Die Einebillioneurofrage: Wer ist schlimmer noch als ein „Verschwörungstheoretiker“?

Da inzwischen jeder, der nur ein bisschen selber denken und rechnen kann und von diesen Fähigkeiten Gebrauch macht, als „Verschwörungstheoretiker“ gilt, hat sich das Schimpf- und Schandwort schon so bedrohlich abgenutzt, dass es wenigstens einer Ergänzung, Verschärfung, Steigerung bedarf, ja eines Wortes („alles Nazis“ zieht die Wurst auch nicht mehr vom Teller), das endlich wieder massenpsychologisch zieht, panik- und paranoiatauglich ist, die damit Bezeichneten stigmatisiert, wie es sich in einem freien Land gehört.

Naheliegend wäre nun, das Eigenschaftswort „verschwörungstheoretisch“ zu steigern, also etwa „immer verschwörungstheoretischer“ oder dann „verschwörungstheoretischst“.

Das mag indes nur zur Beihilfe taugen, da das Hauptwort „Verschwörungstheoretiker“, das ja vor allem zu steigern wäre, sich im Deutschen leider nicht verständlich steigern lässt.

Wer nun (wenn das mit dem „Nazi“ nicht oder nur schwerlich angewandt werden kann) könnte noch schlimmer, noch irrer und gemeingefährlicher sein als ein „Verschwörungstheoretiker“, indem „Coronaleugner“, „Faktenleugner“ „Wasweißichwasleugner“ ja auch schon ziemlich verbraucht, zumal kaum stärker, vielleicht gar in manchen Ohren schwächer als „Verschwörungstheoretiker“?

Mal sehen, ob ich die Einebillioneurofrage beantworten kann.

„Geistmörder“? – Das wäre immerhin extrem stigmatisierend und zudem aufmerksamkeitsstark, erfüllte also das Alpha- wie das Betakriterium. Ob die Leute aber den Zusammenhang verstünden?

„Kinderschänder“? – Das erfüllte ebenfalls das Alpha- wie Betakriterium natürlich hervorragend, führte die Leute aber zu reichlich unerwünschten Verwechslungen.

„Sauerhirn“? – Auch wenn hier das Alphakriterium vielleicht nicht optimal erfüllt ist, das Betakriterium aber hervorragend, mag das bislang die beste Wahl sein. (Dass die weibliche Form „Sauerhirnin“ etwas verniedlichend wirkt, bereitet hier kein entscheidendes Problem, denn man kann auch von einer Frau sagen, sie sei ein „Sauerhirn“. Das hält die deutsche Sprache locker aus.)

„Halbalphabet“? – Im Sinne der beiden Erstkriterien nicht schlecht, durchaus ein Kandidat.

„Stusshuber“? – Das ist ganz nett, aber eben auch zu nett, da könnte man ja fast schon „Schwätzer“ oder „Laberbacke“ oder „Windbeutel“ nehmen.

„Zersetzer“ oder besser noch „Alleszersetzer“? – Etwas altmodisch, aber, wer weiß, zumal der „Alleszersetzer“ wurde wohl nicht einmal von den Nazis besatzt, lediglich der „Volkszersetzer“, was jetzt natürlich opti wäre, leider aber durch diese Arschlöcher unbrauchbar gemacht. Das Wort „Volk“ ist ohnehin zu verwirrend.

„Hassprediger“? – Auch der Begriff, so geil er wäre, ist leider unbrauchbar, da allzuviele Leute da an eine gewisse Fraktion von Kulturbereicherern denken, das bekommt man nicht so leicht einseitig gegen die Zielgruppe in die Zielgruppe gedreht. Ja, gelegentlich wurde er schon mit Erfolg eingesetzt, insgesamt ist es aber schwierig, ihn richtig zu kalibrieren.

Kein Wunder, dass es hier um die Einebillioneurofrage geht. Die Lösung ist äußerst verzwackt. Anstrengend ist das. Ich brauche jetzt erstmal eine Pause.

 

 

 

 

 

 

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Ich will wieder lehren!

Endlich habe ich wieder ein Manuskript hereinbekommen, dessen mein ganzes Lektorenherz schlägt!

Dazu kann ich natürlich nicht mehr sagen, als dass ich es im ersten Durchgang gleich nicht mehr aus der Hand zu legen wusste.

Welch Freude, da einer trefflichen Sache noch beihelfen zu dürfen!

Spätestens ab Herbst will ich auch wieder unterrichten. Und zwar so, wie allein es taugt, nämlich von Angesicht zu Angesicht. (Wären Lehrvideos genug, bräuchte man gar keine Lehrer mehr. Online-Unterricht kann echten Unterricht nicht ersetzen, schon die Ablenkung durch all die Technik frisst Aufmerksamkeit und Zeit ohne Ende. Wäre das nicht so, gäbe es zumal gar keine Seminare mehr für sogenannte „Fach- und Führungskräfte“, die damit ja viel besser zurecht kommen müssten, viel billiger, als etwa Kinder und Jugendliche.)

