Coronadiktatur: Demos kommen in Bewegung

Aus Berlin findet man im Netz zumal vom Alexanderplatz gestrige Demoszenen, wo einzelne Züge der Polizei regelrecht eingekesselt sind von hunderten aufgebrachten Demonstranten. Einmal sah ich, wie sich fünf recht kernige junge Männer sehr provokativ vor den Ausgangskorridor stellten, es schien klar, dass man alle greifen müsse, es mit dem Rest zu tun bekäme, ginge man nur an einen, in zweiter Reihe waren weitere uncoronöse junge Männer zu sehen, die Überlegenheit der Gesamtmenge betrug vielleicht dreißig zu eins. Da war es kurz vor knapp, der Zug konnte schließlich abziehen.

Ich bin kein Fachmann für sone Sachen, aber ich war auf mancher Demo, als junger Mann auch in Wackersdorf, wo es schließlich nicht zimperlich zuging, ich vermutlich einigen sich anweisungsgemäß im Wald verfahren habenden Polizisten den Frack rettete, indem die, mit einer Wanne eingekesselt, selber beinahe Opfer geworden wären, durch einige Titanenschreie die schon Angreifenden stoppend.

Diese Polizeiführung jedenfalls ist aus meiner Sicht vollkommen bekloppt, die eigenen Leute in solche Lagen zu schicken, oder, Vorsicht „Verschwörungstheorie“, man will eine große Keile mit den „Verschwörungstheoretikern, Aluhutträgern, fanatischen Regierungsgegnern, Coronaleugnern und Rechtsextremen“ geradezu medienwirksam herbeiführen.

Die Leute haben die Bilder gesehen, gerade die Leute da, wie man friedliche alte Frauen und junge Frauen erbarmungslos misshandelt hat, die ganzen völlig willkürlichen Festnahmen; wenn zumal die Berliner Polizei so weitermacht, ist fast programmiert, dass es bald knallt.

Allzumal der Berliner jetzt aufgewacht ist, mit einer Menge Chaos und nicht wenig Anarchie kennt er sich zwangsläufig aus. Also dürfte das Beispiel dieses Wochenendes Schule machen, kurzerhand den Demoort zu wechseln, man geht immer dahin, wo bald am meisten los sein dürfte, wobei meist versprengte Trupps zurückbleiben, Demo ist allenthalben, die Polizei, sobald es die Bewegung mitbekommt, heizt mit allen Kärren zum neuen Hitzepunkt, schneller dazusein, als der Menschenzug, muss improvisieren, neue nordkoreanische Grenzen einrichten, indem die Masse mal von hier nach dort wabert: gestern eroberte sie trotz aller Gegenwehr, die Sperren kamen nicht schnell genug, erstmals den Alexanderplatz, an einigen anderen Orten ging es zudem ab.

Und dabei hatte man den Rosa-Luxemburg-Platz mittels hunderter Metallschranken und gestaffelter Mehrfachdurchlässe oder eher Nichtdurchlässe, also scharfen Grenzkontrollen bis in alle Seitenstraßen, abgesichert, und plötzlich waren die Leute am Alex (wohl auch am Dom und anderwo), und man schien nur noch Männeken, nicht einmal rotweißes Absperrband zur Hand zu haben.

Natürlich kriegen die Leute über Handy und Direktübertragungen alle schnell mit, wo es jetzt bald am lustigsten wird, ein paar Anheizer kommen hinzu, und die Herde setzt sich fröhlich in Bewegung. Granatenstress für die Polizei. Es könnte kommende Woche ohne weiteres sein, dass sie mit der Verlegung ihrer Kräfte noch schlechter zurande kommt, indem die Demonstranten einfach plötzlich nochmal abbiegen, weil die ja sehen, dass jetzt schon so viel Polizei am Alex, dass man die Staatsmacht schnell mal lieber woanders foppt.

