Von meinem Schreibtischschreine

Mein Schreibtisch ist in den letzten beiden Jahren immer mehr zu einem Schrein mutiert.

Ja, da sind immer noch Bildschirm und Tastatur und Lautsprecher, links am Ekelrand meine Schmierzettel und die letzten Drohbriefe vom Finanzamt, ansonsten aber reihen sich im Halbkreis einige meiner kleineren Kienhölzer, garniert mit allerlei Kristallen und Mineralien und Steinen von der Ostsee, zwei Ringen, die ich vermutlich nie tragen werde, einem wunderbaren Weinbergschneckenhaus und versteinerten Schnecken und Muscheln, etwas Ledertasche mit alten Uhren drin, dem handgefertigten geschmiedeten Hauptkerzenständer und den zwei Teelichthaltern, einer aus Steinsalz, fürs bezaubernde Durchschimmern, der andere offen aus einem schönen glitzerig graugrünen Granit.

Ja, ich gebe es zu, Haarbürste und Haarkrebs und Kamm und Salbe und Heilöls für die einst ziemlich zerschmetterte Schulter sind rechts zu finden, natürlich auch das unvermeidliche Schweizermesser für alle Fälle, die deutschrobuste Wassertasse und das Weinglas, der Tabak und der Aschenbecher links, und grade sehe ich noch die Kastanie und die beiden Eicheln neben dem hübschen Kleingeldtöpfchen mit dem kitschigen Rosenmotiv, den noch nicht anständig entsorgten Papierrotzlappen, das schöne Etui mit meinen zweitedelsten Schreibsachen, ja, auch Feuerzeug und Fon, selbst eine Maus, dahinter das Gefäßchen mit den Gummibällen, oben auf der Box den roten Markierstift, ich weiß nicht, wie viel Zeugs ich jetzt noch einzeln zu erwähnen hätte.

Ich weiß auch nicht für oder gegen was das alles helfen mag, aber eben erst recht nicht, was es mir schaden sollte.

Außerdem räume ich das Ganze ja hie und da auch um, eins kommt woandershin, ein anderes dazu, auf dass mein Schreibtischschrein mir neues Leben gewänne.

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