Vom Fritzle und seiner Maske (II)

Das Fritzle, inzwischen der Fritz, lässt nicht locker.

Ob er denn mit mir auf die Antizombiedemo am Neunundzwanzigsten zu Berlin fahren dürfe, unter meiner rein offiziellen Aufsicht und Verantwortung für An- und Abreise. Ansonsten hätte ich mich sicherlich nicht um ihn zu kümmern. Er sei dann schon wieder rechtzeitig am Bahnsteig. Er sei mit elf Jahren noch deutlich Kind, und denen geschehe selbst in Berlin und über Nacht eher nichts.

Jetzt hat er mich natürlich ziemlich am Wickel, der Racker. Er weiß genau, dass Omi die Sache freigibt, wenn ich dafür geradestehe. Wenn ich ihm erzähle, was Elfjährige allein nicht dürften, lacht er mich aus, weil er Geschichten dazu von mir schon von viel jünger her kennt, wie es selbstverständlich, dass Kinder alleine auf die Gasse dürfen, vorausgesetzt, sie finden sich zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo wieder ein.

Versuche ich dann zu sagen, heute seien die Zeiten eben anders, wird er mich ein Weichei und einen Verräter schimpfen, einen Früherwarallesbesserfeigling, der nur große Worte führt, aber genau da keinen Arsch, wenn überhaupt je einen, in der Hose hat, wo er selber behauptet, dass es jetzt zähle.

Ich werde ihn also mitnehmen, aber auch einen verträglichen Weg für die Sache finden müssen.

Was es außer meiner generellen Verantwortung in einer möglicherweise unabsehbaren Menschenmenge noch schwieriger macht, ist der vermutliche Unterhang an etwas älteren Jügendlichen, die ihm als Reibefläche dienen könnten, mich etwas zu entlasten: mit etwas Glück beißt sich Fritz in einigermaßen überschaubarer Nähe jeweils für eine Weile fest, und ich treffe hinreichend interessante Leute, dass er mir nicht wegstromert, und endlich merkt er, dass die coolsten Typen genau um den Magnus herum abhängen, oder auch der bei denen, egal, dazu noch, dass der Magnus selbst noch und auch unalkoholische Getränke klug vorgehalten, und am Schluss war es ein schönes Fest.

Soweit das Wunschdenken.

Ich habe keine Ahnung, was Fritz in Berlin vorhat. Er sieht nicht ohne Grund gewisse, möglicherweise spontan entstehende Chancen, selbstverständlich traue ich ihm zu, ein Interview zu geben, dass die Heide wackelt. Spektakel, das mag er. Possen und Streiche.

Ich schätze, er bereitet sich jetzt schon, indem ich noch nicht zugesagt habe, wissend, dass mir nichts anderes übrigbleibt, auf seine Möglichkeiten vor, überlegt genau, wie er mich einerseits bei Laune halten, andererseits aber ausfuchsen will.

Da nun aber glücklicherweise noch eine Woche bis Berlin, Fritz genausogut weiß wie ich, wie blöd es wäre, ginge es von unserer Seite her fahrlässig oder gar grob fahrlässig dumm aus, sehe ich unserer gemeinsamen Fahrt zum Freiheitsfest mit Freude entgegen.

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