Vom gefühlten und wirklichen Werte von Sachen

Es geht unter den Leuten ein zwar durchaus Verständliches, aber gleichzeitig Unvernünftiges.

Verständlich ist, dass einer eine gute Jacke für 300 Euro, für ihn viel Geld, lange darauf gespart, viel mehr wertschätzt, als wenn er sie, von irgendeinem vielleicht drei Tage oder gar nie getragen, für 17 Euro in einem Zweithandladen erwerben konnte. Oder ein paar gute Stiefel, ebenso.

Stolzer wird er womöglich erstmal damit einherschreiten, von daher auch besser darin aussehen. Hält sie ihn aber wirklich wärmer? Werden die Stiefel, wenn es wirklich lange zu laufen gilt, noch nach ihrem Preis gefragt?

Es ist dies eine Art eitle magische Übung, die am Ende nichts als dumm. Im Grunde ist das Narzissmus, die herstellende Industrie freut sich natürlich darüber, will es genau so.

Wie lange hält der Stolz? Wie wird auf Dauer eine Möglichstholde schauen, wird sie es, wenn ein Weib von Maß und Vernunft, höher wertschätzen, dass einer dieselben Reifen für zwanzigmal den Preis trägt? Wie lange wird man in denselben Schuhen dümmer dastehen, wird man es überhaupt, als der sich groß damit machte, sie ganz neu aus dem Laden zu holen?

Es geht jetzt nicht um Millionäre, die wohl aus Anstand den armen Leuten nichts aus dem Zweithandladen wegkaufen. Für die derlei Dinge gar keine wesentliche finanzielle Rolle spielen.

Ist mein Borsalino auf meinem Rüsel, da ich ihn statt um 250 Euro auf dem Flohmarkt glücklich für 15 gekauft habe, wirklich weniger wert? Sehe ich darunter tatsächlich dümmer aus?

Nachtrag

Ich will nun ja keine Kinder mehr machen. Träfe ich aber selbst heute noch auf eine, die wenig verdient, was mir vom Grunde her egal wäre, aber stolz ihre völlig aus dem Rahmen teuren Klamotten präsentierte, so würde ich gleich misstrauisch. Wie wird die wohl wirtschaften? An allem sparen, ich am besten noch am Wein bis hinab zum allerbilligsten Endfusel, von dem darf ich dann nur noch ein Achtel am Tag trinken, denn Wein braucht ja keiner, und sie kauft sich dann um 200 Euronen Schuhe, die drei Tage Schaulaufen halten? Hallo? Nicht mit mir.

Nachtrag II

Ich hatte einen Freund, der, als er es sich damals tatsächlich noch verwagte, ein Glas Wein zum Essen zu trinken, den untersten vom schlimmsten Abzähler der Lebensmittelindustrie, also Mark pro Liter (waren es 95 Pfennige?), sich, schaffend wie Dubbel, eine Holde hielt, deren Büstenhalter wohl 150 kosteten. Jetzt hat er eine andere. Wie die ihn versklavt, das weiß ich nicht. Ich hörte nur, sie sei selber sparsam. Außerdem trinkt er nicht mehr. Das mag die Sache zusätzlich vereinfacht haben.

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