Egon

Egon war schon als Kind klargeworden, bereits beim praktischen Sexualkundeunterricht in der Kita, dass der Geduldige besser durchs Leben kommt als der Ungeduldige.

Im Laufe der Jahre wurde es für den braven Egon trotzdem immer schwieriger. Auf der einen Seite gingen Sachen plötzlich viel schneller oder verschwanden gar, kaum, dass er sich richtig eingewöhnt hatte, sie zu erdulden, auf der anderen musste er immerzu und oft über Nacht neue Dinge erdulden lernen, so dass er kaum mehr nachkam, was sich auch nicht besserte, indem er immer tiefer ins Kognakglas schaute.

Also erbat er schließlich – so stolz er bisher gewesen war, sich seine Geduld ohne psychologische Fremdhilfe bewahrt zu haben –  schweren Herzens einen Termin bei Frau Doktor H., einer ausgewiesenen Spezialistin, einer Koryphäe für endogene Depressionen und spezifische wie polymorphe Geduldsstörungen.

Er hatte erwartet, dass man ihn im Wartezimmer testweis erstmal über eine Stunde warten lassen werde, tief in der zweiten begann er sich aber schon leise zu verfluchen, dass er nicht einmal seinen Wodkaflachmann dabei hatte, an einem gewissen Ort mal einen tiefen Zug daraus zu tun. Röche Frau Doktor H. etwas, na und? Das würde ja nur zeigen, wie sehr er leide, wie dringend er behandlungsbedürftig. Aber er bewahrte Haltung, rutschte kein bisschen auf seinem Stuhl herum (er war sich sicher, dass er, selbst wenn die Sprechstundenhilfe ihn gerade nicht direkt sehen konnte, die ganze Zeit beobachtet werde), bis dass er endlich auf die Couch gebeten.

„Sie sagten am Telefon – ich halte ja nicht viel von Selbstdiagnosen von Amateuren – , Sie hätten, ich zitiere ‚ein exogenes Geduldsdesorientierungssyndrom‘. Lächerlich. So etwas gibt es nicht. Jedenfalls wurde noch nie ein exogener Fall nachgewiesen.“

„Aber ich meinte ja nur…“ – „Sehen Sie, Sie halten sich für etwas nie dagewesen Besonderes, fangen dabei gleich mit einem „Aber“ an, nur um zu unterstreichen, dass bei Ihnen Geltungssucht, Größenwahn und ein gestörtes Verhältnis zu Ihren Mitmenschen und der Gesellschaft insgesamt zu einer sehr bedenklich niedrigen Toleranzschwelle, zu Allmachtsphantasien verbunden mit paranoid geprägtem Selbstmitleiden, zu einer Mischung geführt haben, dass ich Sie jederzeit für in der Lage halte, ein vorsätzliches Hassverbrechen zu begehen.“

„Äh…“ – „Na, das hört sich doch schon etwas besser an, denn Sie sind oder geben sich jetzt erstmal ahnungslos. Wir sind fertig für heute.“

„Äh…“ – „Einmal Äh reicht, Herr Ballauf. Lassen Sie sich für nächste Woche wieder einen Termin geben.“

Egon gehorchte wortlos und schaffte es weitestgehend, erst zu zittern, als er die Praxis deutlich hinter sich gelassen hatte.

Er meldete sich noch am selben Tage wegen einer Grippe krank, las Tag und Nacht Fachbücher über Verfolgungs- und Größenwahn und Angststörungen undsoweiter, wobei ihm immer klarer wurde, dass er Frau Doktor H. niemals werde ein Bein stellen können, oft sah er Artikel von ihr, und es war ihm, als stünde sie leibhaftig vor ihm. Also, dass sich in Egon eine nie gekannte Verzweiflung breit machte.

Endlich stieß er aber, dieser Seelenzustand hatte ihn wundersam dorthingeführt, auf ein Buch über die 36 chinesischen Strategeme, und siehe da, eines lautete: „Aus einem Nichts etwas erzeugen“. Schnell ward ihm klar, dass nur derlei ihn retten konnte.

