Vielfältige Einfalt im Netz

Mir fällt seit langem auf, dass freie Netzpublizisten, wofern sie nicht immerzu Promis zum Gespräch dahaben, eher mehr Reichweite erlangen, wenn sie sich ziemlich monothematisch aufstellen.

Der Eine dazu, wie man nicht die falschen Weiber aufreißt, aber sonst jederzeit jedes, der Nächste hat einen Kopf so flach wie die Erde, der Dritte hat es mit Weltuntergängen oder auch bloß Finanzcrashs, noch einer steinert immerzu herum oder macht süße Kätzchen zu den Besitzern aller Steine der Weisen.

Durch die ungeheuere Vielfalt, die uns im Netz – trotz aller Zensur, noch – geboten wird, scheint ein Großteil der Nutzer es kaum zu ertragen, dass ein Inhalteschöpfer sich sehr unterschiedlichen Themen zuwendet.

Man hat also, gesetzt man ist Anthroposoph und Katzenfan und Flachkopf und fürchtet um seinen Beutel, für jedes Gebiet seinen Spezialkanal.

Dies führt nun dahin, dass die meisten darauf achten, sich eine bestimmte Klientel heranzuziehen und immerzu warmzuhalten. Und zwar auch Leute, die nicht nur ein recht eng umrissenes Gebiet betreuen könnten. Ein oder zwei Artikel oder Videos, die die Hauptkundschaft nicht interessieren, und der Produzent bekommt schon das in Kommentaren und Klicks übel vergolten.

Dem Nachwuchs-Videoproduzenten – lesen wollen die Leute kaum noch – sei also geraten, dass er, will er Erfolg haben, sich nur ein „topic“ heraussuchen möge, dann immerzu auf die Pauke hauen, bis dass alle Liebhaber von Piercings oder Gäulen oder Quinoa von ihm irgendwann zwangsläufig mitbekommen und er ihr Säulenheiliger wird.

Ich bringe das leider nicht hin, zu sehr interessiert mich vieles, weshalb meine Klickzahlen vermutlich auch zum kommenden Weltuntergangsjahreswechsel noch nicht die tägliche Million übersteigen werden.

Nachtrag

Ich habe selbstverständlich nichts dagegen, wenn ich auf Numberphile nur Sachen zu Zahlen finde und keine Exkurse über Spinoza. Auch ich mag solche klar spezialisierten Seiten.

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Ein Ordnungsruf an mich selber

In gewisser Weise hatten die Schriftsteller früher große Vorteile aus ihren gegen heute gerechneten Nachteilen. Sie lasen gründlicher, denn es gab alles nur auf Papier, und Bücher waren teuer. Sie saßen nicht am Netz und zogen sich jeden täglichen Unfug rein. Sie konnten nicht erwarten, mit schwachsinnigen Videos über Kätzchen oder Gäule über Nacht womöglich ein Millionenpublikum zu erreichen.

Man schreib auch Briefe nicht so achtlos wie heute

Rechtschreibprogramme, die einem das Hirn abnahmen, gab es schon gar nicht.

Zudem mussten sie ihre Manuskripte sauber einliefern. Man konnte nicht jederzeit nachkorrigieren.

Teils habe ich das noch erlebt, indem ich bei einer fehlerhaften Arbeit für die Uni noch die ganze Seite neu abtippen musste, auch wenn die Schreibmaschine schon elektrisch war. Das stählte.

Also arbeiteten sie im Schnitt sorgfältiger, genauer und gründlicher.

Insofern brauchen wir zweifellos eine Rückbesinnung.

Wenigstens ich.

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Lauch und Pest

Irgendwo las ich mal, es ging um die spätmittelalterliche Pest in England, dass manche versucht hätten, sich zu retten „by eating garlic by the ton“ (also durch tonnenweise Knoblauch fressen).

Es wurde dazu leider nicht gesagt, ob, inwieweit das manchen half.

Hätte ich aber sonst nichts, wieder Pest, ich suchte mein Heil genau so.

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Meine Frierstaffel

Ich habe mich ziemlich viel mit dem Frieren befasst.

Und dabei bin ich für mich auf eine merkwürdige Art von Vier-Grad-Einteilung gekommen, jedenfalls bis zu dem Punkt, wo das Wasser selber friert.

