Tanja Krienen: „Kaspar Hauser empört sich“

Heute Mittag hielt ich mit großer Freude endlich Tanja Krienens Buch des obigen Titels in Händen. Mit besonderer Freude, indem es nun auch vom schönen Einband her und ansonsten grafisch sehr gelungen, insonderheit natürlich auch, da ich als Lektor daran mitwirken durfte, das Nachwort aus meiner Feder.

Da jenes mein Nachwort unten ja schon zu lesen, stelle ich hier einfach hin, was Tanja auf Facebook dazu veröffentlicht hat. (Der Titel reicht schon, um das Folgende bereits bei Google zu finden!)

„Kaspar Hauser empört sich – Die fast wahre Geschichte eines Schlawiners“, Flaschenpost, Hardcover, 7,95 Euro, 100 Seiten, per Versand (Deutschland) 9,95 Euro; Für das weitere europäische Ausland 11,70 € – Eine Bestellung ist über die Nachrichtenfunktion möglich.

Zum Inhalt – Kaspar Hauser war nicht der, für den man ihn hält. Mehr war er ein bauernschlauer, nicht wirklich kluger Kopf, der überrascht feststellte, wie sein bisschen Getue in einem komplett irre gewordenen Umfeld auf fruchtbaren Boden fiel. Und da sind wir auch schon bei Greta. Lässt man sie durch Kaspar Hauser in ihren sehr ähnlichen Milieus sprechen, so zeigt sich auf verblüffender Weise, wie sehr die Haltungen und das dramatische Spiel mit der Öffentlichkeit miteinander verwoben und auf das dasselbe Ziel ausgerichtet sind. Greta und Kaspar ähneln sich in vielerlei Facetten, betreten die Weltöffentlichkeit ohne Vorankündigung, bleiben ein Rätsel; der Erfolg basiert auf Rücksichtnahme der anderen, es umgibt sie ein Milieu der Gläubigen, ihr Wirken ist nicht nachprüfbar. Beide scheinen ohne Humor, sind gleichaltrig als sie bekannt werden und ein gebrochener und verschleierter Lebensweg ist die Grundlage ihres Wirkens. Dieses Buch soll in faktenhaltiger, komprimierter und literarischer Form, unterhaltsam und erkenntnisweckend, die Schaffung eines Mythos auf irrationaler Basis veranschaulichen und durch den implizierten Twist im Nachspann entzaubern. Es ist eine Flaschenpost, auf dass die Botschaft darin irgendwann, irgendwo, vom geneigten Leser gefunden wird.

Zur Autorin Tanja Krienen: Geboren 1957 in Hagen/Westfalen, gelernte Energieanlagenelektronikerin, sowie “Staatlich anerkannte Erzieherin”, seit 1998 aktiv als Autorin und Publizistin. Veröffentlichungen in und auf „taz“, Spiegel-online (Eines Tages), Huffington Post, Hessisch-Niedersächsische-Allgemeine, Neue Rheinische Zeitung, eigentümlich frei, Costa Blanca Zeitung, u.v.a….Veröffentlichungen: “Die Ausbürgerung, Anfang vom Ende der DDR, Wolf Biermann und andere Autoren“, Ullstein 2001; “Schönes Grün – 2022 – die nicht überleben wollen“, Neue Welten Verlag 2007; Mitarbeit an „Georg Kreisler: Doch gefunden hat man mich nicht“, Atrium-Verlag, 2014; „Fackeln in der Dämmerung – Texte aus vier Jahrzehnten“, 2015 und „Das Ziel in weiter Ferne“ Romove, 2018; Nietzsche Programm 2000; Gewinnerin des „Primer Concurso Literario de La Costa Cultural de Alfaz del Pi“, Spanien, 2002

Nachwort

Die Autorin hat sich in dieser aus geschichtlicher Überlieferung und Originalzitaten gespeisten Erzählung, die sich dann in Dazugedachtem zur bis heute umstrittenen Geschichte des Kaspar Hauser ausspielt, durchaus mutig kein leichtes Päckchen aufgebürdet. Es ist ihr gelungen, die im Grunde traurige Sache, die endlich jäh mit Kaspars Tod endet, gleichermaßen lustig wie ergreifend zu erzählen, zudem mit Blick auf menschliche, allzumenschliche wiederkehrende Parallelen, wie immer wieder das unschuldig Heilige im Kinde oder dem Unreifen gesucht wird und sich daraus schließlich eine Legende entspinnt.

In den erlösungssüchtigen „Entdeckern“ bricht sich der Herren eigener Narzissmus Bahn, sie werden von ihrem Objekt, ihrer Projektion eines „ursprünglichen Menschen“ so in den Bann gezogen, dass dieser Mensch endlich selbst seine Wichtigkeit entdeckt und auf der Klaviatur zu spielen beginnt, die er so willfährig vorbereitet sieht. Die Bezugnahme auf Greta Thunberg heute ist nur scheinbar weit hergeholt. Man nehme einen im Grunde unbedeutenden halb irren jungen Menschen, gebe ihm die Gelegenheit, etwas ganz Besonderes zu sein, selbst die Aufmerksamkeit von Lords und Königen, nehme all seine sich immer weiter daran ausbreitenden Schrullen als höhere Zeichen und Fähigkeiten, und so züchtet man sich derlei heran. Man schaue in diesem Sinne auch auf den Epilog, der zeigt, dass man in gewissen Kreisen von Kaspar Hauser heute noch als von „dem Kinde Europas“ spricht, also eine Art Heiligsprechung dieses Jünglings ansetzt.

Mir zauberte die Geschichte wie hier zu lesen, trotz ihres tragischen Ausgangs mit dem Tode Kaspars, schon nach wenigen Seiten manch Lachen herbei, indem sich religiöses Eiferertum, Eitelkeit und Geltungssucht und die absurden Experimente und Dialoge um Hauser herum entspinnen. Dies mittelfränkische Volkslied mag es am besten fassen:

Drüdrohdrullaloh, drüdrohdrullaloh
Ös Kaschbarla ü Närrnberch wohr

Magnus Wolf Göller


Wer das Buch haben möchte (9.95 Euro inklusive Inlandsversand), kann seine Bestellung hier aufgeben. Ich leite diese dann an Tanja weiter.

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