Baerböckin und Söderone (II)

Eben kam in bezug auf den Erstartikel zum Baerbock und der Söderine ein etwas mysteriöser Anruf eines Herren Meyer herein (ich frug ihn nicht, wie er sich wirklich schreibt), nähere Angaben wollte er nicht machen: ich möchte ihn trotzdem bitte anhören, denn es gehe darum, Schaden von unserem Lande abzuwenden.

Klar, der versuchte bei mir auf den Patriotenknopf zu drücken.

Wie ich denn das, was er zu diesem hehren Ziele beitragen könne oder schon beigetragen habe oder hiermit zusätzlich versuche beizutragen denn mit meinen bescheidenen Kräften unterstützen oder erweitert umsetzen könne?

Nun fing er ein wenig zu schwurbeln an, erklärte „Wir haben Sie ja schon lange im Auge…“, worauf er natürlich nicht sagen wollte, wer denn die „Wir“ seien, aber dazu einschlägige ominöse Andeutungen machte, kurzum, es handele sich schon um eine ernstzunehmende Veranstaltung mit langem Arm.

Beinahe hätte ich gesagt, ich war gerade ob des eben geschriebenen Vorartikels in Fabulierlaune, „Sie sind mir, mit Verlaub, schon ein rechter Kasper, in der Form an mich heranzutreten“, doch ging das kleine Lämpchen noch rechtzeitig an, und ich ersuchte höflichst um Auskunft, wie konkret denn ich im Sinne seiner und seiner Leute hilfreich tätig werden könne.

Er druckste und salbaderte noch ein wenig herum, merkte aber ob meiner offenkundig nicht nur fahrlässigen Nebengeräusche zu seinem Vortrag, ganz Profi, dass er endlich zur Sache kommen müsse und sagte: „Herr Göller, löschen Sie diesen Artikel zu Baerbock und Söder.“

„Warum?“

„Die nationale Sicherheit steht auf dem Spiel, damit auch die Sicherheit in ganz Europa. Und Sie treiben dazu Ihre Späße.“

„Moment, Herr M. , das klingt fast danach, als hätten sie bessere Informationen als ich. Nämlich dahingehend, dass es tatsächlich zur Söderine unterm Baerbock kommen könnte. Kein Wunder, dass das Ihr Alptraum ist. Oder Sie wollen mich jetzt ausbremsen – sind meine Späße so gefährlich? – , weil Sie genau das wollen? Weiß ich’s?“

„Ich kann Ihnen keine weiterreichenden Informationen zu unseren Hintergründen geben. Sie müssen mir einfach vertrauen, und das sollten Sie auch.“

„Aha. Was machen Sie denn, wenn ich dieses mit dem „und das sollten Sie auch“, von einem anonymen Anrufer, offenkundig in einem heiklen politischen Zusammenhang, als Drohung gegen einen freien Journalisten aufgefasst habe, die Sache, vielleicht noch ohne Anzeigeerstattung, immerhin mal dem Staatsschutz oder so zur Kenntnis bringe, mit Beschreibung Ihrer Stimme, Ihrer Diktion, bestimmten seltenen wie auffällig gehäuften Wörtern und Wendungen, der regionalen Färbung Ihres Ausdrucks oder gar dem unverkennbaren mundartlichen Hintergrund, dem Soziolekt, der Stimmhöhe und den spezifischen „Ähs“ und Stockungen, Ihrer Atem- und Pausentechnik, was aus dem Kopf heraus halt so geht?“

Ich hörte, wie er atmete. Dann:

„Herr Göller, wir sind vernünftige Leute. Ich bitte Sie, in Ihrem, in meinem, in unserem, im Interesse des Landes…“

„Etwa des Vaterlandes? Heißt das bei Euch so?“ – rief ich, das erste Mal einfach unterbrechend, frech dazwischen.

„Herr Göller, ich will erstmal feststellen, dass ich Sie in keiner Weise bedroht habe. Ich habe lediglich auf Ihre guten Eigeninteressen hingewiesen. Wir schätzen Ihre Fähigkeiten. Und wir verfügen über nicht unerhebliche Mittel. —–

Jetzt in dem Sinne wie von IHNEN angedroht eine Mitteilung an Sicherheitsbehörden zu machen, das gefiele uns natürlich nicht, wäre aber auch höchst töricht für Ihr sonstiges Fortkommen. Wir wissen sehr wohl, wie man bei einigen dieser Vereine schon die Augen verdreht, wenn man Ihren Namen nur hört, so haben sie die über die Jahre genervt.