20 Grad sind noch sehr genehm. Ab 16 ziehe ich mir etwas mehr an. Ab 12 wird es beim reinen Herumsitzen und am Rechner Bescheidwissen schon merklich kühle. Spätestens ab 8 verlangt stundenlanges Herumsitzen die lange Unterhose und noch eine Oberbekleidungsschicht. Ab 4 trage ich eine Kappe und wechsele die Haussandalen spätestens gegen besser isolierende Reifen. Ab 0 ist zudem regelmäßige Aufwärmbewegung angesagt.

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Wo meine Japanophilie gedämpft

Ich bin sehr japanophil, was aber nicht heißt, dass ich nicht gen Honshu und die anderen Inseln auch einmal einen kleinen liebevoll boshaften mit etwas Ernst gewürzten Scherz senden will. Ich denke, die tapferen Japaner halten das aus, kommen nicht gleich mit Geisteskranken und allerlei Messerstechern deshalb.

Also. Fiel mir eben die berühmte japanische Teezeremonie ein, deren enormer kultureller Status.

Ich setze den Fall, dass die sich nur deshalb so weit entwickelte, weil es außer Wasser und Tee über ewige Zeiten nur Sake zu trinken gab, jenen greislichen Reiswein, den sich kein Europäer freiwillig eingießt, findet er auch nur einen bescheidenen Trollinger oder immerhin ein Gerstenmalzbier.

Wohlgemerkt, ich trinke gerne auch Tee, eher schwarzen zwar denn grünen, und ich kaufe mir guten. Ist ja immerhin billiger als beim Wein.

Klar, ich Langnasenbanause habe die ganze Sache wahrscheinlich nicht so recht verstanden. Vom Ursprunge her aber vielleicht ein wenig doch.

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Deutsche Humorlosigkeit erklärt

(Diesen Beitrag musste ich aus dem Englischen übersetzen.)

Was den deutschen Sinn für Humor anlangt weiß die ganze Welt, dass es keinen solchen gibt.

Das liegt im Kern nicht an unseren lausigen Genen, lediglich an unserer nicht beherrschbaren Sprache.

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Drama, Action, Nonsense

Man sieht die dummen Filme, in denen ein Superheld erpresst wird, da man seine Frau oder seine Tochter hat. Die werde freigelassen, wenn er ABC. Meistens schafft er es hernach, beide todgeweiht, sie auf absurde Weise endlich zu befreien.

Was für ein Unfug.

Als echter Waffenkönner sagte er den Mordbuben: „Lasst sie frei! Sonst überlebt von euch keiner. Als ersten erledige ich euren Boss.“

Viel wahrscheinlicher, dass das die Festgehaltene rettete als das meisthin Gezeigte.

Allein, die dummen Filme gerieten so zu kurz.

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Von alten und von neuen Witzen

Besser als der bewusst gemachte ist bekanntlich oft der unfreiwillige Witz, der Deppenwitz.

So will ich einleitend den nochmal erzählen. (Soweit ich mich erinnere, habe ich ihn in meinem alten Blog „Neues aus Hammelburg“ nicht wörtlich wie hier schon einmal untergebracht.)

Wir hatten einen Nachhilfeschüler in Mathe 8. Klasse Realschule Bayern, ein Schlur und Faulpelz vor dem Herrn, Versetzung stark gefährdet, wenn nicht schon perdu, und da trat er an, mit Expertenmiene, das ganze sei nicht so schlimm, denn er habe da einen Kumpel an der und der Schule in Schweinfurt, der kenne sich total aus und blicke voll durch, denn der mache die Achte wegen Mathe zum dritten Mal, da sei es total easy, mit einem Wechsel dahin sei also alles geritzt.

Meine Frau und ich, zudem sein junger Mathelehrer, wir standen zunächst wie angewurzelt da, um dann ein jedes ins eigene Gackern zu verfallen, wobei das Beste war, dass der Junge gar nicht verstand, weshalb wir uns kaum noch einkriegen konnten.

Meistens sind denn auch die Deppenwitze von derlei Frohnaturen nicht unbedingt im Sinne des Grotesken, aber doch der Leichtigkeit, besser als zum Beispiel Witze jener, die sich so verfolgt fühlen, dass sie unter einer Badewanne schlafen und ihre skurrilen Erklärungen dazu absondern, denn mit solchen packt einen schlimmer das Mitleiden, das ein herzliches Lachen leicht zu hemmen vermag.

