Schachspieler und ihre Sprache trutzen dem Schuld-, Rassen- und Genderkult

Vor ein paar Tagen wurde ein Interview zwischen zwei Schachgroßmeistern, davon Nakamura in der absoluten Weltspitze des Sports, beide haben Kanäle mit enormer Reichweite, kurzerhand wegen „Hate Speech“ von YouTube aus dem Netz genommen.

Wieso genau weiß niemand, jedenfalls gibt Google es nicht zu. Die Vermutung geht (siehe ab 4.44), dass eine Rede wie etwa die Verkündung eines brutalen Angriffs des Weißen, der die gegnerische Verteidigung niederstampfen und den schwarzen König bald an sein Ende bringen werde, die sogenannte Künstliche Intelligenz wohl mattgesetzt haben müsse.

Aber man weiß es nicht. Noch ist unter Schachspielern aller Rassen und Ethnien, Geschlechter und politischer Präferenzen auch keine politisch korrekte neue Lingo eingeführt, mittel derer „las piezas negras“ (schwarze Steine) im Spanischen ersetzt wären, die „dark squares“ (dunkle Felder) im Englischen, der „schwarze König“ im Deutschen, ebenso deren Gegenstücke.

Man weiß auch noch nicht, wie man aus einem „ataque“, einem „attack“, einem „Angriff“ etwas anderes machen sollte, als das, was es ist. Und da jeder abwechselnd mit Schwarz und mit Weiß spielt, sieht auch bislang keiner eine Ungerechtigkeit darin, dass Weiß den Anzugsvorteil hat. Einer muss ja anfangen. Zöge Schwarz an, änderte sich strukturell und gerechtigkeitsmäßig gar nichts.

Bedenkt man dann noch, dass Schachspieler – gerade jetzt in dieser Zeit, da man viele kommentierte Schnell- und Blitzpartien anschaut – , in einer brisanten Lage am Brett nun so gar kein verdrehtes Schwurbelastergesülch hören wollen, sondern am Punkte eben auch zackzack was geht, wird die große Schachsprachreform wohl noch etwas auf sich warten lassen.

Der im Deutschen so unbedarft „Läufer“ Genannte, der ist im Spanischen ein „alfil“, also ein Kriegselefant, im Englischen gar ein Bischof (wie der König mit einem Kreuz obendrauf, dieser christlich-abendländische Schuft), der „Springer“ ein „caballo“, also lediglich ein Pferd, im Englischen aber schon wieder ein Kreuzzügler, als „Knight“, als Ritter.

Von den armen Bauern, die da links und rechts geopfert werden, nur damit ein Kriegselefant oder Ritter mehr Luft gewinnt, dass der völlig gefühllose Feldherr alles bis zur letzten Figur, ja bis zum letzten Bauern opfert, nur um nicht zu verlieren oder eben am Ende den letzten entscheidenden Bauern übrigzuhaben, muss in diesem Zusammenhang ebenfalls angesprochen werden.

Da gibt es Sturmangriffe wie Erwürgungsstrategeme, kurze Ausfälle zur Provokation von Schwächen in den feindlichen Reihen, Scheinopfer, Verwicklungen in unübersichtlichste, für beide äußerst verlustreiche Kriegshandlungen, das ganze Brett brennt, und genau das ist, was dem Publiko besonders Laune macht.

Gar viele mögen auch das langsame, erbarmungslose Niederquälen im Endspiel, nur noch zwei oder drei oder vier Figuren und ein paar Bauern, worin mein Vornamensvetter Magnus Carlsen, seines Zeichens auch deshalb Weltmeister, weithin gefürchtet und bewundert. Seinen vorletzten Gegner um die Krone, Sergey Karjakin, nennt man derweil mit ähnlicher Hochachtung den „minister of defense“, den Verteidigungsminister, weil er in Endspielen noch das Unmöglichste immer wieder auf ein Remis rauszufischen weiß.

Die beste Schachspielerin aller Zeiten bislang, Judith Polgar, schaffte es als einzige je unter die ersten Zehn der Männer. Sogar für einige Jahre. Sie spielte sowieso nur noch Männerturniere, weil ihr die anderen Frauen zu schlecht waren. Sie wolle von den Besten lernen, und das seien die Frauen nunmal nicht.

Alle wissen das, und es ist ihr nie dass ich wüsste übel reingedreht worden. Im Gegenteil ist sie das Idol fast aller jungen Schachspielerinnen, gibt neben ihren Ausbildungsprogrammen auch gerne noch kommentatorische Gastspiele, immer sehr fröhlich, ihre alte Schärfe als berüchtigt-gefürchtete Angriffsspielerin jederzeit aufblitzend.

Sowieso gibt es keine nennenswerten Genderscharmützel auf diesem unseren schönen Schachplaneten. Wer interessiert sich bei uns für sowas? – Gegenseitiger Respekt ist einfach selbstverständlich.

Seit Jahren finden sich Frauen in den besten Kommentatorenteams zu den bestbesetzten Männerturnieren. Die müssen sich um ihre Verträge nicht einer Quote halber keine Sorgen machen, sondern weil die Leute sie da sehen und hören wollen.

Man ist so gar nicht „woke“, dass ich noch nicht einmal davon gehört habe, wann etwa die sexuelle Orientierung eines Spielers oder einer Spielerin (hier nehme ich bewusst mal die Doppelung) auch nur ansatzweise zum Thema geworden wäre, sei es nur, weil jemand irgendeine Diskriminierung insiniuert hätte. Wen sollte das interessieren?

Dabei, denn die Branche ist auch zu einer Unterhaltungsbranche geworden, mangelt es nicht an persönlichen Anekdoten und Schwänken und menschlichen Seltsamkeiten, die da zum Besten gegeben werden, wenn sich am Brett gerade nicht viel tut, man diskutiert neueste und alte Trends und Filme und andere Sportarten, philosophiert über Gott und die Welt und sowieso über Stresslagen und die immer gefährdete psychische Stabilität des Schachspielers vor, während und nach dem Kampfe, über längere Zeiträume, in besonderen Lagen undsoweiter.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass das halten wird. Denn wahrscheinlich wollen weit über neunzig Prozent der interessierten Schachspieler diesen ganzen Schuld-, Rassen- und Genderwahn außer ein paar notwendigen Scherzen dazu nicht in ihrem Raum. Damit wird er dort schlicht nicht zu verkaufen sein.

 

 

 

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