Vom Aufbrechen „erwachsener“ Lernresistenz

Das Aufbrechen von Lernresistenz bei Erwachsenen gleicht etwas entfernt einer Herkulesaufgabe.

Fakten und Zahlen zählen nicht, Logik und zusammenhängendes Denken erst recht nicht, es ist oft, als schlüge man ein totes Pferd. Das aber sehr schnell sehr ausfällig mit den Hinterhufen aushaut: wütend, beleidigt, aggressiv. Nichts mehr hören will, fuchtelt und gar droht, einfach den Hörer auflegt und jede Verbindung kappt.

Derweil halte ich von der zur Zeit wieder eifrig verbreiteten „Therapieform“, die Lernresistenten müssten nur tief genug selber mit der Nase in der Scheiße stecken (man müsse es gar dahinführen) gar nichts; das aber werde ich in einem gesonderten Beitrag behandeln, diesen, wenn man so will, Gegenirrsinn.

Kleine feine Spitzen, Lachen, scheinbar zufällige Metaphern, Schwänke und Anekdoten, die mögen weiterhelfen. Denn die Antennen der lernresistent Verbunkerten sind enorm feinfühlig. Schließlich geht es um das ganze Selbstverständnis, Angriffe darauf sofort zu erkennen. Da lernt der ansonsten Lernresistente immer noch mehr an Abwehr.

Man sagt also was, indem der andere einem nicht nachweisen kann, dass man zu seinem Zustand überhaupt was gesagt hat. Der fragt sich, ob man denn nur vor sich hinschwatzte oder eben doch etwas dazu gesagt habe. War das arglistige Absicht? Oder ist das dem nur so rausgerutscht? Will der mich etwa sehr subtil manipulieren? Mich? Geht’s noch?

Und hier können wir dann schon eine Vorstufe zum möglichen echten Lernenwollen erreichen, nämlich eine Art gefühlter oder echter Betroffenheit, gapaart mit gesteigertem Interesse. Das Ich beginnt das Selbst zu befragen, dieses wiederum das Es, und das hinterfragt dann beide.

Dann beginnt der „Schüler“ wider willen oft damit, aus der Deckung zu kommen. Er schneidet von sich aus die Themen an, von denen er doch vom anderen so gar nichts mehr hören oder gar wissen wollte.

Jetzt liegt es oft an, erstmal im Ungefähren zu bleiben, ja gar die eigene Verwunderung anzusetzen, weshalb der andere hierauf nochmal einsteige, indem doch schon klar sei, dass er vollauf bescheid wisse, das Thema für ihn deutlich angesagtermaßen abgehakt sei, was er schon nun wirklich hinreichend zum Ausdruck gebracht habe.

Im Idealfall wird der nicht mehr ganz Lernresistente anfangen, Wasser in den eigenen Augiasstall einzuleiten, ohne dass er das zunächst merkt. Man zieht nun also heimlich wie flugs noch ein paar Staubretter aus dem Fluss, er steht statt in trockenem Mist plötzlich in flüssiger Kuhscheiße, fuchtelt und schreit, man solle man ihm endlich mal erklären, wie man auf seine aberwitzigen Ansichten denn je habe kommen können.

Dann geht es je nach Typus, ob man den Stier jetzt bei den Hörnern packt, oder die Kuh erstmal noch etwas eigendungumspült stehen lässt.

 

 

 

 

Bisher kein Kommentar

Von der sogenannten „Lernresistenz“

Die sogenannte „Lernresistenz“ gibt es bei Kindern und Jugendlichen nach meiner Erfahrung in über zwanzig Jahren eigenen Unterrichts so gut wie gar nicht. Wer keinerlei Verstand hat, kann eben kaum lernen, dann ist aber kein vorsätzlicher Widerstand gegen das Lernen vorhanden und damit nicht der Grund, dass nirgends was vorangeht, gleich wie sich der Lehrer auf den Kopf stellt und mit Ohren und Füßen wackelt.

Zudem lernen Kinder und Jugendliche (wenn nicht entscheidend behindert) immer etwas dazu, und sei es nur, wie sie ihre scheinbare Lernresistenz, aus welchen Gründen auch immer, verfeinern und dem Rest immer effektiver vorgaukeln.

