterwegs an Brauchbarem aufgesammelt haben), und so konnte ich mir gerade keine große Hilfe von ihnen erwarten. Grrr. Spätestens, wenn ich selbst mal leicht einen im Kahn habe, werde ich Vergeltung üben, es wird dann meinerseits keinerlei Rats zu sprachwissenschaftlichen Fragen geben.

So schön nämlich ihre Raumschiffe, so effektiv ihr 20G-Netz, was Deutsch anlangt, sind sie nicht wesentlich weiter als jener Yoda, der Oberyetiritter aus Star Wars, der nach 930 Jahren noch immer nicht den einfachsten Satzbau beherrscht. Und zwar auch dann, wenn sie nüchtern sind. (Die Spottvorschläge von ihnen oben habe ich der Lesbarkeit halber berichtigt.)

Sie reden von sich in der dritten Person („Yoda das schon gesagt hat“), „ich“ zu sagen ist ihnen aufgrund ihrer schrägen Religion absolut untersagt, selbst diejenigen, die dies Konzept von mir gelernt haben, müssen sich daran halten. Es gibt bei ihnen insgesamt nur die dritte Person, immerhin auch in der Mehrzahl. Deshalb glauben sie mir auch oft nicht, dass ich für Menschenohren, zumal deutsche, richtig übersetzt hätte.

Bei zusammengesetzten Begriffen haut sie es dann gleich ganz aus der Kurve. Schon der einfache „Kellertürschlüssel“ ist ihnen zu viel, das muss heißen (es gibt auch nur einen Artikel): „Die Schlüssel von die Tür von die Keller.“

Und wehe, man frägt sie, ob das bei ihnen vielleicht vor 5000 Jahren mal einer besser gekonnt hätte. Nicht, dass sie es bei mir für sowas gleich wagten, mir einen Tachyonenstoß zu versetzen, der sich gewaschen hat, sie fleuchen dann aber so aufgeregt durcheinander und wedeln mit ihren Hyperwaffen, dass es allemal für ein unangenehmes Ohrenbrummen reicht.

Sie können primitivstes Deutsch inzwischen leidlich lesen, sehr langsam und einfach gesprochen auch verstehen, um ihnen aber beispielsweise einen langen Satz aus Kleists Käthchen oder Kohlhaas halbwegs zu erklären, brauche ich bei den Hellsten leicht ein Stunde. Bei Aphorismen etwa Lichtenbergs zeigen ihre Computer stets eine Fehlermeldung, und ich brauche eine Engelsgeduld, ihnen auch nur Doppeldeutigkeiten einigermaßen nahezubringen.

Ansonsten können und wissen sie so gut wie alles. Guckt einer nur auf einen Stahl, so kann er dir sofort sagen, wie viel Kohlenstoff, Vanadium, Niob, was auch immer da drin. Aufs Kilo aufs Attogramm genau.

Wie sie sich fortpflanzen, das darf ich Euch leider nicht genauer verraten. Nur, dass es sehr kompliziert ist und nur in einem extremen Hochvakuum funktioniert, und das auch nur beim etwa tausendsten Versuch.

So, das habt ihr jetzt davon, ihr Galaktobekifften, dass ihr mir nicht einmal eines von euren Milliarden Geheimnissen rausgelassen habt, worüber ich etwas so Unglaubliches hätte schreiben können, dass der Mensch vor lauter Staunen darüber lacht.

 

 

 

 

 

 

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Yale: Miaßed mir vor soddene no Angschd hoh?

Sellede Nochrichda vom Salzkracher, des senn amol guede. Gradado, wo’d Schädel ond Gnocha s Dsebder en de Händ hont, brauchedse jedsed, fir dr Nochwuchs, Blädsesbagga, derabeidisch Ausmola on Hibfburga. Damid denne ed ’s Zäbfle ganza rohageled, se dr Sozialismus on der Dschenderscheißdregg on älles, wa gega Weiße on Männer onsoweider, mid a weng wenicher Angschd iber d Menschheid brenga kenned.

Miaßed mir vor soddene no Angschd hoh?

(Die Transkription ist schwäbisch zu nasalieren.)

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Mein Dank an guten Whisky

Ich weiß, dass man gegen Kälte nicht antrinken soll, zumindest sind sich die Ärzte, auch wenn deren viele sich im Ernstfalle selber nicht daran halten werden, in diesem Punkte von der Wissenschaft her gesehen erstaunlich einig. (Vielleicht ist auch die Wissenschaft diesbezüglich noch einmal zu hinterfragen. Noch vor zwanzig Jahren hieß es unisono, man könne sich nur immer mehr Hirnzellen absaufen, keine neuen mehr könnten, zumal im Alter, gebildet werden, inzwischen ist man über diesen Unfug, an den ich nie so recht glaubte, weg.)

Tut man es nun aber doch in gewissen Maßen, so mag jeder sein Zauberwasser finden, sein eau de vie: bei mir ist es unter den prozentlastigen Sachen zweifellos guter Whisky, der am besten anschlägt.

