Freiheitskundgebung zu Berlin

Nachdem ich wieder zag, faul, mich frag, was es an mir nun als dem einen mehr sollte, trollte ich mich halb durchs Land und dort irgendwie einher und zurück ins Ungewisse zur Freiheitskundgebung zu Berlin: Gab es aber, lieber Magnus, je eine Kundgebung, auf der du dich mehr am Platze sahest?

Ich setzte nicht hoch darauf, doch könnte von dieser Kundgebung ein Heilsames für die ganze Welt ausgehen.

Daher, auch um die Dinge selber zu sehen, wer da wie anscheinend oder wirklich für unsere Freiheit steht und wer eben offenkundig nicht, auf diesen möglicherweise historischen Moment hin, habe ich vor gut einer Stunde beschlossen, mich mindestens bis zum Anfang der Sache irgendwie bis vors Brandenburger Tor zu schlingeln. So wahr mir mein Reiserecht helfe.

Immerhin wird es trotz Corona wieder ein paar Touristen geben. Die Berliner Wirte werden froh sein, dass es etwas deutschen Ersatz für die ausländischen gibt.

Was wird die „Antifa“ tun, was die „Berliner Polizei“ (die für mich inzwischen auch in Anführungszeichen zu setzen, seit es gegen sie eine grundgesetzwidrige Beweislastumkehr gibt), wird man gemeinsam die Maskenpflicht durchsetzen?

Vielleicht nimmt die Berliner Polizei, in dem Falle gar nicht diskrimierungsverdächtig, uns auch alle in vorsorgliche Massenquarantäne, etwa auf einem Flughafen, der noch nicht fertig, oder schon so gut wie stillgelegt?

Vielleicht lässt man auch die allgemeine Bevölkerung auf uns los, der es jetzt endgültig reicht, die uns dann mit Stangen und Sensen erschlägt.

Einstweilen setze ich darauf, dass derlei Unfüge nicht fächendeckend eintreten werden.

Ich fahre nachher einfach frech dorthin, weil nicht einmal die Dienste mein Gesicht, meinen Namen oder gar diese Seite kennen.

Das ergibt den Spaß.

 

Bisher kein Kommentar

Willi in Weibsnot

„Adam heißt jetzt Adumm, Evina hat nicht mehr Apfel noch Loch.“

Das ließ mein berlinisch gerader Freund Willi vorhin zur Genderlage am Fon los.

Ich wies ihn denn auf all die zauberhaft schönen, vermutlich eher mannswilligen Frauen hin, derer ich selbst hier, wenn ich es in die Kleinstadt schaffe, immer wieder gewahre, ich sei vermutlich noch immer nicht der einzige Mann ohne vierzig Kilo Bauch, der da freudig hinschaue, selbst Jüngere als ich täten das wohl ebenso.

„Aus dir altem, abgehalfterten Schimmelhuber, der schon auf die Sechzig zugeht, mögen diese Evinen sich gerne einen Spaß machen, für dich wackeln sie vielleicht nochmal extra mit allem, was irgend an ihnen dran, denkste awer eene von denen wäre bei mir wat? – Und die bei mir mit meinen Zweiunddreißig noch wackeln, oder doch nochmal, das sind Psychologiestudentinnen auf Chaotensuche, wobei ich denen noch nicht einmal gestört genug bin.“

Willi ist ein tüchtiger selbständiger Handwerker (mit prima Abi) und findet selbst unter den Bedingungen der Coraonaknute noch durchaus ein hinreichendes eigenes Einkommen. Deshalb frägt er sich natürlich umso mehr, weshalb es jetzt lediglich Studentinnen aus ihm nicht als überhaupt von seinem Steuergeld zu fördernden Studiengängen sind, die sich anbieten, und keine, die etwa Vernünftiges studierte, will ihm näherkommen je.

_____________________________________________________________

Zu Zeiten war jeder tüchtige Mann zu Berlin umlagert von schönen und eifrigen Frauen. Das gab es auch zu Leipzig, die Sächsinnen sind eben helle, selbst im bräsigen München schwollen gelegentlich Dirndln an.

___________________________________________________________________

Wie nun sollte ich Willi aufmuntern?

