Eine Lanze fürs geschriebene Wort

Ich gebe unumwunden zu, dass ich zu aktuellen Themen insgesamt mehr Zeit mit Videos verbringe als mit Lesen.

Das liegt daran, dass ich einigermaßen auf der Höhe der Zeit bleiben will, Videos gelten – außer kurzen Twitter-Ranzereien – heutzutage mehr als das geschriebene Wort, zudem lesen Jüngere kaum noch, und die meisten Zeitungen sind scheiße, gute Blogs selten.

Intelligent und zumal effektiv ist das vergleichsweise nicht. Denn einen Text kann ich im Nu überfliegen und herausfinden, ob da überhaupt etwas Brauchbares vorgetragen wird, das herausfiltern, während ich bei einem Video keine Chance habe, in vergleichbarer Zeit zu erfassen, ob sich das Anschauen (Anhören) wirklich lohnt. Und so schaue ich viele Videos im Grunde auch gar nicht wirklich an, sondern lasse mich im Hintergrund, bei der Hausarbeit, ein wenig berieseln, es mag ja etwas dabeisein, was meine Aufmerksamkeit wirklich weckt, originell, anregend ist.

Seien wir ehrlich: Die meisten Videos sind sehr redundant, unnötig in die Länge gezogen, machte sich der Autor die Mühe (und könnte das dann auch), die Dinge in einem geschriebenen Text auf den Punkt zu bringen, ergäbe sich eine viel höhere Informationsdichte: so viel Gelaber wie in Videos kann man sich schriftlich kaum leisten, denn da merkt es jeder, wie wenig, spät, ungefähr auf den Punkt gekommen wird.

Von mir selber gibt es noch ein paar alte YouTube-Videos im Netz, die dauern zwischen zwei und sieben Minuten, und wenn die auch nie besonders eingeschlagen haben, meine ich doch, dass es eben sozusagen Schriftstellervideos sind, ja, es mag im Einzelfall auch etwas Kasperei dabei sein, ich sage aber nicht alles fünfmal.

Von daher werde ich im wesentlichen beim Schreiben bleiben. Das geschriebene Wort ist nachhaltiger, nicht so leicht zu zensieren oder gar zu löschen, es braucht kaum ein Tausendstel an Speicherplatz, als Ausdruck ist es selbst nach einem EMP oder nur einem gemeinen grünen Stromausfall noch da.

Allzumal schreibe ich ja nicht nur über Tagesaktuelles. Und das auch teils schon nur, um zu den Dingen, die jetzt vor sich gehen, nicht zu schweigen, andere (auch und gerade gute Videomacher) zu unterstützen, gegebenenfalls als Zeitdokumente. Natürlich geht es mir auch um die Pflege unserer Sprache.

Zudem wären meine politischen Sachen (wahrscheinlich alles, auch Didaktisches) auf YouTube inzwischen sowieso gelöscht, und überdies bin ich ein Techspast, ist es mir zu viel, jetzt auch noch bei Bitchute und Telegram und wie der ganze Rest noch heißt, irgendwie herumzueiern, meinen halben Tag mit der Betreuung unzähliger Seiten hinzubringen. In der Zeit lieber noch einmal Konfuzius und Cicero und Lichtenberg und Nietzsche gelesen.

Ja, wenn man so will, ist das eine Art Offenbarungseid dahingehend, dass mich diese Postmoderne abgehängt hat.

Was mich allerdings reizt, ins Netz zu stellen, das sind reine Audios. Man sagt mir, das sei technisch kein Problem, wofern ich nicht live sende, gäbe es nicht einmal Schwierigkeiten damit, dass ich eine Rundfunklizenz erwerben müsse (dann natürlich unter entsprechenden Auflagen), sobald ich mal mehr als drei Hanseln erreichen könnte.

Auch möglich, dass ich meine besten, nachhaltigsten Texte einmal in einem Buch zusammenfasse. Das wird viel Wühlarbeit. Wir haben aber schon Januar, es wird schon wieder mehr Licht.

 

 

 

 

 

Bisher kein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.