Zu meinen Lieblingsdeppenwitzen gehören aber auch solche, die entstehen, weil man dem Volke Sand in die Augen streuen will, wie etwa der eben unter „Neues vom Wahnsinn“ aufgespießte Zweiwortkalauer „sicherheitsgefährdende Schutzsuchende“.

In meiner Kinderzeit gab es noch eine ganze Serie von Witzen, wo etwa ein Ami, ein Engländer, ein Franzose und ein Deutscher in einem Flugzeug in Not, und nur der Deutsche kam nicht als Depp davon. Hört man heute aus verschiedenen Gründen kaum noch. Vielleicht sollte ich da mal graben gehen und neue dazudichten.

Bei Cervantes‘ Sancho Pansa sehen wir sozusagen den Edeldeppenwitz, durch Sanchos ständige Sprichwortverdrehungen unter anderem, indem er ja gar kein richtiger Depp ist.

Andere Deppenwitze gehen in die Richtung, dass man vielleicht nur einmal darüber lacht, oder weil man denjenigen, von dem erzählt wird, kennt. Da wäre zum Beispiel der, wo ein Mann einen anderen auf der Straße fragt, ob er ihm sagen könne, wie spät es sei. Der prüft seine Uhr, bejaht und geht wortlos weiter. Typologisch eine recht verbreitete Witzart. Oder, wie ich‘s erlebte, erzählte ein Spezi, er habe den R. gefragt, wie denn jene Fete jüngst gewesen sei, worauf der: „Schnitzelbrödle zwoi Mark fuffzich had koschded.“ Den Typus mag ich besonders. Überdies den, den man besonders schön in den Aphorismen Lichtenbergs findet, meist verfeinert, mitunter aber auch derb.

Besonders interessant steht es derzeit auch wieder um die Witze, die man nur noch wenigen Vertrauten erzählen kann. Also all jene Witze, die sich über Nichtmänner, Nichtweiße, Nichtdeutsche, Nichtjuden, Nichtmoslems, Nichtillegale, Nichtpatrioten, Nichtheteros usw. lustig machen. Das sind die Witze, die im Schatten wachsen und blühen.

Gerade dachte ich, ich wolle doch noch einen von denen, spontan entstanden, in herrlichem Unterfränkisch, vor über zwanzig Jahren, nicht von mir, unter Gelächter der ganzen gemischten Landeiersauna, hier einstellen, doch ich lasse es lieber, denn nicht nur kommt darin ein Wort vor, das man nicht mehr benutzen darf, sondern auch zwingend noch der Name einer heute noch bekannten öffentlichen Person, die mir ohne weiteres mit dem Anwalt kommen könnte, gar noch recht damit beikommen, das sei durchaus nicht witzig und nicht von der Witzfreiheit oder Redefreiheit oder Satirefreiheit, oder wie all das Gezeugs heißt, gedeckt. Ich kann noch anfügen, dass der Witz also entstand, dass einer eine schon schräge aber gute knappe Frage stellte, der Brüller zur Antwort eines anderen gerade mal fünf Wörter umfasste.

Naja, in der Sauna, da ist es recht schwitzig und dunkel.

Nun, in einer Zeit, da selbst der Angelsachse beim Witze reißen gelernt hat, sich erstmal auf die Zunge zu beißen, dreimal umdrehend, wessen religiöse oder sonstigen Gefühle welcher Pressgruppe er verletzen könnte, indem er vielleicht einen Witz macht, in dem nicht nur verschrumpelte Penisse von Nazis vorkommen, sondern eine gut bestückte moderne Frau, sehr sympathisch, die den Witz trägt und dabei auch noch siegt, aber am Ende doch sexuell diskriminiert und herabgesetzt sei, so dass er einen Scheißesturm erntet, der ihn sämtliche Einladungen und Aufträge kostet.

Vielleicht, man sieht, es bleibt wenig, lege ich eine Witzreihe auf, die sich ausschließlich um weiße deutsche Männer dreht, die nicht Moslems noch Juden, aber hetero, Patrioten, und oft auch alt.