Ich versuchte es also: „Willi, derzeit gibt es unzählige arbeitslose Fitnesstrainerinnen und Privatdozentinnen, die wirklich was gelernt und können und das auch gezeigt haben: Irgendwann wird irgendwer die sogar wieder brauchen, wieso schaust du dich nicht besser da, oder auf ähnlichen Revieren, mal um?“

„Magnus, du bist ein Arschloch.“

„Hey, Willi, jetzt aber mal halblang. Es gibt auch ehemalige Flugbegleiterinnen und Zoofrauen und Disponentinnen, Verkäuferinnen und Messeagentinnen, noch mehr Eventmanagerinnen auf Arbeitsuche, dass du jetzt endlich der Überhahn im ganzen Korb, versteckst du dich nicht feige vor aller losen Schönheit, in deinem Alter schon vor großer Romantik, deiner eigenen Wildheit, indem du endlich die Alte aufgabeln kannst, mehr Wahl denn je, die dir gesunde Kinder gebären und auch noch mit dir großziehen möchte.“

Willi ward erstmal etwas ruhiger. Er brummte zwar etwas von wegen meiner ruchlosen altklugen Frechheit, kam aber zunächst insgesamt runter. Doch dann:

„Magnus, du bist eine arge Arschgeige. Ausgerechnet du willst mich zum Glauben bringen. Und dann auch noch an das Weib, irgendein Weib. Irgendein loses Halbhurenweib. Hauptsache es hat sich nicht vorsätzlich nur dummstudiert, es genügt dir offenkundig für deinen Freund eine, die wenigstens mal adrett irgendwo herumgestanden hat und schleimigen Vertretern zwecks Marketing ihren Arsch hingestreckt. Bald wirst du mir arbeitslose Journalistinnen empfehlen, da ich da ja immerhin vermuten könnte, die Tante habe ein Buch mehr gelesen als ich, die wisse wenigstens, Magnus Nachteule, wann es Tag?“

Ich gab vor, mir Weinnachschubs holen und eine gewisse Bedürfnispause einlegen zu müssen, beides war nicht ganz erlogen, und dabei ward mir klar, dass Willi jetzt ein Brett brauchte.

„Willi, du hörst nicht recht. Ich weise dich auf lauter naheliegende, weit offenstehende Angebote hin, die statistisch mengenweis unabweisbar, und du lässt mich runter, wie als ob ich vor deiner Schildkröte, und du hast nicht einmal eine, in einem Meter Entfernung mit dem Nagel meines linken kleinen Fingers vor ihr dir den Sand leicht zerkratzt hätte. Stehst du etwa auf schwangere Soldatinnen? Soll ich dir gar die Politikerinnen nennen, die schneller über dich kommen könnten, als du je im Dunkelsten auch nur angeträumt?“

Was Willi mir darauf entgegnete, kann ich hier nicht wiedergeben. Es war, gelinde gesagt, recht grob.

Kein freundschaftliches Band aber ward gekappt.

Er werde über alles nochmal nachdenken meinte endlich Willi.

 

 

Bisher kein Kommentar

Schach ist edel

Die Bauern, bekanntlich Seele des Schachspiels, sind auf ihren acht heiligen Linien bis zur achten Reihe derart furchtlose Kämpfer, dass jeder von ihnen einen Heldennamen trägt.

Als Bauern (wobei schwarze Leben immer schon zählten!) heißen sie Anton, Bertie, Carlo, Donald, Eddie, Freddy, Gerald und Harry.

Wer lieber mit Bäuerinnen spielt, zieht Annie, Berta, Carla, Dana, Edda, Fiona, Gunda und Hannah.

Nichtbinäre schicken Anum, Bertrum, Carlum, Danum, Eddum, Fionum, Gundum und Hannum in die Schlacht. 

Das Schönste dabei: Die anfangs ziemlich marginalisierten Antone und Hannahs hat man später besonders gern, indem sie auf ihrer Außenseiterspur unbeirrt ihre Bahn bis hin zu beliebiger Geschlechtsumwandlung ziehen.

Schach ist ein überaus gerechtes und mitfühlendes Spiel. Der König ist ein feiger Trottel, die Dame hat am Brett alles Sagen. Insofern ist es auch für eine moderne, aufgeklärte Kindeserziehung sehr hilfreich.

Bisher 11 Kommentare

Friedels Karriere

Unt‘ rostroter Lederkapp‘, schwuchtlichster Filou von Gigolanien, die Stiefelchen dazu, schmälichten ausgeschwülsten weißen Schälchens, schlabbert‘ und schlich der Friedel schamlos und schleimicht um lose Weiber.