Ausgerechnet jetzt noch damit anzukommen, ein Herr Meyer habe bei Ihnen wegen einer lächerlichen kleinen Posse angerufen, sie hätten den Anonymus auch auf seine Forderung hin, diese Petitesse wegzuräumen, weiter ins Gespräch gezogen, worauf der Ihnen indirekt gedroht habe, lieber Herr Göller, damit werden Sie diese Leute, denen es überwiegend sowieso schon nicht sehr gut geht, nicht eben besser für sich gewinnen. Die werden sich denken: „Diesmal versucht er wirklich, uns auszuschmieren.“

Also: Lassen Sie das mit der Meldung?“

„Erstmal lasse ich das. Aber nur erstmal. Und die Petitesse, die kleine Posse, die bleibt hier stehen. Vielleicht sollten Sie mal woanders nach dem Rechten sehen.“

„Herr Göller, wir werden noch zu reden haben.“

„Das sehen wir dann. Guten Tag Herr Meyer.“

„Auf Wiederhören Herr Göller.“


Das ist die Sorte, die fast garantiert wieder anruft. Nicht etwa, weil der geistesgestört wäre, sondern weil er den Fisch nicht loslassen darf, den ersten Kontakt aufgebaut, vielleicht schon ein bisschen Stockholm-Syndrom in den anderen gepflanzt, einfach der Beste für seine Leute, solange er nicht total patzt.

Da er mich ja mehr oder weniger offen mit Geld gelockt hat, werde ich das nächste Mal auf diesen Teil des Spiels einsteigen. Ihm zum Beispiel vorschlagen, dass ich für Lektorat und saubere Redaktion von Texten gegen den verordneten Coronawahn aus privater Hand, übers Konto und zu versteuernd, sehr gerne auch sehr großzügige Tarife ansetzte. Warum, nach Jahren des Schwarzbrotes, nicht auch mal Speck und Rahm.

Auch ließe ich mich geldweis gerne zu weiteren Artikeln zum grassierenden antiweißen Rassismus in den USA ermuntern. Schach. Sprachwissenschaft. Runen. Vieles geht.

Wahrscheinlich wird Herr Meyer es gar nicht bis hierhin durchhalten, das mit meinen Angeboten, mich korrumpieren zu lassen. Da wird er wahrscheinlich zum ersten Mal ziemlich die Fassung verlieren. Wenistens schnauben und einen Fluch nicht unterdrücken können.


Versuchen wir uns an einer vorläufigen Zusammenfassung.

Meyer ist zweifellos ein Profi, der ähnliche Dinge schon gemacht hat. Der ist kein abgedrehter Firlefanzer. Wahrscheinlich steht tatsächlich eine nicht völlig machtlose Organisation hinter ihm und hat ihn – vielleicht nur vorgeblich wegen der Baerböckin und dem Söderone – jetzt wie berichtet auf mich losgeschickt, mindestens mal zum Ausloten. Dann hat er über seine vorgeblichen Kenntnisse meiner Kontakte zu den Diensten recht fett aufgetragen, aber so, dass er immerhin was, ein bisschen was davon wissen muss. Vielleicht hat er, haben die das aber einfach nur aus sorgsam klugem Lesen hier. So oder Söder, seinen Ritt, dass ich jetzt im eigenen Interesse nicht den Unmut der von mir seit Jahren Gequälten auf mich ziehen möchte, entlang einer Sache, die die mir als üblen Taschenspielertrick auslegen und den damit erlangten eben endlichen Gipfel der Frechheit irgendwie heimzahlen könnten, trug er überzeugend vor.

Der Mann ist nicht dumm. Das fiel ihm sofort ein, scharf und klar.

Und das heißt auch: Wenn er nicht ein grandioser, erfahrener Hochstapler ist, der in Wirklichkeit selber irgendeine gewagte Sache durchziehen oder einen eigenen Laden hochbringen will, einen ganz schrägen Schuppen, er eben eher nur ein Sendbote, ein Legat des dahinterstehenden „Wirs“, spricht das nochmals dafür, dass hinter ihm nicht nur Gänse und deren Hirten stehen.

Vielleicht ist es ein ganz merkwürdiger, sozusagen halbpatriotischer Verein. Den man irgendwie machen lässt, weil man so an viele Informationen kommt, über ihn die Opposition besser kontrolliert, und außer ein paar Leuten schnallt das von denen keiner. So einer könnte Meyer trotz allem auch sein.

Die Chinesen haben es sehr wahrscheinlich bei mir schonmal versucht, in Andeutungen berichtete ich davon. Unwahrscheinlich, dass die Russen dahinterstecken. Obwohl, denen könnten Baerbockine und Söderaster wie beschrieben ja gerade recht kommen, sie daher wollen, dass ich dieses Idealszenario nicht verhindere.

Nun gut, da gibt es noch Stoff zum ernsthaften Nachdenken, denn die Lage erzeigt sich als etwas unübersichtlich.

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