Mit Aluhut zu Würzburg

Mein Aluhut mit Pickelhaube kam heute schon auf dem Wege vom Bahnhof zur Kundgebung für die Freiheit auf dem Würzburger Marktplatz gut an, ich sammelte auch auf mein Hemd verstärkt Blicke. Überhaupt war ich der einzige Aluhutträger, und habe ich auch in all den Videos von den Demos außer mir noch keinen gesehen.

Der Hut wurde denn auch von den anderen nach und nach sich einfindenden Einzelnen und Grüppchen durchaus goutiert, allenthalben entsponnen sich angeregte, lustige Gespräche.

Schließlich ward ein Areal von vielleicht zwanzig mal dreißig Metern mit rotweißem Kunststoffband ebenerdig abgesteckt, innerhalb dessen man offiziell Teilnehmer der Kundgebung sein durfte, aber nur 66 Menschen insgesamt, und indem ich bei der Verkündung der Bedingungen eben schon drinne stand, Bierbüchse gerade auf, wurde unter anderem ein Alkoholverbot für diesen heiligen Ort verkündet.

Ich also sofort raus, das Bier im Gespräch ausgesoffen, und ab da war ich mal drin mal draußen, denn um das ganze Gering standen dann auch noch sehr interessierte und austauschwillige Leute.

Und gab es etwas unterhalb des Eingangs zur Kirche noch einen Meditationsplatz, allwo sieben oder acht Damen mit ihren selbstgemalten Schildern, wenn die nicht gerade vom böigen Winde fortgeblasen, ruhig, stumm und mit verschlossenen Augen auf ihren Kissen und Tüchern saßen, als ich ging, ich konnte nicht bis zum Ende bleiben, war auch noch ein Mann dabei.

Im eigentlichen Kreise der Leugner und Infektionsteufel nun, da gab es auch einen deutlichen Frauenüberhang. Nicht sieben oder acht zu null oder eins, aber wohl fast zwei zu eins.

Die Polizei war mit nur drei Bussen präsent, blieb auch so. Es gab ja auch kein Gejohle, der Lauteste war wahrscheinlich mal wieder ich, als verkündet ward, das Vermummungsverbot gelte selbstverständlich weiterhin, mir ein wiehernder Lacher entfuhr, und, ja, ein Johlen, wie auch als ich einmal mit katholisch gefalteten Händen in den Himmel rief: „Hosianna. Merkel, dass du uns das gegeben hast.“

Man schimpfte durchaus auch, scherzte aber zudem in nicht geringem Maße über diese offenkundige Versammlung von Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern, ja gar Aluhutträgern, juxte über Abstandsdreicke: ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand das sich noch mit der Würzburger Polizei vorsätzlich versalzen hat oder diese es sich selber durch unsinniges Vorgehen gegen die Teilnehmer der Kundgebung.

Die Zahl von vielleicht gut hundert eindeutig Aktiven mag zunächst gering anmuten. Insgesamt ist dann aber von denen am Samstag Nachmittag der Marktplatz für einige Zeit bestimmt. Die Leute sehen, dass da, außer mir, ganz normale Leute stehen.

Meine Landsleute zu Stuttgart sollen es heute auf eine Demo von 5000 Teilnehmern gebracht haben, mal locker die Berliner abgehängt, bei denen man aber ganze Straßenzüge rund um die Volksbühne mit Gattern und Grenzen abschloss, nur nicht eine allzugroße Menge zusammenkommen zu lassen, mit abschließender Vertreibung nach einigen offenkundig der Einschüchterung dienenden willkürlichen Festnahmen.

Es waren in Würzburg Linke da, Rechte und Normale. Das war klar ersichtlich. Die eine nette Meditandin, vielleicht fünfzig, der ich bei einer Bö ihre Pappschilder rettete, derer sah ich, sie sei bestimmt nicht rechts, sie habe immer links gewählt, Sahra Wagenknecht angeführt, aber jetzt…

Einen Theatermann traf ich, der nicht weiß, ob er sein Theater jemals wieder wird aufmachen können. Der hatte sogar, irgendwo oben am Marktrand einen schönen Frankenschoppen erworben, sich das ganze Schauspiel von außen anzutun, seine Freundin oder auch Gattin drin, da dorten ja weder Glas noch Alkohol erlaubt. Sehr lustiger Geselle.

