Verfassungsschutz mit fast altgermanischem Stabreim unterwegs

„Verfassungsschutzrelevante Destabilisierung des Staates“: Unter diesem eleganten Signet hat der Verfassungschutz letzte Woche eine eigene Beobachtungsrubrik gegen die Querdenker und deren Umfeld eingerichtet, und zwar mit der Begründung, dass dieses eigenartig diffuse Menschengemisch nicht in eine der bewährten Schubladen passe.

Jedenfalls ist mehr als unwahrscheinlich, dass sich der Verfassungsschutz ohne politische Anweisung oder wenigstens Durchwinken von oben eine neue Möglichkeit gegeben hat, sich jeden Widerstand gegen die Coronapolitik – oder dann mal auch die Klimapolitik usw. – vorknöpfen zu können.

Vielleicht bitten mich meine alten Freunde vom Verfassungsschutz demnächst zu einem staatsstabilisiernden Gespräch: Da ich zwar nicht direkt der Querdenkerbewegung angehöre, aber auf jeder Menge Demos mit denen war, wäre ich ein idealer Informant im Felde. Es werde nach alter Tradition des Hauses an Leute wie mich nur unquittiertes Bargeld ausgezahlt, von dem das Finanzamt nichts zu erfahren habe.“ – Da hätte ich natürlich gute Lust, mich ganz willig und devot zu geben, aber zu Stärkung des Vertrauens doch schon einen Schuss Vorkasse einzuforden, am besten gleich. Dann, nachdem ich statt zweitausend endlich dreitausend Euronen in gebrauchten Fünfzigern aus ihnen rausgejuckelt hätte, würde ich einfach nicht liefern und sagen, ich hätte es dann doch mit meinem Gewissen bekommen, allzumal das Geld erstens nie geflossen und zweitens schon verbraucht sei.

So einen Spaß werden die aber eher nicht auf sich sitzen lassen. So plump darf man diese Jungs nicht runterlassen.

Verunsicherung und Einschüchterung schafft die Sache allemal, denn viele Bürger haben inzwischen angefangen, die Repressionsmacht des Staates ernstzunehmen. Wie beim Schach: Die Drohung ist oft stärker als die Ausführung. Die irgendwann dann doch zur notwendigen Exekution des Gegners führen sollte, die dabei oft auf einem ganz anderen Teil des Brettes stattfindet.

„Verfassungsschutzrelevante Destabilisierung des Staates“: Da war wirklich ein Poet am Werk, denn das ist fast schon ein Stabreim, mit deutlich mehr als zwei „S“ schon in den Silbenanlauten. (Nachdem es die „SS“ nicht mehr gab, hat man die beiden „S“ im Anlaut weltweit weiterhin gerne eingesetzt, etwa beim „Secret Service“, der „Stasi“, bei „Special Squads“ undsoweiter.)

Ich traue diesem Staatsdichter durchaus zu, dass er das alles wie auch die beiden etwas sperrigen lateinischen Brocken sehr gezielt kalkuliert und reingebastelt hat. Zischen muss es. Und wenn dazwischen unklar ist, zumindest sehr weit interpretierbar, was das denn heißen solle, umso besser.

 

 

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