Zügelt Euch und seid umsichtig!

Es gibt Leute, die können von Dingen erzählen, Träumen, Gesichten, Stimmen, wundersamen Erscheinungen, UFOs, Begegnungen mit Außerirdischen, Yetis, weißen Rentieren, egal was, und es mag ihnen nicht jeder glauben, sie haben aber eine Aura der Heiligen Unschuld (man könnte auch sagen Dummheit), dass sie nicht allgemein ausgelacht werden, ja Anhänger, kritiklose Gläubige darüber gewinnen.

Operieren sie im Rahmen eines bereits etablierten Glaubenssystems, haben den Priestersegen, geht das ganz einfach. Da muss ich wohl keine Beispiele nennen.

Aber auch andere, nicht direkt an ein solches System angebunden, „Medien“, „Seher“ undsoweiter, kommen damit sehr gut durch. Oft „verdienen“ sie auch gutes Geld damit.

Wiederum andere, die sollten, hatten sie irgendwelche „paranormalen“ Erlebnisse, besser gar nichts davon erzählen, eher noch nicht einmal im engsten Freundeskreis, allenfalls sehr vorsichtig tastend, und zwar selbst dann, wenn man in diesem ansonsten an alle möglichen ähnlichen Sachen von anderen, zumal aus fernen Erdteilen, glaubt.

Warum ist das so?

Bei der erstgenannten Gruppe von Leuten ist die Sache oben schon erklärt. Interessant ist die zweite. Wie auch die dritte, der man einen Gang zum Nervenarzt empfehlen wird.

Der wesentliche Unterschied, gesetzt zwischen der zweiten und der dritten, meist unbewusst und ohne Arg, besteht, so absurd das auf den ersten Blick klingen mag, in der ersichtlichen Vernünftigkeit, dem Verstand: also, dass der ansonsten als vernünftig Bekannte mit seinen Erzählungen den Kürzeren ziehen wird, man dem schon lange „Spirituellen“, ja Unsinnigen, glauben, ihn wenigstens gehen lassen.

Hauptursächlich dafür ist, dass die Leute einer Person, die ansonsten „harmlos“, da sie einer normalen rationalen Auseinandersetzung kaum standhalten kann, viel leichter einräumen, sie habe besondere Sachen gesehen oder gehört, weil man sich damit von ihr nicht besonders bedroht sieht. Man kann in seinem Wohlfühlbereich bleiben.

Ganz anders bei jenen, mit denen man schon nicht einmal gerne ein Streitgespräch auf „normaler“ Grundlage führen wollte: denen sind nicht auch noch derartige Möglichkeiten einzuräumen. Denn damit würden sie allzu mächtig.

Ferner werden diese Leute die Sache zusätzlich verkomplizieren, indem sie die merkwürdigen Dinge, die ihnen widerfuhren, selber hinterfragen: Wann? Wieso dann? Wo? Weshalb überhaupt? In welchem Zusammenhang? Warum da ich? – Und das geht nun gar nicht: Wenn schon para, dann bitte ganz und ohne Fragen.

Insofern warne ich jeden, der gut denken und reden kann und nicht gerne glaubt, genau davor, „paranormale“ Dinge anderen zu entdecken, die er sich ehrlicherweise selber noch nicht erklären kann. Denn er hat damit zu rechnen, dass ihn gerade jene, die sonsten an allerlei indianische, indische, biblische und papuanische Prophezeiungen und Heilsgeschichten und kosmisch besonders Inspirierte und Auserwählte glauben, Wunderheilungen und sonstwas, genau bei ihm kein Grüß Gott mehr kennen. Und der rationalistische Rest, der lässt zwar Moses und Mohammed undsoweiter alles durchgehen, muckt wenigstens lieber nicht sonderlich dagegen auf, kühlt sein Mütchen dann aber genau an ihm.

Und so steht der von der Dritten Art dann zwischen beiden Feuern. Die Glaubsüchtigen hat er auf der Linken, die andern auf der Rechten, hier bilden sie plötzlich eine gemeinsame Zange, haben sie nun doch endlich den ersehnten gemeinsamen Feind.

Also: Zügelt Euch und seid umsichtig, Ihr da, die Ihr verstanden habt, wovon ich eben geredet.

 

 

 

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