Die nun, nicht dumm, machten so den Männern mit echten Beuteln, ihnen dieselben listig leichter zu schneiden, gerne mit dem Roten Friedel rum.

So kam die ganze Weibermeute ratzfatz zu bester Beute.

Hin und Her, das End‘ ist nicht schwer: Liesel nahm den Friedel an seinem kleinen Schniedel.

Bisher kein Kommentar

Carmina

Carmina war immer ein lustiges Mädchen gewesen, ihre Eltern schickten sie zum Ballett, Sprachen waren ihr wie eingeboren, während sie den Rest ziemlich mühelos durch die Schule drückte.

Endlich hatte nun der fesche Bernd angebissen, bei der Abifeier geschah es, und nach einigem Hin und Her und Entfernungsschwierigkeiten ob Studium und Beruf, den üblichen fraktaltragischen Eifersüchteleien und Kurzzerwürfnissen junger, für einander bestimmter Paare, zogen die beiden endlich zusammen und waren einige Zeit glücklich und einander hold gleich tanzenden Forellen.

Dann aber geschah es. Bernd hatte wie üblich gekocht, denn Carmina hatte dafür nichts übrig, indem Bernd zurecht stolz, dass es ihr praktisch immer ausgezeichnet schmeckte, indem sie vom Schmecken durchaus etwas verstand. Diesmal aber hatte er, zum Jahrestag, ein vortreffliches Hirschragout vorgekocht, welches Carmina, da klarwar, dass Bernd erst gegen acht nach Hause kommen können werde, ab sieben auf der kleinsten Stufe wärmen und alle fünf bis zehn Minuten behutsam umrühren solle. Dann wolle er, die Kerzen angezündet, den Salat bereiten, man äße etwas Käse zum magenöffnenden Weißen: allwonebenher die feinen Nüdelchen gekocht und das Ragout endabgeschmeckt würden, dann der Spätburgunder dazu eingegossen.

Carmina nun aber merkte erst gegen halb acht, dass sie das Ragout noch nicht angestellt hätte, drehte, den Zeitverlust wettzumachen, ordentlich hoch, und als sie das Rühren dabei einmal vergessen, rührte sie ab da ständig. Kurzum: Als Bernd heimkam, war das edle Ragout ein leicht angebrannter, zusammengekochter, zerrührter Matsch. Nie hatte Carmina ihn so dreinschauen sehen, wie als er dessen gewahrte, einen derartigen Gesichtsverzug, beim Riechen schon, um wie viel mehr beim Löffeltest!

Das Schlimmste war, dass Bernd kein Wort sagte. Still säbelte er sich einen ordentlichen Ranken Käse ab, nahm einen großen Schluck Weißburgunders, schenkte dem Glase nach und schien alswie entrückt.

Endlich hielt Carmina es in ihrer Bluse nicht mehr aus und flötete: „Ach Berndi, es tut mir ja so leid, aber es ist doch nur ein Essen!“ – „Das war ein Essen! Und zwar nicht irgendein Essen, sondern ein Hirschragout! Und das hier ist übrigens eine fast leere Flasche Weißburgunder vom Stein, und hier siehst Du den Spätburgunder aus Bürgstadt, den ich jetzt ich jetzt hirschlos angehen muss. Vermaledeit.“ – „Ich weiß ja, dass…“ – „Du weißt nichts. Jetzt reicht es. Wenn Du nicht einmal Speisen wärmen kannst, wie willst Du je ein Baby aufziehen können?“

Darufhin ging in der Küche von Carminas Hand einiges zu Bruch, ein halber Weinkrampf und ein Beihnahenervenzusammenbruch folgten, bis dass Berndi endlich zu ihr in ihre Ecke kroch, sie unter tausend Bittküssen um Verzeihung bat, der Abend doch noch ein leidlich versöhnliches, wenn auch beischlafloses Ende im gemeinsamen Bette nahm.

