Vom Schwarmgeiste und der Schwarmintelligenz und dem Gemeinsinn und dem möglichen Durchblick

Der epipostmoderne Schwarmgeist nennt sich jetzt Teil der Schwarmintelligenz. Die, wenn sie naturgemäß funktioniert, ganz einfach das wenigstens teils auch sinnige Zusammenwirken und halbwegs Mitdenken der Leute bedeutet. Grad wie als ob man mit dem Wort das Rad schon dreimal neu erfunden habe.

Man will also der zweifellos mal wieder grassierenden Schwarmdummheit seine eigene Schwarmintelligenz als schlagenden Trumpf entgegensetzen.

Keine grunddumme Idee. Ich sehe aber, durchaus, dass die Ausschwärmenden, im Schwarme richtig mitzuschwimmen, sehr schnell das Schwafeln und Schwurbeln und gar Schlunzen als Schutz und Trutz ihrer Bemühungen ganz nach vorn schieben.

Menschen haben zwar, so urteilt die Wissenschaft ziemlich einig, etwas von Fischen, Schafen, Rindern, Vögeln und gar von den weniger schwarmintelligenten Steinböcken. Insgesamt organisiert sich der Mensch aber von diesen Tierarten durchaus abweichend, jedenfalls ab da, wo er einer ist, nämlich Kunst und Wissenschaft in seinem Leben Raum haben.

Wäre ich als Sprachwissenschaftler korrupt, überlegte ich mir grade wohl, wie ich das Wort „Schwarmintelligenz“ auf den Menschen hin überzeugend gesundschreiben könne und damit absahnen. Da ich dessen Schwächen recht gut zu kennen meine, sollte ich andersrum schon wissen, wie ich den Gegner ausmeiere, ihm wenigstens kein gutes Futter liefere.

Immerhin, so sehe ich das, könnte man es deutsch und kürzer sagen, das, was man da von gutwilliger Seite her vermutlich stärken und aufbauen will: Gemeinsinn.

Täte aber natürlich keinen vom Hocker tun täten heutzutage, mit einem so verstaubten Worte ankriechen zu wollen. Da ist es schon besser, wenn man ein längeres hat, das viel weniger genau greifbar ist. Und auch noch fortschrittlicher klingt, obzwar die Hälfte davon aus dem klassischen Latein herrührt. Ja, ich weiß, „Intelligenz“ würde man sonst kaum mit „Sinn“ übersetzen, isoliert umgekehrt ebensowenig.

Immerhin, man hat sich zwei Silben mehr gegönnt, dabei wohl weit überwiegend gar nicht gemerkt, wie sehr man sich wie man meint im Sinne der Freiheit vom Kollektivismus, ja Sozialismus locken lässt. Alles nur im Team und so. Ansonsten irgendein Regenbogen. Macht immerhin nicht so leicht angreifbar, ist daher praktisch.

Gleichwohl muss ich da mal wieder den alten Meister Kung rausholen, der meinte, dass mit verkehrten Begriffen auf Dauer alles bachab gehe, und das betrifft eben auch die Begriffe, die sozusagen halbfalsch sind, da reicht auch schon weniger, wenn sie für das Gemeinwesen und der Menschen Auffassung von Recht und Gesellschaft wesentlich sind.

Ich schreibe dies wirklich nicht gern hierhin, weil ich viele sehr gutherzige und anständige Leute kennengelernt habe, die sich inzwischen unter dem Banner der „Schwarmintelligenz“ versammelt haben.

Immerhin habe ich das andere Wort vorgeschlagen.

Gemeinsinn bedeutet eben nicht Kollektivismus, Konformität, Sozialismus, Vergemeinschaftung bis zum bekannten Ende. Jeder macht für sich und die Seinen, aber auch für Übergeordnetes was er kann, weil er den Sinn dessen sieht.

Mitunter gibt es es auch schlicht einen, der durchblickt, mehr erkennt als die Ausgeschwärmten. Klar aufzeigen kann, welcher süße Nektar die meisten derer diesmal lockte.

Und zum Abschluss nochmal: Wenn Menschen sich sinnvoll zusammentun, aus Gemeinsinn, ist das nur das, was sie über die Jahrzehntausende immer wieder getan haben. Man versucht jetzt lediglich, ein Selbstverständliches mittels eines sehr zweifelhaften und missverständlichen deutsch-lateinischen Hybridwortes aufzuladen.

 

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