Frühlingsflausen

Auf meinem Sonnenpaziergang am Bach entlang, dazwischen ein kleiner Plausch mit der Züchterin von Gänsen, Enten und Hühnern über ihren schönen Hag, habe ich mir eben den ersten Brennesseltee des Jahres aufgebrüht, ich denke, ich werde einen kleinen selbstgemachten Zitronenlikör dazu trinken, dazu laufen die Brandenburgischen Konzerte.

Alle Dörfler, die ich sahe, die waren gelöster Stimmung, schauten nach ihren Pferden oder Gärten oder saßen einfach mit einem Bierchen in der Sonne.

Ohja, jawohl, der erste Brennesseltee des Jahres ist der leckerste. Bald gibt es Weißdornblüten und -blätter, man soll ja nicht gleich einen Herzkasper bekommen, nur, weil ein Großteil der Welt derart spinnt, dass einem das zwangsläufig etwas aufs Gemüt schlägt.

Meine Hagebutten habe ich dies Jahr erst Ende Jänner gesammelt, die meisten waren schon abgefallen, es war selbst in diesem sehr milden Winter nun höchste Zeit: dafür bekam ich aber vollreife weiche Früchte, die sich trefflich zum Likör hin ausziehen ließen.

Die Schlehen habe ich heuer leider verpennt, ich war zu faul, zu spät. Und Mangos fand ich dann auch keine, sosehr ich auch danach suchte. Die Erderwärmung ist auch nicht mehr, was sie einmal war.

Wenn ich merken sollte, dass ich doch so langsam klapprig werde, hole ich mir vielleicht doch noch irgendwann einen Hund, der mich rausscheucht. Jedenfalls wenn bis dahin kein gehsames Weib da, welches das besorgt.

Ich dachte auch schon daran, mir ein Muli anzuschaffen, Stall und Freilaufgelände habe ich ja, mit dem könnte ich zum Einkaufen in die Stadt reiten, ins Umland, in den Spessart und die Rhön. Diese Tiere sind sehr lernwillig, umgänglich, tragsam, genügsamer, trittsicherer (letztere zwei Eigenschaften kommen vom Eselsanteil) und weniger krankheitsanfällig als Pferde.

Zumal: Was braucht ein alter weißer, angrauender Heterozausel wie ich ein Pferd? Bin ich denn Don Juan?

An eine Katze dachte ich gelegentlich auch schon. Die könnte ich auch mal ein paar Tage alleine am Hof aufs Mausen lassen, müsste lediglich etwas Futter vorhalten, könnte so mal auf einen Kongress ausrücken, der schwer zu erreiten oder zu erhunden. Oder mit Mauzi der Zweiten im Körbchen an die Ostsee, wo für das liebe Tierchen wohl eher nicht das Wasser, aber immerhin der Sand für willkommene Abwechslung sorgen könnte.

Da ich aber jeden Tag damit rechne, für einige Zeit als außerordentlicher Professor für Germanistik an die Universität von Sevilla – oder an meine alte Alma Mater zu Salamanca – gerufen zu werden, lasse ich das mit den Tieren erstmal.

 

 

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