Dauerpessimist oder Daueroptimist: Wer nervt mehr?

Zunächst möchte man meinen, dass der Dauerpessimist mehr nervt als der Daueroptimist.

Dann aber hat der Dauerpessimist insofern schon bessere Karten, weil Zerstören eben leichter ist als Aufbauen, die Kugel von selber vom Berge rollt.

Der Daueroptimist ist oft auch noch sturer als der andere: Gleich was gerade vor aller Augen in Scherben fällt, es kann dadurch nur besser werden, womöglich steckt sogar ein Plan besonders planungsfähiger Leute, seien es Außerirdische oder doch nur Menschen, zum baldigen Guten hinter der Sache.

Jedenfalls, so meine Erfahrung, bringt man den Dauerpessimisten leichter ins Straucheln: Wenn er nicht total durchgeknallt, kann man ihn immerhin auf die großartigen, unvergänglichen Werke menschlicher Kunst hinweisen, auf schöne Dinge, guten Wein, oder sei es schlicht ein herrlicher Wald oder Wasserfall.

Hingegen ist beim Daueroptimisten argumentativ oft Hopfen und Malz verloren, auch wenn er selber gar kein Bier trinkt. Verkauft man den Leuten Holzsprit bis zu Erblindung und Tod, impft sie zu Krüppeln und Irren, wird er immer noch behaupten, das sei am Ende zu ihrem Guten: so gäbe man ihnen Gelegenheit zu höherer Erkenntnis, und sei es, dass sie noch ein paar Inkarnationen dafür bräuchten.

Unmittelbar also zieht einen der Dauerpessimist mehr runter, mittelbar aber der andere, weil an dem, solange er selber nicht in höchster Not, die man ihm zur Mäßigung ja nicht an den Hals wünschen will, erbarmungslos alles abprallt. Oft kennt er daher weniger Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Milde und Hilfsbereitschaft als sein Widerpart.

Merkwürdigerweise aber haben beide Sorten am Grunde häufig doch denselben Glauben, nämlich jenen an die wiederkehrenden, unvermeidlichen Zeitalter. Felsenfest. Ein Zurückgebliebener, ein noch Unterentwickelter beiden, der in seiner Kleingeistigkeit diese Sicht der Dinge noch irgend anzweifelt.

(Ich kenne sogar einen Daueroptimisten, der sich einen Dauerpessimisten immer noch als Reichskanzler wünscht. Den, wer sonst, der Magnus, der beiden ansonsten zu doof, aus der Scheiße ziehen soll.)

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