Vor den Priestermassen

Als Denisovaren-Neanderthalermischling mit vielleicht einem Spritzer Homo sapiens (den reinrassigen Homo sapiens, meint die Wissenschaft, gebe es nur in Afrika) habe ich naturgemäß viele Schwierigkeiten mit der heutigen Welt.

Überall sieht man jetzt fette Priester.

Diese abartigen Massen von denen konnten wir uns früher schlicht nicht leisten. So gesehen waren wir in unserer Armut selig und heile.

Einen Schwätzer oder Philosophen oder Schamanen oder wie immer man das nennen will pro Großverband, das war das.

Und der musste auch Feuerholz beibringen und das Wildbret braten, für die Arscherwärmung, wenn wir ihn nicht abends endlich nur noch labern ließen, vorausgesetzt, er war lustig.

Wenn er überdies singen konnte und flöten und auf einen hohlen Baum hauen, dass dies einen guten Klang ergab, zudem den Kindern und selbst Erwachsenen schöne Geschichten erzählen, bekam er auch durchaus einen Sonderschluck Mets.

Mehr war da nicht.

Unsere Welt gehörte noch nicht vollgefressenen Priestern, die, außer ihrem Wanste, nichts mehr im Sinn hatten, denn unsere Frauen boshaft gegen den Stamm aufzuwiegeln und obendrein unfruchtbar zu machen.

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Vielfältige Einfalt im Netz

Mir fällt seit langem auf, dass freie Netzpublizisten, wofern sie nicht immerzu Promis zum Gespräch dahaben, eher mehr Reichweite erlangen, wenn sie sich ziemlich monothematisch aufstellen.

Der Eine dazu, wie man nicht die falschen Weiber aufreißt, aber sonst jederzeit jedes, der Nächste hat einen Kopf so flach wie die Erde, der Dritte hat es mit Weltuntergängen oder auch bloß Finanzcrashs, noch einer steinert immerzu herum oder macht süße Kätzchen zu den Besitzern aller Steine der Weisen.

Durch die ungeheuere Vielfalt, die uns im Netz – trotz aller Zensur, noch – geboten wird, scheint ein Großteil der Nutzer es kaum zu ertragen, dass ein Inhalteschöpfer sich sehr unterschiedlichen Themen zuwendet.

Man hat also, gesetzt man ist Anthroposoph und Katzenfan und Flachkopf und fürchtet um seinen Beutel, für jedes Gebiet seinen Spezialkanal.

Dies führt nun dahin, dass die meisten darauf achten, sich eine bestimmte Klientel heranzuziehen und immerzu warmzuhalten. Und zwar auch Leute, die nicht nur ein recht eng umrissenes Gebiet betreuen könnten. Ein oder zwei Artikel oder Videos, die die Hauptkundschaft nicht interessieren, und der Produzent bekommt schon das in Kommentaren und Klicks übel vergolten.

Dem Nachwuchs-Videoproduzenten – lesen wollen die Leute kaum noch – sei also geraten, dass er, will er Erfolg haben, sich nur ein „topic“ heraussuchen möge, dann immerzu auf die Pauke hauen, bis dass alle Liebhaber von Piercings oder Gäulen oder Quinoa von ihm irgendwann zwangsläufig mitbekommen und er ihr Säulenheiliger wird.

Ich bringe das leider nicht hin, zu sehr interessiert mich vieles, weshalb meine Klickzahlen vermutlich auch zum kommenden Weltuntergangsjahreswechsel noch nicht die tägliche Million übersteigen werden.

Nachtrag

Ich habe selbstverständlich nichts dagegen, wenn ich auf Numberphile nur Sachen zu Zahlen finde und keine Exkurse über Spinoza. Auch ich mag solche klar spezialisierten Seiten.

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Ein Ordnungsruf an mich selber

In gewisser Weise hatten die Schriftsteller früher große Vorteile aus ihren gegen heute gerechneten Nachteilen. Sie lasen gründlicher, denn es gab alles nur auf Papier, und Bücher waren teuer. Sie saßen nicht am Netz und zogen sich jeden täglichen Unfug rein. Sie konnten nicht erwarten, mit schwachsinnigen Videos über Kätzchen oder Gäule über Nacht womöglich ein Millionenpublikum zu erreichen.

