Willi in Weibsnot

„Adam heißt jetzt Adumm, Evina hat nicht mehr Apfel noch Loch.“

Das ließ mein berlinisch gerader Freund Willi vorhin zur Genderlage am Fon los.

Ich wies ihn denn auf all die zauberhaft schönen, vermutlich eher mannswilligen Frauen hin, derer ich selbst hier, wenn ich es in die Kleinstadt schaffe, immer wieder gewahre, ich sei vermutlich noch immer nicht der einzige Mann ohne vierzig Kilo Bauch, der da freudig hinschaue, selbst Jüngere als ich täten das wohl ebenso.

„Aus dir altem, abgehalfterten Schimmelhuber, der schon auf die Sechzig zugeht, mögen diese Evinen sich gerne einen Spaß machen, für dich wackeln sie vielleicht nochmal extra mit allem, was irgend an ihnen dran, denkste awer eene von denen wäre bei mir wat? – Und die bei mir mit meinen Zweiunddreißig noch wackeln, oder doch nochmal, das sind Psychologiestudentinnen auf Chaotensuche, wobei ich denen noch nicht einmal gestört genug bin.“

Willi ist ein tüchtiger selbständiger Handwerker (mit prima Abi) und findet selbst unter den Bedingungen der Coraonaknute noch durchaus ein hinreichendes eigenes Einkommen. Deshalb frägt er sich natürlich umso mehr, weshalb es jetzt lediglich Studentinnen aus ihm nicht als überhaupt von seinem Steuergeld zu fördernden Studiengängen sind, die sich anbieten, und keine, die etwa Vernünftiges studierte, will ihm näherkommen je.

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Zu Zeiten war jeder tüchtige Mann zu Berlin umlagert von schönen und eifrigen Frauen. Das gab es auch zu Leipzig, die Sächsinnen sind eben helle, selbst im bräsigen München schwollen gelegentlich Dirndln an.

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Wie nun sollte ich Willi aufmuntern?

Ich versuchte es also: „Willi, derzeit gibt es unzählige arbeitslose Fitnesstrainerinnen und Privatdozentinnen, die wirklich was gelernt und können und das auch gezeigt haben: Irgendwann wird irgendwer die sogar wieder brauchen, wieso schaust du dich nicht besser da, oder auf ähnlichen Revieren, mal um?“

„Magnus, du bist ein Arschloch.“

„Hey, Willi, jetzt aber mal halblang. Es gibt auch ehemalige Flugbegleiterinnen und Zoofrauen und Disponentinnen, Verkäuferinnen und Messeagentinnen, noch mehr Eventmanagerinnen auf Arbeitsuche, dass du jetzt endlich der Überhahn im ganzen Korb, versteckst du dich nicht feige vor aller losen Schönheit, in deinem Alter schon vor großer Romantik, deiner eigenen Wildheit, indem du endlich die Alte aufgabeln kannst, mehr Wahl denn je, die dir gesunde Kinder gebären und auch noch mit dir großziehen möchte.“

Willi ward erstmal etwas ruhiger. Er brummte zwar etwas von wegen meiner ruchlosen altklugen Frechheit, kam aber zunächst insgesamt runter. Doch dann:

„Magnus, du bist eine arge Arschgeige. Ausgerechnet du willst mich zum Glauben bringen. Und dann auch noch an das Weib, irgendein Weib. Irgendein loses Halbhurenweib. Hauptsache es hat sich nicht vorsätzlich nur dummstudiert, es genügt dir offenkundig für deinen Freund eine, die wenigstens mal adrett irgendwo herumgestanden hat und schleimigen Vertretern zwecks Marketing ihren Arsch hingestreckt. Bald wirst du mir arbeitslose Journalistinnen empfehlen, da ich da ja immerhin vermuten könnte, die Tante habe ein Buch mehr gelesen als ich, die wisse wenigstens, Magnus Nachteule, wann es Tag?“

Ich gab vor, mir Weinnachschubs holen und eine gewisse Bedürfnispause einlegen zu müssen, beides war nicht ganz erlogen, und dabei ward mir klar, dass Willi jetzt ein Brett brauchte.

„Willi, du hörst nicht recht. Ich weise dich auf lauter naheliegende, weit offenstehende Angebote hin, die statistisch mengenweis unabweisbar, und du lässt mich runter, wie als ob ich vor deiner Schildkröte, und du hast nicht einmal eine, in einem Meter Entfernung mit dem Nagel meines linken kleinen Fingers vor ihr dir den Sand leicht zerkratzt hätte. Stehst du etwa auf schwangere Soldatinnen? Soll ich dir gar die Politikerinnen nennen, die schneller über dich kommen könnten, als du je im Dunkelsten auch nur angeträumt?“

Was Willi mir darauf entgegnete, kann ich hier nicht wiedergeben. Es war, gelinde gesagt, recht grob.

Kein freundschaftliches Band aber ward gekappt.

Er werde über alles nochmal nachdenken meinte endlich Willi.

 

 

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