Vom geheimsten aller Geheimbünde

Ich habe schon vor einiger Zeit einen Geheimbund gegründet, dessen fast unüberwindliche Tarnung darin besteht, dass sich alle Mitglieder laut einziger Beitrittsbedingung darauf verpflichten, alles gesellschaftlich Relevante redlich offenzulegen, so gut sie das vermögen.

Der Rest wird meine Brüder und Schwestern nie gesichert ausfinden können. Keine Polizei und kein Geheimdienst nicht. Es fließt nämlich niemals Geld, wir treffen uns nur wie zufällig, setzen keine idiotischen Telefonate oder Emails ab. Und natürlich benutzen wir auch keine Codewörter, keine sonstigen Verschlüsselungen, die uns irgend verdächtig zuzuordnen wären. Keine Handzeichen, keine spezifischen Symbole oder Zahlen, kein Sprichwort oder Zitat, keine Farbe, keine Hymne oder Leitmelodie, keine typische Kleidung oder Automarke, nicht einmal einen Trinkspruch, kurzum: Wir sind scheinbar so zufällig und dumm wie jeder gemeine Bürger.

Ich schreibe das jetzt natürlich nur deshalb so frei hier hin, weil die anderen inzwischen herausgefunden haben, dass es uns geben muss, einfach muss, zudem wie etwa wir uns vermutlich tarnen. (Irgendwann hätte ich es ihnen vielleicht schon aus strategischen Gründen einfach so gesagt.)

Natürlich macht sie das wütend, ja teils fuchsteufelswild. Dass ausgerechnet ich den bislang unentdeckbarsten Geheimbund der bekannten Weltgeschichte ins Leben gerufen habe, tut ein übriges. Dass ich ihnen, wofern sie mir zuleibe rückten, lediglich ein paar Namen aus ihren eigenen Reihen nennte, die vielleicht zu uns gehören könnten, rein von ihrem Verhalten her, was ich aber nicht wisse, da eben nicht jeder von jedem wisse, was ihnen aus eigener Praxis wohl geläufig sein sollte, wissen sie ebenfalls, was ihr Mütchen nicht eben kühlt.

Achja, wir haben nicht einmal einen Geheimnamen. Der ja schon wieder ein entdeckbarer Code gewesen wäre. Niente. Nada. Nichts.

Aber gut, die anderen dreißigtausend Geheimbünde und Geheimdienste und Polizeien, die schlafen ja nicht alle, und wenn sie sich aus Frust und Neid erstmal mächtig einen hinter die Binde gegossen haben und am anderen Tage nochmal das Nachdenken anfangen, kommen sie doch auf gewisse Suchcharistika, die selbst wir nicht völlig verschleiern können.

  • Bei exzessiven Handynutzern ist die Mitgliedswahrscheinlichkeit gering
  • Bei schwer Drogensüchtigen und Geistesgestörten dito
  • Bei Minderjährigen dito
  • Bei nicht nur gespielt schlecht Redfähigen dito
  • Bei ProfessorInnen für Gender Studies dito

Es gibt da natürlich noch etwas mehr, nämlich dass etwa Leute, die drei mal acht ins Handy tippen müssen, eher nicht zu uns gehören undsoweiter.

So gesehen werden sie uns natürlich nach und nach immer weiter einzukreisen trachten, und ich selber, auf deren Seite, ginge genau so vor.

Bis sie uns aber endlich vielleicht doch teils ausgefunden haben werden, haben wir für die Wiederherstellung freier Rede auf weiten Teilen dieses Planeten gesorgt.

 

 

 

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