Man schreib auch Briefe nicht so achtlos wie heute

Rechtschreibprogramme, die einem das Hirn abnahmen, gab es schon gar nicht.

Zudem mussten sie ihre Manuskripte sauber einliefern. Man konnte nicht jederzeit nachkorrigieren.

Teils habe ich das noch erlebt, indem ich bei einer fehlerhaften Arbeit für die Uni noch die ganze Seite neu abtippen musste, auch wenn die Schreibmaschine schon elektrisch war. Das stählte.

Also arbeiteten sie im Schnitt sorgfältiger, genauer und gründlicher.

Insofern brauchen wir zweifellos eine Rückbesinnung.

Wenigstens ich.

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Lauch und Pest

Irgendwo las ich mal, es ging um die spätmittelalterliche Pest in England, dass manche versucht hätten, sich zu retten „by eating garlic by the ton“ (also durch tonnenweise Knoblauch fressen).

Es wurde dazu leider nicht gesagt, ob, inwieweit das manchen half.

Hätte ich aber sonst nichts, wieder Pest, ich suchte mein Heil genau so.

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Meine Frierstaffel

Ich habe mich ziemlich viel mit dem Frieren befasst.

Und dabei bin ich für mich auf eine merkwürdige Art von Vier-Grad-Einteilung gekommen, jedenfalls bis zu dem Punkt, wo das Wasser selber friert.

20 Grad sind noch sehr genehm. Ab 16 ziehe ich mir etwas mehr an. Ab 12 wird es beim reinen Herumsitzen und am Rechner Bescheidwissen schon merklich kühle. Spätestens ab 8 verlangt stundenlanges Herumsitzen die lange Unterhose und noch eine Oberbekleidungsschicht. Ab 4 trage ich eine Kappe und wechsele die Haussandalen spätestens gegen besser isolierende Reifen. Ab 0 ist zudem regelmäßige Aufwärmbewegung angesagt.

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Wo meine Japanophilie gedämpft

Ich bin sehr japanophil, was aber nicht heißt, dass ich nicht gen Honshu und die anderen Inseln auch einmal einen kleinen liebevoll boshaften mit etwas Ernst gewürzten Scherz senden will. Ich denke, die tapferen Japaner halten das aus, kommen nicht gleich mit Geisteskranken und allerlei Messerstechern deshalb.

Also. Fiel mir eben die berühmte japanische Teezeremonie ein, deren enormer kultureller Status.

Ich setze den Fall, dass die sich nur deshalb so weit entwickelte, weil es außer Wasser und Tee über ewige Zeiten nur Sake zu trinken gab, jenen greislichen Reiswein, den sich kein Europäer freiwillig eingießt, findet er auch nur einen bescheidenen Trollinger oder immerhin ein Gerstenmalzbier.

Wohlgemerkt, ich trinke gerne auch Tee, eher schwarzen zwar denn grünen, und ich kaufe mir guten. Ist ja immerhin billiger als beim Wein.

Klar, ich Langnasenbanause habe die ganze Sache wahrscheinlich nicht so recht verstanden. Vom Ursprunge her aber vielleicht ein wenig doch.

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Deutsche Humorlosigkeit erklärt

(Diesen Beitrag musste ich aus dem Englischen übersetzen.)

Was den deutschen Sinn für Humor anlangt weiß die ganze Welt, dass es keinen solchen gibt.

Das liegt im Kern nicht an unseren lausigen Genen, lediglich an unserer nicht beherrschbaren Sprache.

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Drama, Action, Nonsense

Man sieht die dummen Filme, in denen ein Superheld erpresst wird, da man seine Frau oder seine Tochter hat. Die werde freigelassen, wenn er ABC. Meistens schafft er es hernach, beide todgeweiht, sie auf absurde Weise endlich zu befreien.

Was für ein Unfug.

Als echter Waffenkönner sagte er den Mordbuben: „Lasst sie frei! Sonst überlebt von euch keiner. Als ersten erledige ich euren Boss.“

Viel wahrscheinlicher, dass das die Festgehaltene rettete als das meisthin Gezeigte.

Allein, die dummen Filme gerieten so zu kurz.

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