Demo Berlin: Polizei debil?

Das war schon krass. In zwei Tagen vier Stunden geschlafen, vierzig Kilometer durch Berlin gelatscht, gefühlt vierundzwanzig Biere gesoffen und mit vierhundert unschuldigen Leuten geratscht, mit wohl achtundvierzig braven Polizisten, Jungspunden wie Matronen,  Kinderschützern, echten wie ziemlich versocksten, sogenannten oder auch selber sich so bezeichnenden Reichsbürgern, auch kurz mit jenen einigen Unbedachten, die mir Bier abkaufen wollten, sehend, dass ich noch an einem, vorgesorgt habend, trank, mit dem Waldwurz von Freitag auf Samstag bis frühs wohl drei Stunden lang, mit welchen von den Freaks in selbiger Nacht, die den Reichstagssturm im Kopfe hatten, was ich nicht ernstnahm, obzwar da ein merkwürdiger graulanghaariger sehr sehniger Kauz stand, einige Zeit: und zudem war lustig, wie dann am Nachmittag einer von den rechts vorm Brandenburger Tor verloren eingekreisten Antifanten sich ganzkörpers in eine israelische Fahne gehüllt hatte, womit er davor schon und hernach noch sichtbar.

Und dann kam die ganze schräge Nummer zum Tragen.

Am Mittag, immer noch nicht hinreichend ernstnehmend, hatte ich noch – ja, mit Polizisten! – darüber gescherzt, Vieren am Rande, dass die den Reichstag stürmen wollten, und zwar heute noch.

Da waren noch viele Polizeibusse da. Später nicht mehr anscheinend, als wie von Shakespearscher Geisteshand drei Recken allein den Reichstag gegen Hunderte verteidigen mussten. Was für eine Farce.

Berlin spielt vor der ganzen Welt Schilda. Der Polizei die Lichteimer befohlen und von dieser anstandslos befolgt. 

Nein, liebe Leute, ich war da.

Oh! Gut! Ich fange gerade wieder an zu lachen!

Wie kann man nur ein solches absurdes Theaterstück aufführen, wenn es um die Geschicke der ganzen Welt geht?

Was sind das für Gagapiloten?

Wollen die mir wirklich erzählen, dass sie ganz, ganz, aber auch völlig ahnungslos so granatenstrunzdumm pflichtvergessen waren, dass ich ihnen, § „ditt is Berlin“, ja dessenthalben auch nicht gram sein dürfe?

Solches Stück ward auf aller Welt Bühne gestellt. Eine bemerkenswerte Uraufführung mit Weltpolizeiblödhauptstadt Berlin und anderen illustren Beteiligten.

Es komme mir da auch keiner mit Schwarmblödheit.

Ich halte beim Menschen zwar die Schwarmblödheit für weitaus nachgewiesener als die Schwarmintelligenz, halte hier aber doch dafür, so sortiert, wie ich die Polizisten überall sah, dass die nichts von einem irren Mob hatten, ja sonst auch immer sehr gut und im einzelnen freundlich und bedacht, eben hintergangen waren, unter Befehlen.

Ich sprach mit vielen anständigen, gutwilligen Polizisten, wir scherzten auch, das waren keine Schwarmseppel.

Bliebe nur noch, dass ein zumindest da und zu diesem Zeitpunkt übermächtiger Gott all diese Merkwürdigkeiten, dem menschlichen Geiste eben nicht leicht, außer durch zwei Milliarden Jahre Glauben vielleicht etwas mehr zum zugänglichen Zeige seiner weisen Macht erhoben, die Reichstagssause so eingerichtet hätte.

Vielleicht war das so. Immerhin spricht dafür mehr als für die These von der Schwarmblödheit der Berliner Polizei.

Was für eine Halbsäuhuberei. 


Liebe „Dienste!“

Wir kennen uns schon viele Jahre, und nun weiß ich nicht mehr, beim besten Willen nicht, wie ich Euch zu der Berlinsause noch einen guten Rat geben soll, außer jenem, auf den Ihr wohl schon selbst gekommen, sich da irgendwie ahnungslos bis irgendwas und sonstwie zu halten. Möglichst unbeteiligt. Keine Ahnung davon, dass derlei Schwachsinn inszeniert werden könnte.

Immerhin, liebe Leute, involviert das auch die Bundespolizei, den Staatsschutz, die Landeskriminalämter und andere Behörden,  allzumal die´verarschte Berliner Polizei.

Viel Spaß damit intern. Ich weiß nicht, wer das wie abgezogen hat. An Eurer Stelle wüsste ich es mit Sicherheit. Und da Ihr nicht alle in jeder Hinsicht dümmer seid als ich, den ganzen Tag auf derlei Dinge, mit tausend Rechnern und Beihelfern gut bezahlt angestellt, wisst Ihr das, auch wenn Ihr nicht direkt beteiligt wart.

Ich habe der Bundespolizei im Vorfeld telefonisch unter anderem dazu geraten, Beweis habe ich keinen: Ich nehme das also jederzeit zurück, ach, es war ein Traum, den Reichstag und das Kanzleramt gut zu schützen, dazu einige Knotenpunkte, alles friedlich laufen lassen, bei groben Störern gleich konsequent, und alles könne für die Polizei wie alle gut ausgehen, der Rest sei Politik. (Ein paar dieser Traumfetzen drangen mir bis ins Tagesbewusstsein.)

Nun, die traumhafte Bundespolizei, vielleicht weil ich dort Erstkunde war, erhörte mich entweder nicht, oder befand es auch nach gründlicher Prüfung meiner Eingabe nicht für notwendig, wenigstens auf zwei Handvoll mehr Polizisten vor dem Reichstag zu dringen. Oder eben sie war aus dem Rennen. Was sie natürlich nicht gemerkt hat. 

Genau so, wie Ihr jetzt alle noch gar nichts gemerkt habt.

Da diese Sache aber keineswegs nur nationale Relevanz hat, darf man, lieber BND, sachte davon ausgehen, dass selbst bei eigener blütenreiner Unschuld ein gewisses Interesse an diesen allzumerkwürdigen Vorgängen besteht.

Und, liebe Leute vom Verfuselungsschatz, dass Ihr die vor dem Reichstag nicht schon lange auf dem Schirm gehabt hättet, das erzählt einer toten Giftkröte.

Und Ihr da, vom BKA, wir kennen uns ja auch schon länger: Bestimmt wäre ich nicht mit ein paar hundert Mann vor Euer Hauptquartier zu Wiesbaden gerückt: nur einmal bat ich mit meiner Frau um Einlass, gewährt durch gut bewachte Eisentore.

DAS, liebe Leute, ist nicht zu retten.

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