Dem Nachwuchse X bis Zett

Seid Euch darüber im Klaren, dass es zwischen der Qualität des von Euch Geschriebenen und dessen Erfolges keinerlei vernünftige Verhältnismäßigkeit gibt.

Ein recht mittelmäßiges Stück, das Euch eher unachtsam gerade so aus der Feder geschludert, mag höchstes Lob finden, während das Beste, das Ihr sorgsamst ausgeführt habt, nicht einmal ein Beigrunzen eines alten Esels einbringt.

Natürlich kann es auch mal andersrum sein.

Ihr könnt auch einfach immer nur an den Leser denken, also nichts Besonderes liefern, damit Riesenerfolge einsacken.

Heinrich von Kleist, dessen Novellen ich Euch zuvörderst empfehle, schoss sich, da auch Goethe ihn runterließ, früh eine Kugel in den Kopf. Ein Mann, dessen Erzählungen nur von wenigen je erreicht wurden. Hölderlin kam etwas besser weg.

Erwartet Euch einfach gar nichts.

Übt, übt, übt und versucht.

Übt Euch zumal in geschliffener Rede. Nichts außer dem Lesen der Klassiker und dem Leben selbst bildet Euch mehr.

Rechnet damit, einst im schändlichsten Armengrab verscharrt zu werden.

Rechnet damit, dort gar hineingeprügelt worden zu  sein.

Rechnet mit jeder Art Niedrigkeit und Abgefeimtheit gegen Euch.

Denkt auch lieber gar nicht daran, dass Ihr bei den Weibern groß landen werdet. Manche werden Euch vielleicht zeitweise umschwärmen, hangen bleiben wird, wenn Ihr Glück habt, ein außergewöhnlich tapferes. Dem gebt dann nicht nur Verse.

Traut den Millionären noch viel weniger als den Milliardären.

Achtet immer darauf, ein paar gescheite Stiefel und einen guten warmen Kittel zu haben. Denn allzuschnell wird man Euch wiederum rausschmeißen, in kalte Nacht, und Ihr müsst aufs Neue allein auf Wanderschaft.


Was Ihr habt, was Ihr seid, schon als Geselle, ist unbezahlbar. Daher auch der Neid.

Es muss Euch auch nicht an Freunden mangeln. Sowieso an Freude.

Ihr könnt mit dem letzten Zehrpfennig die Reichsten der Welt sein.

Ihr könnt in der kältesten Nacht noch haben, wovon der Rest nicht einmal zu träumen weiß.

Niemand kann Euch Euer Wort nehmen, Eure Gedanken, Eure diese Welt.

 

 

 

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