Ganz anders bei Erwachsenen.  Da ist Lernresistenz, man nehme nur manchen über Religionen eingeimpften offenkundigen Schwachsinn als Beispiel, sehr weit verbreitet. Man sieht das jetzt auch überdeutlich im Zusammenhang mit Corona: Egal wie viel in sich völlig widersprüchlicher Unfug nacheinander abgesondert wird, es hilft der Hinweis darauf bei allzuvielen gar nichts.

Es geht darum, dass man nicht dazulernen will, aus Feigheit vor neuer Erkenntnis, wie diese einen aus der anerkannten Komfortzone der Masse befördern könnte, selbst wenn man nie was sagt. Lernen könnte einen schließlich die Frau, den Job, die Freunde, die Kinder, endlich alles kosten.

Man hat das alles ja noch, also auch für seine Lebenstüchtigkeit nachweislich genug gelernt: Wieso durch noch mehr Lernen also Haus und Hof aufs Spiel setzen?

Und genau auf diese Lernresistenz von Erwachsenen – die in den „Thinktanks“ wissen das mindestens fast so gut wie ich – setzt an Erwachsene gerichtete Propaganda ganz wesentlich. Wer fragt, zweifelt, also weiterlernen will, den heißt man „Verschwörungstheoretiker“ und dergleichen mehr, stempelt ihn zum Idioten, zum Unverantwortlichen, zum Gefährder.

So wird die Lernresistenz in die Leute immer weiter hineingezüchtet, gleich ob es um historische Falschdarstellungen geht oder die Gegenwart oder Zukunft betreffende zumindest fragwürdige Behauptungen. (Aktuelle Beispiele: Klimawandel, Impfen, Elektroautos, 5G, ja selbst die sogenannte „Künstliche Intelligenz“)

Das geht natürlich umso besser, indem Erwachsene in der Regel eben nicht mehr so wankelmütig, risiko- und entdeckungsfreudig, ihrer Rolle unsicherer sind als Kinder und Jugendliche: Genau damit bringt man sie viel leichter dazu, sich geistig zu verbunkern.

Ein Vierzehnjähriger, der sich im Überschwang seiner Pubertät völlig vergeigt hat und verführen lassen, der wird sich das eben mit achtzehn viel leichter eingestehen können als ein Vierunddreißigjärhiger mit achtunddreißig.

Im Grunde ist ja fast banal, was ich hier vortrage. Deshalb genüge es damit jetzt auch.

 

 

Bisher kein Kommentar

Maaarktmanieputteration! Alle in den Kerker! Enteignen!

Show Me The Money?

Maaaniepulleratioon!

Macht die Schufte platt!

Die Wall Street schreit seit Tagen, als würde sie über dem eigenen Grill lebicht geröstet.

Was ist passiert?

Hunderttausende arglistig schuftige Marktmanipulatoren haben sich über Reddit und Facebook zu Aktienkäufen zusammengetan, gegen Hedgefonds, die eine Firma namens GameStop in Grund und Boden wetten wollten, damit wie üblich einen Riesenreibach zu machen, und jetzt quiekt die Maurerstraße alswie ein mehrfach angestochenes Schwein.

Verbrecher! Unsägliche Sauerei!!!

Dabei ist es ja gerade das Geschäft dieser „Heuschrecken“, gesunde Firmen zu schlachten, schon ihre Leerverkäufe in gigantischem Ausmaß sind marktmanipulierend, anders bringt es ja nicht genug, und über ihre Spezeln in den Finanzzeitungen undsoweiter stürzen sie Anleger ins Verkaufen, alle wissen auf einmal, dass diese Firma auf dem Weg in die Pfennigaktie, abgesahnt wird, so macht man das, sich immerzu fröhlich auf die Schinken klopfend, was natürlich völlig legal, nur wenn andere ähnliches gegen einen selber machen, der dumme Pöbel gar, dann soll es jetzt verbrecherisch sein.