Ja, wenn ich mich wieder über ein Heft beugen darf, zum richtigen Zeitpunkt, spiegelverkehrt gelesen, ohne Maulkorb und ein Diktat von Paranoiden und Überwachungsfanatikern, Panikpiloten und sonstigen Abseitigen und Idioten ein paar Anmerkungen machen, dann frei deklamieren, ein bisschen Rumpelstilzchen spielen, zielweis etwas herumschwadronieren, Schwänke von anderen einst und erst Uneinsichtigen einstreuend, dazu deren Erweckungen, den verschiedenen Wegen, Sachverhalten auf die Spur zu kommen, sie endlich zu erfassen und einfach gut aufzubilden und selbst in eigenen Worten darlegen zu können, allein nur zum richtigen Lesen anzuhalten, Grundtechniken anhand des vorliegenden Beispieles zu erläutern und freche Gegenfragen dazu aufzunehmen, zu fordern und zu ermuntern, den Faulsten noch zu einem sich steigernden Fleiße zu bringen, darin nicht nachzulassen, jederzeit, wo es nottut, den Rhythmus wie die Methode zu wechseln, einfach den besten Unterricht zu machen, den man am gegebenen Tage unter den gegebenen Umständen leisten kann, den eigenen Werkzeugkasten entlang der immer neuen Herausforderungen immerzu erweiternd, ja, das will ich wiederhaben.

 

 

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Generationenübergreifende Debatte: 22/39/56/73

Ich bin nicht mit Computer (den ersten kaufte ich mit 22), Handy und Netz aufgewachsen, bewundere eineinhalb Generationen danach die jungen Leute, die jetzt gegen die Coronadiktatur aufstehen, viel mehr eigene Zukunft riskierend als ich, obzwar die meisten von ihnen vermutlich weitaus weniger Weltwissen haben, schon die Lügen um die Golfkriege mitbekommen, 9/11 live und im Nachgang, gar den Mauerfall, die Wiedervereinigung, die damals noch verheerende Luftverschmutzung und fast toten Flüsse, die durchaus begründete Angst vor einem versehentlich ausgelösten Atomkrieg undsoweiter.

Deren durchschnittliche Grundbildung ist zwar, wofür sie nichts können, zweifellos schlechter als die meiner Generation, in Deutsch wie Mathematik, You name it. Da steht aber dieser Nachwuchs, virtuos in der Nutzung der neuen Techniken, dass ich mich demgegenüber nicht selten schon als abgehängter Opa fühle, indem ich, da meine Söhne 19 und 21, ja schon einer sein könnte. Wäre ich Pole, so sagte ich, Polen sei noch nicht verloren.

Viele von ihnen werden allenfalls mal den Namen Friedrich Nietzsche gehört haben, schon viel weniger jenen eines Heinrich von Kleist, Giordano Bruno oder Miguel de Cervantes Saavedra, Dante mit Boccaccio mag ihnen eher Latte Macchiato heißen als sonstwas, aber sie sind dabei, wenn auch noch etwas grün hinter den Ohren, so frisch und frech, dass wir Älteren nicht nur nicht auf sie herabsehen sollten, sondern ihnen unsere Erfahrungen und Erkenntnisse so klug und möglichst wenig oberlehrerhaft zuführen, manchmal einfach behutsam knapp zusammenfassend, was wir meinen, aus der menschlichen Geistesgeschichte, von Dichtern und Denkern und aus großen Ereignissen der Vergangenheit gelernt zu haben.

Nehmen wir noch einmal 22 gegen 56. Dazwischen steht 39, liegen also jene, die jetzt ihre Pubertät doch endgültig überwunden haben, bereits umfangreiche Berufserfahrung und oft auch Familie, die wuchsen auch schon mit Netz auf, stehen dazwischen, können trefflich als Bindeglied wirken, damit die Jungen selbst die wirklich Alten verstehen lernen, sie nicht für bescheuert halten, nur weil die mit dem rein technischen Fortschritt nicht mehr nachkommen.

So wäre, beispielsweise, auch einmal eine Gesprächsrunde 22/39/56/73, zwei Männlein, zwei Weiblein, genau zum jetzigen Zeitpunkt interessant, Moderator oder Moderatorin mitte Vierzig, die Lage zu beleuchten und zu besprechen.

Ein solches Video könnte, egal, was Buhtjub und Fakebuckel gagegen machen, „viral“ gehen. Wenn man so will mit gleich vier Generationen, denn auch heute noch sind die meisten mit siebzehn zeugungs- und empfängnisfähig, nicht nur in Afrika.

Das könnte, mit Einblendungen von anderen Videos, kleinen Pausen (es ist nicht sicher, dass die ganz Jungen die weniger bräuchten als die Älteren), durchaus mal über drei Stunden gehen, alle Altersstufen ab aufgeweckten 14 bis Methusalem Forever erreichen.

Ich kann das derzeit nicht einrichten, nur den Gedanken vortragen, bin aber gerne dabei.

 

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Google kann kein Deutsch

Der Google mag zwar leidlich Englisch können, etwa so, wie heutzutage jeder, Deutsch aber kann er weit weniger als das.

Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Einer ist der deutsche Satzbau, dem er nicht nachkommt, sobald die Sache etwas verschachtelter wird, der andere liegt in der freien Wortbildung.

„Googlegläubiger“ wird er noch verstehen als einen, der dem Google glaubt, nicht einen, dem Google Geld schuldet, denn Schulden hat das Unternehmen im finanziellen Sinne wohl keine.

Vermutlich hätte er bis vor kurzem, als Christoph Waltz in Amiland dem lustig begeisterten Publikum einer Schwatzschau lange und immer längere deutsche Wörter anbieten durfte, endlich bei „Bezirksschornsteinfegermeister“ ankam, auch das nicht recht entschlüsseln können.

