Von den Herabsetzern

Alles gute Getane zählt nichts, wo einer auf Herabsetzung aus ist: Denn es gibt immer irgendetwas, das man schon hätte tun sollen, zu nachlässig getan habe, immer noch nicht bereit sei endlich zu tun, vom Üblen, was man tatsächlich getan hat oder habe gar nicht zu reden.

Die Herabsetzer teilen sich allerdings vom Grunde her in zwei nicht immer unterschiedliche, unterscheidbare Gruppen: Die einen setzen aus einer echten Machtstellung heraus herab, um demütig und gefügig zu machen, die anderen, um durch ausgewählte Herabsetzung einen ansonsten Überlegenen wenigstens zu schwächen, wenn nicht gar in ihre Gewalt zu bringen.

Sie vermögen es dabei, eine also feine Kunstfertigkeit an den Tag zu legen, wie man sie von ihnen ansonsten gar nicht kennt: und genau das ist, worüber man sich so lange, in allzuschwacher Wehr, von ihnen herabsetzen lässt.

Sie wissen genau, wo sie anzusetzen haben. Der Redliche wird ihnen erst nur maßvoll zu widersprechen wissen, da sie ja echte Schwächen ansprechen und nutzen.

Und hat man dann eine dieser Schwächen gebessert, so hat man sie eben noch nicht hinreichend gebessert, und eben nur auf den Rat jener hin, was gleich zwei weitere Fangeisen.

Zunächst, das liegt auf der Hand, ist am wehrlosesten derjenige, der selber deren Kunst nur in Not, augenblicklichem Arg oder mal im Trunke geübt. Immer wieder geht er in die Falle.

Er rechtfertigt sich. Er erklärt, weshalb er seiner Schwäche wieder anheimfiel. Und lässt sich damit wiederum verstricken.

Und da er, noch schlimmer, seine Fehler nicht gegen die des anderen aufrechnen will, das kaum unternimmt, da die Fehler des anderen seine ja nicht ausgleichen können, geht der Redliche gegenüber dem Herabsetzer noch umso leichter unter.

Weshalb nun trennt sich der Herabgesetzte nicht einfach, wo er es könnte, von seinem Herabsetzer?

Der Herabsetzer mag eben ein Familienangehöriger sein – lassen wir reine Befehlshaber mal weg – oder ansonsten durchaus ein Freund, mit dem so viel verbindet, dass, selbst wenn die Lage erkannt, aus Verlustangst das letzte klare Wort dazu gescheut. Denn der Herabsetzer droht ja mittelbar immer mit Bruch und Liebesentzug. Das sind zwei seiner Hauptwerkzeuge.

Zurückherabsetzen hilft allenfalls mal am Punkt, ganz kurz, macht alles nur schlimmer. Der Herabsetzer wird einem das auf ewig nachtragen, als maßlos, ungerecht, erniedrigend, ehrlos, in keiner Weise vergleichbar mit seinen Herabsetzungen, die ja nie welche waren, nur Warnungen, Hinweise, Ermahnungen, Missfallen bezüglich bestimmter Handlungen oder Unterlassungen.

Und so fühlt sich der Herabsetzer dann selbst ungerecht herabgesetzt, oder er tut nur so, und nutzt genau das weiter, ohne Ende oder Gnade, packt es freudig in seinen Werkzeugkasten, noch umso besser herabsetzen zu können, da ihm ja Unbill und Ungerechtigkeit widerfahren sei.

Ich weiß immer noch kaum Mittel, außer Bruch mit ihnen, gegen die Herabsetzer.

Ab und an gelingt Überrumpelung. Schneller sein, ihre Rede klug zerreden. Manchmal auch, ein wenig aber nur, das schiebt meist lediglich auf, ihre Herabsetzungen lächelnd übergehen. Was sie allerdings nur noch arglistiger machen mag.

Oder, in Einzelfällen mag das anschlagen, aber sehr, sehr selten, die Vollansage. Jetzt langt es! Knallhart bis zum Ende durchgezogen, eindeutig, kurze Beispiele zur Sache, völlig worthart, nicht zu lang, knapp.

Mancher mag dann etwas begreifen, mit dem andern ist es dann aus.

Oder es ist nicht aus, und er überlegt sich nur neu, auf die nächsten Herabsetzungen, sobald er sie ansetzen kann.

 

 

 

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