Also ging er zum Termin, und bevor Frau Doktor H. überhaupt dazu kam, ihm die Couch anzuweisen, sagte er zu ihr: „Ich werde Sie heute mitnehmen und heiraten. Sie haben eine Stunde, sich für den Flug nach Vegas herzurichten.“

Sie flogen natürlich nicht gleich nach Vegas, aber das mit der Couch klappte sehr schnell, und so sind Frau Doktor Isabella Ballauf (sie bestand darauf, seinen Nachnamen anzunehmen) und Egon heute ein glückliches Paar. Man betreibt jetzt gemeinsam einen großen Erlebnispark für die ganze Familie, Eigengewächs Julia Gerlinde ist fast schon vier, Rüdiger Rainer hatte gestern seinen zweiten Geburtstag.

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Irgendwas stimmt nicht mit mir (II)

Ich denke, die Erklärung, weshalb ich eher dumme Filme als dumme Bücher ertrage, was also mit mir nicht stimmt, ist eigentlich recht einfach.

Beim Bücherlesen springt mir die Dummheit des Textes unabwendbar ständig ins Gesicht, ich kann die Wahrnehmung nicht abschalten, ablenken, wesentlich verringern, während ich beim Filmeglotzen viel mehr Dummheit viel länger an mir vorbeirauschen lassen mag, auch vielleicht weil die Landschaft im Western einfach so schön anzuschauen, egal, wer gerade darauf herumreitet, oder man heizt zwischen allen wenig intellektuellen verbalen Absonderungen derart granate mit alten Plankärren Hänge hinunter, dass einem das Maul dazu offensteht, denn nichts ist getrickst, jeder Stunt atemberaubend echt.

In dummen Büchern mag ein Autor derlei Szenen zu beschreiben versuchen, auf dass es einen Film im Kopf auslöse, der vergleichbar: So etwas können schlechte Autoren aber nicht, denn wenn die Sau wirft, kommen halt nicht immer acht große Literaten heraus, etwa je zwei Dostoijewskis, Kleiste, Schillern und Cervantesse.

Auch natürlich ist es einfacher und überdies erbaulicher, einer schönen ausgezeichneten Mimin zu schauen (beim Film kann man ja jederzeit weggucken, allein über den Ton auf dem Laufenden bleiben, zwischenzeitlich anderes tun), wie sie ihren noch nicht ganz eingefangenen Cowboy in höchster Gefahr zwischen Sorge und Schmachten anblickt, denn sich eine derartige Szene anhand magerer Worte selber im eigenen Kopfe schönen und erhöhen zu müssen.

Oder mal so herum: „Das Buch ist zwar teilweise unlogisch aufgebaut, kommt schwer in Gang, bedient Klischees ohne Ende, es strotzt als Krimi vor handwerklichen Fehlern, selbst Standardvorgänge bei der Polizei werden, obzwar der Krimi keine Satire, ad absurdum geführt, Waffen völlig falsch beschrieben (etwa, dass es bei vielen Waffen und Munitionstypen gar nichts hilft, sich hinter einen Mann zu stellen, ein sehr häufiges Motiv), was fast gemeingefährlich, weil die Leute in vergleichbarer Lage glauben, hinter ein oder zwei Autotüren wäre es sicher, was es nur hinterm Motorblock einigermaßen ist, aber es ist trotzdem geil, Teil der großen Literaturgeschichte, weil der und der Dialog zwischen dem schwarzen Detective und dem chinesischen Triadenchef einfach genial in Szene gesetzt, das anschließende große Schlachten erst recht.“ – ??? – Hä? – Sowas, alswas bei Filmen Standard, schonmal über ein Buch gehört?

 

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Maulkorbtragen siegt: Malle macht’s vor

Auf Malle müssen ab morgen alle auch draußen – außer am Strand – einen Maulkorb tragen. Das zur Strafe für alle, zumal auch jene dafür wesentlich ursächlichen, verantwortungslosen Deutschen (zuhause kuschen, in Spanien die Sau rauslassen), die am Ballermann zu fröhlich und freizügig gefeiert haben.

Das Kalkül der balearischen Provinzregierung ist so einfach wie genial: Die meisten Deutschen, die schon da, sind Pauschaltouristen, bleiben eh, bis ihr Flieger nach Hause geht. Gleichzeitig werden Millionen vernünftige, gesundheitsbewusste Deutsche, die endlich einmal wieder sicher Urlaub machen wollen, selbst noch im Eselskarren anrücken, um auf die Fähren zu kommen, wenn alle Flieger schon aus den Nähten platzen.

