Vom Mythos der Schwarmintelligenz (III)

Eben fiel mir auf, dass ich im Vorartikel zur Sache das Wort „Selbstorganisation“ vergaß, das im Sinne der Schwarmintelligenz gerne angeführt wird.

Auch die ist völlig alltäglich und banal. Jeder Sportverein, jede Familie organisiert sich selbst. Und gerade und besonders auch bei Naturkatastrophen wie Knappheit und Not organisieren sich die Menschen schon immer selbst. Und zwar wiederum so, dass die Oma kocht, die Kinder helfen wo sie können, und der am meisten davon versteht, leitet die Männer und Frauen an, die eine Schippe halten können oder sonst etwas jetzt Gefragtes. Es gibt Arbeitsteilung und, ja, auch natürlich sich ergebende Hierarchien.

Wann klappt das alles nicht?

Zum Beispiel wenn die Leute in Panik schwarmweis ihren Verstand verlieren und sich gegenseitig tottrampeln. Erst kürzlich unter orthodoxen Juden geschehen, sicherlich nicht den ungebildetsten Menschen des Planeten. Der Schwarm geht einfach los, ohne Rücksicht auf Verluste.

Entsprechend bei einem aufgeheizten Mob. Da reichen ein oder zwei Leute, jedenfalls wenige (gleich ob nun Agents Provocateurs oder nicht), um den Mob völlig außer sich zu bringen, so dass Leib und Leben anderer, nicht nur von „bösen“ Polizisten, keine Rolle mehr spielen, man prügelt und plündert und brandschatzt.

Der Schwarm geht also los. Hirn aus. Alles geht.

Ich habe in dem Zusammenhang schon von der „Schwarmdummheit“, einfach als Gegenbegriff zur vorgeblichen „Schwarmintelligenz“, gesprochen. Das traf es aber nur teils. Mindestens ist der „Schwarmwahn“ hinzuzufügen.

Es liegt auf der Hand, dass ein religiös oder weltanschaulich stark vorkonditionierter (also vom eigenständigen Denken und Handeln schon ziemlich entkoppelter) Haufen sich besonders leicht in einen schwarmrasenden Mob verwandelt, allzumal wenn ein skrupelloser Führer das will.

 

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