Es war für das Liebespaar das Ordal der Ordale, die Prüfung aller Prüfungen. Bernd entschuldigte sich für diesen Abend so oft und bis fast zur Dackelhaftigkeit, dass Carmina recht schamhaft nach und nach die Bratkartoffeln, den Pfannkuchen, das Eieromelett, ja selbst das richtige Nudelkochen erlernte; dann Gemüsebrühe, Buletten, erste Suppen und Saucen, Brathühner und Hühnersuppe, Kurzgebratenes, selbst paniert. Berndi lebte derart auf, dass er gar nicht merkte, wie seine Carmina unter der Schürze nicht vom Schlecken am eigenen guten Essen ein Bäuchlein bekam: woher das rühren möchte, das offenbarte sie ihm erst, als er ihr Boeuf Bourguignon, nach einem umfangreichen bunten Vorspeisenteller mit allerlei Marinaden, selbstgemachtem Mangochutney, Tapenade, selbstgebackenem Dinkelweißbrot, einer Käseauswahl vor dem Herrn, nach Wahle dem Iphöfer Silvaner, wahlweise dem Riesling von der Inneren Leiste, nicht nur beschnüffelt, sondern mit den handgeschabten Spätzle und begleitet von ebenjenem erwähnten Spätburgunder, den Carmina noch einmal hatte ergattern können, in tiefer Andacht verzehrt.

Beider Bäuchlein wuchsen an diesem schönen Abend noch bis in Nachtisch, Kaffee, Kognak und Konfekt. Endlich wusste Berndi, weshalb seine göttliche Carmina schon seit Wochen am Weine kaum noch nippte.

 

Bisher kein Kommentar

Egon

Egon war schon als Kind klargeworden, bereits beim praktischen Sexualkundeunterricht in der Kita, dass der Geduldige besser durchs Leben kommt als der Ungeduldige.

Im Laufe der Jahre wurde es für den braven Egon trotzdem immer schwieriger. Auf der einen Seite gingen Sachen plötzlich viel schneller oder verschwanden gar, kaum, dass er sich richtig eingewöhnt hatte, sie zu erdulden, auf der anderen musste er immerzu und oft über Nacht neue Dinge erdulden lernen, so dass er kaum mehr nachkam, was sich auch nicht besserte, indem er immer tiefer ins Kognakglas schaute.

Also erbat er schließlich – so stolz er bisher gewesen war, sich seine Geduld ohne psychologische Fremdhilfe bewahrt zu haben –  schweren Herzens einen Termin bei Frau Doktor H., einer ausgewiesenen Spezialistin, einer Koryphäe für endogene Depressionen und spezifische wie polymorphe Geduldsstörungen.

Er hatte erwartet, dass man ihn im Wartezimmer testweis erstmal über eine Stunde warten lassen werde, tief in der zweiten begann er sich aber schon leise zu verfluchen, dass er nicht einmal seinen Wodkaflachmann dabei hatte, an einem gewissen Ort mal einen tiefen Zug daraus zu tun. Röche Frau Doktor H. etwas, na und? Das würde ja nur zeigen, wie sehr er leide, wie dringend er behandlungsbedürftig. Aber er bewahrte Haltung, rutschte kein bisschen auf seinem Stuhl herum (er war sich sicher, dass er, selbst wenn die Sprechstundenhilfe ihn gerade nicht direkt sehen konnte, die ganze Zeit beobachtet werde), bis dass er endlich auf die Couch gebeten.

„Sie sagten am Telefon – ich halte ja nicht viel von Selbstdiagnosen von Amateuren – , Sie hätten, ich zitiere ‚ein exogenes Geduldsdesorientierungssyndrom‘. Lächerlich. So etwas gibt es nicht. Jedenfalls wurde noch nie ein exogener Fall nachgewiesen.“

„Aber ich meinte ja nur…“ – „Sehen Sie, Sie halten sich für etwas nie dagewesen Besonderes, fangen dabei gleich mit einem „Aber“ an, nur um zu unterstreichen, dass bei Ihnen Geltungssucht, Größenwahn und ein gestörtes Verhältnis zu Ihren Mitmenschen und der Gesellschaft insgesamt zu einer sehr bedenklich niedrigen Toleranzschwelle, zu Allmachtsphantasien verbunden mit paranoid geprägtem Selbstmitleiden, zu einer Mischung geführt haben, dass ich Sie jederzeit für in der Lage halte, ein vorsätzliches Hassverbrechen zu begehen.“

„Äh…“ – „Na, das hört sich doch schon etwas besser an, denn Sie sind oder geben sich jetzt erstmal ahnungslos. Wir sind fertig für heute.“

„Äh…“ – „Einmal Äh reicht, Herr Ballauf. Lassen Sie sich für nächste Woche wieder einen Termin geben.“

Egon gehorchte wortlos und schaffte es weitestgehend, erst zu zittern, als er die Praxis deutlich hinter sich gelassen hatte.

