Wo meine Japanophilie gedämpft

Ich bin sehr japanophil, was aber nicht heißt, dass ich nicht gen Honshu und die anderen Inseln auch einmal einen kleinen liebevoll boshaften mit etwas Ernst gewürzten Scherz senden will. Ich denke, die tapferen Japaner halten das aus, kommen nicht gleich mit Geisteskranken und allerlei Messerstechern deshalb.

Also. Fiel mir eben die berühmte japanische Teezeremonie ein, deren enormer kultureller Status.

Ich setze den Fall, dass die sich nur deshalb so weit entwickelte, weil es außer Wasser und Tee über ewige Zeiten nur Sake zu trinken gab, jenen greislichen Reiswein, den sich kein Europäer freiwillig eingießt, findet er auch nur einen bescheidenen Trollinger oder immerhin ein Gerstenmalzbier.

Wohlgemerkt, ich trinke gerne auch Tee, eher schwarzen zwar denn grünen, und ich kaufe mir guten. Ist ja immerhin billiger als beim Wein.

Klar, ich Langnasenbanause habe die ganze Sache wahrscheinlich nicht so recht verstanden. Vom Ursprunge her aber vielleicht ein wenig doch.

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Deutsche Humorlosigkeit erklärt

(Diesen Beitrag musste ich aus dem Englischen übersetzen.)

Was den deutschen Sinn für Humor anlangt weiß die ganze Welt, dass es keinen solchen gibt.

Das liegt im Kern nicht an unseren lausigen Genen, lediglich an unserer nicht beherrschbaren Sprache.

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Drama, Action, Nonsense

Man sieht die dummen Filme, in denen ein Superheld erpresst wird, da man seine Frau oder seine Tochter hat. Die werde freigelassen, wenn er ABC. Meistens schafft er es hernach, beide todgeweiht, sie auf absurde Weise endlich zu befreien.

Was für ein Unfug.

Als echter Waffenkönner sagte er den Mordbuben: „Lasst sie frei! Sonst überlebt von euch keiner. Als ersten erledige ich euren Boss.“

Viel wahrscheinlicher, dass das die Festgehaltene rettete als das meisthin Gezeigte.

Allein, die dummen Filme gerieten so zu kurz.

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Von alten und von neuen Witzen

Besser als der bewusst gemachte ist bekanntlich oft der unfreiwillige Witz, der Deppenwitz.

So will ich einleitend den nochmal erzählen. (Soweit ich mich erinnere, habe ich ihn in meinem alten Blog „Neues aus Hammelburg“ nicht wörtlich wie hier schon einmal untergebracht.)

Wir hatten einen Nachhilfeschüler in Mathe 8. Klasse Realschule Bayern, ein Schlur und Faulpelz vor dem Herrn, Versetzung stark gefährdet, wenn nicht schon perdu, und da trat er an, mit Expertenmiene, das ganze sei nicht so schlimm, denn er habe da einen Kumpel an der und der Schule in Schweinfurt, der kenne sich total aus und blicke voll durch, denn der mache die Achte wegen Mathe zum dritten Mal, da sei es total easy, mit einem Wechsel dahin sei also alles geritzt.

Meine Frau und ich, zudem sein junger Mathelehrer, wir standen zunächst wie angewurzelt da, um dann ein jedes ins eigene Gackern zu verfallen, wobei das Beste war, dass der Junge gar nicht verstand, weshalb wir uns kaum noch einkriegen konnten.

Meistens sind denn auch die Deppenwitze von derlei Frohnaturen nicht unbedingt im Sinne des Grotesken, aber doch der Leichtigkeit, besser als zum Beispiel Witze jener, die sich so verfolgt fühlen, dass sie unter einer Badewanne schlafen und ihre skurrilen Erklärungen dazu absondern, denn mit solchen packt einen schlimmer das Mitleiden, das ein herzliches Lachen leicht zu hemmen vermag.