Ich bin dann auch vorhin beim Betrachten der Bilder und zumal einer Szene aus Berlin darauf gekommen, dass der beste Ruf jetzt ganz einfach „FREIHEIT!“ ist, das wurde dort anlässlich einer Festnahme gerade mal von zwanzig Leuten skandiert, ich meine im Ernst, dieser Ruf ist mindestens so viel wert wie „Wir sind das Volk!“

Es gab zu Würzburg auch allerlei Eigenwerk – besonders hervozuheben ein etwa drei Meter langes Transparent mit der Aufschrift „Freude Friede Freiheit“ (ich hoffe, ich habe die Reihenfolge richtig) – , bunt bemalte weiße Hemden ähnlich meinem, laminierte Umhänger, ein Spezialist hatte sein so gesichertes Foto von seinem realen Riesenholzrugel mit wahrlich gut einem Meter Durchmesser an einer Stahlkette um den Hals, worüber ich nochmal lachte, ihm für die Idee dankte, gleich schon auch eine Kette anzuziehen.

Zurück zu den Meditandinnen. Die saßen im Ganzen gesehen da alswie ein Monument, sie machten wirklich praktisch nie die Augen auf und bewegten sich nur in Notfällen. Beeindruckend war das. Es schien keine unter vierzig Jahren. Vielleicht hat der Spätnachzügler, der sah wie höchstens dreißig aus, am Ende noch eine Meditandin erlöst.

Dazu steht, dass alle diese merkwürdsamen Meditandinnen wenn auch ein wenig hippiemäßig aufgemacht doch sehr gepflegt waren, sehr selbstbewusst, gut anzusehen. Es war insofern auch eine, ihre, kleine Nebendemonstration für die Besinnung und auch noch die Schönheit. Meine Hochachtung gegenüber dem, was ich da heute von einigen mutigen Frauen sah.

Zählt man nun diese schon zu so wenigen so wirkmächtigen Frauen zu dem Frauenübergewicht im Zombieapokalypsenkreis hinzu, gab es heute, obzwar der Anmelder und Verkünder der Bedingungen ein junger Mann war, insgesamt ganz klar mehr Mutige und Entschlossene unter unseren Frauen. Dass vermutlich fast nur Deutsche dawaren, versteht sich von selbst.

Doch, indem ich mich gerade so in die Sache hineinschreibe, achwas, den Satz lasse ich.

Ja, eher denn mich darüber zu ärgern, dass die Männer jetzt hinter den Weibern herzulaufen haben, meinem eigenen Geschlecht ob dieses Missverhältnisses schwer hier eine einschenkend, ist es jetzt an mir, wenn es auch nur heute so in Würzburg war, die deutsche Frau hochleben zu lassen. Sitzen nur einige Tausende solcher Frauen immerzu auf den Plätzen…

Und das andere ist eben das Herumstehen und sich angeregt Unterhalten. Das sieht für die Polizei dann auch aus alswie ein Gespenst, eine derartige, scheineingezäunte Schattendemo, dazu mit zwar im Grunde wütenden, aber ansonsten freundlichen, fröhlichen Leuten.

Vielleicht gehe ich kommende Woche mit Unterkissen und Pipapo an den gebotenen Rand der Meditandinnen – ich vermute stark, dass einige wieder dasein werden, vielleicht noch mehr – und meditiere an deren Seit‘, also mit günstiger energetischer Lateralstrahlung, endlich mal unter meinem neuen Aluhut, der mir ob etwas Achtsamkeit heute nicht so davonflog wie der Meditandinnen mancher Pamphlete. Wahrscheinlich mache ich das aber nicht, denn ich denke nicht, dass es oft jemand wagen täte, ich so seltsam, mich anzusprechen, und dann nur da rumhocken, wo es gleich fünfzig Meter weiter interessante Leute für einen Plausch und Prümm gibt, das risse es auch nicht, denn ich bin ein so schwacher und ungeübter Meditant, dass ich gar noch die Felder stören könnte, in der freien Wildbahn, bei denen, die reden, dann vermutlich besser zuwerk.