Dies Wort hat nur fünf bezeichnende Bestandteile, ersetzte man „Schornstein“ durch „Kamin“, so wären es nur vier. Etwa wie bei Kindertagesstättensekretärin.

Spätestens beim Altflussschaufelraddampferkapitänsmützenaufbewahrungsschubladentuchseinkleidungsfarbton dürfte es dem dem Google das Blech weghauen wie als ob er Elon Musk hieße.

Heinrich von Kleist oder Friedrich Nietzsche oder auch manchmal mich, der ich ja denkbar volkstümlich versuche zu schreiben, versteht er vermutlich oft auch nicht. Im Deutschen stochert er wie in einem schweren nordischen Nebel.

Wahrscheinlich hat er inzwischen gelernt, dass immer der letzte Begriffsteil das grammatische Geschlecht des zusammengesetzten Wortes bestimmt. Wie er es dann aber sich zu Verständnis und richtig in andere Sprachen bringen will, da wird er wohl einst den jüngsten Sohn von Elon Musk, den X AE A-12 Musk, noch fragen müssen.

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Demonstrationsstrategien gegen die Coronadiktatur

Oliver Janich hat in seinem jüngsten, sehr sehenswerten YouTube-Video vorgeschlagen, auf die morgigen und weiteren Demonstationen gegen die Coronadiktatur Blumen mitzubringen, um sie den Polizisten zu überreichen, wenigstens anzubieten. (Nebeninfos: In Stuttgart sollen auf dem Cannstatter Wasen morgen wiederum nur 5000 Leute zugelassen sein, natürlich wegen des hygienischen Abstands. Was, wenn viel mehr kommen, Tausende abgewiesen werden, dann woanders ihr verschwörungstheoretisches Süppchen in Aluhüten kochen? Derweil hat man wohl, Treppenwitz zum abgesagten Oktoberfest, in München die Theresienwiese, also die Wiesn, für die Demonstranten vorgesehen.)

Janichs Idee ist nicht neu, aber auch nicht schlecht, durchaus für viele empfehlenswert, doch taugt sie sicherlich nicht für alle. Sowieso halte ich eine Vielfalt von Protestformen für besser, denn so können sich alle in ihrer Art einbringen, zeigen, dass hier nichts zentral gesteuert ist, und zumal weiß die Polizei nie, was sie als nächstes erwartet.

Ganz und gar nichts halte ich von Aufrufen, das Volk solle keine Sprüche skandieren, wie etwa „Freiheit!“ oder „Wir sind das Volk!“ oder auch „Volksverräter!“ und „Schämt euch!“, wenn mal wieder willkürliche und zumal gewaltsame Verhaftungen durchgeführt werden. Maulkorb freiwillig?

Nichts gegen Schweigespaziergänge. Schweigen aber und Blumen, wenn die Polizei übergriffig wird? Einfach leise weitergehen, Blumen streuen, wenn ein Unschuldiger vor aller Augen misshandelt wird?

Ich habe letzte Woche auf den Mainwiesen zu Würzburg nicht einen bösen Blick in Richtung der sich völlig zurückhaltenden Polizei geworfen, keinerlei provoziernden Gesten oder Scherze, ziemlich sicher aber hätte ich laut gebrüllt, hätten sie einfach einen oder eine weggezogen.

Immerhin, so berichtete mir ein Freund und Augenzeuge letzter Woche aus Stuttgart, drängte die Polizei dort die gegen das Demonstrationsrecht demonstrierenden Antifanten, die die Hauptdemonstration stören wollten, ziemlich entschieden ab, ließ sie vermutlich irgendwo anders zuende demonstrieren.

Provokation der Polizei liegt in der Tat nicht im geringsten an. Aber eben auch kein stilles Hinnehmen, verlässt diese den Pfad der Verhältnismäßigkeit und der Mittel.

Denn, offenkundig gibt es bundesweit keine einheitliche Linie, an manchen Orten soll die Polizei, um es etwas schräg mit Goethe zu sagen „edel, hilfreich und gut“ auftreten, an anderen martialisch, aggressiv, einschüchternd, auch gewalttätig. Die Kollegen, denen letzteres angewiesen, werden weit überwiegend neidisch auf die anderen blicken, die keinen Stress verbreiten und dementsprechend auch keinen bekommen.

Ja, natürlich ist das eine „perfide“ (also sehr gemeine) Aufweichungsstrategie, fies ist das, wenn wir Aluhutträger und sonstigen Irren ruhig Umsicht, Übersicht und Weitsicht an den Tag legen, was für ein Terror, was ein Schrecken.

Ich kann mir derweil gut vorstellen, dass allzumal in Berlin eine Eskalation geplant sein könnte. Die Sache vergangene Woche dort weist, wenn man nicht schlicht erzdumm und grob fahrlässig mit den eigenen Einsatzkräften umging, zumindest darauf hin.

Letztlich empfiehlt es sich auch, immer einen Bekannten in loser Nähe zu haben, der bei Eskalation sofort per Handy filmt und – wie Oliver Janich zielführend anmerkt – das Video gleich an einen Freund weiterleitet, so dass es auch bei Handykonfiskation nicht mehr kassiert werden kann.

Dieses Wochenende gilt es wie noch nie.

