Odalskraft: Die Ersten der Letzten im Impfkrieg

Ich bin wach wie lange nicht.

Ich will mich ganz hinten anstellen. Am besten unauffindbar weit hinten.

Ich werde dafür Millionen Impflinge durchlassen, den ganzen Strom an mir vorbeileiten müssen.

Wozu in meinem Alter noch an die vorderste Front?

Alte Krieger haben eben auch die Absatzbewegung gelernt, wo mancher junge Kerl nicht sieht, wie schnell er ansonsten aufgerieben werden wird.

Unter Kameraden gehen schon Witze und Wetten, wer es denn bei immer brutalerem Impfzwang in die letzte Division, die letzte Brigade, die letzte Kompanie, den letzten Zug schaffen werde.

Wir sind tatsächlich eine Art Elite. Wir sind die Omegaforce. Genauer die Odalskraft.

Die Kameraden gaben sich zunächst kritisch, ich möchte hier nicht so offen antreten und damit zur Unzeit viel Aufmerksamkeit auf uns lenken, unsere Mission damit gefährden, obzwar die Botschaft natürlich eigentlich jetzt rausmüsse, man ja jeden Wettbewerb begrüße und gerne herausfordern wolle.

Also darf ich hier jetzt nur teilweise aus dem Nähkästchen unserer Strategeme plaudern, aber doch noch ein wenig von unserer Einschätzung mitgeben, wie man ernsthaft mitspielen kann.

Zunächst gibt es keine Patentrezepte. Wer das noch glaubt, der hat nicht nur den letzten Schuss nicht gehört. Echte Gebrechen können ebenso wie unwiderlegbare Notlügen dazu einfach übergangen werden. Noch nicht bei jedem. Es geht aber darum, wie es noch kommen könnte.

Wie sollte auf Ärzte noch Verlass sein, wo man missliebige jetzt schon mit Razzien überzieht? Wo hilft welches Gericht wegen was? Nimmt es den Fall überhaupt an? Gibt es Staatsanwälte, die nicht des Impfministers?

Mehr noch könnte ich zur bislang noch nicht gestoppten Impfspirale sagen, worauf sich die letzten Freisinnigen im Falle einzustellen haben; wir von der Gilde können hier aus naheliegenden Gründen aber nicht alles verraten. Man studiere die 36 traditionellen chinesischen Strategeme, meine, teils nur im Altarchiv zu finden, eifrig dazu, und man hat weitere Hinweise.

Ja, Sie, oder auch Du, Ihr habt recht gehört. Jede Benachteiligung wegen Nichtimpfung gehört abgeschafft.

Ja, ich habe oben launig begonnen, es fiel auch das Wort Spiel. Ein Kinderspiel ist das aber ganz und gar nicht. Wohl aber ein ganz böses Spiel mit Kindern. Allen. Der ganzen Welt.

Hier geht es um viel mehr als eine riesige weitverzweigte Mafia. Eine große Geheimdienstverschwörung. Hier geht es um die körperliche Enteignung aller. Keiner darf mehr selber über seinen Körper bestimmen.

Also, Jungs und Mädels, es gibt einiges zu tun, wenn Ihr Eure Leiber als Eure behalten wollt.

Sagen wir mal, Thomas, Du wärest sechsunddreißig, Unternehmensberater, topfit, gäbest öffentlich eine Ehrenerklärung ab, du wollest, da offenkundig minderimpfbedürftig, so lange zurückstehen, bis mindestens fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung anständig durchgeimpft wären: Deiner Treu‘! – Sowas wäre beispielsweise ein sehr pragmatischer Angang.

Oder Du, Laureta, wärest vierundzwanzig, hättest nur mal die Pille nicht vertragen und vielleicht das Scheißparacetamol, hättest jetzt wirklich so langsam Lust auf ein Kind. Aber ohne Impfung vorher. Und Du stehst dafür auf.

Wir dichten jedenfalls schon Heldenlieder für den Sieg. Hie und da wird auch ein Spottgeträller auf unsere nicht völlig auszuschließende Vernichtung bis auf den letzten Mann angestimmt. Wehmütig selbstmitleidig theatralisch gezogen zerfließend dahergejammert, den lachenden Kameraden zum Plaisir.

Schon Laozi wusste, dass die Letzten die Ersten sein können. Jahrhunderte später rechnet man diese Erkenntnis auch dem Evangelisten Matthäus zu.

Wir sind die Ersten der Letzten. Die Omegaforce. Die Odalskraft.


Mancher mag das Wort „Kameradinnen“ oben vermisst haben. In der Tat kämpfen bei uns die Kameradinnen außer in Sonderfällen in getrennten Verbänden und nie als Erste unter den Letzten. Sie und deren Kinder als die Letzten zu bewahren, dafür haben wir bis zuletzt zu kämpfen. Wir wissen, wer lediglich Kinder machen, aber nicht kriegen und säugen kann.

Selbstverständlich aber kommt den Kameradinnenverbänden bei der Feindaufklärung, Feindverwirrung, Feindbehinderung und Zersetzung feindlicher Linien und Nachschubwege eine im Sinne der Gesamtkampfkraft kaum zu überschätzende Bedeutung zu. Mehr als die Hälfte unserer erfolgreichsten Geheimagenten sind weiblich. In der Spionageabwehr und bei der eigenen Nachschubsicherung sind Frauen unersetzlich: um wieviel mehr noch in Sachen Gesundheit und Moral der gesamten Truppe.

Diese Einschätzung habe ich vor Veröffentlichung selbstverständlich mit den Kameradinnenverbänden abgestimmt. Sie wurde einhellig begrüßt und damit freigegeben.

Weitergehend denn durch Zustimmung zu dieser Feldverlautbarung wollten sie sich derzeit aber nicht eigens äußern. Frauenstrategeme würden eben etwas anders aufgebaut als unsere, oft etwas langsamer, da noch verborgener, dafür aber umso wirkungsvoller, so die lapidare Begründung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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