Vom Surrealativ (dem Surrealis)

Die letzten Wochen haben mich auf die Frage gebracht, ob unser gewohntes deutsches Verbalsystem mit Tatform und Möglichkeitsform noch hinreichend ist. Indikativ und Konjunktiv scheinen allein nicht mehr haltbar, es bedarf wohl der Einführung eines Surrealativs.

Der Surrealativ, indem er Wirklichkeit wie Möglichkeit gemeinsam transzendiert, alte Wörter und Tafeln wie „Wahrheit“ und „Lüge“ nebenbei zerbricht, längst ist er im geistigen Sinne eingeführt, aber noch nicht in das Ordungssystem unserer Sprache der Neuen Normalität.

Versuchen wir es mal mit dem einfachen Verbum „haben“, das ja als Hilfsverb allgegenwärtig, aber auch, kaum allein, „besitzen“ bedeuten kann.

Nehmen wir nun also „Er hat das gemacht“ und „Er habe das gemacht“: Daraus wird folgerichtig „Er hathabe oder er habehat das gemacht“, wobei die beiden Formen durch die Reihenfolge wie die Betonung gewisse Akzente setzen mögen.

Nehmen wir nun ein echtes Vollverb her, ein regelmäßiges, also schwaches, das wäre „sagen“.

Hier böte sich nun eine trefflich kurze Lösung an, indem man dann im Surrealativ sagt: „Er sugt.“ Alternativ natürlich: „Er habehat gesagt.“

Bei geläufigen Verben sollten ganz einfach vertauschte Vokale reichen, um auch die einfachen Formen verständlich zu erzielen. Bei den starken Verben kann man wohl auch schlicht sagen „er denkte“ (verstärkend „dunkte“ oder „donkte) statt „er dachte“, entsprechend „er lügte (verstärkend: „er logte“ oder „er lögte“), und jeder versteht den Surrealativ.

Dies ist natürlich nur ein knappes Aufbilden erster Ideen, ich freutete mich allzumal deshalb sehr über konstruktive Zuschriften zum Surrealativ, der am Ende, das mag der Gebrauch entscheiden, auch als Surrealis seinen Platz im Herzen unserer schönen deutschen Sprache finden wird.

Bisher 2 Kommentare

2 Antworten auf „Vom Surrealativ (dem Surrealis)“

  1. Sehr geehrter Herr Göller,

    ich hab´ da auch mal ´was Sprachliches, ´was aus meiner Sicht möglicherweise auch dem „Neuen Wahnsinn“ zu subsumieren wärte, ganz wie es beliebt:
    Man sollte eher von Verschwörern reden als von Verschwörungstheoretikern.
    Verschwörer: die Söders (an erster Stelle, da ich in Bayern wohne), Merkels, Spahns dieses Landes.
    Ich denke, das ist hinreichend um den Typus zu beschreiben.
    Typus Mensch habe ich bewusst und in voller Absicht NICHT geschrieben.

    Zeit für DENK-Zeit !

    In diesem Sinne

    Selber-Denker Stefan Ehrl

    1. @ Stefan Ehrl

      Das mit der vorsätzlichen wie auch schon bis in Automatismen vorangebrachten Terminologieverwirrung zum Thema „Verschwörungstheoretiker“ habe ich wie Sie schon angedeutet, es bedarf dafür noch einer einfach geschriebenen, griffigen, konzisen, aber doch alle wesentlichen Gesichtpunkte aufgreifenden Abhandlung, die mit Zitaten und Beispielen zumundest auch aus dem Englischen belegt, dass stimmt, was gesagt. Es gibt zwar im weitesten Sinne schon eine Menge Literatur dazu, doch hat sich im Sprachgebrauch in den letzten Jahren und ganz aktuell nochmal einiges getan, allzumal die Sache jetzt fast zwingend auch angesichts des Begriffes „Leugner“ zu betrachten ist.

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