Er meldete sich noch am selben Tage wegen einer Grippe krank, las Tag und Nacht Fachbücher über Verfolgungs- und Größenwahn und Angststörungen undsoweiter, wobei ihm immer klarer wurde, dass er Frau Doktor H. niemals werde ein Bein stellen können, oft sah er Artikel von ihr, und es war ihm, als stünde sie leibhaftig vor ihm. Also, dass sich in Egon eine nie gekannte Verzweiflung breit machte.

Endlich stieß er aber, dieser Seelenzustand hatte ihn wundersam dorthingeführt, auf ein Buch über die 36 chinesischen Strategeme, und siehe da, eines lautete: „Aus einem Nichts etwas erzeugen“. Schnell ward ihm klar, dass nur derlei ihn retten konnte.

Also ging er zum Termin, und bevor Frau Doktor H. überhaupt dazu kam, ihm die Couch anzuweisen, sagte er zu ihr: „Ich werde Sie heute mitnehmen und heiraten. Sie haben eine Stunde, sich für den Flug nach Vegas herzurichten.“

Sie flogen natürlich nicht gleich nach Vegas, aber das mit der Couch klappte sehr schnell, und so sind Frau Doktor Isabella Ballauf (sie bestand darauf, seinen Nachnamen anzunehmen) und Egon heute ein glückliches Paar. Man betreibt jetzt gemeinsam einen großen Erlebnispark für die ganze Familie, Eigengewächs Julia Gerlinde ist fast schon vier, Rüdiger Rainer hatte gestern seinen zweiten Geburtstag.

Bisher kein Kommentar

Irgendwas stimmt nicht mit mir (II)

Ich denke, die Erklärung, weshalb ich eher dumme Filme als dumme Bücher ertrage, was also mit mir nicht stimmt, ist eigentlich recht einfach.

Beim Bücherlesen springt mir die Dummheit des Textes unabwendbar ständig ins Gesicht, ich kann die Wahrnehmung nicht abschalten, ablenken, wesentlich verringern, während ich beim Filmeglotzen viel mehr Dummheit viel länger an mir vorbeirauschen lassen mag, auch vielleicht weil die Landschaft im Western einfach so schön anzuschauen, egal, wer gerade darauf herumreitet, oder man heizt zwischen allen wenig intellektuellen verbalen Absonderungen derart granate mit alten Plankärren Hänge hinunter, dass einem das Maul dazu offensteht, denn nichts ist getrickst, jeder Stunt atemberaubend echt.

In dummen Büchern mag ein Autor derlei Szenen zu beschreiben versuchen, auf dass es einen Film im Kopf auslöse, der vergleichbar: So etwas können schlechte Autoren aber nicht, denn wenn die Sau wirft, kommen halt nicht immer acht große Literaten heraus, etwa je zwei Dostoijewskis, Kleiste, Schillern und Cervantesse.

Auch natürlich ist es einfacher und überdies erbaulicher, einer schönen ausgezeichneten Mimin zu schauen (beim Film kann man ja jederzeit weggucken, allein über den Ton auf dem Laufenden bleiben, zwischenzeitlich anderes tun), wie sie ihren noch nicht ganz eingefangenen Cowboy in höchster Gefahr zwischen Sorge und Schmachten anblickt, denn sich eine derartige Szene anhand magerer Worte selber im eigenen Kopfe schönen und erhöhen zu müssen.

Oder mal so herum: „Das Buch ist zwar teilweise unlogisch aufgebaut, kommt schwer in Gang, bedient Klischees ohne Ende, es strotzt als Krimi vor handwerklichen Fehlern, selbst Standardvorgänge bei der Polizei werden, obzwar der Krimi keine Satire, ad absurdum geführt, Waffen völlig falsch beschrieben (etwa, dass es bei vielen Waffen und Munitionstypen gar nichts hilft, sich hinter einen Mann zu stellen, ein sehr häufiges Motiv), was fast gemeingefährlich, weil die Leute in vergleichbarer Lage glauben, hinter ein oder zwei Autotüren wäre es sicher, was es nur hinterm Motorblock einigermaßen ist, aber es ist trotzdem geil, Teil der großen Literaturgeschichte, weil der und der Dialog zwischen dem schwarzen Detective und dem chinesischen Triadenchef einfach genial in Szene gesetzt, das anschließende große Schlachten erst recht.“ – ??? – Hä? – Sowas, alswas bei Filmen Standard, schonmal über ein Buch gehört?

 

Bisher kein Kommentar