Zu meinen Lieblingsdeppenwitzen gehören aber auch solche, die entstehen, weil man dem Volke Sand in die Augen streuen will, wie etwa der eben unter „Neues vom Wahnsinn“ aufgespießte Zweiwortkalauer „sicherheitsgefährdende Schutzsuchende“.

In meiner Kinderzeit gab es noch eine ganze Serie von Witzen, wo etwa ein Ami, ein Engländer, ein Franzose und ein Deutscher in einem Flugzeug in Not, und nur der Deutsche kam nicht als Depp davon. Hört man heute aus verschiedenen Gründen kaum noch. Vielleicht sollte ich da mal graben gehen und neue dazudichten.

Bei Cervantes‘ Sancho Pansa sehen wir sozusagen den Edeldeppenwitz, durch Sanchos ständige Sprichwortverdrehungen unter anderem, indem er ja gar kein richtiger Depp ist.

Andere Deppenwitze gehen in die Richtung, dass man vielleicht nur einmal darüber lacht, oder weil man denjenigen, von dem erzählt wird, kennt. Da wäre zum Beispiel der, wo ein Mann einen anderen auf der Straße fragt, ob er ihm sagen könne, wie spät es sei. Der prüft seine Uhr, bejaht und geht wortlos weiter. Typologisch eine recht verbreitete Witzart. Oder, wie ich‘s erlebte, erzählte ein Spezi, er habe den R. gefragt, wie denn jene Fete jüngst gewesen sei, worauf der: „Schnitzelbrödle zwoi Mark fuffzich had koschded.“ Den Typus mag ich besonders. Überdies den, den man besonders schön in den Aphorismen Lichtenbergs findet, meist verfeinert, mitunter aber auch derb.

Besonders interessant steht es derzeit auch wieder um die Witze, die man nur noch wenigen Vertrauten erzählen kann. Also all jene Witze, die sich über Nichtmänner, Nichtweiße, Nichtdeutsche, Nichtjuden, Nichtmoslems, Nichtillegale, Nichtpatrioten, Nichtheteros usw. lustig machen. Das sind die Witze, die im Schatten wachsen und blühen.

Gerade dachte ich, ich wolle doch noch einen von denen, spontan entstanden, in herrlichem Unterfränkisch, vor über zwanzig Jahren, nicht von mir, unter Gelächter der ganzen gemischten Landeiersauna, hier einstellen, doch ich lasse es lieber, denn nicht nur kommt darin ein Wort vor, das man nicht mehr benutzen darf, sondern auch zwingend noch der Name einer heute noch bekannten öffentlichen Person, die mir ohne weiteres mit dem Anwalt kommen könnte, gar noch recht damit beikommen, das sei durchaus nicht witzig und nicht von der Witzfreiheit oder Redefreiheit oder Satirefreiheit, oder wie all das Gezeugs heißt, gedeckt. Ich kann noch anfügen, dass der Witz also entstand, dass einer eine schon schräge aber gute knappe Frage stellte, der Brüller zur Antwort eines anderen gerade mal fünf Wörter umfasste.

Naja, in der Sauna, da ist es recht schwitzig und dunkel.

Nun, in einer Zeit, da selbst der Angelsachse beim Witze reißen gelernt hat, sich erstmal auf die Zunge zu beißen, dreimal umdrehend, wessen religiöse oder sonstigen Gefühle welcher Pressgruppe er verletzen könnte, indem er vielleicht einen Witz macht, in dem nicht nur verschrumpelte Penisse von Nazis vorkommen, sondern eine gut bestückte moderne Frau, sehr sympathisch, die den Witz trägt und dabei auch noch siegt, aber am Ende doch sexuell diskriminiert und herabgesetzt sei, so dass er einen Scheißesturm erntet, der ihn sämtliche Einladungen und Aufträge kostet.

