Ich ketzere, du ketzerst…

Zu der guten alten Zeit, da man sich es noch leisten konnte, Silben zu sparen, nannte man Verschwörungstheoretiker einfach Ketzer.

Das waren schlicht Leute, die bis ins fünfzehnte und sechzehnte und siebenzehnte Jahrhundert nach dem Weltenerlöser nicht vergessen hatten, was schon die alten Griechen und Römer und Germanen wussten, nämlich, dass die Erde ungefähr so flach wie eine ziemlich kugelförmige Kartoffel, alswelche sich um die Sonne dreht.

Heute ist die Sache fast noch schwachsinniger. Je mehr Leuten klar, dass es zu 9/11 nicht so war, wie es gewesen sei, ebenso, je mehr Leute den Klimalug erkennen, sind sie mit ihren „Verschwörungstheorien“ nicht besser, nein, erst recht umso schlechter dran. Lustigerweise nennt man sie, wenn man sie gerade lächerlich machen will, gerne in einem Atemzuge mit „Flacherdlern“.

Und redet nun jemand sachlich zutreffend von fortlaufender und weiterhin geplanter „Umvolkung“, so überschlagen sich die Stimmen der Antiverschörungstheoretiker geradezu ob dieser arglistigen, perfiden, hinterhältigen, rechtsextremen Wortwahl. Umvolkung findet nicht statt. Ebenso wie Zensur.

Ketzer ist heute jeder, der nur die Augen und Ohren aufmacht und ein bisschen selber darüber nachdenkt, was er sieht und hört. Ketzer ist, wer sich ob einer Seuche, die es wie behauptet nie gab, nicht ruinieren lassen wollte, sich seine Rechte entziehen und auch noch maskenvergiften. Ketzer ist, wer Black Lives Matter nicht ganz hasenrein findet. Ketzer ist, wer gegen jede Impfpflicht ist. Ketzer ist schon, wer überhaupt impfkritisch ist. Ketzer ist, wer Bill Gates und der WHO nicht traut. Ketzer ist, wer Trump nicht durch und durch hasst und obendrein zutiefst verachtet, mindestens gleichauf mit Putin.

Es wimmelt also nur so vor Ketzern. Überall irre, gefährliche Ketzer. Das ganze Netz ist voller Ketzerei. Den Stress hatte die Kirche so nie, dass sie überall herumsperren und löschen und den Nachrichten hinterhertorkeln musste alswie heute Google & Cie. Auch können Folterungen und Todesstrafen nicht mehr so einfach zur allgemeinen öffentlichen Abschreckung beliebig vollzogen werden, nur noch hinter den Kulissen, nur für Eingeweihte kenntlich, was den Abschreckungseffekt gegenüber den Ketzern erheblich mindert, nicht einmal für vogelfrei kann man sie erklären.

Was sich zwischen den Ketzern von damals und uns von heute nicht unterscheidet, ist die Forderung nach freier Rede für jedermann.

Will ich etwa jemandem seinen Glauben an die Flacherde oder 9/11 oder die außerirdischen Asseln in seinem Stammhirn verbieten? – Solange der mit der Flacherde mir nicht und anderen nicht mit der Flachschaufel auf den Rüsel haut, der mit 9/11 mich und andere nicht mobbt und ob allerlei erfundener Sachen verzeigt, der mit den Asseln bei mir oder anderen Leuten nicht echte in Küche und Keller aussetzt, können die erzählen, was sie wollen.

Ich habe extra nachgeschlagen. Grimms Wörterbuch kennt das Verbum „ketzern“ nicht. Nur „Ketzerei“ und allerlei Zusammensetzungen mit „Ketzer“.

Ich setze also an: Ich ketzere – du ketzerst – er, sie, es ketzert – wir ketzern – ihr ketzert – sie ketzern

 

 

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