Überlebt, vom Rotzlappen, vom Streit um den Aluhelm

Ich denke, ich bin Coronaüberlebender, also vermutlich immun gegen das Originalviech, denn ich hatte Ende Jänner oder Anfang Feber eine ungewöhnlich schwitzige Nacht. Von der Art, dass man unter besonders wirren und auch unschönen Träumen je nur halbstundenweis schläft, zeitweise vor sich hin dämmert, streckt man irgendwas zur Kühlung aus der Decke, wird es viel zu schnell zu kalt.

Vielleicht war es auch was anderes als die Zombieapokalypse, einfach Dichterweltschmerz, der in mir viral ging, zumal gebeut es mir mein Stolz, indem ich höre, dass Gesunde meist gar nichts merken außer einem kurzen Niesen, nicht daran zu glauben, dass es dies Mikroviech gewesen sei.

Gestern hätte ich in die Hände der Zombieapokalypsenhäscher geraten können, denn ich vergaß beim Eintritt in den Lidl tatsächlich, merkte es erst nach vielleicht einer Minute, meinen Rotz- und Kotzlappen überzuziehen. Knapp dran vorbeigeschrappt. Ich hoffe (schon wieder, das wächst sich noch zur Krankheit aus), dies ist jetzt keine Selbstanzeige, der verschärft nachgegangen wird, ich war gestern gar nicht da, sucht die Leute, findet sie aus, befragt sie, habt Spaß, mir 200 Euro reinzusemmeln.

Mein Rotz- und Kotzlappen ist nicht nur ein Schmuckstück, er ist aus feinster längstgekämmter weißer Feinrippbaumwolle, erste Qualität, made in Germany, er lässt sich ohne Ohrenzwick jederzeit mühelos anlegen, er schneidet nicht ein, bequemt sich jederzeit in die rechte Vordertasche der Hose, allezeit sofort gezückt zu werden, einmal gute Handarbeit zuhause, sauber zugeschnitten, und schon können die Chinesen ihre schimmelige Billigware behalten.

Jetzt sah ich im Netz einen, der hatte einen schönen Aluhut (also mit anständigem Unterhut) auf, und der hatte nicht nur meine Pickelhaube, der hatte zwei Hörner aus Alufolie. Das lerne ich dem vielleicht noch ab.

Was auch gleich wieder anzeigt, dass ich auf den hyperpazifistischen Weg „o lass mich doch vielleicht mal was fragen, bitte“ selbst nicht einschwenken werde, ich werde weiterhin einfach so fragen und als Frage auch herumstehen und mit Leuten reden und auch mal laut lachen oder schreien. Aluhut tut gut.

Aluhut gefällt mir nicht nur besser als „Bommel“, es klingt auch besser und ist auffälliger und frecher und lässt sich jeder normale anständige Hut mühelos entsprechend aufrüsten. Ein Gummi- oder Feinrippunterhosenprotestband drumrum, damit das Alu bei Böen nicht von dannen fliegt (bei mir steht „Esul XY“ in sieben Zentimetern Höhe, Rot auf Weiß auf einem letzteren), es darf nur nicht zwischenzeitlich zu sehr zerknitscht werden, für Hutträger nichts Neues, auch für Helmträger.

Sowieso meine ich eher, dass ich da einen Aluhelm trage denn einen Aluhut. Weil, ich bin ja da ich so einen Hut aufhabe gefährlich, also ist es ein Helm.

Filz-Aluhelme gegen Polizeihelme, wie geht das aus?

Natürlich hat die Filz-Aluhelmfraktion keine Chance, und zwar weil nicht nur weil die Helme am Ende vergleichsweise wenig taugen, sondern unter denen sowieso keine Angriffsbereitschaft besteht, man behelmt sich ja nur im geistigen Sinne, wo nicht auch gegen den Regen.

Ich weiß, oder ich gehe stark davon aus, wir Aluhelmträger werden unsere Position als anerkannte Minderheit noch erstreiten müssen. Ich sah jetzt außer mir schon ein paar andere, die Bewegung wächst. Sie ist kurz davor, viral zu gehen.

Wundert Euch nicht, wenn Aluminiumfolie bald knapp wird. Deren Helme aus Polycarbonat sind besser, wenn es physisch auf die Rübe gibt, unsere Aluhelme sind symbolisch und geistig besser. Auch wenn sie selber nicht durch das Alu dem Überhaber strahlenschützend helfen, reflektieren sie doch optisch zumindest manchen Blödmann.

Vielleicht sollte ich einen Aluhelmverleihgeschäft aufmachen, immerhin habe ich einige Hüte, weiß wie es geht, viele haben keine Hüte, brauchen aber den individuellen Aluhelm für zumindest die Demo.

Am liebsten würde ich einen Aluhelm mit Gebrauchsmuster patentieren. Endlich eine Geschäftsidee, die fußen könnte, nur sagen mir meine Anwälte, das gehe in dem Chaos, bei so vielen Anmeldenden, auch großen Firmen bereits mit vollständiger Dokumentation, für mich nur noch in sinnlose Kosten.

HALmet heißt die Firma, die alles an sich gerissen hat. Fast alles. Einige Kleinhersteller, die vorher schon dawaren, dürfen gewerblich noch Aluhelme herstellen. Ich darf meinen noch tragen, für Anverwandte und nahe Freunde ausfertigen, das konnte ich noch, nicht Haus und Hof zu verlieren, als Vergleich aushandeln, Sie finden das Aluhelmangebot von HALmet im Netz.

HALmet hat es allerdings nicht geschafft, jede selbstangefertigte Hutverkleidung mit Aluminiumfolie unter sein Aluhelmherstellungspatent zu bringen, und bei den saftigen Preisen, die die Firma verlangt (ein Filzhut, der im Einkauf kaum 50 Euro kostet, wird mit Aluminium um 5 Cent überzogen, Gesamtgestehungskosten 60 Euro, verkauft wird das schon im Großhandel ab 390 Euro. Coole Socken, die von HALmet).

Deshalb gibt es jetzt die mit HALmet-Helmen und die mit selbstgemachten Helmen. Das Dumme für jene mit den HALmet-Helmen ist, dass die einfach von der Stange gekauft haben, von der Empfindlichkeit ihrer Helme gar nichts oder wenig verstehen, sie also viel schneller ganz ruinieren oder erstmal nur nicht mehr selber reparieren können als jene mit den selbstgemachten. Da hilft es nichts, dass HALmet im Netz schon Lehrvideos hochgeladen hat, wie man den „AL-Super-7000“ richtig pflegt, der namensgemäß dem Endverbraucher für 700 in der Basisvariante zu haben.

Bringt einer selber seinen Hut (auch da setzte sich HALmet nicht durch), lässt sich auf schriftlichen persönlichen Wunsch einen Aluhelm daraus machen, gibt es kein Gesetz dawider.

Also, sie oder er, er oder sie: Ein jedes kann sich einen passenden Hut suchen, ihn beim Aluhelmmacher seines Vertrauens zu einem Aluhelm machen lassen.

Ich denke, dass da schon Preise von dreißig bis fünfzig Euro für eine solide Volkshelmanfertigung realistisch werden könnten, Luxushelme mit Gold und Diamantenbesatz werden natürlich etwas höher angesetzt erst erschwinglich.

Viele Stylisten arbeiten ja jetzt schon auch für oder mit HALmet, die Firma tut inzwischen alles mögliche, ihr weitgehendes Monopol nicht so in Misskredit zu bringen, dass es zu Fall gebracht werden könnte.

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