An verschiedenen Stellen bot die Berliner Polizei auch Hunde auf, die waren zwar sehr laut und sehr scharf und sicherlich gut trainiert, aber nicht von einer Gewichtsklasse, die einen kräftigen Mann, der sich mit den Viechern auskennt, sonderlich erschrecken könnte. Solche packt man und bricht ihnen erstmal einen Vorderlauf oder kugelt ihn aus, wenn ihnen das nicht reicht, folgt schnell der Rest. Andere Methoden führen ebenfalls zackig zum Ziel. Nicht, dass es Hündchen gewesen wären, aber sie waren von der 25-30 Kiloklasse. Ein Rottweiler mit 50 Kilo, da habe ich Respekt.

Hier noch eine kleine Schwabenphantasie, heute Nacht beim Weine:

Ich stelle mir vor, die heute schon gut 10 000 auf dem Cannstatter Wasen setzen einfach über den Neckar und machen sich durch den dann bald beginnenden Schlosspark auf den Weg, also, dass etwa eine Stunde danach die Vorhut auf dem Stuttgarter Schlossplatz eintrifft. Blockiert die Polizei schon rechtzeitig am Neckar, gibt es noch diverse S-Bahnen und U-Bahnen, die zu stoppen wären. Es mag auch Leute mit eigenen Mobilen geben, Buslinien mögen Umwege bieten, das hat ja heute auch jeder nicht genau schon Kundige mit seinem Schmerzphon sehr schnell raus.

Kurzum, wenn sich die findigen Schwaben doch noch von den bisher zahlenmäßig ausgebooteten Berlinern etwas ablernen wollen, die ja im blanken Flachlande in der Megastadt gerade mal so von hier nach dort, eben dann den Alexanderplatz ziehen konnten, ja, es wäre verzwickter und verzwackter womöglich, und zumal bei Gelingen ein viel schöneres Bild, als am Alex je geboten werden könnte. Bildersuche hilft.

Ich drücke meinem Volksstamm, der schon von Julius Cäsar als besonders renitent gefürchtet war, aus dem fernen Unterfranken alle meine drei Daumen, also die der Hände wie jenen des Philosophen. Zehntausend auf dem Schlossplatz, bei schönstem Maienwetter, die Kinder springen schon in die Becken der beiden großen Brunnen.

Gut, jetzt mal runter vom vorschnellen Germanenpferde, man kann den Schlossplatz abriegeln, aber es sind sehr viele Zugänge (auch fahren jede Menge U-Bahnen untendurch und halten da), und überdies riegelte man damit am Samstag Nachmittag, indem endlich wieder Geschäfte offen, die Einkaufsmeile Stuttgarts, die Königstraße ab, hackte sie zuwenigst in zwei Teile.

Mit’m Rädle, auch ohne Elektrozusatz, ist man vom Wasen ratzfatz im Kern des Kessels, vielmehr Hufeisens, das die Stadtmitte umgibt, dessen beinahe niedrigsten Punkt sie bildet. Die Öffnung des Hufeisens ist jene gen Osten, zum Neckar hin, gen Cannstatt. Alles bis auf ein paar wenige Meter bis zum Schlossplatz fatzeflach, vielleicht zweigt man vor der Bahnhofsbaustelle lieber nach Norden oder Süden ab. Wozu gibt es Apps?

Ich könnte natürlich darauf wetten, dass die Stuttgarter Polizei, naja, vielleicht ein Gescheiter von denen, wofern er es nicht bis morgen von mir lernt, auf die Idee gekommen sein könnte, dass wenn die Berliner vom Rosa-Luxemburg-Platz und sonstwo sich plötzlich in Richtung Alex begeben, das Hauptziel der nächsten Woche der Schlossplatz sein werde, jedenfalls möchte.

Das Problem mit der Kontrolle ist, dass über die Hälfte der Demonstanten von der Stuttgarter, der westlichen Seite des Neckars gekommen sein dürften und ja auch wieder friedlich abziehen können sollten. Obzwar der Neckar nicht das ist wie der Rhein gegen die Sueben weiland, ergeben sich schwierige Fragen.

Den ganzen Verkehrsfluss über den Fluss da vorsorglich abbrechen, na viel Spaß dabei. – Und lässt man ihn durch, sind die Leute auf allerlei Wegen bis hin zu Absperrungen, die gar nicht schnelle genug errichtet werden können, dann nur noch um den Schlossplatz selbst, vielleicht den Karlsplatz und den Schillerplatz.