Es ist auch schon eine gezielte Werbekampagne in den deutschsprachigen Medien geplant (Ösis und Schwyzer verstehen auch was von Hygiene!), mit dem Slogan: „Malle ist gesunder Spaß für alle!“ Dazu sieht man lauter fröhlich mit Abstand und Maulkorb tanzende sexy UrlauberInnen im Sonnenuntergangslicht.

Gerüchte, die Provinzregierung arbeite daran, eine stabil niedrige, aber eben stabile Coronainfektionsquote aus wirtschaftlichen Gründen egal wie aufrechterhalten zu wollen, basieren bislang lediglich auf Indizien, handfeste Beweise dafür gibt es noch nicht.

Es soll aber schon mit wachsendem Absatz ein „Cerveza de Higiene“ ausgeschenkt werden, die schlaue Brauerei genau wissend, dass jeder Deutsche genau zwei spanische Wörter ganz sicher kann, nämlich Cerveza und Higiene.

Flaschen wie Gläser des Germanentrunks sind – ähnlich wie Schnabeltassen im Krankenhaus oder Babytrinkflaschen, nur für Untermaskentrunk zielführender – mit einem Schlauchsystem ausgestattet, so dass man mit aufgesetzter Maske trinken und sich ganz auf seine Flirtpartnerin konzentrieren kann, die Vorstellung, was wohl unter der Maske für sinnliche Lippen warten sollten, wie ein Lachen der Dame sich nicht nur abgedämpft liebreizend anhöre, sondern auch noch aussähe, zöge sie sich da ganz nackert aus.

Der clevere Don Juan oder Hans Meier nun, der löst das Problem ganz einfach, indem er der Dame eine Tapa, einen Pincho, einen kleinen landesüblichen Snack unterjubelt, denn dafür muss und darf sie ihre Gesichtsburkha selbst für Nichtverwandte öffentlich lüften. Die Wirte freut das natürlich, denn zumal Tapas mit Sardellen, Oliven und Manchego machen durstig, so dass immer noch mehr Cerveza de Higiene über den Tresen geht.

Der oberclevere Don Juan aber weiß wohl, dass er sich interessant macht, wenn er selber nicht aus allzu naheliegenden, entlarvenden Gründen nach Tapas frägt, er lässt also seine momentane Dulcinea zappeln, bis dass sie ihn losschickt, welche zu besorgen. Und mancher kluge Wirt gibt so einem gerne mal ein Hygienebier extra aus, weil der über die selbst mit Maulkorb schönen Frauen noch mehr Männer anlockt, noch mehr Tapas und Biere verkaufen hilft.

Die Heftigkeit des Geschlechtstriebs wird dadurch derart gesteigert, dass es vermutlich in einem dreiviertel Jahr einen Hygienebabyboom geben wird. Die am saubersten gezeugte Generation seit Menschheitsbeginn. Scharen fröhlicher gesunder Kinder mit lauter verantwortungsvollen, hygienebewussten Eltern.

Es hat ja auch was von Inklusion, wenn man die Maske erst nach dem dritten Koitus absetzt. So geht es von Anfang an weniger ums Gesicht und Äußeres insgesamt, gleich mehr um die inneren Werte. Man muss nicht einmal mehr das Licht ausmachen, um nicht zu sehen, was da gerade auf einem reitet.

Kurzum, Malle geht mit gutem Beispiel voran.

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Alle Weißen sind böse

Gleich aus welcher Möse

Alle Weißen sind böse

Schon ihr Erbschlecht

Schafft nur Unrecht

 

Alles, was von Weißen je gelehrt

Gehört getilgt und ausgekehrt

Weg mit all ihren Schriften

Die nur Elend und Verderben stiften

 

Zerschlagt ihre Bilder, erstickt ihre Lieder

Damit nie wieder

Der Ungeist über die Welt kommen kann

Durch den bösen alten weißen Mann

 

(Das obige Lehrgedicht lässt sich bestimmt gut rappen. Es ist leicht eingängig und inhaltlich wie poetisch mitreißend.)

 

 

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Schach ist lieb

Der König, meist lange feig und schwach

Der Bangste ist der Erste im Schach.

Die gar nicht lahme Dame

Ihm bis zum Ende zahme.

Die Türme nun

Nicht als erste was zu tun

Alswie Gewürm in der Ecke

Werden bald vorn und hint

Wie seitwärts zum Schrecke.

Erst aber hüpft der feiste Springer

Dieser dreiste Finger

Über alle Dinger.

