Keine falsche Schreibe wird einen Meister täuschen

Angesichts dessen, was im Kommentarstrang zu „Versuch einer Mutrede“ an „Leserin“ Erika Walter von mir schon ansatzweise deutlich gemacht wurde, will ich jetzt doch endlich einmal der liegengebliebenen Frage nachgehen, wie lange ein Kommentator unter Decknamen , endlich als Nervling unter diesem gesperrt, von einem Philologen von einigem Format unter einem anderen unerkannt bleiben könne. Vorausgesetzt natürlich, die Kommentare bestehen nicht nur aus Smileys und kurzen, irrelevanten Auswürfen.

Sagen wir also mal, der Neufalschnamer kommentiert einmal die Woche, die Kommentare zeigen eine gewisse eigene Substanz (sonst ist es ja egal).

Das sind dann nach einem halben Jahr schon 26, macht einiges Material.

Wie viele Leute beherrschen ihr Schreibhandwerk so, dass sie nicht schon in dieser Zeit als derselbe unter anderem Namen erkannt werden?

Erstmal besteht ja schon das Problem, dass einer, der sich eine derartige Mühe macht, meist immer noch seiner Agenda, ob eigen oder aufgetragen, verpflichtet sein dürfte: Das lässt sich auch nicht verbergen, indem die nun einen anderen „Spin“ verpasst bekommt oder gar über ein Gegenteil betrieben werden soll. So oder so: Irgendeine Art Konsistenz muss der Falschnamer aufweisen, sonst fällt er erst recht auf.

Hiermit aber fangen die Schwierigkeiten erst an. Denn typische Wörter, Redewendungen, ja schon diese oder jene Konjunktionen und Adverbien mögen auffallen, ganz zu schweigen von der Interpunktion, dem Satzgefüge, dem Gesamttextaufbau.

Ich hatte derlei mitunter in meinem alten Blog (der, bevor Google mich zum Nogo machte, weitaus mehr Kommentare aufwies, ruhig mal ins Archiv schauen). Und zwar nicht von den Dümmsten.

Das geht dann in etwa so: Ab dem fünften oder achten Kommentar beginnt mir, ein gewisser Geruch in meine Sprachnase zu steigen. Dann fange ich an, genauer hinzuschauen, kitzele denjenigen ein wenig. Bald zerschlägt sich dann entweder der Verdacht ganz, oder bleibt noch in der Schwebe, oder ich bin mir wenig später, natürlich ohne den anderen das merken zu lassen, schon ziemlich sicher. Dann bedarf es nur noch etwas Geduld, und die Sache löst sich eben doch als Fehlurteil auf, oder ich habe denjenigen, wenn auch nur für mich, ohne zwingenden Beweis vor der Restwelt.

Im letzteren Falle, da man sich ja immer noch täuschen könnte, ist der Resttest Rausreizen bis hin zur glatten Ansage.

Ein sehr interessantes Gebiet der analytischen Sprachwissenschaft. Wurde mir an der Uni nie gelehrt, schon allein, weil es da das Netz noch nicht gab.


Müsste, wollte ich in einer entsprechenden Täuschungsaufgabe gegen mich selber antreten, ich ließe es gleich. Gegen einen vielleicht Besseren, wo immer der sitzen möge, schon gar, denn da wäre mir gleich klar, in was für ein eitles Unterfangen ich mich begäbe, noch zu dessen Lernvergnügen, am Ende mit dessen Spott bedacht, den er vielleicht nicht einmal den Rest, in lachender Bosheit nur mich merken ließe.

Ich habe derlei Roßtäuscherei ohnehin nicht vor, wozu denn auch. Ich verlöre zudem bei aller Mühe ja meist schon gegen einen, der nur drei Viertel oder gar weniger selber draufhat. Es ist wie als ob man beim Schach dem anderen zwei Bauern vorzugeben hätte.

Ich kann und will zumal von daher entsprechenden Netzschakalen (oder auch Leuten guten Willens, die in den Untergrund getrieben, da verzweifelt noch einen Weg suchen) auch keinen Rat geben, es hülfe den allermeisten ohnehin nichts. Also schweige ich jetzt auch darüber, wie ich sowas anfinge, hielte ich es für zwingend, meine Kenntnisse und Fähigkeiten für eine derartige Täuschung einzusetzen. Ich habe es selber noch nicht einmal längers genauer durchdacht. Einige Ideen dazu aber schlug mir die Beschäftigung damit schon auf. Ich werde weiter darüber nachdenken. Wohl wissend, dass ich gegen einen echten Meister niemals damit ankäme.

