Die Einebillioneurofrage: Wer ist schlimmer noch als ein „Verschwörungstheoretiker“?

Da inzwischen jeder, der nur ein bisschen selber denken und rechnen kann und von diesen Fähigkeiten Gebrauch macht, als „Verschwörungstheoretiker“ gilt, hat sich das Schimpf- und Schandwort schon so bedrohlich abgenutzt, dass es wenigstens einer Ergänzung, Verschärfung, Steigerung bedarf, ja eines Wortes („alles Nazis“ zieht die Wurst auch nicht mehr vom Teller), das endlich wieder massenpsychologisch zieht, panik- und paranoiatauglich ist, die damit Bezeichneten stigmatisiert, wie es sich in einem freien Land gehört.

Naheliegend wäre nun, das Eigenschaftswort „verschwörungstheoretisch“ zu steigern, also etwa „immer verschwörungstheoretischer“ oder dann „verschwörungstheoretischst“.

Das mag indes nur zur Beihilfe taugen, da das Hauptwort „Verschwörungstheoretiker“, das ja vor allem zu steigern wäre, sich im Deutschen leider nicht verständlich steigern lässt.

Wer nun (wenn das mit dem „Nazi“ nicht oder nur schwerlich angewandt werden kann) könnte noch schlimmer, noch irrer und gemeingefährlicher sein als ein „Verschwörungstheoretiker“, indem „Coronaleugner“, „Faktenleugner“ „Wasweißichwasleugner“ ja auch schon ziemlich verbraucht, zumal kaum stärker, vielleicht gar in manchen Ohren schwächer als „Verschwörungstheoretiker“?

Mal sehen, ob ich die Einebillioneurofrage beantworten kann.

„Geistmörder“? – Das wäre immerhin extrem stigmatisierend und zudem aufmerksamkeitsstark, erfüllte also das Alpha- wie das Betakriterium. Ob die Leute aber den Zusammenhang verstünden?

„Kinderschänder“? – Das erfüllte ebenfalls das Alpha- wie Betakriterium natürlich hervorragend, führte die Leute aber zu reichlich unerwünschten Verwechslungen.

„Sauerhirn“? – Auch wenn hier das Alphakriterium vielleicht nicht optimal erfüllt ist, das Betakriterium aber hervorragend, mag das bislang die beste Wahl sein. (Dass die weibliche Form „Sauerhirnin“ etwas verniedlichend wirkt, bereitet hier kein entscheidendes Problem, denn man kann auch von einer Frau sagen, sie sei ein „Sauerhirn“. Das hält die deutsche Sprache locker aus.)

„Halbalphabet“? – Im Sinne der beiden Erstkriterien nicht schlecht, durchaus ein Kandidat.

„Stusshuber“? – Das ist ganz nett, aber eben auch zu nett, da könnte man ja fast schon „Schwätzer“ oder „Laberbacke“ oder „Windbeutel“ nehmen.

„Zersetzer“ oder besser noch „Alleszersetzer“? – Etwas altmodisch, aber, wer weiß, zumal der „Alleszersetzer“ wurde wohl nicht einmal von den Nazis besatzt, lediglich der „Volkszersetzer“, was jetzt natürlich opti wäre, leider aber durch diese Arschlöcher unbrauchbar gemacht. Das Wort „Volk“ ist ohnehin zu verwirrend.

„Hassprediger“? – Auch der Begriff, so geil er wäre, ist leider unbrauchbar, da allzuviele Leute da an eine gewisse Fraktion von Kulturbereicherern denken, das bekommt man nicht so leicht einseitig gegen die Zielgruppe in die Zielgruppe gedreht. Ja, gelegentlich wurde er schon mit Erfolg eingesetzt, insgesamt ist es aber schwierig, ihn richtig zu kalibrieren.

Kein Wunder, dass es hier um die Einebillioneurofrage geht. Die Lösung ist äußerst verzwackt. Anstrengend ist das. Ich brauche jetzt erstmal eine Pause.

 

 

 

 

 

 

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