Vielleicht, man sieht, es bleibt wenig, lege ich eine Witzreihe auf, die sich ausschließlich um weiße deutsche Männer dreht, die nicht Moslems noch Juden, aber hetero, Patrioten, und oft auch alt.

Wer wird da kommen und einen Scheißesturm gegen mich auslösen? Wie, wegen was, sollten sich da welche diskrimiert oder in ihren Gefühlen verletzt fühlen, dass sie deswegen schreien wie am Spieß?

Karle Klempner sieht Michel Mull beim Kleben von Plakaten für die AfD. „Michel, du Depp, heute Nacht sind die alle in fünf Minuten mit dem Seitenschneider abgezwackt, und dein Parteiheld da, der liegt mit der Fresse im Blättermatsch. Wenn die Stadtreinigung keinen Bock hat ein paar Tage. Oder räumst etwa du die Sauerei dann weg?“ „Ich mache aus der Sauerei eine Doku, gegen die Antifanten.“ „Und wenn sie sie gar nicht zwicken?“ „Dann helfe ich nach.“ „Wie bitte, du willst die eigenen Plakate abzwicken, um es der Antifa in die Schuhe zu schieben? Die zwicken doch so schon genug ab!“ „Ja, aber je mehr, umso besser für meine Doku.“ „Da hast du nun auch wieder recht. Hast du denn wenigstens einen anständigen Seitenschneider? Lass mal sehen. Das Ding da?“ „Was hast du gegen meinen Seitenschneider? Du meinst etwa, die Antifa hat bessere?“ „Aber mit Sicherheit, mit einem vernünftigen Seitenschneider sind die mindestens doppelt so schnell wie du.“ „Das heißt ja, dass meine Doku unrealistisch werden könnte, wegen der Geschwindigkeit der Plakatschändungen?“ „Exakt.“ „Karle?“ „Ja, ich geh schon und hole dir ein anständiges Werkzeug.“

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Italienische Küche die beste?

Ich fange mit einer kleinen Geschichte an, die mir ein glaubwürdiger junger Deutscher erzählte.

Der war über einen Freund irgendwo in Mittelitalien auf ein paar Wochen zu den absoluten Waldfreaks eingeladen, die irgendwie eine Vereinbarung mit der Polizia hatten und dem Rest, dass sie praktisch machen konnten, was sie wollten, solange sie keinen störten, sie lebten vom Land und sonst von diesem und jenem, es fuhren auch manche mal zum Lavoro in die Stadt.

Eines Abends erlaubte sich der junge Deutsche einen Spaß mit den Italiani.

Zunächst meinte er im Zusammenhang mit Essen provocantemente, die italienische Küche sei nicht die beste der Welt.

O was brach da über ihn herein! Nein, er ward nicht erdolcht, man blieb friedlich, aber das Entsetzen über diese barbarische, ignorante Einlassung ließ auch dann nicht nach, einer nach dem andern kam, über Stunden, der Sache nachzusetzen, als der knitze Tedesco hinzusetzte, die italienische Küche sei eben nicht allein die beste, nur so habe er es gemeint, die indische sei genauso gut. Auch das konnten die „Elfi“, so nannte man sie, nicht und niemals auf sich sitzen lassen. Leute, die sich wohl nie und nimmer mit einem italienischen Nationalismus oder gar Nationalchauvinismus in Verbindung sähen.

Nun zur eigentlichen Sache.

Die indische oder chinesische oder französische oder katalanische oder japanische Küche ist wohl genausogut wie die italienische, ja, es gibt selbst deutsche Gerichte, vor allem Wildgerichte, die den Vergleich mit ihr nicht scheuen müssen.

Aber: Man schaue sich die Vielfalt der italienischen Küche an! All die Regionalküchen!

Und da, bei Indern oder Chinesen im Verhältnis von etwa zwanzig zu eins gegenüber den Italienern, ist die Sache relativ gesehen schon gegessen.

Außerdem, mal abgesehen von all den Süßspeisen und Konfekten und Eiskünsten: Wo sind da all die Schinken, Würste, Käsesorten?