Indem je auf allen Seiten der abgesperrten Zugänge des Kern- und Prachtbereichs der Stadt wechselnde Hundertschaften der den Platz betreten Wollenden in Wehr stehen, gibt es auf einmal den Zug zurück Richtung Oper, wo da schon zu, wäre eine Bewegung westlich, die halbe Königstraße in dieser Richtung, danach langsam und bald etwas steiler ansteigend, schon nach schätzungsweise drei Kilometern die wunderschöne Karlshöhe erreichend, naheliegend und von guter symbolischer Wirkung.

Den Marktplatz noch gar nicht erwähnt habend, fällt mir gerade ein, dass man sich innenstadtnah zeitweise um einige stolze Kirchen herum versammeln könnte, achwas, zufällig zusammenfinden, tausend Leute im Leonhardsviertel, das wäre auch schon was.

Meine Vision zeigt mir, wie das bis in die Nacht geht. Von Norden her endlich rücken all die von den Clubs an der Theodor-Heuss-Straße an, die so gut wie pleite samt deren inzwischen überaus stinkigen jungen und agilen wütenden ehemaligen Gästen.

Im Leonhardsviertel und drumherum (Polizisten nennen es „in die Altstadt gehen“, wenn man sich im legalen Puffteil davon bewegt, was ich rein wegetechnisch und weil es dort gleich um die Ecke und weiter hinten raus in Richtung Charlottenplatz auch ein paar geile Kneipen sowie zumal meinen Stammjazzclub gab, einige Jahre oft tat), wird wohl nicht leicht ein Krieg von den dorten Betroffenen wider ihre Befreier anfangen.

Es ist inzwischen schon nach acht, der Kessel hält die Wärme alswie man ihn dafür herausgesucht, alles unklar, Polizei mal hier mal dort, am Ende ist die Polizei auf dem Schlossplatz und herumdrumdrum, es ist ja Samstag, bis zum Morgengrauen von feiernden und fröhlich trinkenden Bacchanten und Spottgesängen umringt, auch zarten Weisen wie klügeren und weniger klugen Reden.

Und so geschieht es auch. Die Polizei hat den Schlossplatz erfolgreich verteidigt, hat aber die ganze Zeit die ganze Nacht in ihren Scheißuniformen und unter Masken und sowieso Stress mächtig geschwitzt, während die anderen Leute im T-Hemd Bier gesoffen haben, gescherzt, auch geflucht, gesungen, schön an der frischen Luft anstatt im Stinkebus, ich sage Euch, wenn es in Stuttgart warm wird, bleibt man gerne unten, bis dass die erste Bahn fährt.

Halten bis zum Morgengrauen auch nur 1 000 Leute durch, vernünftige Leute, die sich nicht überfeiert haben, Frühsinnige auch, die versammeln sich am zeitigen Sonntag Morgen spontan vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof, um von dort aus über den Ostteil der Königstraße den direkten Zugang zum Schloßplatz noch einmal zu versuchen, wohl wissend, dass die Polizei zwar sehr ausgelaugt, aber auch über alle größeren Bewegungen jederzeit schnell im Bilde.

Genug fabuliert und geschwatzt. Selbstverständlich kann die Hufeisensenke Stuttgart nicht nur von Osten her eingenommen werden, sondern umso leichter den darumliegenden Höhen. Wer Stuttgart mal erleben will, ein paar Kilometer vom Stadtzentrum kann der Protestant sich im Sommer schon waldesrands oder waldesdreins mit seiner Poofe hinlegen, zur Pause, innert einer halben Stunde ist er wieder unten, wo es abgeht.

Vielleicht sollte ich nächsten Samstag in Stuttgart sein, war ja schon gefühlte Ewigkeiten nicht mehr da, den und jenen sehen und mehr zu erleben haben, als was sich bislang im beschaulichen Würzburg aufgebaut hat. Naja. Wenn gute Temperaturen angesagt und bis dann noch manches dazu, wird es schon fast zur Pflicht.

 

 

 

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