 

 

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Von den Corona-Rotzmaskenmördern

Jetzt wird rausgehauen, miteinander Sprechen sei ja das verheerendst Gefährlichste, da schleudere man die Zombieapokalypse nur so durch die Gegend. Jemanden anszuprechen ist sozusagen ein Mordversuch.

Ich überlege mir nun, mit Menschen, die Masken da tragen, wo sie das nicht müssen, nicht mehr zu reden, mir einen Zettel vorzubereiten, auf dem, wenn ich von einem solchen Zombie angesprochen werde, vorbereitet prangt: „Sie haben mich angesprochen. Und das, obwohl Sie offenkundig an die Zombieseuche glauben, was Ihre nutzlose und gar gesundheitsschädliche Maske beweist. Wollen Sie mich bewusst und vorsätzlich umbringen?“

Dann, auf der Rückseite: „Ich spreche mit Ihnen erst, wenn Sie Ihre Maske abnehmen. Ich sehe nicht ein, dass ich allein in den Tod geschickt werden soll.“

Hernach der zweite Zettel: „Leute, die außer zu Karneval oder auf Kindergeburtstagen freiwillig Masken tragen, benehmen sich wie Bankräuber und Vergewaltiger, solchen gesichtslosen Leuten traue ich nicht, mit derlei losen Gesellen rede ich nicht.“

Auf der Rückseite: „Sie können mich jederzeit identifizieren, ich Sie nicht. Damit rücken Sie sich selbst in Verdacht. Hiermit ist das ‚Gespräch‘ von meiner Seite her beendet, es sei denn, Sie nehmen jetzt sofort ihren Mummenschanz ab.“

Die Zettel gehören natürlich vors Gesicht gehalten, je ein paar Sekunden lang, denn die Lesfähigkeit und Auffassungsgabe beim Gegenüber dürfte ohnehin nicht besonders ausgeprägt sein, weiter beeinträchtigt durch die maskenbedingte Atemnot und den kitzligen Eigenrotz in der Maske.

Protestiert der andere nachhaltig, will nicht aufgeben, so gehe man einfach, oder man hole den dritten Zettel raus, Vorderseite: „Sie wollen mich eiskalt umbringen, dann einfach davonspazieren, hernach soll es Selbstmord gewesen sein, da ich keine Maske trage. Vergessen Sie das.“

Rückseite: „Suchen Sie sich nur noch Maskenträger als Gesprächspartner, Gleichgesinnte, mit ähnlich durchgeweichten Rotzmordwaffen als Vermummung.“

Das sollte reichen.

Vielleicht sollte man sich, wo Masken nicht Vorschrift, schon präventiv ein Schild umhängen: „Ich rede nicht mit Rotzmaskenmördern.“

 

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Überlebt, vom Rotzlappen, vom Streit um den Aluhelm

Ich denke, ich bin Coronaüberlebender, also vermutlich immun gegen das Originalviech, denn ich hatte Ende Jänner oder Anfang Feber eine ungewöhnlich schwitzige Nacht. Von der Art, dass man unter besonders wirren und auch unschönen Träumen je nur halbstundenweis schläft, zeitweise vor sich hin dämmert, streckt man irgendwas zur Kühlung aus der Decke, wird es viel zu schnell zu kalt.

Vielleicht war es auch was anderes als die Zombieapokalypse, einfach Dichterweltschmerz, der in mir viral ging, zumal gebeut es mir mein Stolz, indem ich höre, dass Gesunde meist gar nichts merken außer einem kurzen Niesen, nicht daran zu glauben, dass es dies Mikroviech gewesen sei.

Gestern hätte ich in die Hände der Zombieapokalypsenhäscher geraten können, denn ich vergaß beim Eintritt in den Lidl tatsächlich, merkte es erst nach vielleicht einer Minute, meinen Rotz- und Kotzlappen überzuziehen. Knapp dran vorbeigeschrappt. Ich hoffe (schon wieder, das wächst sich noch zur Krankheit aus), dies ist jetzt keine Selbstanzeige, der verschärft nachgegangen wird, ich war gestern gar nicht da, sucht die Leute, findet sie aus, befragt sie, habt Spaß, mir 200 Euro reinzusemmeln.

Mein Rotz- und Kotzlappen ist nicht nur ein Schmuckstück, er ist aus feinster längstgekämmter weißer Feinrippbaumwolle, erste Qualität, made in Germany, er lässt sich ohne Ohrenzwick jederzeit mühelos anlegen, er schneidet nicht ein, bequemt sich jederzeit in die rechte Vordertasche der Hose, allezeit sofort gezückt zu werden, einmal gute Handarbeit zuhause, sauber zugeschnitten, und schon können die Chinesen ihre schimmelige Billigware behalten.

Jetzt sah ich im Netz einen, der hatte einen schönen Aluhut (also mit anständigem Unterhut) auf, und der hatte nicht nur meine Pickelhaube, der hatte zwei Hörner aus Alufolie. Das lerne ich dem vielleicht noch ab.

Was auch gleich wieder anzeigt, dass ich auf den hyperpazifistischen Weg „o lass mich doch vielleicht mal was fragen, bitte“ selbst nicht einschwenken werde, ich werde weiterhin einfach so fragen und als Frage auch herumstehen und mit Leuten reden und auch mal laut lachen oder schreien. Aluhut tut gut.

