Von der vorgeblichen „Intuition“

Das Wort „Intuition“ – ein echter Superstar heutzutage – ist schon so fremd, dass es von daher bereits reichen könnte. Es ist im heutigen Sprachgebrauch so wunderbar unbestimmt und gleichzeitig geheiligt, dass die Schwarte kracht, und noch nicht einmal gleichzusetzen mit Eingebung. Deshalb lästere ich jetzt einfach darüber ab. Ein gnädigerer Teil dazu mag folgen.

Bei mir wächst das Intuitive, außer draußen in der Natur, wo auch ein schöner Baum das Behauptete bewirken mag, ab zwei Wein. Manchen kommt es über LSD. Ganz traurigen Gestalten gar über Koks.

Intuitiv das Richtige? Pfeifendeckel. Man kann „intuitiv“ auch den dümmsten Liebesbrief seines Lebens verfassen, sich auch im Güllefass verstecken, indem Gelassenheit oder einfach Wegrennen viel klüger gewesen wäre.

So, wie es aber angelegt, gilt „intuitiv“ als das praktisch automatisch Beste, dass eine Intuition auch verderblich sein könne, ist nicht im Blick.

Irgendwas ist einfach plötzlich da, indem der Verstand es nicht fand, und damit ist es gut. Einfach der eigenen Intuition folgen, das ist der Weg.

Und dabei, wenn man Intuition doch als Eingebung versteht, kann sie ja gar nicht von einem selber gekommen sein. Und die Eingebenden, das Eingebende (wer oder was immer das sei), die sind immer gut und förderlich? Wieso? Was für eine einfältige Vorstellung.

Man hat aus etwas, das jeder Mensch zumal in großer Gefahr oft eben in und aus sich selbst findet, zu einem Äußeren, von außen Kommenden, einem verkehrten Heilsbegriff gemacht. Fremdwort hilft.

In meinem Stowasser, den ich eben vom Klo geholt, steht zu Lateinisch „intueor“ (Verb): „ansehen, hinschauen, betrachten“. Zudem „betrachten, erwägen“. Und zu „intuitus“ (Substantiv): „Blick, Hinschauen, Beurteilung“. Und gar nichts von einem Außen, von einer besonderen Lage. Einfach hinschauen und urteilen, wie es schon beim Braten von Kartoffeln angesagt.

Nun sei also nicht mehr ein Betrachten und Erwägen, Alltagswesentliches jedes Menschen, „intuitiv“, stattdessen davon gesondert.

Soherum: Leckt mich erstmal am Arsch mit eurer „Intuition“.

Nachtrag

Mit anderen Begriffen läuft es ähnlich. Mir geht es nicht darum, jemanden zu verletzen. Dass manche auch sehr achtbare und gute Leute sich durch derlei Wägungen verletzt fühlen möchten, kann ich nicht vermeiden.

Nachtrag II

„Da wurde mir klar, was zu tun“ versus „Intuitiv entschied ich…“

Noch ist der mit dem „intuitiv“ nicht nur vor Esos besser dran.

So geht das mit den Geheiligten Wörtern. Eben so lange, wie es geht.

 

 

 

 

 

 

 

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