Der Läufer braucht für seinen Flug

Immer erst ’nen Bauernzug.

Und der Springer dann

Greift gern noch vor dem Läufer an

Der ihn ständig jagt

Langschritts einhegt und befragt.

Nun der Bauer

Wacker stets nach vorn 

Läuferschräg von kurzem Dorn

Liegt je länger von Dauer

Umso mehr auf Wandlungslauer.

O wäre ich nicht so lahme!

Endlich eine Dame!

Also ist gerecht und schön das Spiel

Obzwar und weil des Königs Matt das Ziel.

 

 

 

 

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Schach ist menschenverachtend

Schach ist noch viel menschenverachtender als ich es in diesem Beitrag, der weltweit schon gut aufgenommen wurde, beschrieben habe:

Schach gehört als rassistisch, faschistisch und frauenfeindlich verboten und geächtet: Schach ist sittenwidrig

Denn man demütigt und verspottet die leichthin in den Tod geschickten „Bauern“, also das Proletariat, in diesem „Spiel“ auch noch damit, dass man etwa den Antifaschisten der A-Linie „Anton“ nennt, jenen der H-Linie „Harry“, sie unter diesen Namen direkt in ihr Verderben hinein anfeuert, und etwa „Anja“ oder „Helen“ heißen sie nie. ProletarierInnen werden allsamt männlich benamt, alles Weibliche abzutun.

Dabei sind die „Bauern“ die einzigen auf dem Brett, die eine Transgenderfähigkeit im Tornister haben, schließlich können sie zur Dame werden, tun das durchgekommen selbstlos auch fast immer, weil es der Truppe mehr bringt. Sie lassen sich in eine Dame regelrecht zwangvergendern, denn nur sehr selten bringt ein Springer in der Umwandlung mehr, Turm oder Läufer so gut wie nie.

Und, noch arglistiger: Somit könnte es im Prinzip zu 18 Damen kommen am Brett, indem die Urdamen bleiben, alle „Bauern“ zu Damen umgegendert, nur hat die faschistische Regelstruktur des „Spiels“ das  unmöglich gemacht, denn wo sollen da bis 18 Damen noch die Könige stehen? – Das Patriarchat steht, echte Frauenpartizipation, zumal von Transfrauen, findet nicht statt.

Auch stellt sich die Frage, weshalb weiße Figuren sich auf schwarzen Feldern bewegen dürfen, weshalb es überhaupt weiße Felder gibt und weiße Figuren. Warum dürfen weiße „Spieler“ mit weißen Figuren weiße Felder besatzen, überdies auch noch schwarze?

Und wieso kann ein weißfarbiger Läufer, wenn er schwarz ist, nicht auf Schwarz umrassen, wenn er damit die entscheidenden Felder gegen den Faschismus bestreichen kann, ja selbst tödlich das Eckfeld gegen den feindlichen Tyrannen? Wo bleibt auch da die soziale Gerechtigkeit, wo bleiben Antirassismus und Antifaschismus?

Und genau betrachtet ist auch der Springer ein schlimmer Dinger. Möchte er auf den ersten Blick trotz seines Geschlechts halbwegs sympathisch erscheinen, hüpft er doch mit jedem Zuge in die andere Rasse, so bedroht er doch, solange er steht, immer nur Andersrassige, und macht durch seine Rassenwandlungsfähigkeit oft selbst einen Läufer, der die bisher nicht hat, platt, indem er sich auf ein andersrassiges Feld, ganz frech und zentral am Markt, unangreifbar hinstellt, des dummen, rassegebundenen Läufers glatt hohnlachend. Entscheidet sich einfach für eine Rasse, und der Läufer ist ausgerasst.

Und über diesen Perversoffizieren steht wie über allem der König, und kein „Bauer“ kann je König werden. Nicht einmal reicht es, wenn der Gegentyrann nur zwei Spinger hat, solch rasselose Gesellen, mit Springer und Läufer reicht es erst, wenn der Gegenfaschist weiß, wie es geht. Oft genug kommt der scheinbar unterlegene Faschist sogar mit „Minusbauern“ durch seinen andersrassigen Läufer davon. Wäre da Rassewechsel erlaubt, wiederum keine Chance.

