Schmerzphon & Cie: Gegen die Zeiträuber

Nie hatte ich so sehr das Gefühl, dass wir im Wortsinne Zeit gewinnen müssten.

Zurückgewinnen und hinausgewinnen.

Zeit für unsere eigene Vergangenheit, auch für viel weitere Rückschau, auf unsere Ahnen, auf die Menschheitsgeschichte. Auf uns selbst, auf uns jetzt.

Stets diente, wenn der Mensch auch damit Fehler aller Art beging, die Technik unterm Strich dem Menschen. Hier ist jetzt ein großes Fragezeichen zu setzen.

Unabhängig davon, ob man an Künstliche Intelligenz glaubt oder nicht, an schädliche, gar manipulative Handystrahlung, ich meine, wir wurden in einer Geschwindigkeit vom unmittelbaren echten Wahrnehmen entkoppelt, die sichtbar den meisten nicht guttut, sie entwurzelt und damit unglücklich und zum Spielball macht.

Wer schaut in der Stadtbahn noch einen anderen an, beginnt ein Gespräch, einfach so, indem jeder, niemanden mehr ernstlich gewahrend, auf sein Handy glotzt, alswie da Gott selbst vom Himmel herabriefe?

Sollte ich wieder eine Schule betreiben, auch nur privat unterrichten, so wird eine Handyabgabe vor Beginn jeder Stunde zwingend. Es reicht. Keine Aufmerksamkeitsspanne mehr, drei mal acht wird sechsundzwanzig, und wenn das nicht passt, da frage ich Alexa, die auch weiß, wie viele nicht mehr an mir vorhandene Eier in meinem 5G-Coolcrank sind.

So wird der Mensch zu einer hilflosen Amöbe im Datenbrei. Wozu noch aus dem Fenster schauen, ob die Sonne scheint oder es regnet? Das Schmerzphon weiß es besser.

Ich setze inzwischen den Fall, dass die Schmerzphonsucht für junge Leute schlimmer ist als Kiffen und Saufen. Nur wenige junge Leute nämlich sind immerzu bekifft oder besoffen.

Es wird sich auch das, sollten die feuchten Phantasien eines Elon Musk und anderer Transhumanisten nicht Wirklichkeit werden, irgendwann richten.

Ich indes will, dass es sich so bald als möglich richtet.

 

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