Von der Gewöhnung an Schmerzen

Ich sagte kürzlich einem meiner Meinung nach sehr guten Arzt – meinem Zahnarzt, andere brauche ich glücklicherweise fast nie, den letzten anderen vor vielleicht acht Jahren – , dass man sich durchaus zu einem gewissen Grade an Schmerzen gewöhnen könne.

Er meinte, er ist wohl noch nicht vierzig, er glaube das nicht.

Ich meinte, bei den wirklich schweren gehe es kaum, bei den leichten bis mittelschweren aber schon.

Er kennt nur mein brandvernarbtes Gesicht und hat meine linke Hand wohl auch gesehen. Von meiner rechten Schulter, besser Oberarmkapsel, die Schulter um vielleicht drei Zentimeter eingeschoben, die mir fast endgültig zerstört wurde, durch einen hinterrücksen Anschlag, der mich zum Glück nicht das Leben kostete, indem sie statt meines Kopfes mitsamt Arm das Pflaster auffing, von der Treppe hinab, die seit zwölf Jahren des beharrlichen Wiederaufbaus immer wieder weh tut, kaum je wieder an ihren angestammten Punkt kommen wird, aber wieder funktioniert, selbst am harten Bau, anfänglich kaum erträglich, Armheben erst nach drei Monaten schmerzfrei bis über Nabelhöhe, in Schüben, jetzt auch zeitweise gar nicht, erst nach Belastung, dann wieder in fiesem Ziehen, besonders, wenn ich mich daran denken lasse, weiß er noch nichts.

Ich werde ihm davon wohl auch nichts erzählen, wenn er nicht danach fragt.

Ich will ihn ja nicht erschrecken.

Ich kann mir gleichwohl vorstellen, dass er nochmal darüber nachgedacht hat, über das mit dem Gewöhnen an Schmerzen.

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