Was dächte ich mir, bei aller schönen Reichweite, als Läufer, wenn ich den Rest der Offiziere, die Dame und gar den kreuzlahmen König sähe? – Dass ich allein die Rasse nicht wechseln kann, auf immer weiß oder schwarz sein muss. Und ich darf noch nicht einmal, glühend vor Neid und Wut, jeden Springer, ja gar Turm, schlagen, der mir vor die Flinte kommt, weil der kommandierende Faschist mich zunächst aufsparen will, weiterghende quälende Pläne für mich hat. Mich womöglich für zwei lausige Bauern opfert, weil er meint, hinreichend Angriff dafür zu bekommen, oder einen dieser Loser bis zur Dame durchzuschieben.

Das „Spiel“ ist an Grausamkeit nicht zu überbieten. Für den König wird, bis zum Letzten alles und jeder und jede und ein Jedes verheizt, und nur einer wird nie geschlagen, ja, genau, der König.

 

 

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Schach gehört als rassistisch, faschistisch und frauenfeindlich verboten und geächtet: Schach ist sittenwidrig

Weshalb Black Lives Matter, die Antifa, die LGBTQ-Bewegung, sämtliche FeministInnen und AntirassistInnen das Schachspiel noch nicht als toxisch männliches weißfaschistisches Unterdrückungsinstrument angeprangert haben, erschließt sich mir nicht.

Das fängt schon damit an, dass Weiß im Schach immer den ersten Zug hat, einen hautfarbenbedingt gewichtigen Vorteil von Geburt an. Zunächst müsste also Schwarz zum Ausgleich für tausend Jahre diesen Vorteil haben, auch zumal damit Nichtweiße und Frauen endlich befreit aufspielen könnten.

Denn dazu die maskulistisch perfide und perverse Hierarchie der Figuren. Zumal auf Deutsch, wo nicht einmal, wie im Spanischen etwa, die Türme weiblich sind: DER König, DER Turm, DER Läufer, DER Springer, DER Bauer. Nur die Dame ist weiblich (Schach wurde vor Gender Studies erfunden). Und die gilt arglistigerweise als die stärkste Figur: Wichtiger aber als sie ist immer der wehleidige König, der sich meist bis zum Endspiel hinter Bauernmauern versteckt, dem die immer darunter gedemütigte Dame bis zur Selbstaufopferung zu dienen hat. (Im Englischen kommt noch hinzu, dass der Läufer ein Bischof ist, oft noch mit Kreuz oben, ein weißchristliches, männliches Unterdrückungssymbol par excellence, wie im echten Leben dem Ritter, der das entlang desselben weißfaschistischen, misogynen Systems nicht weniger erfüllt, öfter überlegen als umgekehrt.)

Die Arbeiterklasse nun, die „Bauern“, indem sie auf dem Schlachtfeld jederzeit skrupellos geopfert werden, wenn daraus auch nur ein geringer Vorteil für die Offiziere oder zumal den König oder auch nur etwas Entsatz zu vermuten, darf, damit fast immer todgeweiht, nur nach vorne in die gegnerischen Reihen marschieren, sich von den Unterdrückten der Gegenseite massakrieren zu lassen oder von deren Offizieren, ja selbst deren König, der zumal im Endspiel ein wahrer Bauernfresser werden kann, sich durch ganze Proletarierketten fräsen. Ein Bauernleger wie aus dem Bilderbuch. Und ganz mit Fleiß kann der vorrückende Proletarier seinen Kameraden ja nicht direkt von hinten schützen, sondern nur schräg von hinten, was die Sklaverei vervollkommnet, indem, haben sich die Proletarierreihen vollends ineinander verhakt, die Offiziere (die „Bauern“ gelten nicht einmal als „Figuren“ – englisch „pieces“ – so sehr werden sie als Kanonenfutter verachtet) sie dann bis hin zum blutigsten Siege oder einem Waffenstillstand nacheinender sonder Erbarmen einzeln guilottinieren, in Scharen niedermachen als wären es Fliegen.

Von daher sollte Schach im Grunde ganz verboten werden. Man denke nur daran, was es bedeutet, wenn Kinder derlei menschliche Abgründe als harmlos vorgeführt bekommen, als Sport, als Vergnügen, als Denkübung, gar als Kunst. Das Spiel ist sittenwidrig.

