2 Antworten auf „Vom Ende der Coronapriester“

  1. Nachtrag, Bericht über den 1. 8.2020 – Tanja Krienen
    2. August 2020 ·

    „Gehen Sie doch draußen kacken“!

    Polizeieinsätze nehmen zu, Hintergrund ist die ausgerufene Eskalationsphase der regierungsnahen Deutschen Bahn. Auf dem Rückweg gab es massive Kontrollen, in denen eine Frau genötigt werden sollte, zum unzweifelhaft bestehenden Attest auch den Personalausweis zu zeigen. Ihr Widerstand führte zur Herbeirufung der Polizei, die diese Frau jedoch am Bahnhof Bielefeld gar nicht mehr kontrollieren konnte, da sie ausstieg, – denn es war ihr Zielbahnhof. Doch damit begann die Sache erst. In Ermangelung des eigentlichen Demonstrationsopfers, wollte sich der Zugchef an einer Frau mittleren Alters gütlich tun, die wohl seine potenziell unsachgemäße Befragung der Attest-Frau mit dem Handy dokumentiert hatte, doch anscheinend ist das nur gestattet, wenn Dunja Haylali mit einem TV-Team provoziert oder der richtige „I can´t breath“ ruft, aber ein deutscher Uniformträger, ein Träger der hiesigen Staatsgewalt, ist bei der Ausübung des Unrechts immer im Recht. So musste die Frau mit dem Ziel Solingen den Zug verlassen. Eine Gruppe von Demoteilnehmern, die zuvor sehr lautstark und scheinprovozierend agierte, verhielt sich mucksmäuschenstill. Angesichts dieser Mucker hatte ich in diesem Moment mit der Bewegung gebrochen – solche Duckmäuse braucht niemand und sie werden auch nicht weiterkommen, sind heuchlerisch und zwiegespalten. Mein Mann die ich waren die einzigen die laut protestierten, und selbst kurz vor der Entfernung durch reine Willkürmaßnahmen standen. 15 Minuten Aufenthalt, später waren es in Hamm rund 20, machten unsere Weiterfahrt unmöglich. Am Ende sollten wir mit 1 1/2 Stunden Verspätung nach Mitternacht zu Hause ankommen, doch der lehrreiche Verlauf des Abends machte das wieder wett.

    Die Frau löschte dann ihr Video und durfte gnädigerweise nach hochnotpeinlicher Befragung mit anschließender Unterwerfungsgeste „Ich entschuldige mich“ wieder mitfahren. Doch das war noch nicht der Gipfel, der sollte noch folgen, ließ mich aber auch den Glauben an den Widerstand zurückfinden. Waren die aus dem Rheinland stammenden Demonstranten echte Luschen, hatte die Westfalen, unterwegs nach Soest und Lippstadt, ein anderes Kaliber. Wieder wollte ein aufgeblasener Zugmann die Menschen zurechtweisen und gab sich nicht mit dem Vorzeigen der Atteste zufrieden. Während des einzigen Zwischenhaltes brachte auch er für eine Viertelstunde den Zug zum Stehen. Doch in diesem Nest gibt es keine Polizei, keine Ordnungsmacht. Irgendjemand hatte zudem zuvor noch „Fatzke“ geraunt, was die aufgeplusterte Arroganz als Beleidigung wertete. Ich hatte den Mann in seiner schwadronierenden Art zudem unterbrochen und auf den Zustand der quasi unbenutzbaren Toiletten hingewiesen von denen eine ECHTE VIRENGEFAHR ausgehen würde. Da wurde er aber plötzlich sehr sehr laut und schrie mich an: „DANN GEHEN SIE DOCH DRAUSSEN KACKEN.“ Das rief mich natürlich auf den Plan und ich schrie ihn umso lauter an, denn schreien kann ich gut. Wie dem auch sei. Nach etwa 15 Minuten rollte der Zug wieder an. „Der Fatzke hat sich entschlossen den Zug weiterfahren zu lassen“ meinte immerhin launig, aber in der Sache richtig liegend der Zugführer bei seiner Ansage. Großer höhnischer Applaus des ganzen Wagens – eine zusammenstehenden Gruppe hatte sich erfolgreich gewehrt. 15 Leute, die sich nicht von der Fratze einer lächerlichen Autorität beeindrucken ließen. Weniger anzeigen

    1. @ Tanja Krienen

      Ich halte die Stimmung inzwischen für „vorrevolutionär“. Im neuesten Video (nach meiner Mondanheule sprach ich auch mit der Sonne) deutet sich das schon an – https://www.youtube.com/watch?v=hIPtpHgblq0 – : und wahrscheinlich bekommen wir heute Abend schon den Nachfolger fertig, wo ich diesbezüglich noch optimitischer werde. (Ich will natürlich keine gewaltsame Revolution, deshalb die Anführungszeichen oben.)

      Was Du aus dem letzten Sommer beschreibst, weist auch schon in diese Richtung. Irgendwann kommt sogar im besten Sinne der deutsche Tribalismus wieder zum Vorschein. Die Franken wollen hinter den Westfalen nicht mehr zurückstehen, die ja sowieso schon nicht hinter den wachsweichen Rheinländern, die Sachsen bestimmt nicht hinter den Preußen, und selbst Schwaben mit so unverkennbar grauenhaftem Akzent wie ich werden mitsamt ihres Volksstammes ihr Vorstreitrecht einfordern. Die Kölner wollen mal wieder frecher sein als die Düsseldorfer. Die Mainzer als die Wiesbadener. Ähnlich in Ö die Kärntner vor den Tirolern, in der Schwyz die Churer vor den Bernern und die vor der Zürchern.

      Ja, ich fabuliere und wunschträume da vielleicht ein wenig, aber: Wenn der stolze Badenser merkt, dass der Schwab einfach immer frecher wird (Schwaben sind sonst ja ziemlich lebensunlustige, eher sauertöpfische und obendrein geizige Eckensteher und Allaufprecher ohne Arsch in der Hose), da kann er gar nicht anders, als seinerseits den besten Riesling und Spätburgunder beitreiben, sich dazu erstmal ein Kalbsrahmgeschnetzeltes oder ein Wildsauengulasch reinzudrehen, um nachher an einem Schwarzwaldabhang oder am Bodensee einen draufzumachen, dass der ander‘ sich irgendwo im Neckartal und auf der kargen Alb verschämt verschanzen muss.

      Liebe Grüße und danke für den Frontbericht.

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