Weltreise nach Würzburg und zurück

Gestern gab ich mir – aus triftigen Gründen natürlich – mal wieder die Busfernreise ins von mir alswie Stuttgart geliebte, gelehrte, weinselige, einst stolze, derzeit armselig zombiefizierte Würzburg, und also in einem der Käffer zwischen Karscht (Karlstadt) und dorten eine rüstig-kernige Fränkin von vielleicht 65 Jahren, eine bekannte Stammkundin den Fahrer fröhlich grüßend zustieg.

Diese auf die Frage, was sie denn vorhabe (wou meggsdn du hie, wos dreibd noh die naus?): „Derhemm schderba die Leud, also geh mer fort!“

Ich lachte zu dem Spruch, der vor einem Jahr noch ein mäßiger Kalauer gewesen wäre, platsch raus und wiederholte buslaut alswie ein Affe: „Sou isses, derhemm schderba die Leud, also geh mer fort!“

Der Fahrer lachte mit, und es gab kein Protestgeheule unter den einigen wenigen anderen Fahrgästen, die Antifa hatte keinen Stoßtrupp präsent, ich hörte nicht einmal ein Murren.

Es gibt einfach fast nichts Köstlicheres, als wenn gestandene Weiber erbarmungslos ihre Schlärr aufmachen und furchtlos frech die Wahrheit sagen. Denn keiner von den feigen Herren der Schöpfung wagt es, ihr vor anderen einfach eine aufs Maul zu hauen, und für freche Widerworte hat er viel zu viel Angst vor der darauffolgenden zu erwarteten Tirade der Matrone. Von hier bis Nicaragua schon öfter gewahrt.

Ich denke aber, dass bei denen im Bus, die vielleicht noch an den ganzen Coronascheißendreck glauben mögen, einfach die Überraschung ob einer derartigen offen zur Schau gestellten Angstfreiheit von einer aus den „Risikogruppen“ saß.

Ob derjenige, etwa gleichen Alters, der auch mit zustieg, vom Fahrer gleich gefragt wurde, ob ihm mal wieder langweilig sei oder was er sonst herumfahren wolle, irgendwie mit der Forschen verbandelt war, kennen musste er sie mit Sicherheit, gar gemeinsam mit ihr zu irgendeinem Plaisir ausrückte, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall war ich mir ab da sicher, dass außer dem Fahrer und mir noch zwei Menschen im Bus saßen, die aus triftigen Gründen eine Reise unternahmen, was mir ein wohliges Staatssicherheitsgefühl verlieh, Geborgenheit, bis dass wir über die Mainbrücke, die Friedensbrücke fuhren und linkerhand unten auf der Talavera ein riesiges weißes Zelt zu sehen war, – hä? – , und der Fahrer erklärte mir, dass sei das neue aus dem Boden gestampfte Würzburger Coronaimpfzentrum.

Immerhin im Ringpark muss man keine Maske tragen (zumindest nicht überall), und so, indem es allenfalls mal leicht nieselte, waren August und ich bei guten Temperaturen heilfroh, nicht unter ein Dach flüchten und zwischen Beton unserer triftigen Gründe fristen zu müssen, indem August eh kein Wirtshaushocker ist und ja auch kein Wirtshaus offen.

Wir triftelten also mit Bank recht bequem, bis dass ich die Busheimreise antrat, also mit öbersttriftigem Grunde, dahin, wo die Leute sterben.

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Bei uns hier in Rohrbach – nie mehr Würzburg, wenn auch noch im Park Maskenpflicht – rennt nach wie vor keiner mit Maske rum. Wir sind da ein eigener Planet.

Man sieht – ja Bus und so – immer die Gesichter der Leute, und ich habe das Gefühl, dass alle bewusst oder unbewusst froh sind, dass diesen Mummenschanz hier keiner freiwillig mitmacht. Man kann sich alswie unter ganz normalen Leuten fühlen.

Karlstadt, also unsere Hauptstadt, derer wir als Dorf eines der Stadtteildörfer, gut acht Kilometer entfernt hinterm Buckel unten im Maintal, die Kernstadt um 10 000 Einwohner, aber Kreisstadt mit guter Infrastruktur, ist bereits Zombietown. Und wir kaufen praktische alle, wer nicht in Lohr einkauft (da wo das Rotkäppchen herkommt, am Fuße des eigentlichen Spessarts, eine ähnliche Metropole in der anderen Richtung), in Karscht ein, wo inzwischen ein ganzes Gebiet rund um den Marktplatz totalzombiefiziert ist und man auch ansonsten immer mehr Zombies sieht wo sie keine Zombies sein müssten. Viel schlimmer ist es damit geworden da unten.