Aluhut gefällt mir nicht nur besser als „Bommel“, es klingt auch besser und ist auffälliger und frecher und lässt sich jeder normale anständige Hut mühelos entsprechend aufrüsten. Ein Gummi- oder Feinrippunterhosenprotestband drumrum, damit das Alu bei Böen nicht von dannen fliegt (bei mir steht „Esul XY“ in sieben Zentimetern Höhe, Rot auf Weiß auf einem letzteren), es darf nur nicht zwischenzeitlich zu sehr zerknitscht werden, für Hutträger nichts Neues, auch für Helmträger.

Sowieso meine ich eher, dass ich da einen Aluhelm trage denn einen Aluhut. Weil, ich bin ja da ich so einen Hut aufhabe gefährlich, also ist es ein Helm.

Filz-Aluhelme gegen Polizeihelme, wie geht das aus?

Natürlich hat die Filz-Aluhelmfraktion keine Chance, und zwar weil nicht nur weil die Helme am Ende vergleichsweise wenig taugen, sondern unter denen sowieso keine Angriffsbereitschaft besteht, man behelmt sich ja nur im geistigen Sinne, wo nicht auch gegen den Regen.

Ich weiß, oder ich gehe stark davon aus, wir Aluhelmträger werden unsere Position als anerkannte Minderheit noch erstreiten müssen. Ich sah jetzt außer mir schon ein paar andere, die Bewegung wächst. Sie ist kurz davor, viral zu gehen.

Wundert Euch nicht, wenn Aluminiumfolie bald knapp wird. Deren Helme aus Polycarbonat sind besser, wenn es physisch auf die Rübe gibt, unsere Aluhelme sind symbolisch und geistig besser. Auch wenn sie selber nicht durch das Alu dem Überhaber strahlenschützend helfen, reflektieren sie doch optisch zumindest manchen Blödmann.

Vielleicht sollte ich einen Aluhelmverleihgeschäft aufmachen, immerhin habe ich einige Hüte, weiß wie es geht, viele haben keine Hüte, brauchen aber den individuellen Aluhelm für zumindest die Demo.

Am liebsten würde ich einen Aluhelm mit Gebrauchsmuster patentieren. Endlich eine Geschäftsidee, die fußen könnte, nur sagen mir meine Anwälte, das gehe in dem Chaos, bei so vielen Anmeldenden, auch großen Firmen bereits mit vollständiger Dokumentation, für mich nur noch in sinnlose Kosten.

HALmet heißt die Firma, die alles an sich gerissen hat. Fast alles. Einige Kleinhersteller, die vorher schon dawaren, dürfen gewerblich noch Aluhelme herstellen. Ich darf meinen noch tragen, für Anverwandte und nahe Freunde ausfertigen, das konnte ich noch, nicht Haus und Hof zu verlieren, als Vergleich aushandeln, Sie finden das Aluhelmangebot von HALmet im Netz.

HALmet hat es allerdings nicht geschafft, jede selbstangefertigte Hutverkleidung mit Aluminiumfolie unter sein Aluhelmherstellungspatent zu bringen, und bei den saftigen Preisen, die die Firma verlangt (ein Filzhut, der im Einkauf kaum 50 Euro kostet, wird mit Aluminium um 5 Cent überzogen, Gesamtgestehungskosten 60 Euro, verkauft wird das schon im Großhandel ab 390 Euro. Coole Socken, die von HALmet).

Deshalb gibt es jetzt die mit HALmet-Helmen und die mit selbstgemachten Helmen. Das Dumme für jene mit den HALmet-Helmen ist, dass die einfach von der Stange gekauft haben, von der Empfindlichkeit ihrer Helme gar nichts oder wenig verstehen, sie also viel schneller ganz ruinieren oder erstmal nur nicht mehr selber reparieren können als jene mit den selbstgemachten. Da hilft es nichts, dass HALmet im Netz schon Lehrvideos hochgeladen hat, wie man den „AL-Super-7000“ richtig pflegt, der namensgemäß dem Endverbraucher für 700 in der Basisvariante zu haben.

Bringt einer selber seinen Hut (auch da setzte sich HALmet nicht durch), lässt sich auf schriftlichen persönlichen Wunsch einen Aluhelm daraus machen, gibt es kein Gesetz dawider.

Also, sie oder er, er oder sie: Ein jedes kann sich einen passenden Hut suchen, ihn beim Aluhelmmacher seines Vertrauens zu einem Aluhelm machen lassen.

Ich denke, dass da schon Preise von dreißig bis fünfzig Euro für eine solide Volkshelmanfertigung realistisch werden könnten, Luxushelme mit Gold und Diamantenbesatz werden natürlich etwas höher angesetzt erst erschwinglich.

Viele Stylisten arbeiten ja jetzt schon auch für oder mit HALmet, die Firma tut inzwischen alles mögliche, ihr weitgehendes Monopol nicht so in Misskredit zu bringen, dass es zu Fall gebracht werden könnte.

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Im Coronahauptquartier: Redeauszug durchgesickert

„Inzwischen haben wir laut Leitmedien wie unseren eigenen Zahlen im Lande schon Abermillionen von Verschwörungstheoretikern, so viele, dass Angst sich verbreitet, die alle könnten sich verschwören. Die einzige reale Verschwörung, die also andere Menschen in Mitleidenschaft ziehen könne, sei eine Verschwörung der Verschwörungstheoretiker. In Wirklichkeit tarnen deren Drahtzieher im Hintergrund ihre Weltverschwörung durch das Behaupten von Verschwörungen, die es allesamt nicht gibt. Und das besonders geschickt, indem sie auch Verschwörungstheorien in die Welt setzen, die nicht einmal der Dümmste von drei Socken glaubt.