Und nochmal: Ich finde das klasse, wie die das heute vor der Kirche gemacht haben. Chapeau.

Nachtrag

Eben habe ich in dieser gestrigen Videoliveschalte des Digitalen Chronisten aus diversen deutschen Städten herumgestochert und auf der Demo in Stuttgart doch tatsächlich einer wackeren Mutter zweier Kinder mit magnusartig pickelhaubichtem Aluhut gewahrt. Eine Schwester im Geiste zur gleichen Zeit wie ich in meiner geliebten Studienstadt Würzburg in meiner geliebten Heimatstadt. Wenn das kein Zeichen ist. (Interview ab etwa 1.06)

In Berlin kommt es ab 2.49 unter heftigem Volkszorn – lautem „Schämt euch!“ und „Freiheit!“ – zu deftigen Festnahmeszenen, zeitweise droht die Sache weiter zu eskalieren. Die Polizei bekommt verbal mächtig eins auf die Ohren, zumal auch von einer blonden Germanin, mit einer Verve, dass man im Schwäbischen von einer Schwertgosch spräche. Etwa 3.02 wird die Volksheldin dann von acht  PolizistInnen, behelmt in voller schwarzer Kampfmontur, abgeführt.

Nachtrag II

Eben sehe ich diese deftige Direktschalte vom DC, da finden sich noch saftige Szenen aus Dortmund (krass!) und Pirna (krass!) und weitere aus Berlin, wo einzelne Frauen, junge wie ältere, brutal herausgegriffen und misshandelt werden. Zumindest eine Sadistin scheint dann immer dabei zu sein, indem drei oder vier Männer die Dame entsprechend hernehmen.

Bisher 5 Kommentare

5 Antworten auf „Mit Aluhut zu Würzburg“

  1. Neues von Oliver Janich – das Video ist stark gefährdet schnell gelöscht zu werden.

    „Die Biowaffe ist die Impfung, nicht der Coronavirus! 2.Teil von Am 14.5. wird die Diktatur errichtet“

    Es geht jetzt wohl wirklich ans Eingemachte.

    1. @ Kein Name

      Man findet es noch direkt bei Janich, ich schaue mir das gerade an. Dass die Impfung die eigentliche Biowaffe sein könnte, denke ich schon seit einiger Zeit.
      LG

  2. zu 2:49 im Video:

    Widerliche, abartige Pseudo-Menschen – die bezahlen WIR auch noch, damit sie uns quälen. Solcherartige sollten einfach identifiziert werden und dann im Rahmen eines WIRLICHEN GE-RECHTIGKEITSSTAATES zur Verantwortung gezogen werden, wie sich das in einer WIRklichen DEMOkratie gehört.
    Diese Abartigen haben doch wohl auf die das Grundgesetzes und der Verteidigung desselben geschworen …

    Stefan Ehrl

    1. @ Stefan Ehrl

      In diesem Sinne habe ich die beiden neuen Artikel „Vom wirksamen Widerstande gegen die Coronadiktatur“ verfasst. Mindestens bei derlei Polizeiübergriffen sollte das freundliche Lächeln aufhören, das wütende Keifen und Brüllen und Fluchen beginnen. Ja, die still Meditierenden wird man vielleicht als letzte wegschleifen. Obwohl, einen jungen Mann, der nur still dasaß, den erwischte es auch, wohl weil er so auffällig drapiert war. Ich bin morgen wieder mit erweiterter Ausrüstung in Würzburg. Mal sehen, was in Berlin und anderwo abgeht, allzumal in Stuttgart, wo es zur ersten echten Großdemo kommen könnte (wenn man die 5000+ von letzter Woche noch nicht als eine solche gelten lässt).

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