Oh, da sehe ich gerade, dass es fünf vor Viere, gleich spielt Magnus Carlsen die zweite Runde des Chessable Masters-Finales gegen Anish Giri, das will ich nicht verpassen, noch gibt es das im Netz, ich schreibe meinen Aufruf also erst nachher vollends fertig, vielleicht schon in einer der Wettkampfpausen.

Uff. Magnus Carlsen hat Anish Giri über ein Bauernopfer in einer für eine Schnellpartie besonders bemerkenswerten, anschaulichen, grandiosen Weise besiegt.

Ich mache den Sack jetzt erstmal zu, kleine Änderungen später vorbehalten, die zweite Partie beginnt in vielleicht sieben Minuten, die will ich nicht verpassen, also haue ich den Artikel jetzt einfach so raus, Sucht ist nunmal Sucht.

Nachtrag 17.25

Die zweite Partie der zweiten Runde ist eben ins Remis abgesackt, nachdem Giri und Magnus (der sich dafür, hernach erkannt, mit dem Kopf auf den Tisch schlug, was sonst kaum je von ihm gesehen) beide eine sehr naheliegende und einfache Mattangriffslage übersehen hatten, die nicht zwingend zum direkten Matt, Giri aber durch Materialgewinn zweifelsfrei zum Endsiege geführt hätte. Shit happens.

Nachtrag 18.20

Magnus hat die dritte Partie zu großer Verwirrung der Kommentatoren mit Weiß so scheiße gespielt, dass sie ihn klar am Abgrund sahen (Peter Svidler, Russe, schlug in aller Not einen Zug vor, der, wie seine Großmutter gesagt hätte, sei „as ugly as my life“, auch „something is obviously not functioning“), dann aber verkünstelte sich Anish, indem Magnus zudem lange in jämmerlicher unmagnusscher Zeitnot, durch Unentschlossenheit und inkonsequentes Spiel doch noch ins Remis. Klar ist, dass mit Magnus gerade was nicht stimmt. Mit Anish aber auch. Nach der weltmeisterlichen ersten Partie in der zweiten und dritten ein glatter Qualitätsabsturz. Jetzt muss Giri mit Weiß gewinnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, so hart ist das, sonst ist er draußen, Magnus Turniersieger.

Nachtrag 19.10

Magnus kam in der vierten Partie sehr schlecht aus der Eröffnung, Anish spielte glänzend, hatte ihn schwer, im Grunde gewonnenermaßen am Wickel, machte dann aber einen fatalen Fehler, so dass er am Ende nur ein Remis durch Dauerschach hatte, damit an einen Magnus, der klar von der Rolle, hintereinander drei Siege zu Remisen vergab, was ihn das gesamte Finale kostete. Magnus pflegt anders zu siegen. Vermutlich schämt er sich gerade öffentlich für sein lausiges Spiel und solch unverdienten Sieg.

Nachtrag 19.20

Man sieht an obigem Beispiel, welches, bis zurecht aus dem Netz gelöscht, dass Schach auch auf höchster Ebene von lauter psychisch Gestörten „gespielt“ wird. Dieses „Spiel“ hat nichts mit echter menschlicher Vernunft zu tun, und da hilft es auch nichts, es wird dadurch vielmehr unterstrichen, dass die beiden eben vorgeführten männlichen Faschisten – Carlsen ist ganz weiß – sich als behinderte, zögerliche, verzogene, unsichere, moralisch nicht gefestigte, möchtegernhalbstarkenhafte, selbst vor ihrem devoten Publiko erbärmlich versagende kleine Jüngelchen erwiesen haben, fast schon bemitleidenswerte Minimachos, die nicht einmal mehr all den weißen Rassisten und Frauenhassern ihrer Fanbasis (es gibt da viele indische und chinesische Fans, die die Weißheit des „Spiels“ einfach leugnen, auch „Spitzenspieler“, die voll bei der Sache sind, so weit reicht der Menschheitsbetrug) heute, außer in einer vermutlich abgesprochenen Partie, etwas Achtung abzuringen vermochten.

Insofern könnte das „Spiel“ vielleicht auch ohne Verbot und Ächtung regelrecht und regelgemäß entlang seines eigenen faschistischen Wesens recht zügig abyssosjämmerlich verrecken. Am Ende „spielen“ nur noch nachweislich degenerierte Weiße das „Spiel“ (degeneriert sind sie ohnehin alle), und das „Spiel“ ist mit deren längst fälliger Entsorgung dann bald mitabgeschafft.

 

 

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