Und jetzt, da wir ohne die Corona-Schutzmaßnahmen der Regierungen längst Millionen Tote hätten, wie etwa Schweden und Weißrussland, haben wir zum Danke Millionen Verschwörungstheoretiker – und was da hinten drannehängt, Rechtsextreme, Endzeitsekten undsoweiter.

Was machen wir mit all denen, wie begegnen wir der Gefahr, dass sie sich im Großen gegen unser so kleines Virus endschlussgültig verschwören, mit heimlichen heiligen Eiden, also, wie es üblich war, vor tausenden von Jahren, als es noch echte Verschwörungen gab?

DAS sind mehr potientielle Verschwörer, schon Experten mindestens teils in der Theorie, als ein Catilina in Aufwiegelung alles Abhubs der Republik gegen einen Marcus Tullius Cicero und die römische Staatsordnung insgesamt aufzutreiben wusste, und das ging sehr knapp aus. Sodann die Verschwörer gegen Julius Cäsar – als Teilnehmer der letzten bekannten Verschwörung der Menschheitsgeschichte – waren nur einige wenige.

Der Akademikeranteil und insgesamt Anteil an Leuten mit hohem Bildungsstand unter den Verschwörungstheoretikern, jenen, die die erste ernstzunehmende Verschwörung seit der Ermordung Julius Cäsars zustandezubringen drohen, ist erschreckend. Das zieht sich quer durch alle traditionellen Forschungs- , Wissens- und Lehrgebiete. Ebenso erschreckend der aus Beispielen erhobene vermutliche durchschnittliche IQ dieser Leute. Beide Zahlen sind Alarmsignale.

Wenn sich durchschnittliche Leute mit vielen überdurchschnittlichen Leuten verschwören, das gemeinsame Ziel und der Antrieb klar, das zu Millionen, rückt eine greifbar wirksame Verschwörung durchaus wieder in unsere Nähe, man könnte sagen, sie steht ante portas.

Was nun dagegen tun?

Vorläufig können wir außer den üblichen – jetzt allerdings erweitert möglichen, vielleicht dürfen wir bald noch mehr – repressiven Maßnahmen, der ständigen Diffamierung, sozialen Ächtung, Geschäftsuntergrabung, Verleumdung, Ausladung, ihr wisst was ich meine, eigentlich nur darauf setzen, oder, wir sollten wesentlich darauf setzen, noch mehr wirre Verschwörungstheorien zu streuen, vom Teufel, von Trump, von Außerirdischen, Unterirdischen, Drachen, die es noch gibt, mit Feuerwerk, Gesichte von Medien, verdammt nochmal, ihr wisst, wie es geht, wir müssen jeden verdammten Scharlatan anheuern oder auch nur in Aufmerksamkeit nach vorn schieben, jeden abgedrehten Eckenlull, Wunderbalmpillendreher, Kräuterhexen, Astros, Veganer, Flacherdler, Reinkarnationen Napoleons oder Kants, blast ihnen die rein wie nie, kauft euch jede Hure und jeden Hurenbock, blast den ärgsten Schwachsinn auf, füttert sie mit kabbalistischem Krimskrams und gut halbfalscher Volksetymologie, züchtet euch die Wirrköpfe heran, führt sie gut, sorgt für deren Wahrnehmung: nur so sehe ich eine wirksame Vorgehensweise gegen eine dräuende große Verschwörung der Verschwörungstheoretiker.

Dadurch, dass wir noch mehr schwachsinnige Verschwörungstheorien in die Welt setzen als die, nur so, auf dem eigenen Felde, können wir sie schlagen.“

 

 

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Coronadiktatur: Demos kommen in Bewegung

Aus Berlin findet man im Netz zumal vom Alexanderplatz gestrige Demoszenen, wo einzelne Züge der Polizei regelrecht eingekesselt sind von hunderten aufgebrachten Demonstranten. Einmal sah ich, wie sich fünf recht kernige junge Männer sehr provokativ vor den Ausgangskorridor stellten, es schien klar, dass man alle greifen müsse, es mit dem Rest zu tun bekäme, ginge man nur an einen, in zweiter Reihe waren weitere uncoronöse junge Männer zu sehen, die Überlegenheit der Gesamtmenge betrug vielleicht dreißig zu eins. Da war es kurz vor knapp, der Zug konnte schließlich abziehen.

Ich bin kein Fachmann für sone Sachen, aber ich war auf mancher Demo, als junger Mann auch in Wackersdorf, wo es schließlich nicht zimperlich zuging, ich vermutlich einigen sich anweisungsgemäß im Wald verfahren habenden Polizisten den Frack rettete, indem die, mit einer Wanne eingekesselt, selber beinahe Opfer geworden wären, durch einige Titanenschreie die schon Angreifenden stoppend.

Diese Polizeiführung jedenfalls ist aus meiner Sicht vollkommen bekloppt, die eigenen Leute in solche Lagen zu schicken, oder, Vorsicht „Verschwörungstheorie“, man will eine große Keile mit den „Verschwörungstheoretikern, Aluhutträgern, fanatischen Regierungsgegnern, Coronaleugnern und Rechtsextremen“ geradezu medienwirksam herbeiführen.