Gibt es aber keinen oder er ist gerade nicht da…

 

Bisher 4 Kommentare

4 Antworten auf „Keine falsche Schreibe wird einen Meister täuschen“

  1. @ Magnus

    Dies ist Deine Kunst, da bist Du Profi.
    Mir wäre das zu anstrengend. Doch wo ich viel schneller wäre, wie Du, das kann ich Dir sagen: Wenn einer so ordinär schreibt, wie dieser Kerl, der meint er wäre eine Erika, da würde ich dem nicht erlauben, damit an Deinen politischen Ausführungen interessierte abzuschrecken. Der schreibt doch so derartig respektlos, ordinär und gezielt die Andersdenkenden vertreibend, dass er damit schon sein Ziel, hier zu stören, erreicht hat. Du weißt aus Erfahrung, dass viele Mädels wesentlich sensibler sind als ich, und die hören auf zu lesen, und Kommentare schreiben sowieso, wenn sie DAS, was der Kerl da von sich gibt, vor der Nase haben.

    Also hat der Kerl seinen eigenen oder fremden Auftrag allemal erfüllt. Auch wenn aus Deiner männlichen Sicht dessen Einwürfe teilweise als GUT durchgehen. Mich widert der Typ an. Er hatte nur und ausschließlich fiese Kritik für meine Kommentare, weil er sie nicht verstand, oder weil er der Platzhirsch hier sein wollte, neben Dir, und so das Niveau bestimmend.

    Damit teile ich Dir nur meine Ansicht mit, Du kannst den weiter schreiben lassen, was jedoch meiner Wahrnehmung nach viele von denen, die ein höheres Niveau haben und erwarten, abschreckend sein wird.

    Das meine Analyse außerhalb eines verräterischen Schreibstils, nämlich die Bewertung der Gossensprache eines Kommentators.

    Wodan zum Gruße, Gigi

    1. @ Gigi

      So peinlich mir die Sache ist, so froh war ich eben, Deine durchaus angemessenen Zeilen zur Causa „Erika“ zu lesen.
      In der Tat habe ich „Erika“ schon mehrfach – stets nur kurz, wenn überhaupt wirksam – verwarnt, hätte aber auch schon ohne Einwand von dritter Seite längst konsequenter durchgreifen sollen. Ich habe dem Toleranzprinzip zu viel Raum gegeben und nehme mir auch für künftige vergleichbare Fälle wie zu diesem Besserung vor.
      Denn natürlich ist es auch meine Aufgabe, andere Teilnehmer vor Pöbeleien zu schützen wie hier auf anständige Umgangsformen insgesamt zu achten.
      Vielen Dank daher für diesen Ordnungsruf, den Du absolut hinreichend begründet und damit vollauf berechtigt getätigt hast.
      Alles Gute Dir!
      Magnus

  2. @ Magnus

    danke für Deine Offenheit meinen Einwänden gegenüber.
    Es ist Dein Blog auch mir ein Anliegen, wie es ja hier auch sehr anständige, ja sogar fast heilige Artikel gibt, wie es vor allem die echten Runen und die Ausführungen des absoluten Anführers der Deutschen Gedankenwelt, den Friedrich Nietzsche gibt !

    Das gepflegt und gehegt und einladend ausgeführt, zieht sicher gern und leicht, echte Feingeister hier her, um sich zu vervollständigen in den Wissenschaften und haltgebenden ursprünglich-kultischen Germanenwelten.

    Gerade Du als Wissenschaftler hast es ja einfach, in Deinen vielen Laden und Lädchen zu kramen, um uns ursprünglich zu laben und den Halt zu bieten, den wir bedürfen, in diesen politisch so verworrenen und aufregenden Tagen.

    Das ist mein Apell an Dich, die ich ja auch nur eine dazwischen-hinein-Quatscherin bin. Zur Auflockerung sozusagen… Lass es Dir gut sein und berichte uns von alten, weisen Dingen und wir werden jauchzen und es wird fast ein Volksfest sein….

    Alles Gute, Gigi

    1. @ Gigi

      Eigentlich Sprachwissenschaftliches und Philosophisches und zumal die Rubrik Schönes kommen hier in letzter Zeit fraglos zu kurz, durchaus in erheblichem Maße dem Zeitungeist geschuldet, da ich mich dem epochalen Kampf rund um die aberwitzige Coronascheiße nicht entziehen will, selbst wenn ich bei meiner vergleichsweise geringen Reichweite nur einige Samenkörner ausstreue. Die Liste der anzugehenden Sachen ist schon ziemlich lang, vielleicht schaffe ich es, heute Abend wenigstens eine davon aufzugreifen: wenn mit aktuellem Bezug, so möglichst doch von grundsätzlicher Bedeutung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.