Von der anmaßend einseitigen Namensmissachtung der Angelsachsen

Wieso dulden wir eigentlich diese permanente Missachtung unserer Vor- wie Nachnamen durch die Angelsachsen und bemühen uns gleichzeitig, alle je nach besten Kräften, deren Namen richtig auszusprechen?

Ja, es gibt ein paar Laute beziehungsweise Lautkombinationen im Deutschen, die dem Engsachsen nicht von Haus aus geläufig: etwa die beiden Ausspracheformen von „ch“ und Konsonantenballungen wie etwa in „Sumpfpflug“ oder „Impfpflicht“. Umgekehrt etwa das „a“ in „all“ und „ball“ das „o“ in „row“ und „mow“ (außer für einige Dialaktsprecher in etwa „mein Moh“, entsprechend „wou“ für „wo“ im Oberpfälzischen): und zumal das „th“.

Zeigen wir anhand von Beispielen was läuft. Jeder engsächsische „Julian“ will in Deutschland schwerlich deutsch „Julian“ geheißen werden, wohl viel weniger noch eine „Hermione“ (Örr’maionie – Hermi’one), sauber wie es dasteht. Oder ein „Nigel“ (Naidschel) hieße Nigel wie Nagel. Was für ein Affront wäre das, deren Namen auf Ansage hin nicht so gut auszusprechen wie man es hinbekommt. Fast ein Kriegsgrund. Schon wieder muckt der Deutsche auf.

Da ich nun mit „Magnus“ ein Namensvetter des norwegischen Schachweltmeisters Magnus Carlsen bin, Schach regelmäßig verfolge, auch gelegentlich noch online spiele, habe ich den Umgang der Engsachsen mit seinem Vornamen über Jahre hinweg sehr genau mitbekommen, und zudem habe ich hierzu über Jahrzehnte selbst erfahrene Vergleichswerte. Es ergeht dem großen Magnus kaum besser als mir im Boyscamp oder auf meinen Reisen in den USA und Großbritannien, ebenso wenn ich Aussies oder Kiwis traf.

So wird der arme große Magnus wie ich auf einen „Mägnes“ herabgesetzt; in den USA reimte man, mich aufzuziehen, meinen Namen gerne auf „Agnes“ („Ägnes“). Versuche, meinen Namen in Echtaussprache zu erbeten, fruchteten fast nie. Hätte ich noch intensiver darum ersucht, wäre das nicht gut angekommen. So haben mich denn nur sehr, sehr wenige Angelsachsen mit dem richtigen Klang meines Vornamens beglückt. Dabei gibt es im Englischen, und zwar keineswegs selten, die Laute „a“ und „u“. Man müsste sich also hier nur merken, dass das „a“ wie in „mark“ auch hier ein „a“, das „u“ hier ein „u“ wie in „bush“. Offenkundig zuviel verlangt. Eine Frechheit, derlei von den militärischen und zumal kulturellen Herren der Welt zu fordern.

Und so wird Magnus Carlsen nun, indem inzwischen noch der Letzte mitbekommen, wie er wirklich heißt, einfach weiter namensverhunzt: ist den Engsachsen scheißegal, die meisten merken es nicht einmal, so normal ist ihnen das. Respekt haben schließlich nur ihre Namen verdient. Spanischsprachige, Russen, viele andere, großteils auch Inder, die heißen Magnus richtig…

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mir diese scheinbar alswie selbstverständlich stehende Erwartung einseitiger Achtung zumindest hierzulande nicht mehr so einfach geben zu lassen. Wer nicht wenigstens glaubwürdig versucht, meinen Vornamen richtig auszusprechen (dass das eigentlich ab IQ 80 bei etwas gutem Willen kein Problem darstellen sollte, habe ich oben dargelegt), den oder die werde ich so lange gegenqüalen, bis dass das fußt. Oder es bleibt eben dabei: Er oder sie dürfen mich weiterhin „Mägnes“ nennen, ich schlage dann aber mit deutsch ausgesprochenen „Seans“ und „Shauns“, „Reginalds“ und „Johns“,“‚Candaces“ (Kan’dazes; wie bei „Reginald“ und „Hermione“ geht bei vielen langen Wörtern im Deutschen die Haupttonsilbe anders, das tut besonders weh) und „Clairs“ zurück. Und zwar auch, wenn ich, was vermutlich ohnehin der Fall sein wird, dabei Englisch spreche, von daher nicht einmal mit bösem Willen vorzuschützen vermöchte, ich könnte es nicht richtig.

Kannst du etwa kein „a“ und kein „u“? Hä?

Wetten, dass die meisten nicht einmal bei „Adam“ leicht beidrehen, weil der nunmal „Ädäm“ heißt?


Mal noch meinen Rest zum Test: „Wolf“ und „Göller“.

Wie mache ich aus einem „Wulf“ einen „Wolf“? Eine Herkulesaufgabe.

In „Göller“ prangt zwar der zunächst sprerrige Umlaut, doch kennt nicht jeder Engsachs das Wort „burger“, also „Börger“? Oder „sir“, also „söhr“, nur bei mir immer mit kurzer Silbe?

Vielleicht muss Poseidon höchstselbst ihnen mal an ihre stolzen Flotten gehen, Donar beim Google einschlagen, Re mit Obelisken schmeißen.


Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn wir Deutsche Napoleon (auf Deutsch!!!) anders aussprechen als die Franzosen, die Angelsachsen in ihrer Sprache wieder anders, oder etwa Leonidas oder Cäsar, ist das historisch gewachsen und ergibt nicht das geschilderte Problem. Allerdings hätte ich Julius Cäsar zu Lebzeiten lieber nicht „Dschulies Siesar“ genannt. Das wäre womöglich übel angekommen.

 

 

 

 

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