Von wegen „Spaltung“ wegen Corona

Viele beklagen jetzt die Spaltung der Gesellschaft entlang der Coronapolitik. Und zwar nur auf den ersten Blick paradoxerweise vor allem diejenigen, die nicht weiterhin ihrer Rechte beraubt leben wollen, die eigentlich sagen müssten: „Spaltung? Wer hat denn da gespalten beziehungsweise sich grundgesetzwidrig vom Recht abgespalten? Wer hat Familien und Freunde gespalten?“

Es griffe wohl etwas zu weit, hier schon wieder von einer Art Stockholm-Syndrom zu sprechen, doch kann man sich schon wundern, wie oft die Spaltung von der bislang unterlegenen, sich eben nicht abgespalten habenden Seite als solche beklagt wird, nicht selten gar mit Rügen und erhobenem Zeigefinger gegen die eigenen Reihen garniert, die Spaltung durch zu klare Worte, zu deutliche Angriffe, zu scharfe Satire nicht noch zu vertiefen. Man müsse ja endlich wieder miteinander reden. Reißt nicht alle Stege ein! Bitte, bitte, baut ihnen Brücken!  Wenn wir die andern verschrecken, werden die nie mit uns reden!

Von der anderen Seite her lautet das fast unisono ganz anders. Da gibt es die Vernünftigen und Guten, die sind auf Regierungskurs, der Rest sind verantwortungslose Egoisten, Zersetzer, Gefährder, Spinner, paranoide Verschwörungstheoretiker, Nazis und Geisteskranke. Kein Grund, die aufzuwerten, indem man mit denen redete, auch nur selbst diskutierte, was sie vorbringen, oder deren pauschale Diffamierung und Zensur auch nur ein Gran runterzufahren, im Gegenteil.

Natürlich soll man mit allen reden, die das vernünftig tun wollen. Man muss aber nicht dauerndzu bei seinem erbarmungslosen Geiselnahmer darum betteln, er möchte doch bitte bitte endlich mal mit einem reden. Zumal ihn das eher bestärken dürfte, einen selber weiter schwächen. Insofern sehe ich da doch ein bisschen was von Stockholm-Syndrom.

 

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