Mein Lieb, meine Heilige!

Meine Tastatur ist fast schon so verschlunzt, schwerstverfettet, versifft, verdreckt und schwarz wie meine Seele.

Vielleicht sollte ich sie doch mal austauschen. Profan verendet bringt sie auf einer Auktion wohl nur hundert Mille, noch funktionstüchtig vermutlich leicht eine Million.

Ich habe so ein Teil jedenfalls noch nie irgendwost sonst gesehen. Manche Tasten sind noch relativ weiß, da, wo ich zwangsläufig immerzu draufhacken muss. Meine Finger nehmen da offenkundig mehr Schlunz weg als sie eintragen.

Wäre ich ein Joseph Beuys, sie würde als das teuerste, da authentischste Schlunzefakt der Weltgeschichte gehandelt, mehr wert als jeder van Gogh.

Die Pandemie hat sie nur noch faszinierender gemacht. Man kann jetzt in jedem Fettkrumen Quintilliarden eingetrockneter Viren vermuten, für jedermann harmlos verreckt, außer allein für mein Hirn.

Ja, sie ist eine vernutzte Hure, es steht ja auch „Microsoft“ darauf, ihr Charme aber ist so unübertrefflich als hätte Herkules den Weg der Liederlichkeit gewählt.

Zugleich ist sie mir Wegweiserin in freie Welten, die ein Bill Gates niemals schmecken wird. Allzeit Heilsbringerin, Schutzgöttin, immerzu willige, nie beleidigte Buhle.

Und erst, neben all den Buchstaben, die wundersamen Zahlen von null bis Neune, zudem die erotischen Sondertasten! Was die mir geben, das will ich hier gar nicht beschreiben, denn es soll kein kaum Zwanzigjähriges jetzt schamhaft erröten müssen.

Ich kann damit sogar den Rechner runterholen, und wieder hoch, ohne dies hässliche schwarze Viech auch nur anfassen zu müssen.

Da ich nun aber sowieso bald Bildungsminister werde, also einigermaßen ein Auskommen haben, sollte ich sie doch als Erstspende ans Neue Museum für Ewige Kunst in meiner Heimatstadt Stuttgart geben. Wofern man dort meint, den ständigen Strömen von Millionen Pilgern hinreichend Herr werden zu können.

Wie sie unter meinen Händen immer noch so geschmeidig willig lasziv sich aalt! Wie oft sie von sich aus darum bettelt, dass ich sie endlich wieder streicheln möge!

Vielleicht sollte ich sie aber besser in einem geeigneten Kassiber irgendwo im Spessart vergraben. So werden in zehntausend Jahren vielleicht welche erkennen, wie viel Liebe es auf Erden einst gab.

 

 

 

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