Die Leute haben die Bilder gesehen, gerade die Leute da, wie man friedliche alte Frauen und junge Frauen erbarmungslos misshandelt hat, die ganzen völlig willkürlichen Festnahmen; wenn zumal die Berliner Polizei so weitermacht, ist fast programmiert, dass es bald knallt.

Allzumal der Berliner jetzt aufgewacht ist, mit einer Menge Chaos und nicht wenig Anarchie kennt er sich zwangsläufig aus. Also dürfte das Beispiel dieses Wochenendes Schule machen, kurzerhand den Demoort zu wechseln, man geht immer dahin, wo bald am meisten los sein dürfte, wobei meist versprengte Trupps zurückbleiben, Demo ist allenthalben, die Polizei, sobald es die Bewegung mitbekommt, heizt mit allen Kärren zum neuen Hitzepunkt, schneller dazusein, als der Menschenzug, muss improvisieren, neue nordkoreanische Grenzen einrichten, indem die Masse mal von hier nach dort wabert: gestern eroberte sie trotz aller Gegenwehr, die Sperren kamen nicht schnell genug, erstmals den Alexanderplatz, an einigen anderen Orten ging es zudem ab.

Und dabei hatte man den Rosa-Luxemburg-Platz mittels hunderter Metallschranken und gestaffelter Mehrfachdurchlässe oder eher Nichtdurchlässe, also scharfen Grenzkontrollen bis in alle Seitenstraßen, abgesichert, und plötzlich waren die Leute am Alex (wohl auch am Dom und anderwo), und man schien nur noch Männeken, nicht einmal rotweißes Absperrband zur Hand zu haben.

Natürlich kriegen die Leute über Handy und Direktübertragungen alle schnell mit, wo es jetzt bald am lustigsten wird, ein paar Anheizer kommen hinzu, und die Herde setzt sich fröhlich in Bewegung. Granatenstress für die Polizei. Es könnte kommende Woche ohne weiteres sein, dass sie mit der Verlegung ihrer Kräfte noch schlechter zurande kommt, indem die Demonstranten einfach plötzlich nochmal abbiegen, weil die ja sehen, dass jetzt schon so viel Polizei am Alex, dass man die Staatsmacht schnell mal lieber woanders foppt.

An verschiedenen Stellen bot die Berliner Polizei auch Hunde auf, die waren zwar sehr laut und sehr scharf und sicherlich gut trainiert, aber nicht von einer Gewichtsklasse, die einen kräftigen Mann, der sich mit den Viechern auskennt, sonderlich erschrecken könnte. Solche packt man und bricht ihnen erstmal einen Vorderlauf oder kugelt ihn aus, wenn ihnen das nicht reicht, folgt schnell der Rest. Andere Methoden führen ebenfalls zackig zum Ziel. Nicht, dass es Hündchen gewesen wären, aber sie waren von der 25-30 Kiloklasse. Ein Rottweiler mit 50 Kilo, da habe ich Respekt.

Hier noch eine kleine Schwabenphantasie, heute Nacht beim Weine:

Ich stelle mir vor, die heute schon gut 10 000 auf dem Cannstatter Wasen setzen einfach über den Neckar und machen sich durch den dann bald beginnenden Schlosspark auf den Weg, also, dass etwa eine Stunde danach die Vorhut auf dem Stuttgarter Schlossplatz eintrifft. Blockiert die Polizei schon rechtzeitig am Neckar, gibt es noch diverse S-Bahnen und U-Bahnen, die zu stoppen wären. Es mag auch Leute mit eigenen Mobilen geben, Buslinien mögen Umwege bieten, das hat ja heute auch jeder nicht genau schon Kundige mit seinem Schmerzphon sehr schnell raus.

Kurzum, wenn sich die findigen Schwaben doch noch von den bisher zahlenmäßig ausgebooteten Berlinern etwas ablernen wollen, die ja im blanken Flachlande in der Megastadt gerade mal so von hier nach dort, eben dann den Alexanderplatz ziehen konnten, ja, es wäre verzwickter und verzwackter womöglich, und zumal bei Gelingen ein viel schöneres Bild, als am Alex je geboten werden könnte. Bildersuche hilft.

Ich drücke meinem Volksstamm, der schon von Julius Cäsar als besonders renitent gefürchtet war, aus dem fernen Unterfranken alle meine drei Daumen, also die der Hände wie jenen des Philosophen. Zehntausend auf dem Schlossplatz, bei schönstem Maienwetter, die Kinder springen schon in die Becken der beiden großen Brunnen.

Gut, jetzt mal runter vom vorschnellen Germanenpferde, man kann den Schlossplatz abriegeln, aber es sind sehr viele Zugänge (auch fahren jede Menge U-Bahnen untendurch und halten da), und überdies riegelte man damit am Samstag Nachmittag, indem endlich wieder Geschäfte offen, die Einkaufsmeile Stuttgarts, die Königstraße ab, hackte sie zuwenigst in zwei Teile.

Mit’m Rädle, auch ohne Elektrozusatz, ist man vom Wasen ratzfatz im Kern des Kessels, vielmehr Hufeisens, das die Stadtmitte umgibt, dessen beinahe niedrigsten Punkt sie bildet. Die Öffnung des Hufeisens ist jene gen Osten, zum Neckar hin, gen Cannstatt. Alles bis auf ein paar wenige Meter bis zum Schlossplatz fatzeflach, vielleicht zweigt man vor der Bahnhofsbaustelle lieber nach Norden oder Süden ab. Wozu gibt es Apps?