Scotland forever!

(Vielleicht gibt es ja eine Art echte menschengemachte innere Hirnerderwärmung?)

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Mein Dank an El Rey Dicharachero Pepe Cuenca und Kollegen

Diese Danksagung geht nicht nur an Liebhaber des Schachspiels, sondern allgemein an jene der spanischen Sprache und Lebensart.

Pepe Cuenca ist ein Schachgroßmeister, der es nie in die Weltspitze des Spieles selbst geschafft hat, aber sehr wohl in jene der Schachkommentatoren.

Auf Deutsch wäre da natürlich der vortreffliche Jan Gustafsson zu nennen, auf Englisch (in seinem Falle sicherlich auch Russisch) Peter Svidler, Yasser Seirawan, Maurice Ashley, Jennifer Shahade und andere.

Svidler ist zweifellos noch fachkundiger als Cuenca, von feinem Witz, hat alle großen Turniere bestritten, kennt die gesamte Weltspitze persönlich, und zumal wenn er zusammen mit Jan Gustafsson kommentiert, ist das eine auserlesene Freude.

Pepe Cuenca aber ist für mich d e r Carajillo des Schachkommentars, des Geschwätzblitzens, des Banterblitz, des Ajedrez Dicharachero.

(Vielleicht sollte ich in meiner nächsten Inkarnation, darf ich fieserweise nicht schon wieder Deutscher sein, doch lieber Spanier werden wollen anstatt Russe.)

 

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Mein Dank an Gerhard Wisnewski und Niklas Lotz

Zeit für Dank und Ehrung.

Gerhard Wisnewski ist für mich der deutschsprachige Journalist zumindest des vergangenen Jahres.

Zweifellos ein ausgezeichneter Redner, ist er keiner, der den Saal zum Brüllen bringen will, einer von feinem Humor, seine Sprache stets ungekünstelt, er verwendet, obzwar er sicherlich Tausende kennt, nur wenige Fremdwörter, er wechselt seine Lautstärke nur mäßig, seine Analysen sind brillant, ich wünschte jedem Gymnasium in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen solchen Deutschlehrer für die Oberstufe.

Soweit ich das beurteilen kann, spricht er so ziemlich wie er schreibt, beziehungsweise schreibt wie er spricht. Selbst in freier Rede macht er so gut wie keine Fehler.

Ich kann unserem Nachwuchs nur empfehlen, sich nicht nur mit seinen Inhalten zu befassen, sondern auch seiner erkenntnispraktischen Methodik: womit ich natürlich nicht Nachahmung empfehle, denn seinen eigenen Stil muss letztlich jeder selber finden, gegen das eigene Temperament anzureden und anzuschreiben, das führt im besten Falle zur Mittelmäßigkeit.

Und wenn wir schon beim Nachwuchs sind: Da gäbe es einige prima junge Leute, die ich hervorheben könnte, am beeindruckendsten aber (ich habe sein Buch „Mein Weckruf für Deutschland“ leider noch nicht gelesen) ist für mich Niklas Lotz mit seinem YouTube-Kanal „neverforgetniki“.

Ich wünsche Gerhard Wisnewski, dass er mindestens so alt werde wie Peter Scholl-Latour, wie dieser bis ins hohe Alter wach und tätig bleibe, Niklas Lotz dasselbe.

Nachtrag

Eben fand ich noch dies Neujahrsvideo von Niklas Lotz. Ein junger Mann mit Mut:

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CSU Main-Spessart mit feinem Humor

Die CSU hat sich zur Kommunalwahl am 15. März 2020 hier wirklich was Putziges, Nachhaltiges einfallen lassen: Auf dem kostenlosen Müllkalender prangen neben den Monaten Januar bis Mai sechs deren Kandidaten. Die werde ich, wofern ich das Ding an den Küchenschrank pappe, immer sehen, wenn es um Biomüll oder Restmüll oder Grünabfall oder Altpapier oder den Gelben Sack oder Problemabfall geht.

Anscheinend hat die CSU anderwo fast ebenso viel fortgeschrittenen Humor wie hier im Landkreis Main-Spessart, bei der Gemeinde Moosach gibt es wohl auch einen kompetenten Parteiabfallkalender, allerdings sind darauf keine Kandidaten abgebildet.

Achja, die große Überschrift „Müllkalender 2020“ ist wie die Namen der Kandidaten und der Grünabfalltermin in einem frechen Giftgrün gehalten, ansonsten der Hinweis auf die Kommunalwahl in hellem CSU-Blau, ebenso die Samstage, Sonn- und Feiertage zeigen sich in CSU-Dunkelblau, etwa so blau wie meine Papiertonne…

Nachtrag

Ich geriet auch kurz auf csu.de. Da lachte mich gleich der Mininsterpräsident mit dem folgenden Motto an: „Klimaschutz stärken – Bürger entlasten“

Das ist mehr als Chuzpe, das ist rotzfrech, zeigt, für wie dumm der uns hält.

 

 

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