Wer wird da kommen und einen Scheißesturm gegen mich auslösen? Wie, wegen was, sollten sich da welche diskrimiert oder in ihren Gefühlen verletzt fühlen, dass sie deswegen schreien wie am Spieß?

Karle Klempner sieht Michel Mull beim Kleben von Plakaten für die AfD. „Michel, du Depp, heute Nacht sind die alle in fünf Minuten mit dem Seitenschneider abgezwackt, und dein Parteiheld da, der liegt mit der Fresse im Blättermatsch. Wenn die Stadtreinigung keinen Bock hat ein paar Tage. Oder räumst etwa du die Sauerei dann weg?“ „Ich mache aus der Sauerei eine Doku, gegen die Antifanten.“ „Und wenn sie sie gar nicht zwicken?“ „Dann helfe ich nach.“ „Wie bitte, du willst die eigenen Plakate abzwicken, um es der Antifa in die Schuhe zu schieben? Die zwicken doch so schon genug ab!“ „Ja, aber je mehr, umso besser für meine Doku.“ „Da hast du nun auch wieder recht. Hast du denn wenigstens einen anständigen Seitenschneider? Lass mal sehen. Das Ding da?“ „Was hast du gegen meinen Seitenschneider? Du meinst etwa, die Antifa hat bessere?“ „Aber mit Sicherheit, mit einem vernünftigen Seitenschneider sind die mindestens doppelt so schnell wie du.“ „Das heißt ja, dass meine Doku unrealistisch werden könnte, wegen der Geschwindigkeit der Plakatschändungen?“ „Exakt.“ „Karle?“ „Ja, ich geh schon und hole dir ein anständiges Werkzeug.“

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Italienische Küche die beste?

Ich fange mit einer kleinen Geschichte an, die mir ein glaubwürdiger junger Deutscher erzählte.

Der war über einen Freund irgendwo in Mittelitalien auf ein paar Wochen zu den absoluten Waldfreaks eingeladen, die irgendwie eine Vereinbarung mit der Polizia hatten und dem Rest, dass sie praktisch machen konnten, was sie wollten, solange sie keinen störten, sie lebten vom Land und sonst von diesem und jenem, es fuhren auch manche mal zum Lavoro in die Stadt.

Eines Abends erlaubte sich der junge Deutsche einen Spaß mit den Italiani.

Zunächst meinte er im Zusammenhang mit Essen provocantemente, die italienische Küche sei nicht die beste der Welt.

O was brach da über ihn herein! Nein, er ward nicht erdolcht, man blieb friedlich, aber das Entsetzen über diese barbarische, ignorante Einlassung ließ auch dann nicht nach, einer nach dem andern kam, über Stunden, der Sache nachzusetzen, als der knitze Tedesco hinzusetzte, die italienische Küche sei eben nicht allein die beste, nur so habe er es gemeint, die indische sei genauso gut. Auch das konnten die „Elfi“, so nannte man sie, nicht und niemals auf sich sitzen lassen. Leute, die sich wohl nie und nimmer mit einem italienischen Nationalismus oder gar Nationalchauvinismus in Verbindung sähen.

Nun zur eigentlichen Sache.

Die indische oder chinesische oder französische oder katalanische oder japanische Küche ist wohl genausogut wie die italienische, ja, es gibt selbst deutsche Gerichte, vor allem Wildgerichte, die den Vergleich mit ihr nicht scheuen müssen.

Aber: Man schaue sich die Vielfalt der italienischen Küche an! All die Regionalküchen!

Und da, bei Indern oder Chinesen im Verhältnis von etwa zwanzig zu eins gegenüber den Italienern, ist die Sache relativ gesehen schon gegessen.

Außerdem, mal abgesehen von all den Süßspeisen und Konfekten und Eiskünsten: Wo sind da all die Schinken, Würste, Käsesorten?

Und, ich rechne zur Küche auch den Wein, die Grappe, die tausend Liköre, den Espresso, den Cappuccino. Wo sind die in Indien oder China?

Also, die Frage war falsch gestellt.

Die italienische Küche ist pro Kopf unter den besten die vielseitigste.

Und soherum doch die beste.

Kein Wunder hiemit, dass die Italiani so empört waren, auch wenn sie nicht recht einzuordnen wussten, weshalb sie eigentlich im Recht seien.

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