Ich könnte natürlich darauf wetten, dass die Stuttgarter Polizei, naja, vielleicht ein Gescheiter von denen, wofern er es nicht bis morgen von mir lernt, auf die Idee gekommen sein könnte, dass wenn die Berliner vom Rosa-Luxemburg-Platz und sonstwo sich plötzlich in Richtung Alex begeben, das Hauptziel der nächsten Woche der Schlossplatz sein werde, jedenfalls möchte.

Das Problem mit der Kontrolle ist, dass über die Hälfte der Demonstanten von der Stuttgarter, der westlichen Seite des Neckars gekommen sein dürften und ja auch wieder friedlich abziehen können sollten. Obzwar der Neckar nicht das ist wie der Rhein gegen die Sueben weiland, ergeben sich schwierige Fragen.

Den ganzen Verkehrsfluss über den Fluss da vorsorglich abbrechen, na viel Spaß dabei. – Und lässt man ihn durch, sind die Leute auf allerlei Wegen bis hin zu Absperrungen, die gar nicht schnelle genug errichtet werden können, dann nur noch um den Schlossplatz selbst, vielleicht den Karlsplatz und den Schillerplatz.

Indem je auf allen Seiten der abgesperrten Zugänge des Kern- und Prachtbereichs der Stadt wechselnde Hundertschaften der den Platz betreten Wollenden in Wehr stehen, gibt es auf einmal den Zug zurück Richtung Oper, wo da schon zu, wäre eine Bewegung westlich, die halbe Königstraße in dieser Richtung, danach langsam und bald etwas steiler ansteigend, schon nach schätzungsweise drei Kilometern die wunderschöne Karlshöhe erreichend, naheliegend und von guter symbolischer Wirkung.

Den Marktplatz noch gar nicht erwähnt habend, fällt mir gerade ein, dass man sich innenstadtnah zeitweise um einige stolze Kirchen herum versammeln könnte, achwas, zufällig zusammenfinden, tausend Leute im Leonhardsviertel, das wäre auch schon was.

Meine Vision zeigt mir, wie das bis in die Nacht geht. Von Norden her endlich rücken all die von den Clubs an der Theodor-Heuss-Straße an, die so gut wie pleite samt deren inzwischen überaus stinkigen jungen und agilen wütenden ehemaligen Gästen.

Im Leonhardsviertel und drumherum (Polizisten nennen es „in die Altstadt gehen“, wenn man sich im legalen Puffteil davon bewegt, was ich rein wegetechnisch und weil es dort gleich um die Ecke und weiter hinten raus in Richtung Charlottenplatz auch ein paar geile Kneipen sowie zumal meinen Stammjazzclub gab, einige Jahre oft tat), wird wohl nicht leicht ein Krieg von den dorten Betroffenen wider ihre Befreier anfangen.

Es ist inzwischen schon nach acht, der Kessel hält die Wärme alswie man ihn dafür herausgesucht, alles unklar, Polizei mal hier mal dort, am Ende ist die Polizei auf dem Schlossplatz und herumdrumdrum, es ist ja Samstag, bis zum Morgengrauen von feiernden und fröhlich trinkenden Bacchanten und Spottgesängen umringt, auch zarten Weisen wie klügeren und weniger klugen Reden.

Und so geschieht es auch. Die Polizei hat den Schlossplatz erfolgreich verteidigt, hat aber die ganze Zeit die ganze Nacht in ihren Scheißuniformen und unter Masken und sowieso Stress mächtig geschwitzt, während die anderen Leute im T-Hemd Bier gesoffen haben, gescherzt, auch geflucht, gesungen, schön an der frischen Luft anstatt im Stinkebus, ich sage Euch, wenn es in Stuttgart warm wird, bleibt man gerne unten, bis dass die erste Bahn fährt.

Halten bis zum Morgengrauen auch nur 1 000 Leute durch, vernünftige Leute, die sich nicht überfeiert haben, Frühsinnige auch, die versammeln sich am zeitigen Sonntag Morgen spontan vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof, um von dort aus über den Ostteil der Königstraße den direkten Zugang zum Schloßplatz noch einmal zu versuchen, wohl wissend, dass die Polizei zwar sehr ausgelaugt, aber auch über alle größeren Bewegungen jederzeit schnell im Bilde.

Genug fabuliert und geschwatzt. Selbstverständlich kann die Hufeisensenke Stuttgart nicht nur von Osten her eingenommen werden, sondern umso leichter den darumliegenden Höhen. Wer Stuttgart mal erleben will, ein paar Kilometer vom Stadtzentrum kann der Protestant sich im Sommer schon waldesrands oder waldesdreins mit seiner Poofe hinlegen, zur Pause, innert einer halben Stunde ist er wieder unten, wo es abgeht.

Vielleicht sollte ich nächsten Samstag in Stuttgart sein, war ja schon gefühlte Ewigkeiten nicht mehr da, den und jenen sehen und mehr zu erleben haben, als was sich bislang im beschaulichen Würzburg aufgebaut hat. Naja. Wenn gute Temperaturen angesagt und bis dann noch manches dazu, wird es schon fast zur Pflicht.

 

 

 

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