Natürlich geht denen der Arsch auf Grundeis. Und zwar nicht nur den jetzt direkt im Zigmilliardenbereich betroffenen Hedgefonds, sondern dem ganzen Rest gleich mit. Was, wenn dieses Beispiel Schule macht? Wo kämen wir da hin, gäbe es auch nur ansatzweise eine Waffengleichheit?

Man darf jetzt sehr gespannt sein, wie das weitergeht. Denn wenn der so schwerkriminelle Plebs jetzt beispielhaft gestoppt wird, könnte das zu einem gewaltigen Aufschrei führen, zum überaus gefährlichen ernsthaften Vergleich mit den Machenschaften jener Finanzabschakalsfirmen.

Zwar halte ich es kurzfristig für eher unwahrscheinlich, dass daraus eine wirklich schärfere Aufsicht dieser Masters of the Universe, eine Gesetzgebung, die auch diese wirklich betrifft, auf den Weg kommen wird, verfolgt man jetzt aber die große Masse an untermenschlichem Bodensatz, der das ganze Gefüge der Finanzindustrie gefährdet, so könnte es noch kritisch werden.

Denn allein die Möglichkeit, dass eben doch auch bei den Universumsmeistern genauer hingeschaut werden könnte, weil das Kleingesindel eine Mordswut bekommt, dürfte das Vertrauen der Anleger in die Hedgefonds und deren Geschäftsmodell nicht eben stärken.

Und so könnten selbst Wetten auf deren Kursabsturz kommen. Dann wird es richtig lustig.

Nachtrag

Tarl Warwick erklärt die Sache auf seine Weise:

 

 

Bisher kein Kommentar

Was ist ein „Truther“?

Auf Linguee finde ich „Truther“ mit „Truther“ ins Deutsche übersetzt. Na klasse.

Ist ein „Truther“ ein Wahrheitler, ein Wahrheiter, ein Wahrheißer? Ein Wahrheitsuchender, Wahrheitverkünder?

Es mag bei mir ja eine Art Berufskrankheit sein, dass ich immer stutzig werde, wenn ausgerechnet in der Sprache, dem Deutschen, in die heute noch mehr übersetzt wird als in alle anderen, keine Übersetzung auch nur halbwegs klar greift.

Ist ein „Truther“ ein Treuer? Ein Treusamer?

Ein „Truther“ ist, soweit sich die Leute darstellen, die sich als solche bezeichnen, einer, der die Wahrheit ans Licht bringen will, ein die Wahrheit ans Licht bringen Wollender.

Hiemit brauche ich mehrere Wörter, um ein Wort etwa zu umreißen. Schäbig ist das. Gefällt mir gar nicht.

Dazu kommt, dass „Truther“ sich in der Regel mit einer Art Heiligenschein zieren, sich als „Aufgewachte“, als Erwecker sehen und geben, und das selbst dann, wenn sie nicht beweisbaren Vermutungen hinterherrennen, als erlösende Zeige vorhalten, in quasi religiöser Manier.

Also bezeichnete ich mich niemals als „Truther“. Ich käme mir damit einfach nur lächerlich vor, und überdies als ein schlechtes Vorbild für den sprachwissenschaftlichen wie sonstigen Nachwuchs.

Immerhin, man könnte aus „Truther“, weniger aufgeblasen, schlicht einen „Aufklärer“ machen, einen „Klarsteller“. (Wobei „Aufklärung“ im Englischen „enlightenment“, also auch ein wenig anders konnotiert, der Klarsteller eher ein „rectifier“ wäre.)

Warum für „Truther“ nicht einfach Lernender oder Lehrer?

 

 

 

Bisher kein Kommentar

Freund verloren

Verlor man ohne jedes Zerwürfis und ohne weiteres Gespräch einen uralten Freund, so lag es, ward er nicht sonsten gezwungen, an dessen Weib.

Ausnahmen gibt es.

Kein echter Mann aber setzt sich selbst so herab, dass er nicht einmal mehr die Traute hat, seinem nicht mehr erwünschten Freunde einen klar verstoßenden letzten Satz zu sagen.

So einer kommt, wenn zehn um Hilfe schreien, bei mir zuletzt dran.

Bisher kein Kommentar