Vom „Getriggertsein“

Ich will hier nochmal auf ein englisches Modewort eingehen, das inzwischen auch tief in den deutschen Sprachraum eingedrungen ist.

Es geht ums „Triggern“, genauer ums „getriggert werden“.

Nun hat wohl jeder gewisse empfindliche Punkte, vielleicht ob seiner gesundheitlichen Lage oder ob ungünstiger gemachter Erfahrungen. Die können von anderen natürlich gezielt angesteuert werden, früher nannte man das „auf einen wunden Punkt zielen“, „bei jemandem auf seinen Knopf drücken“ undsoweiter.

Die altbekannte Sache hat sich meines Erachtens aber etwas verschoben. Denn jetzt wirkt das mit dem „Trigger“ immer mehr so, wie als ob man sich nicht wehren könne, der Schuss sich lösen müsse, ob man wolle oder nicht, egal wie sehr man den Mechanismus schon kennt und sich demgemäß (wie in den guten alten, tapferen Zeiten) dawider zu wehren gelernt.

Noch mehr behaupteter hilfloser, ja geradezu willfähriger Opferstatus, darauf will ich hinaus.

Ich weiß nicht, ob Frauen dieses Konzept wirklich lieber annehmen als Männer (die sich vielleicht nur nicht die Blöße geben wollen, es zuzugeben), aber ich vermute es doch stark, denn dass die Frau praktisch immer Opfer sei, selbst anderer Weiber (ganz gelegentlich oder auch öfter auch), ist inzwischen ja ein Narratief, das vielerorts fast schon ein Dogma.

Das Vorgeben eines „Getriggertseins“ hat den guten Nutzen, dass die ganze Schuld für eine darauffolgende irrationale Handlung, übertriebene Reaktion, bis hin zum Übelsten, allein oder weitestgehend dem anderen ursächlich angerechnet werden kann, selbst wenn der das nicht einmal absichtlich ansetzte, man sich darob seiner Verantwortung bestmöglich entziehen, auch jeden Schwindel damit treiben.

So wird die vorgebliche oder tatsächliche eigene Schwäche dann selbst, bewusst oder unbewusst, zur Waffe gegen andere umfunktioniert. „Damit hat er mich getriggert, dies Schwein.“

Dass man/frau dafür einen Fremdwortbegriff begierig aufnimmt, ist bezeichnend. Das macht die Sache umso monströser, bedrohlicher, im gewünschten Sinne unverständlicher, weniger hinterfragbar. Man musste ja schießen, denn es wurde einem der Revolver einfach getriggert.

Es ist in gewissem Sinne ähnlich wie bei „Gender“. Da es das Genderkonzept so im Deutschen zurecht nicht gibt, indem es einfach Unfug, konnte es hier nur über das Fremdwort eingeführt und zur Waffe geschmiedet werden (die SchmiedInnen sind zwar sprachwissenschaftlich gesehen StümperInnen, aber sie genießen mächtige Unterstützung, denen fließt Milch und Honig und zumal Geld en masse zu).

Hier muss ich dann auch betonen (leicht getriggert?), dass ich gar nichts gegen Fremdwörter wie „Cappuccino“, „Espresso“, „Büro“, noch älter „Keller“ oder auch „Fenster“ habe, nichts gegen „Philosophie“, ja auch „Philologie“ oder gar „Universität“.

Ich denke, man kann verstehen, worauf ich hinauswollte. Leute, die ich jetzt getriggert habe, bitte ich schon vorsorglich um Verzeihung, um Gnade, vielleicht gar Besinnung.

 

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