Göttin Melissa streckt sich mir willig entgegen

Dachte, in meiner Traubenteevertrantheit, erst nur wieder an die frühen zarten Nesselblättchen, doch siehe da, ich, wohl irgendwie verwahnt, nämlich nicht daran denkend, gewahrte Dich wieder im Sonneneck meines Hofes: Ja, da herrschet nicht die derbzarte Nesseline, völlig ohne mein Zutun, ein Einsäen, Ansiedeln oder sonstenwas, sondern Du herrschest, Meine Heilige Melissa!

Keine Ahnung, wie Du da hinfandest, warst schon letztes und vorletztes Jahr als mein Segen da, weshalb Du mich je oder schon lange auch zu lieben scheinst, oder wenigstens meinen Hof, allzumal wie Du die oft erbarmungslose Nesselina an dem Eck inzwischen per göttlicher eigener Wuchskräftigkeit auszustechen wusstest.

Obzwar ich bekanntlich eher dem Trauben- und dem Gerstenhopfentee zugeneigt, hier nahm ich eben einen Frühkuss an Deinem überreichen Busen.

Ich bin guter Dinge, dass etwaige Liebesdiebe zu dumm sind, da zu sehen, was sie stehlen könnten, muss mich also nächtens nicht zu Deiner Schutzwache auf den Hof legen.

Oh meine Heilige Melissa, ich danke Dir von Herzen! Mögest du mir alle meine weiteren Jahre gewogen bleiben, bis dass ich zu Dir aufsteigen darf!

Verbiete mir nur den Traubentee nicht, darum bitte ich Dich inbrünstig. Ich möchte desfalls Radies dahinpflanzen, wo Du mich jetzo so großzügig freiwillig beglückest!

Doch was bin ich für ein Wicht, einer Göttin wie Dir, die sich überallhin begibt, wo es ihr gefällt, so eitel zu drohen. Ich bin eben ein tumber Tor. Da es nun aber schon gesagt, der freche Frevel ausgesprochen, will ich ihn nicht noch schlimmer machen, indem ich ihn verleugne.

Oh Melissa, meine Angebetete, vergib, sei gütig selbst zu mir!

Ja, ich gebe es zu, ich mag zuweilen auch Nesselina, will aber auf ewig auch Dein vorzüglicher Buhl bleiben!

Du duftest ja schon so zart, wenn ich nur versuche, mein Näschen oder gar eine Hand über Dich zu bringen! Die ganze Welt geht auf, gewahre ich nur Deiner Blätter!

Und dass Du, Göttin, als so zartes Weib da hinten am Hofeck nicht einmal meines Schutzes, meiner Fürsorge bedarfst, einfach aufsprießt alswie tausend Jungfrauen, was soll ich da noch sagen?

Niemals werde ich Radies oder gar Rote Rüben gegen Dich pflanzen.

 

 

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