Hans wird Hirt

Es kam zum Machhubab, dem großen Weisen aus dem Morgenlande, da ihn der Nürnberger Rat geladen, der Knecht Hans aus Feucht und frug ihn:

„Herr, warum geben die Hirten immer so wenige Böcke auf die Herden?“

„Das ist so, weil Gott für die Menschen viel Fleisch und viel Milch will.“

Hans rieb sich versonnen die Nase.

„Danke Meister. Jetzt weiß ich, warum die Gertrude mich nicht will. Ich bringe ja kaum einen Kuhhuf in die Graupensuppe.“

„Sohn, werde Hirt.“

Hans zog seine Filzkappe ab, verbeugte sich vor dem großen Machhubab dreimal, und man sagt, er sei danach die ganze Nacht durch Nürnberg getanzt, immerzu rufend: „Ich werde Hirt!“

Hans ward natürlich kein Hirt. Der Radau, den er zu Nürnberg gemacht hatte, drang aber schon anderntags bis nach Feucht. Gertrude wusste gar nicht mehr, wann sie blass werden oder erröten sollte.

Und da geschah das Wunder.

Der Nürnberger Rat war besorgt, dass Hansens Irrsinn auf den Gast und damit den Rat selbst zurückschlüge.

Also gab der Rat zu Hansens und Gertrudens Hochzeit eine Ochsenhälfte. 

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