Und, ich rechne zur Küche auch den Wein, die Grappe, die tausend Liköre, den Espresso, den Cappuccino. Wo sind die in Indien oder China?

Also, die Frage war falsch gestellt.

Die italienische Küche ist pro Kopf unter den besten die vielseitigste.

Und soherum doch die beste.

Kein Wunder hiemit, dass die Italiani so empört waren, auch wenn sie nicht recht einzuordnen wussten, weshalb sie eigentlich im Recht seien.

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Weshalb ich gerne Theater spiele

Zugegeben, ich habe erst ein paar Mal „ernsthaft“ Theater gespielt, auf einer nicht allzugroßen, aber doch recht geachteten Bühne (Rosenau in Stuttgart). Immerhin jedesmal solo, mit eigens gezimmertem kurzem Programm.

Es macht einfach einen Riesenspaß. Die Herausforderung lässt das Blut so richtig fließen. Es ist Jetzt, nur Jetzt.

Ich weiß nicht, wie gut ich war, immerhin aber wurde geklatscht, wurde ich nachher freundlich angesprochen und betrachtet, überdies wiederum eingeladen, mich mit neuem Programm zu versuchen.

Es ist einfach anders, als am Rechner zu sitzen und mittlere Weisheiten abzukochen sich zu versuchen. Die grellsten Kalauer direkt an Mann und Frau bringen, gnadenlos gegen sich selber, nur wenig gnädiger dem Publiko.

Es hat schon was mit dem Spruch, dass dies die Bretter seien, die die Welt bedeuten.

Das Programm vorbereiten. Die Kostüme selber schneidern. Die Sprechpausen, die Sprachwechsel planen. Es dann doch anders machen, als vordem gedacht. Irgendwas vergessen oder fallengelassen, dafür Spontanes, aus dem Augenblick heraus, zwischendrein. Das ist Leben.

Gut, man hört schon, eine regelmäßige, vorgegebene Rolle habe ich nie gespielt. Dafür bin ich auch wegen meines vernarbten Gesichtes und der entsprechenden linken Karibikpiratenhand weniger geeignet, es sei denn, ich sollte, mit diesen Privilegien ungeschminkt natürlich ausgestattet, irgendein Halbalienmonster oder einen skipetarischen Räuberhauptmann oder alten Veteranen Cäsars geben.

So bleibe ich, wenn ich wieder die Gelegenheit habe, beim Kabarett.

Feines, Schräges, dazwischendrein ein wenig Durchdrehen, Fuchteln, Fluchen, Krächzen, Darniedersinken, Toben, Säuseln, Spätzen, Sinnieren, Torkeln, Hüpfen, Röhren, alles, was das Herz begehrt.

Magnus, die Riesenscheiße, Magnus, die Katastrophe, Magnus, der Unerbittliche, Magnus, der Chaot, der Unbelehrbare, der Gnadenlose, der verloren Gewinnende, der ärgste und liebste aller Käsper.

Ja, manches Mal haben nur wenige gelacht, den anderen blieb das Lachen im Halse stecken. Das aber macht oft genau den besten Witz. Den, an den sich die Leute erinnern.

Das hoch Geistige glattfrech ins Vulgäre setzen, ins Amerikanesische oder Schwäbische, immer Überraschung, grell bis zur kurzfristigen Blindheit des Publikums, bar jeder Scham, Spinner, dass die Spinnen von der Wand fallen und ehrfürchtig herankriechen, verwirrt, dass sich die Katz‘ frägt, dann, wie mit dem Schwert durchs dickste Tau, zerbröselnd sich wieder, ringend, fassend: So etwa versuche ich mich am Theater.

Wer jetzt noch nicht begriffen hat, weshalb ich zwar vielleicht nicht gut, aber gerne Theater spiele, dem kann ich auch nicht mehr weiterhelfen.

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