Immerhin konnte ich in der Woche vor der Zombiesperre des Marktplatzes noch unbehelligt eine gute Stunde lang eine Einmannkundgebung durchführen, mit Hemd und fröhlich und mit Stirnstrobo, wovon zu gedenken anzusetzen ich mich vorsorglich bei der Polizei anmeldete, das in einer halben Stunde genau da und da vorzuhaben, was ich normalerweise gar nicht anmelden müsste. Sie schauten sich den Zirkus zwischendrein mal an, immerhin zwei kernige Polizisten mit der Streife, zum Kurzinterview, dann ließen sie mich in Ruhe.

Ich hatte dann vor, die zwei oder drei Male in der Woche, da ich mich in den Moloch hinabmache, Weins und allerlei anderes Lebenswichtige beizuziehen, meine Zeit auf eine entsprechende Wiederholungsveranstaltung zu strecken, rief also einfach mal versuchsweis bei der Polizei dies anzukündigen durch: beiden Seiten Arbeit sparend ohne Einzelmeldung, ob es denn generell stressfrei in Ordnung sei, wenn ich in der Weise anträte wie schon gesehen.

Stellte ich mich so an wie zuvor, gebe es mit der Dienststelle keine Probleme, ich müsse auch nicht jedesmal extra bescheid tun. (Da fällt mir ein, dass es beim Interview auch den Hinweis gab, ich solle mich schnellst an sie wenden, bekäme ich ohne Grund irgendwelche Probleme.)

Tja, alles sehr gut gelaufen. Und genau da, wo alles optimal eingefädelt, nehmen die Wahnsinnigen mir den Marktplatz weg. Da legt man auf seine Paranoia gerne gleich noch zwei Schippen drauf.

Immerhin kennen mich bei der Karlstadter Polizei jetzt vollends alle und wissen, dass ich ein ungefährlicher, überall fast ausnahmslos sehr freundlicher und höflicher, umgänglicher und hilfsbereiter, jedem Händel so gut wie möglich aus dem Weg gehender, friedliebender Geselle bin, mit dem man immer vernünftig reden kann.

Auch sind in Karlstadt noch keine frechen Antifanten aufgetaucht, jedenfalls dass ich davon wüsste. Spräche sich nun aber herum, vielleicht haben die bei der Polizei so weit vorausgedacht, dass da ein Blogger wie der Göller rgelmäßig seine Freiheitsrechte einfordert, bis nach Würzburg, könnte da ja mal eine kleine Abteilung ausrücken, zu fünft auf einen. So ganz nach Brauch. Mit triftigen antifaschistischen Gründen korrekt vermummt angereist.

Vielleicht sollte ich mich ob jener offenkundigen Verschwörung gegen mich jetzt erst recht nicht entmutigen lassen, denn ich denke, unten am Main, an der schönsten Stelle unter dem uralten Tor, auf dem man noch sehen kann, was Mainhochwässer Jahrhunderte vor Greta wirklich waren, schön eingemeißelt, da könnte ich ja immer noch posieren gehen, da ist durch den großen Parkplatz nebenan auch nicht nur Vergnügungsfrequenz: wobei noch zu überlegen wäre, ob ich nicht doch lieber vorher bei der Polizei anrufe, es sei wiederum der bekannte Kasper, mit unverändertem Programm, der seine Bühne jetzt eben, ob des zombiefizierten Marktplatzes, dort unten aufgeschlagen habe beziehungsweise sie dort zwei oder drei Mal je Woche gedenke aufzuschlagen.

Vor Weihnachten fange ich mit diesem Firlefanz aber nicht mehr an. Die Leute brauchen jetzt Ruhe. Selbst vor mir.

Nachher fahre ich noch einmal in den Moloch. Irgendwas Gutes fehlt mir für die Feiertage noch. Dann darf der Moloch sich bis Montag alleine weiter zombiefizieren, indem hier in Rohrbach frei geatmet wird.


Nachtrag kurz vor Viere

Ich war unten im Moloch. Nur kurz beim Lidl. Da war was los. Fastestens alle schon auf dem Parkplatz zombiefiziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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